All In – Teil 1

Teil 1

Das „Rien ne va plus – nichts geht mehr“ des Dealers habe ich längst hinter mir. Es war ein Spiel mit dem Feuer, auf das ich mich eingelassen hatte. Vielleicht war diese Tatsache einem kleinen Teil von mir zu Beginn schon klar gewesen – hauptsächlich jedoch habe ich die Sache wohl unterschätzt. Nicht umsonst habe ich Runde für Runde mehr gegeben. Bin Runde für Runde jeden Raise mitgegangen. Was mit einem Tanz begann, endete im Glücksspiel – einem unkalkulierbaren Risiko: durchaus kann man selbst entscheiden (wie ich mich gerade an einen Ohrwurm erinnere), „when to hold them and when to fold“. Aber welche Karten man auf die Hand bekommt, liegt schon lange nicht mehr in meinem Ermessen.

Hier stehe ich nun also. Richtig gelesen. Ich stehe. Dem Teufel gegenüber, der die Jetons vor sich häuft und siegessicher grinst. „All in“, heißt es gerade, als ich meine letzte Handvoll in die Mitte des Tisches schiebe und mich erhebe, in dem Versuch die Bewegung gelassen und würdevoll wirken zu lassen.

Hier stehe ich also. Die Karten offen auf dem Tisch. Alles, was ich noch habe, im Pot.

…und warte auf den Showdown.



Er

Als Luzifer mir die Tür öffnete, war ich auf alles vorbereitet. Ich war offen für ein Gespräch, aber ja – ich hatte mir einige Gedanken gemacht. Zwar wusste ich, was ich ihm zu sagen hatte, doch ich wollte auch etwas hören und diesbezüglich war ich doch zugegeben ziemlich verunsichert. Als er vor mir stand, blieb der lange Kuss aus, mit dem unsere Treffen bisher immer begannen, allerdings fühlte es sich richtig an. Er zog mich in seinen Arm und legte seine Hand schützend auf meine Haare. Er wusste, dass wir erst reden mussten, bevor irgendetwas geschehen würde und er wusste auch, dass ich – oder wir beide – reagieren, wenn wir uns küssen. Ich war ihm dankbar. Wir standen einige Zeit in dieser Umarmung, ohne etwas zu sagen, bis er mich ganz in seine Wohnung zog, ich meine Sachen ablegte und ihm schließlich folgte.
Wir lehnten uns nebeneinander an das Ende des Bettes (ja, ich weiß – das im Bett zu besprechen, macht die Umarmung irgendwie zunichte, aber sein Wohnzimmer war mir nicht warm genug und ich hatte das Bedürfnis nach einem Platz, an dem ich mich wohl fühlte).
Wir sahen uns an und bevor einer von uns etwas sagte, zog er mich in seinen Arm. Auch das fühlte sich richtig an. Ich schloss die Augen, als ich mein Gesicht an seine Brust schmiegte.

„Wie geht’s dir?“ hörte ich ihn schließlich.

Ich zuckte mit den Schultern, ließ ihn die Bewegung mehr spüren als sehen.

„Ganz ok. Und dir?“

Er schnaubte nur.

Vielleicht kurz für’s Protokoll: ich hatte ihm am Sonntagnachmittag eine Nachricht geschrieben à la „wir müssen wirklich reden“. Er war den gesamten Sonntag nicht online gewesen, was vollkommen unüblich war. Viel zu spät für seine Verhältnisse kam eine Antwort, allerdings ignorierte er meine Nachricht, fragte stattdessen, wie es mir ging. Erst am Montagnachmittag dann schrieben wir wieder etwas mehr. Meine Vermutung den Sonntag über (ja, ich geb’s zu – es machte mich wahnsinnig) war, dass er eben das restliche Wochenende seinen Spaß mit seinem kleinen Miststück hatte. Die Wahrheit war, dass er sie früh morgens hinaus komplimentiert hatte und den Tag allein verbracht hatte, sich allerdings für 24 Stunden zurückziehen wollte, um nachzudenken.

„Ich weiß nicht, wie ich dich schützen kann“, hatte er mir irgendwann gestanden, „ich kenne das Gerede der Leute seit Jahren, mich stört das nicht mehr. Aber ich ertrag den Gedanken nicht, dass die das an dir auslassen. Dass Männer dich ungefragt anfassen wegen mir…“.

Es stimmte – das Gerede und die Kommentare der Leute waren ungewöhnlich heftig. Das lag zum einen daran, dass er der ist, der er eben ist. Und zum anderen wohl daran, dass man sich eben doch auf denselben Events, in derselben Szene herumtreibt und man sich irgendwann einfach kennt. Und mich kennen die Leute durchaus aus – das nahm ich in Kauf, als ich mich von Drogo habe einige Male vorführen lassen. Auch er ist bekannt, durch solche Dinge, auch er sorgt für Gerede und auch bei ihm wurde ich oft angesprochen – auf Events oder auch über Joy. Nicht wenige, die regelmäßig kommen, kennen mich mindestens vom Sehen und ihn kennt ohnehin jeder, vielleicht ist das nicht die beste Mischung, aber dagegen kann keiner etwas machen.

„Das am Samstag hat dich wirklich gestresst, was?“ fragte ich ihn zögernd, als mir klar wurde, dass ihn dieses Thema wirklich beschäftigte.

„Ja… Ja, du hast keine Ahnung wie sehr.“

Und dann erzählte er mir ein paar Geschichten, die ich hier nicht wiederholen kann und will. Es sind persönliche Details über ihn, von denen ich nicht das Recht habe, sie mit der Öffentlichkeit zu teilen – so gern ich würde. Nur so viel: er hat enorm üble Erfahrungen gemacht was Verleumdung angeht. In zwei wirklich krassen Fällen kam später die Wahrheit heraus, aber solche Dinge prägen und zum anderen bleiben Gerüchte in den Köpfen der Menschen eben doch oft länger erhalten als die Wahrheit. Ich habe erst an diesem Abend gemerkt, wie sehr ihn dieses Thema beschäftigt.

„Es stört mich nicht, was die Leute sagen, solange ich mir sicher sein kann“, sagte ich irgendwann, „wenn ich hinter einer Sache stehe, dann kann ich sie verteidigen. Dann stören mich solche Dinge nicht. Aber… am Samstag war das nicht der Fall.“

Er schwieg. Schließlich:

„Wir sollten über uns reden, Mäuschen. Ich hab dir einiges zu sagen und ich glaube, dir geht es ähnlich“, sagte er, schob mich ein wenig zu zurück um sich aufzusetzen und sah mich an. Ich nickte, schaute auf meine Hände.

„Lass mich raten“, sagte er schmunzelnd, „ich muss anfangen?“

Unerwartet

Er sah mich an. Aus irgendeinem Grund begann ich mich unter seinem Blick zu winden. Etwas war anders als sonst und ich wusste nicht, ob mir das gefiel. Er würde mir jetzt sagen, dass er gemerkt hat, dass ich unsere Regeln nicht so umsetzen kann, wie ich es angekündigt hatte. Dass er gemerkt hat, dass mir das näher ging als ich gesagt hatte. Dass er gemerkt hat, dass ich neue Regeln brauchte und mich dazu auffordern, ihm die Wahrheit zu sagen, damit er sich überlegen konnte, ob er seine Regeln mir zuliebe anpassen könnte. Ich wiederum – jetzt da ich vor ihm saß – hatte nur das Bedürfnis, mich von ihm ficken zu lassen und so zu tun als wäre alles halb so wild. Und ernsthaft: ich hatte mir wirklich vorgenommen, ehrlich zu sein. Aber shit, fiel mir das schwer, als ich dann wirklich vor ihm saß. Kann sein, ich hatte mir mittlerweile selbst eingestanden, das ich mehr empfand als ich geplant hatte. Es ihm zu sagen war eine völlig andere Sache. Ich hasste den Gedanken, mich so zu outen in dem Wissen, dass er so locker ist und das eigentlich so handhaben kann, wie ich es bisher von Männern immer wollte. Er hatte sicher gespürt, dass ich…

„Ich will das so nicht mehr“, unterbrach er meine Gedanken. Ich sah ihn an. Was sollte das denn jetzt heißen? Er würde das doch nicht etwa beenden wollen? Zugegeben – auch darüber hatte ich nachgedacht, aber bei dem Gedanken daran, dass er das jetzt vorschlug, wurde mich plötzlich schlecht. Nach außen blieb ich cool.

„Wieso? War doch halb so wild – ich hab einfach überreagiert, aber…“, setzte ich an, doch er unterbrach mich:

„Es geht uns doch beiden so.“

Wir schwiegen. Sahen uns an.

Wovon sprach er? Ich würde sicher nichts zugeben, bevor er nichts zugab. Ja, ich weiß, wie lächerlich und kindisch das klingt. In diesem Moment war es genau das, was ich dachte. Vermutlich meinte er ohnehin, dass wir beide eigentlich lieber mit anderen auf Events gehen wollten oder so etwas.

Ich zuckte mit den Schultern, „ich weiß nicht, was du meinst.“

Er beugte sich ein Stück zu mir und legte seine Hand an mein Gesicht. Ich seufzte leise, schloss meine Augen.

„Reagierst du immer so?“ fragte er mich leise.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, wiederholte ich heiser, wand mich. Hasste meinen verräterischen Körper, der zu zittern begann, als ich seinen Atem auf meiner Haut spürte.

„Tust du nicht? Das heißt, das hier passiert dir ständig? So wie Samstag läuft bei dir jede Party?“

Das war mein Knopf – ich öffnete die Augen und es war, als wäre ein Schalter umgelegt. Wenn er es erzwingen wollte, dass ich zugab, dass ich am Samstag eifersüchtig war, hatte er sich geschnitten. Schön, dass er das alles so locker sah. Und konnte schon sein, dass ich würde ehrlich sein müssen. Aber nicht so. Nicht über solche Spielchen. In einem rationalen Gespräch okay, aber er musste nicht meinen Körper bestechen, um mich in die Knie zu zwingen. Ich packte seine Hand und sah ihn herausfordern an.

„Nein“, sagte ich mit fester Stimme, meine Augen verengten sich zu Schlitzen, „kein verdammtes Event läuft so wie Samstag. Normalerweise demütigt mich niemand so wie du es getan hast.“

Statt die Herausforderung anzunehmen, lächelte er traurig. Seine Reaktion irritierte mich.

„Gerede hin oder her“, redete ich mich in Rage, „das würde mich nicht stören – aber das wird nicht mehr passieren. Ich werd nie wieder deine zweite Frau sein. Und ich werd mich nie wieder so demütigen lassen. Ich hab dich gehasst am Samstag. Ich hab sie gehasst“, fuhr ich ihn plötzlich an und schob nun seine Hand ganz zur Seite. „Dreißig„, äffte ich sie nach in beißendem Sarkasmus. „Warum hast du das nicht durchgezogen, hm? Ich hab dein Mitleid nicht gebraucht – du hast keine Ahnung, wozu ich fähig…“, redete ich aggressiv weiter, bis ich von einer Sekunde auf die andere keinen Ton mehr herausbrachte, weil seine Hand sich um meinen Hals geschlossen hatte und er mein Gesicht zu sich zog.

„Wir wissen beide, dass du keine dreißig Schläge wolltest, meine Liebe“, sagte er unnachgiebig und ich wusste, dass er recht hatte. Eigentlich war ich ihm dankbar gewesen. „Und was glaubst du denn, warum der Samstag so lief wie er lief, verdammt?“ fügte er hinzu, seine Stimme wurde mit jedem Wort lauter. Ich packte seine Hand und zog grob daran, sein Griff lockerte sich.

„Keine Ahnung ehrlich gesagt“, fuhr ich ihn an, „alles, was ich weiß, ist, dass alle möglichen Leute mich gefragt haben, warum ich mir das antue, deine zweite Wahl zu sein und dass ich nicht wusste, was ich darauf antworten soll, weil es sich genau danach angefühlt hat. Was glaubst du, wie sich das angefühlt hat, sie zu sehen mit dir? In ihren Metallfesseln und deinem scheiß Halsband und…“

„Nichts davon war von mir – das waren ihre eigenen Sachen. Ich habe ihr kein Halsband angelegt“, unterbrach er mich.

„Mir doch egal“, sagte ich und hörte mich dabei wohl an wie eine Zehnjährige, „ich war trotzdem zweite Wahl für dich an dem Abend. Ihr wart so offensichtlich zusammen da und ich bekomm die ganzen Meinungen ab und alles, was ich denke, ist: Ja, die haben recht. Ich mach mich zum Affen. Ich lass mich demütigen. Während er eine andere fickt. Fuck, seit wann bin ich dieses naive Ding, das auf einen Mann wie dich reinf…“

„Scheiße, was glaubst du, warum ich das gemacht hab?“ fuhr er mich plötzlich an und die Tatsache, dass er ein wenig die Fassung verlor, ließ mich perplex schweigen.

„Ich hätte den Gürtel getragen. Ich hätte sie bespielt. Ich hätte sie nicht gefickt und ich hätte den Gürtel das ganze Wochenende getragen – auch am Samstag. Und ich hätte dir den Schlüssel dazu gegeben, verdammt. Ich wäre mit dir dort gewesen, wenn du gewollt hättest und der Abend wäre vollkommen anders verlaufen.“

„Ich hätte, ich hätte…“, äffte ich ihn nach, als ich meine Stimme wieder gefunden hatte, „du hast aber nicht!“

„Stimmt – habe ich nicht. Ich hab den Gürtel abgelegt, nachdem du mir am Freitagabend geschrieben hast, dass du einen anderen vögelst.“

„Oh und nur deshalb beschließt du, dass du mich nicht mehr mit Respekt behandeln musst, oder was?“

Ohne Vorwarnung schoss seine Hand wieder an meinen Hals und zog mein Gesicht direkt vor seines. Seine Stimme wurde bedrohlich leise, als er sagte:

„Sag das nie wieder. Sag mir nie wieder, dass ich dich nicht mit Respekt behandle. Du wolltest das so. Du wolltest nicht mit mir dorthin. Du wolltest diese Regeln.“

„Richtig“, presste ich hervor, meine Hand zog an seinem Unterarm, während mein Körper ganz andere Reaktionen zeigte, „vergiss es. Ich wollte die Regeln und du hast dich ganz vorbildlich dran gehalten, Glückwunsch.“

Er schnaubte.

„Warum zur Hölle kannst du nicht ehrlich sein?“

„Ich bin ehrlich. Die Regeln sind okay. Auf Events werde ich nicht mehr deine zweite Frau sein – du kannst trotzdem machen, was du willst. Wir reden dann einfach nur“, knurrte ich.

Er schmunzelte.

„Wir reden?“ fragte er, sein Griff lockerte sich ein wenig.

„Ja. Du weißt schon. Hallo und wie geht’s und so. Wie Freunde das so machen.“

Er schwieg. Sah mich an. Zog mich noch einen Zentimeter näher zu sich, während ich versuchte, meinen Körper unter Kontrolle zu behalten.

„Freunde? Sind wir das?“ fragte er mit dunkler Stimme.

Ich zuckte mit den Schultern. Er löste seinen Griff, ließ mich frei. Ich bewegte mich nicht, verharrte direkt vor ihm. Ich hatte keine Chance gegen diese Anziehung, kämpfte gegen den Drang an ihn zu küssen.

„Ich kann das so nicht mehr. Das am Samstag funktioniert für mich nicht“, sagte ich erschöpft.

„Dann sag mir, was du willst.“

Bei dem Gedanken gelang es mir, mich ein wenig von ihm zu entfernen.

„Ich will dich nicht ändern“, sagte ich leise und senkte dabei den Blick, „ich weiß, du hast deine Regeln. Und ich hab eigentlich ähnliche. Aber damit ich diese Regeln einhalten kann, muss ich auch andere einhalten. Ich werd nicht mehr bei dir übernachten. Ich werd nicht mehr ständig mit dir schreiben und ich werd das in Zukunft so handhaben, wie ich es immer handhabe. Ich brauch Abstand – dann ist mir das auch egal, was du mit anderen machst.“

Er schwieg lange. Schließlich legte er seine Hand an mein Kinn und hob mein Gesicht.

„Was, wenn mir das nicht egal ist?“

„Was meinst du?“

„Was, wenn… es mir nicht egal ist, was du mit anderen machst?“

Was?

„Mäuschen, was glaubst du, warum ich den Gürtel ausgezogen hab, als du mir geschrieben hast? Was glaubst du, warum ich sie mitgenommen hab?“

„Weil du Bock auf sie hattest. Ist schon okay – mir ist das…“

„Kannst du mal die Schnauze halten und mir zuhören, wenn ich versuche, dir was zu sagen?“ unterbrach er mich und ich schwieg. Langsam diesmal wanderte seine Hand meinen Halsansatz abwärts, legte sich vorsichtig um meinen Hals und zog mich erneut seinem Gesicht entgegen.

„Ich hab den Gedanken gehasst, dass ein anderer dich fickt. Deshalb hab ich den Gürtel ausgezogen und das auch getan. Und du hättest nicht erleben dürfen, wie ich meinen Frust ausgelassen hab.“

Ich schwieg.

„Nur deshalb hab ich sie am Samstag mitgenommen. Ich war pissig. Auf mich selbst. Und ich wollte das in den Griff bekommen.“

Ich schwieg weiter. Nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte. Dann kam mir ein Gedanke. Mehr als ein Flüstern bekam ich nicht raus:

„Aber du hast mir viel Spaß gewünscht. Du warst so… locker.“

Er lächelte wieder traurig.

„Weil wir diese Regeln hatten. Und du die sehr, sehr deutlich gemacht hast. Du wolltest deine Freiheit. Du hast das sehr oft, sehr deutlich gesagt. Und ich war damit einverstanden, weil ich genau so ticke. Am Freitag hab ich gemerkt, dass ich mir bei dir selbst was vorspiele. Du hast keine Ahnung, was es mich gekostet hat, dir das zu schreiben.“

Ich schwieg wieder. Vollkommen irritiert und überfordert, nicht in der Lage, seine Worte zu verarbeiten.

„Mäuschen“, setzte er an.

„Ja?“

„Verstehst du, was ich dir gerade sage?“

„Ich bin nicht sicher“, flüsterte ich ehrlich.

Er schmunzelte liebevoll.

„Ich will dich“, sagte er langsam und kam mir näher. Ich schloss meine Augen.

„…nur dich.“

Und endlich küsste er mich.

Ich

Aufrichtig sein: Härter als jeder Rohstock

Innerhalb weniger Augenblicke war ich nackt und lag keuchend unter ihm. Seine Hand lag erneut an meinem Hals und diesmal drückte er zu. Ich bekam kaum Luft, was seinen Kuss noch intensiver machte. Sein andere Hand zwischen meinen Beinen zeigte uns beiden das Offensichtliche: mein Körper war süchtig nach ihm. Keine Chance, das unter Kontrolle zu halten – ich reagierte einfach und zum ersten Mal an diesem Abend ließ ich es geschehen. Gierig wanderte meine Hand zu seinem Schwanz – bis er mein Handgelenk packte und ich sein kehliges Lachen hörte.

„Ich werde dich heut nicht ficken, Mäuschen“, sagte er plötzlich und sah mich an. „Ich kenn‘ dich – du würdest aufstehen und gehen. Aber ich werde nicht zulassen, dass du das hier zu einem Fick-Date machst, weil du Schiss hast. Wir reden – solange bis du es zugibst.“

„Bis ich was zugebe?“ fragte ich keuchend.

„Das, was wir beide längst wissen.“

Ich legte meine andere Hand in seinen Nacken und zog ihn zu mir um ihn zu küssen, ich wollte nicht mehr reden. Ich brauchte seinen Schwanz. Das war mir zu viel – das alles. Die Dinge, die er gesagt hatte. Ich wollte nicht einmal anfangen darüber nachzudenken, was sie zu bedeuten hatten. Was das alles jetzt zu bedeuten hatte. Und vor allem: was ich dazu zu sagen hatte. Ich war innerlich zerrissen – einerseits hätte ich ihn am liebsten gebeten, es immer und immer wieder zu wiederholen. Andererseits spürte ich tatsächlich das Bedürfnis aufzustehen und zu gehen. Und ich wusste nicht einmal, weshalb. Ich hatte damit gerechnet und mich damit abgefunden, dass das eben seine Regeln sind und er sie nicht aufgeben würde – war ja so abgemacht. Mein Plan war, zwar ehrlich zu ihm zu sein und ihm zu sagen, dass ich solche Abende nicht mehr wollen würde. Aber ihm gleichzeitig zu sagen, dass ich diese Sache dann zurückfahren müsste, denn nur wenn ich Abstand hätte, könnte ich nach seinen Regeln spielen.

Das hier war in meinen Gedanken keine Option gewesen. Ich war hierauf nicht vorbereitet, ich hatte keinen Plan. Also ja – mir fiel genau eine Sache ein, die jetzt helfen konnte: Sex.

Er bremste mich, nahm auch mein zweites Handgelenk und hielt meine Arme schließlich über meinem Kopf fest, zwang mich damit ihn anzusehen und mich der Situation – ihm – zu stellen.

„Also?“

Ich zögerte.

„Was willst du denn jetzt hören?“

„Die Wahrheit.“

Ich zögerte wieder. Ich hatte keine Ahnung, was die Wahrheit war.
Okay, das stimmte nicht ganz. Ich mochte ihn. Ich wollte nicht die zweite Frau an seiner Seite sein – aber wenn ich die Sache zurückfahren würde, hätte ich das wieder im Griff. Ich kenne mich. Ich kann das.

„Ich hab dir schon alles gesagt, was ich zu sagen hab.“

Er hob die Brauen.

„Na, dass ich so ein Wochenende nicht nochmal will… und so.“

Ich kam mir bescheuert vor, aber es war… ich konnte nicht. Es ging einfach nicht. Ich weiß nicht einmal im Nachhinein, was daran mir so immens schwer fiel. Aber es war, als wäre es mir körperlich nicht möglich, bestimmte Dinge auszusprechen.

„Sind es sonst nicht Frauen, die immer nur reden wollen? Fick mich doch endlich“, provozierte ich ihn. Er grinste nur.

„Du bekommst meinen Schwanz heute nicht, du gierige kleine Schlampe“, sagte er. Wenigstens nannte er mich so, wir waren also auf dem richtigen Weg. Ich wand mich unter ihm, presste meine Hüfte gegen seine – er war hart. Na also. War doch alles nicht so schwer.

„Fick mich“, flüsterte ich.

„Nein“, flüsterte er zurück und… stand auf und verließ den Raum. Toll, dachte ich nur und drehte mich schwer atmend auf den Bauch, als ich hörte, dass er in die Küche ging. Wenige Augenblicke später hatte ich mich beruhigt und lag entspannt auf dem Bauch, als ich die Tür zum Schlafzimmer wieder hörte und gleich darauf spürte, wie die Matratze unter seinem Gewicht nachgab.

FATZ. Ich hörte das Geräusch seiner Gerte fast im selben Moment, in dem der Schmerz mich vollkommen überraschte. Ich schrie auf, krümmte mich und drehte mich auf den Rücken, die Beine angezogen. Shit, dieser Mann konnte dermaßen hemmungslos durchziehen…

FATZ – Seite des Oberschenkels. FATZ – nochmal. Ich knurrte und keuchte, wusste gar nicht wohin mit meinen Gliedmaßen.

„Du willst Spielchen spielen, mein kleines, gieriges Fickstück? Dann bekommst du ein Spiel“, hörte ich ihn, „Beine breit.“

„Nein“, wimmerte ich. Ich war noch nicht warm.

FATZ, shit… Ich legte mich flach auf den Rücken vor ihn.

„Beine breit, hab ich gesagt“, wiederholte er, „fünf… vier…“, begann er dann. Ich zwang meine Beine dazu, mir zu gehorchen. Kaum hatte er freien Zugang zu meiner nassen Fotze, schlug er zu. Ich keuchte.

„Bein breit“, sagte er wieder, seine Stimme war hart. Ich biss die Zähne zusammen.

FATZ.

Ich knurrte, bäumte mich auf. FATZ. „Scheiße“, wimmerte ich, spürte wie mir Tränen kamen. Er stützte sich mit der flachen Hand auf meiner Kehle ab, mein Oberkörper wurde in die Matratze gedrückt, keine Chance mehr mich gegen den Schmerz aufzubäumen oder dagegen anzukämpfen. Zugleich bekam ich fast keine Luft mehr. Ich krallte mich in seinen Unterarm und… öffnete meine Beine. Ohne Ansage, ohne Kommando. Es ist dieser Punkt, der alles ändert – dieser Punkt, an dem ich merke, dass ich loslasse. Dass ich nicht mehr dagegen ankämpfe, sondern es geschehen lasse, mich ihm übergebe, ihm die Kontrolle überlasse, weil ich weiß, er kennt meine Grenze und weiß, was er tut.

FATZ.

Eine Träne stahl sich aus meinem Augenwinkel. Nach wenigen Sekunden öffnete ich meine Beine erneut, ergab mich dem Schmerz. Unterwarf mich ihm und ließ mich fallen. FATZ. Seine Hand packte meinen Hals, zog mich in eine aufrechte Position und eine Sekunde schloss er mich in seinen Arm. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und weinte, klammerte mich an ihm fest und er erwiderte den Druck so fest wie ich ihn brauchte.

„Ich hab so eine scheiß Angst“, flüsterte ich an seinem Hals, während mir noch immer Tränen kamen.

„Ich weiß…“, sagte er nur und streichelte mir beruhigend über die Haare.

„Ich will dich…“, gab ich zu. „Und ich will dich nicht teilen. Ich kann das nicht – ich dachte, ich kann das. Ich mach das immer so“, brach es aus mir hervor. „Aber ich will dich nicht teilen. Ich will nie wieder neben dir stehen wie am Samstag und zusehen, wie du eine andere an der Hand nimmst und küsst und…“, ich brach ab.

„Schhh… Mäuschen. Beruhig dich. Ich weiß… Ich will das auch nicht.“

Einige Sekunden vergingen, bis ich mich beruhigt hatte. Ich löste mich ein wenig aus der Umarmung, wischte mir die Tränen von der Wange und sah ihn an.

„Ich weiß aber nicht, was das jetzt heißt“, gab ich zu. „Ich meine… was heißt das jetzt?“

„Das weiß ich auch noch nicht“, antwortete er, „aber wir finden eine Lösung, die für uns beide funktioniert. Das versprech ich dir.“

Er zog mich zu sich und küsste mich zärtlich. Ich genoss es – und dennoch hielt es keine Minute, bis sich unser Kuss vertiefte und mein Körper sich erneut unter seinen Berührungen wand.

„Du bist so verdammt gierig“, knurrte er und drückte mich nach hinten in die Matratze, sodass ich erneut breitbeinig vor ihm lag. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er hinter sich griff. Ich wusste, was das hieß… und schloss ergeben die Augen.

Er traf einige Male und ich kann euch sagen – er zögerte nicht. Der Schmerz an dieser Stelle ist ein anderes Kaliber als auf dem Arsch oder sonst wo. Aber wie immer kam ich nicht an den Punkt, an dem ich abbrach, sondern er war schließlich derjenige, der aufhörte. Er legte seine Hand vorsichtig auf meine heiße, über die Maßen empfindliche Pussy, die doch zugegeben geradezu auslief. Als sich mein Atem einigermaßen beruhigt hatte, beugte er sich nach unten. Als ich meinen Kopf hob und sah, dass sein Gesicht nur eine Handbreit von meiner gerade empfindlichsten Stelle entfernt war, bog sich mein Rücken in ein Hohlkreuz, ich wand mich in Erwartung und wimmerte zugleich, weil jede Berührung mir eigentlich gerade zu viel war – der Schmerz hatte noch nicht nachgelassen.

Doch statt mich zu lecken, bekam ich etwas, das meine Welt – die Vorstellung von Sex, die ich bislang hatte – erschütterte. Und versteht mich nicht falsch: ich hatte in meinem Leben wirklich, wirklich verdammt guten Sex und ich war mir seit einigen Jahren sicher, dass ich mich auf dem obersten Niveau bewege und nichts mehr kommen könnte, was merklich besser war, sondern es eher um Details ging, um Techniken, um den Menschen. Ich dachte, ich kenne alles. Ich dachte, ich hatte die krassesten Orgasmen, die man haben kann.

Bis der Teufel seinen heißen Atem auf meine nasse, schmerzende, pulsierende, gefolterte Fotze hauchte, ohne sie zu berühren – und mein gesamter Körper sich krümmte.

Ich war durch den Schmerz, durch die Schläge der Gerte derart empfindlich, dass die leichteste Berührung seiner Hand zu viel gewesen wäre.
Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass ein Lufthauch genau das Maß an Berührung sein könnte, das meine Welt auf den Kopf stellen konnte. Innerhalb weniger Augenblicke fühlte sich mein gesamter Körper an als wäre er ein einziger Muskelkrampf und zugleich so frei als würde ich mich jeden Moment in Luft auflösen. Ich weiß nicht mehr, was ich tat oder welche Geräusche ich von mir gab. Aber ich weiß noch, dass er mich eine ganze Weile in diesem rauschartigen Zustand schweben ließ, indem er… atmete. Und hauchte. Und mich die Wärme seines Gesichts, seiner Lippen gerade so spüren ließ, ohne mich wirklich zu berühren. Mein Geist verabschiedete sich, der Raum um mich her löste sich auf.

Und mein Körper explodierte, als er mich schließlich mit seiner Zunge berührte – so sanft, so wenig, dass ich es mir genau so gut hätte einbilden können.

Niemals hätte ich gedacht, dass ein Mensch, der der Welt eine solche Härte entgegenbringen, seinem Gegenüber solche Schmerzen zufügen konnte, körperlich zu einer Weichheit in der Lage war, die so unerträglich sanft war, dass sie mein Innerstes traf.

Härter als jeder Schlag.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber kurz darauf lag ich erschöpft auf dem Rücken, verdeckte mein Gesicht mit meinen Händen. Und versuchte mit aller Kraft die Tränen zurückzuhalten, die ich mir nicht einmal erklären konnte.

Luzifer legte sich neben mich und zog mich in seinen Arm.

„Schhh.. Mäuschen. Schon gut“, flüsterte er und küsste mich auf die Stirn, „was ist los? War’s so schlecht?“ fragte er. Ich hörte sein Schmunzeln, war aber nicht empfänglich für Spaß. Nicht jetzt. Ich schüttelte den Kopf.

„Ich kann das nicht“, flüsterte ich schließlich an seinem Hals.

„Was kannst du nicht?“

„Das hier. Das alles. Es tut mir leid.“

Er schwieg, drückte mich an sich.

„Warum kannst du nicht einfach sagen, was du wirklich willst? Was ist es, das dir solche Angst macht?“

Ich zögerte lang. Bis…

„Ich könnte es bekommen“, sagte ich leise.

Er schwieg.
Dann nahm ich einen tiefen Atemzug, bevor ich flüsterte:

„…und was mach ich dann irgendwann, wenn ich es nicht mehr habe?“





 

Zu Teil 2 geht’s hier lang.

15 Kommentare

  1. Wow…. meine Liebe. Ich hatte selber Tränen in den Augen.
    Ich bin sehr neugierig wie Teil 2 wird. Hoffe und wünsche euch das beste.
    Ganz insgeheim wünsche ich mir ein Happy End für euch… wie in diesen Schnulzen Hollywood Filmen 💋 Hach😍

    Gefällt 1 Person

    1. Ach ja – das ist so eine Sache mit den Happy Ends. Ich weiß ja gar nicht, ob ich daran überhaupt glaube. Oder besser: ob ich so etwas jemals wollte.

      Ich danke dir – für die Kommentare und für’s dabei sein. Schön, dich hier zu haben :*

      Heute Abend/Nacht folgt der Rest 😉

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      1. Na wie heißt es so schön …wenn es kein Happy End ist, dann ist es nicht das Ende… gut, das gilt nun eher für unser ganzes Leben.

        So direkt wolltest du es vielleicht erst nicht. Nur nach euren Erlebnissen jetzt und wie es für euch ist, möchtest du es vielleicht jetzt doch. 💋

        Gefällt 1 Person

  2. Puh… da bin ich auch mal auf die Fortsetzung gespannt… 🙂
    Ich war auch echt durch den Wind, als ich merkte, dass ein Hauch, etwas Atem nur, reicht für einen Orgasmus einmal Milchstrasse und zurück.
    Und es gibt noch so viel mehr an beängstigender Intensität. 🙈

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  3. Liebe Ophelia, wow, was für ein Cliffhanger. Ich kann das so gut nachvollziehen: Die Angst vor der Nähe, gleichzeitig den Wunsch danach, die Panik was beim Verlust passiert….
    Ich wünsche Dir / Euch, dass ihr die richtige Entscheidung treffen könnt. (und das Du weiter darüber schreibst, ich lese wahnsinnig gerne mit)

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    1. Immer wieder schön zu lesen, dass er andere da draußen gibt, die so etwas nachvollziehen können.
      Danke, dass du das hier mitteilst. 🙂

      Der zweite Teil ist jetzt online. Ich bin gespannt, was ich hören bzw. lesen darf. Schön, dass du hier bist 😉

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