Hörner, Heels und Sprachlosigkeit

Oder: Von Latex, Triggern und einem Geständnis

Pokern, Tanzen und Vorführungen sind ja wunderbare Zeitvertreibe, die einen überaus schnell in einem Gefühl von Sicherheit wiegen, obgleich man sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass man den Teufel persönlich sein Gegenüber nennen darf. Was aber, wenn man eben diesen Teufel aus Versehen an den Hörnern packt und statt eine Redewendung wahr zu machen und sich dabei einer Herausforderung zu stellen, plötzlich das volle Ausmaß der Macht des Hades über sich hereinbrechen sieht? Was, wenn der Teufel seinen Eichhörnchenpelz tatsächlich ablegt, den Dreizack zieht, seine Augen dunkelrot leuchten und man all seinen Zorn gegen sich selbst gerichtet sieht?

Ja. Was dann? Mir zumindest ist nichts besseres eingefallen, als mich wie ein Igel zusammenzukugeln und der Illusion zu erliegen, dass ein paar kleine Stacheln den Herrscher über die Hölle auch nur im Geringsten interessieren könnten.

Ihn auch nur für eine Sekunde davon abhalten könnten… sein wehrloses Opfer zu streicheln.

Auch wenn anschließend seine Hände bluten.



Diesen Beitrag werde ich ganz gemäß meinem Spoiler auf Twitter in drei Teile teilen. Denn so hat sich auch der Abend ergeben. Es kam viel Latex darin vor und die höchsten Schuhe, die ich in meinem Leben je anhatte. Genauso wie ein erzürnter Teufel, eine – nun ja, ich muss wohl ehrlicherweise formulieren – schief gegangene Session. Und zudem ein Gespräch über meine Schreiberei, das mich sprachlos gemacht hat. Aber wie immer:

Von vorn.

Teil 1: Heels und Latex

Ich hatte Luzifer seit zwei Wochen nicht gesehen – nennen wir es höhere Gewalt. Ich war krank, er war weg und überhaupt war Fortuna mir wohl einfach nicht wohl gesonnen. Am Montag bestellte er mich zu sich und ich zögerte nicht. Wir hatten täglich Kontakt, aber er fehlte mir. Sein Körper fehlte mir, sein Schwanz, seine Gerte genau so wie seine Nähe und seine Stimme. Ich wusste, dass ich nicht bei ihm übernachten würde, aus organisatorischen Gründen, aber Hauptsache, ich würde ihn endlich wieder sehen. Ich war ausgehungert.

Als er mir die Tür öffnete, zog er mich in den langen Kuss, den ich so vermisst hatte und der mich augenblicklich ent- und zugleich auf diese wunderbare Art anspannte, die meinen Körper zum Zittern brachte. Allerdings begnügten wir uns vorerst mit Nähe, Gesprächen und gelegentlichem besitzergreifenden Handanlegen. Ich genoss alles daran und so sehr es mich wahnsinnig machte, so sehr genoss ich es, dass er mich warten ließ.

Schließlich führte uns das Gespräch in eine vollkommen andere Richtung:

Mode. Aus verschiedenen Gründen hat er eine Art Vorrat an Schuhen für Frauen und… nun ja. Latex- und anderen Outfits. Ich persönlich habe nie wirklich Wert auf teure oder besonders ausgefallene Outfits gelegt – selbst wenn ich das Geld dazu hätte, würde ich es nicht in Mode investieren. Zumindest nicht in diesem Maß. Und für High Heels hält sich meine Begeisterung ebenfalls in Grenzen. Zum einen kann ich mir nur selten leisten, hohe Schuhe zu tragen, weil es Männer irritiert, wenn sie kleiner sind als ich und ich zugegebenermaßen auch das Gegenteil angenehmer finde, auch wenn ich es in keiner Form ausschließe oder es mich tatsächlich stört, solange der Rest stimmt. Aber ich bin 1,72m groß – mit 10cm Heels also gute 1,80m. Ich gebe zu, dass ich es bei Luzifer genieße, dass ich auch in diesen Schuhen noch zu ihm aufsehen muss.

Nun waren wir irgendwann fast am Ende des ersten Glases Rotwein und als Luzifer aufstand und mich in ein anderes Zimmer zog, wehrte ich mich nur noch halbherzig. Denn nein, sein Ziel war nicht das Schlafzimmer, sondern jenes, in dem unter anderem Outfits, Fetisch-Accessoires, Spielzeug und Schuhe aufbewahrt waren.

Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, weil ich zum Thema Heels, Outifts, Fetisch-Mode und meiner Haltung dazu einen eigenen Beitrag verfassen möchte.

Ich will nur so viel verraten:

Der Teufel bot mir zwei dieser Outfits zum Testen an und gab mir zwei verschiedene Paar Heels, die jeweils dank dem Plateau-Absatz eine Höhe von insgesamt rund 20cm hatten. Dann drückte er mir das Glas Wein wieder in die Hand und bedeutete mir, mich im Spiegel zu betrachten. Als ich sah, dass er anfing, sich hinzuknien und Bilder zu machen, wollte ich auf dem Absatz Kehrt machen.

„Stell dich nicht so an – ich hab nur deine Beine drauf.“

Ich zögerte; so ganz geheuer war mir die Sache nicht. Aber ja, irgendwann stand ich vor dem Spiegel. Es benötigt einiges mehr an Worten, als ich sie hier nun verlieren werde, um zu beschreiben, was ich da sah. Aber der Beitrag dazu wird folgen – in Kürze.

Falls einer von euch denkt: „wow, heißes Bild, sieht sehr souverän aus“ kann ich nur sagen: Falsch. Nicht souverän. Zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Denn ich bin weder eine Frau, die damit Erfahrung hat, noch eine, die auf solche Dinge übermäßig Wert legt. Wenn ich ein Outfit bei Amazon finde, das insgesamt zwischen 40 und 60 Euro kostet, bin ich geizig und es muss mir ungemein gefallen, damit ich es mir kaufe. Einmal habe ich mir einen Leder-Strapsgürtel gegönnt, der alleine 80 Euro gekostet hat – das war eine Ausnahme und ich liebe dieses Teil. Andere Outfits in meinem Schrank haben insgesamt vielleicht 25 gekostet und ab und an habe ich schon Dinge selbst gemacht. An Komplimenten und Aufmerksamkeit hat es mir dennoch nie gemangelt, wie ich zugeben muss bzw. darf. Aber einen dreistelligen Betrag allein für die Schuhe zum Outfit auszugeben, ist mir weder möglich noch wäre es mir das Geld wert. Da kaufe ich mir lieber für 80 Euro ein Ticket für ein Salsa-Festival.

Das Ding ist… ich sah die Frau im Spiegel und wunderte mich. Fragte mich, wer sie war. Sie irritierte mich. Aber sie gefiel mir. Und ja, sie schüchterte mich ein. Auf eine beeindruckende, positive Art und Weise.

Wie gesagt – der Beitrag darüber und das Thema, das für mich persönlich dieser Sache zugrunde liegt, wird folgen. Zusammengefasst:

Ich war fasziniert, leicht überfordert, aber genoss den Moment und das Experimentieren.

Im letzten Outfit packte Luzifer mich, griff an meinen Hals, legte mir ein dazu passendes Halsband an und hängte Leine und eine Kette darin ein. Die Kette führte weiter nach unten und wurde kurz darauf an meinen Schamlippen befestigt, sodass ich sie bei jedem Schritt spürte, den ich aufrecht gehen wollte.

Diese Schritte waren nicht viele an der Zahl, denn sie führten mich in Luzifers Schlafzimmer.

Teil 2: Wenn die Bestie in Panik zubeißt und der Teufel sie mit dem Dreizack in ihre Schranken weisen muss

Es ging alles sehr schnell. Schon wenige Augenblicke später lag ich breitbeinig unter ihm und wurde gefickt. Verdammt, hatte ich seinen Schwanz in mir vermisst. Ich genoss jeden Zentimeter Haut, den ich spürte, jeden Stoß, jeden Kuss und jeden noch so harten Griff. Und gleichzeitig war ich von den letzten zwei Wochen derart ausgehungert, dass nichts, was er machte, mir genug war. Als hätte ich die Bestie in mir zwei Wochen nicht gefüttert und nun war sie aggressiv, übermütig und launisch. Schnappte nach der Hand, die sie streicheln wollte, weil vielleicht ein Stück Fleisch darin liegen könnte.

„Mehr“, hörte ich irgendwann meine Stimme, unkontrolliert und nicht wirklich beabsichtigt.

„Wovon?“ hörte ich die Antwort des Teufels an meinem Ohr.

„Ich… mehr.“

„Wovon willst du mehr, meine kleine Schlampe?“

„Ich weiß es nicht“, stöhnte ich.

Seine Hand griff an meinen Hals und drückte zu, sein Blick fixierte mich, während er kurz aufhörte sich zu bewegen.

„Wovon willst du mehr?“

Die Stille machte mich nicht ruhiger, führte nicht dazu, dass ich besser darüber nachdenken konnte, was ich denn nun eigentlich gerade wollte, sondern machte mich im Gegenteil unruhig, beinahe aggressiv. Es war als hätte ein Athlet wochenlang im Bett gelegen, als hätte man ein Rennpferd lange Zeit in einer Box gehalten, oder einen Adler in einem Käfig. Und plötzlich die Tür geöffnet, ohne dass vorher die Muskeln sich aufwärmen dürfen. Die angestaute Energie muss sich entladen – wenn man nicht aufpasst, passiert das plötzlich und unkontrolliert.

Ich spürte eine derart unzähmbare Macht in mir, dass ich nicht in der Lage war, klar zu denken. Ich wollte MEHR, verdammt. Keine verfickte Ahnung, wovon.

Ich glaube, etwas ähnliches habe ich auch kommuniziert – im nächsten Augenblick jedenfalls hatte Luzifer sich erhoben, hantierte an der Seite des Bettes und im nächsten Moment hörte ich das Klimpern von Ketten. Innerhalb weniger Sekunden führte er einige gezielte Handbewegungen aus, packte meine Unterarme, zog eine Kette durch die Metallfesseln, die er mir zuvor angelegt hatte und… bevor ich registrierte, was geschah, waren meine Hände ans Kopfende seines Bettes gekettet.

Es steht auf meiner Liste, das Fesseln, die Ketten. Aber… nun ja. So schräg das klingt, es war mein erstes Mal. Etwas abgeschlossen an mir zu tragen verursacht bereits unterschwellige Panik. Mich an etwas anzuketten, was mir auch noch meine Bewegungsfreiheit nimmt, die Möglichkeit aus einer Situation zu entkommen, ist nochmal zwei Schritte über dieses Limit hinaus. Aber… zugegeben – ich hatte in den letzten Tagen einige Andeutungen gemacht in diese Richtung und ich vertraute Luzifer mittlerweile so weit, dass ich es mir und ihm zutraute, es zu versuchen. Eines meiner Hard Limits zu etwas zu machen, was ich genießen kann. Denn der Reiz war immer schon da gewesen.

Wie immer, wenn Dinge mich triggern oder mir in irgendeiner Form Angst machen, hat mein Körper reagiert. Ich spannte mich an, drehte meinen Kopf ungesund nach hinten um meine Hände sehen zu können, die Situation zu betrachten, um ihr alles Unheimliche, alles Unberechenbare zu nehmen. Es funktionierte nur bedingt, ich merkte die Angst, das Unwohlsein. Bevor sich dieses Gefühl ausbreiten konnte, wurde ich an den Beinen ruckartig nach unten gezogen, sodass meine Arme sich streckten. Sekunden später spürte ich Luzifers Gewicht auf mir, seinen Schwanz in mir und wurde gefickt. Klingt es sehr albern, wenn ich sage, es wirkt wie ein Heilmittel, wenn er mich fickt? Wie eine Aufputsch-Droge und eine Beruhigungsmittel zugleich. Er fickte mich, ich schloss die Augen, die Angst löste sich Stoß für Stoß in Luft auf – er fickte sie wortwörtlich aus mir heraus. Sobald er merkte, dass ich mich fallen ließ, griff er erneut zur Seite, holte erneut eine Kette – diesmal waren es die Klemmen. Zwei davon befestigte er an meinen Schamlippen, die dritte unter leichter Spannung… an meiner Nase. Ohne die Gummispitzen. Reines Metall, festgezogen. Noch im selben Moment schossen mir Tränen in die Augen und flossen über, der Schmerz war hart und grenzwertig. Die normale körperliche Reaktion – meine tränenden Augen wegen der Verbindung der Tränenkanäle zur Nase – irritierte mich aber zusätzlich und schon nach wenigen Sekunden war mir auch der Schmerz zu viel und ich bat ihn, sie wegzumachen.

„Halt still“, sagte er nur. Bestimmt, aber nicht hart. Ich gehorchte, trotz des Schmerzes und wartete. Er entfernte die Klemme vorsichtig, stellte sie unmerklich lockerer und befahl mir, die Zunge rauszustrecken.

Ich sah ihn an.

„Streck die Zunge raus“, wiederholte er sich, diesmal härter. Ich gehorchte. Skeptisch zwar, aber ich tat es. Vorsichtig befestigte er die Klemme an meiner Zunge. Sie war etwas lockerer eingestellt, der Schmerz war erträglich. Im Grunde genau richtig. Es kickte mich, es war unangenehm, aber nicht zu heftig. Die eigentliche Herausforderung lag darin, den Abstand einzuhalten, denn die Kette war knapp bemessen. Ich legte mein Kinn auf meine Brust, sobald ich den Kopf nach hinten sinken ließ, spürte ich den Druck auf meiner Zunge und an meiner Fotze – dabei hart gefickt zu werden, machte es zu einem Ding der Unmöglichkeit, nirgends Zug – und damit Schmerz – zu spüren. Und fuck, es demütigte und kickte mich zugleich. Es war genau richtig. Dabei gefickt zu werden war genau richtig. Angekettet zu sein war genau richtig. Der Schmerz… war genau richtig.

Das war es. Das war es, was ich anscheinend gewollt hatte – die Tatsache aber, dass meine Zunge in Metall eingeklemmt war, machte es mir unmöglich das zu kommunizieren. Nun ja – ganz ehrlich, ich hätte es vermutlich auch so nicht getan, denn mein Körper schwebte, mein Geist hatte sich verabschiedet.

Irgendwann entfernte er die Klemmen, stand auf, ließ mich erschöpft liegen und machte sich am anderen Ende des Raumes zu schaffen.

Dann drehte er sich um.

Ich hob langsam und erschöpft den Kopf aus dem Bedürfnis heraus zu sehen, was er da trieb. Die Matratze senkte sich neben meinen Füßen, als er sich hinkniete und dabei war auf mich zuzukommen. Mit etwas Schwarzem in der Hand. Ich strengte meine Augen an, versuchte, in dem halbdunklen Raum trotz meiner Erschöpfung etwas zu erkennen.

Als es mir gelang, als ich sah, was er da brachte, war er bereits halb auf mir.

Es war eine Gasmaske.

Im selben Moment, in dem ich sie erkannte, wurde mir wie ein Schlag in den Magen bewusst, dass ich angekettet war.

Im Bruchteil einer Sekunde legte sich in mir ein Schalter um.

Es war kein Funken Verstand übrig, keine Spur Vernunft, kein einziger rationaler Gedanke. Und zugegeben kein Vertrauen und keine Sicherheit – oder wenn, dann schlicht und ergreifend nicht genug. Wäre ich nicht angekettet gewesen, hätte ich mit Sicherheit nicht so reagiert, aber das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Anblick der Gasmaske, ließen Bilder in meinem Kopf entstehen, die mächtiger waren als alles, was hier geschah. Ich würde gern etwas anderes schreiben, würde gern behaupten, dass mein Vertrauen zu ihm stärker war als meine Ängste – etwas, das romantischer, schöner, angenehmer klingt. Das jedem, der das hier liest, das Gefühl gibt, dass nichts schief gehen kann, wenn man sich auf eine solche Sache einlässt.

Es wäre gelogen.

Die Gasmaske triggerte mich. Als Erklärung nur so viel: auf meiner Liste steht durchaus, dass ich einmal anonym mit Maske auf ein Event will – Luzifer hatte im Grunde eine berechtigte Idee. Allerdings meinte ich damit eher eine Latexmaske mit Löchern in Augen, Mund und Nase. Gasmasken lösen dieses ungute, dunkle Gefühl des Grusels in mir aus. Ehrlich gesagt mag ich es auch nicht, Menschen auf Partys in diesen Teilen zu begegnen. Meine Kindheit verlieh mir eine ganz eigene Vorstellung von „Psycho“ und „Horror“, von Dingen, die nachts geschehen können. In der Realität, nicht im Fernsehen. Ich habe bis ich Anfang zwanzig war keine einzige Nacht in meinem Leben durchgeschlafen. Keine. Aus Gründen, über die ich nicht mehr rede. Und weil ich später, als ich allein war, jahrelang Alpträume von Dingen hatte, die erst nach Jahren der Therapie völlig verschwunden waren.
Alles, was im Ansatz mit Psycho und Horror und Grusel zu tun hat, triggert eine dunkle, tiefe Panik in mir, die ich nicht kontrollieren kann. Oder sagen wir: nur schwer. Das wirkt sich auf alle Bereiche aus. Wenn nur ein Film läuft, der in eine Horror- oder noch mehr in eine Psycho-Richtung geht, muss ich den Raum verlassen.

Diese Gasmaske war hart an einer Grenze zu den Dingen, die dieses unheimliche Gefühl in mir auslösen – in Kombination mit den Ketten verlor ich jegliche Kontrolle. Mein Körper bestand aus reiner Panik. Innerhalb einer Sekunde zog ich meine Beine mit aller Kraft an, drehte mich zur Seite und bäumte mich auf.

„Nein! Lass den Scheiß!“, hörte ich meine eigene Stimme, panisch und viel zu laut, und hängte mich mit meinem vollen Gewicht in die Ketten, mein Körper nahm den Schmerz an meinen Handgelenken war, die Panik aber ignorierte ihn. Ich ließ nicht nach, mein Körper reagierte wie ein panisches Pferd, dass weglaufen will, weil es nun mal ein Fluchttier ist und das durch das Angebunden-sein nur noch panischer wird.

Und dann ging alles ganz schnell.

Ich kann nicht mehr wirklich rekonstruieren, was genau geschah. Es ging zu schnell und die Panik und das Adrenalin ließen mich nur die wichtigsten Dinge registrieren – dafür brannten sich diese Dinge umso heftiger in mein Gedächtnis ein, nahm ich sie umso intensiver, geschärfter wahr.

„VERDAMMTE SCHEIßE!“ hörte ich eine so laute Stimme, dass ich nicht wirklich verstand, was geschah – im selben Moment spürte ich einen erbarmungslos festen Griff in meinem Nacken als wäre ich ein Hund.

„BERUHIG DICH, VERDAMMT!“ donnerte der Teufel und mir war, als hätte er mit einer Bullwhip durch die Luft gepeitscht, um sich Gehör zu verschaffen. Im nächsten Augenblick griff er mit einer Gewalt zu den Ketten, einer Aggression, die ich nicht von ihm kannte. Er zog daran, sodass ich ihm meine Hände entgegenstreckte. Tatsächlich hatte mich seine laute Stimme und die aggressive Reaktion von ihm derart erschreckt, dass die Panik mit einem Schlag gewichen war und mir stattdessen Tränen kamen. Grober als er jemals war, löste er meine Hände von den Ketten und schrie mich dabei an. Okay, wirklich geschrien hat er nicht – aber er war so laut und aggressiv, dass es auf mich so wirkte.

„Verdammte Scheiße, du kannst nicht so reagieren! Ist dir auch nur ansatzweise klar, wie krass du dich damit verletzen kannst?“ fuhr er mich an, während er die letzten Glieder der Kette löste, die durch seine Gewalt zusätzlichen Lärm verursachten.

„Scheiße, überleg mal, du hättest die Klammern noch dran gehabt! Irgendwo! Du reißt dir alles auf! Wenn du die noch an der Fotze gehabt hättest, dann wärs das erstmal gewesen, verdammt! Oder wir gehen irgendwann so weit, dass du irgendwo eine dünne Kanüle drin hast oder lass es ’nen drecks Nippelpiercing sein, an dem eine Kette hängt – verstehst du das nicht? Du hättest dir alles komplett aufreißen können – du hättest geblutet wie ein Schwein und ich kann dich ins Krankenhaus fahren! Was glaubst du, was dann passiert? Dann war’s das erstmal mit Spaß und noch dazu wird das so krass sitzen, dass wir für verdammt lange nicht mehr spielen werden! SHIT! RED MIT MIR, statt so zu reagieren, verdammte Scheiße!“

Tränen liefen ungehindert über meine Wange, ich hatte mein Gesicht in meinen Händen vergraben, meine Knie angezogen und versuchte mich so klein zu machen wie mir möglich war.

„Hör auf. Du machst mir Angst“, brachte ich irgendwie hervor.

„DU MACHST MIR ANGST!“ rief er, „ich hab dich nicht unter Kontrolle, wenn du so bist! Du machst mir eine scheiß Angst! Du bist süchtig nach dem Scheiß und es ist eine beschissene Gratwanderung, dir das zu geben, was du brauchst, aber nie zu weit zu gehen. Du kannst nicht fünf Mal nach mehr verlangen, aber nicht mit mir reden. Ich hab dich mehrmals gefragt, wovon du mehr willst – und du sagst nichts. Dann mach ich irgendwas, weil du so verdammt gierig bist. Und nicht mal angekettet hast du genug, sondern bist nur noch krasser drauf. Und die Maske steht auf deiner Liste! Du kannst nicht so reagieren – ich hab die Verantwortung für dich, verdammt! Aber ich hab keine Kontrolle über dich, wenn du mir nicht vertraust. Du kannst dich so krass verletzen. Ich bin für dich verantwortlich, aber ich muss dich kontrollieren können. Fang endlich an, mit mir zu reden – WIRKLICH mit mir zu reden. Über alles und in jeder Situation. Ich will nicht, dass du dir wehtust – ich will nicht, dass dir irgendwas passiert, verdammt!“

Er schwieg. Ich weinte still in meine Hände. Die Augen geschlossen. Hörte schließlich ein erschöpftes Ausatmen und im nächsten Moment lag ich in seinem Arm und spürte wie er mich an sich presste, mich so fest hielt, dass es beinahe weh tat und doch nicht fest genug. Als ich mich beruhigt hatte, streichelte er sanft mein Haar, entspannte seinen Griff, aber ließ mich nicht los. Er gab mir Zeit. Irgendwann flüsterte ich an seinem Hals:

„…tut mir leid.“

„Du musst dich nicht entschuldigen, Mäuschen“, flüsterte er sanft, „mach das einfach nie wieder. Brich vorher ab, oder um Himmels Willen: sag irgendwas. Du musst anfangen, mir zu vertrauen. Wenn ich dich schon frage, dir schon die Möglichkeit gebe, die Richtung anzuzeigen, dann nutz das. Bei jeder anderen würde ich einfach tun – aber ich weiß, dass ich bei dir vorsichtig sein muss und gleichzeitig krasser als bei anderen, weil du so verdammt gierig bist und immer mehr willst, je mehr wir machen. Deshalb hab ich mehrmals gefragt, was du willst. Aber du musst mit mir reden. Der Gedanke, dass du dich selbst verletzt, weil ich dich nicht unter Kontrolle habe, macht mir Angst. Ich trag‘ hier die Verantwortung.“

Er löste sich von mir, nahm mein Gesicht in seine Hände und… runzelte reflexartig die Brauen, um sofort seine rechte Hand zu senken. Ich folgte seinem Blick nach unten, sah auf seine Handfläche.

Und erkannte drei blutende Punkte.

Ich keuchte, als ich begriff. Meine Hand fuhr an meinen Hals, an das Halsband, dass er mir vorhin zu dem Outfit umgelegt hatte, das mir gefallen hatte.

Spikes.

Als er meinen Hals gepackt hatte, um mich zu beruhigen, weil ich mich fatalerweise in die Ketten gehängt hatte, hatte er zugepackt.

„Nicht schlimm“, sagte er nur und ballte seine Hand zu einer lockeren Faust. Ich hörte ihn kaum, dafür verschwamm meine Sicht erneut. Das schlechte Gewissen übermannte mich. Am liebsten wäre ich aufgestanden und gegangen. Meine Körpersprache schien mich zu verraten.

„Ich will, dass du die Nähe suchst. Wenn so etwas ist, oder irgendetwas anderes, hörst du?“ sagte er leise, legte seine Hand an mein Gesicht und zwang mich ihn anzusehen, „immer, wenn du eigentlich davonlaufen möchtest, will ich, dass du die Nähe zu mir suchst und mit mir redest.“

Noch während er sprach, legte er sich auf den Rücken und zog mich an sich. Ich lag in seinem Arm, schmiegte mein Gesicht an seinen Hals. Suchte die Nähe, kämpfte gegen das schlechte Gewissen und das Bedürfnis an zu gehen. Reden konnte ich nicht. Nicht wirklich. Er streichelte und beruhigte mich.

Fing mich auf.

Als er sich schließlich auf seinen Arm aufstützte und auf mich hinab sah, sagte er:

„Mir ist das wichtig, hörst du? Ich will, dass du die Nähe suchst.“

„Aber was, wenn… du das in dem Moment mal nicht willst?“

„Hör doch endlich auf, immer an mich zu denken und daran, was ich will oder was mir gefallen könnte und was nicht. Fang endlich an, nur an dich zu denken.“

„Ich will aber nicht nur an mich denken. Ich will, dass wir immer beide Spaß haben. Dass wir Dinge immer beide wollen.“

„Ich mach nichts, was ich nicht machen will!“ sagte er jetzt mit Nachdruck, „und ich will, dass du immer zu mir kommst, die Nähe suchst und mit mir redest.“

„Aber was, wenn du das gerade nicht…“, setzte ich an, doch er unterbrach mich.

„Nein. Verstehst du nicht, was ich dir hier sage? Ich will das immer.“

Sein Blick war so intensiv, dass ich schwieg. Seine Worte erst einzeln in meinem Kopf wiederholen musste, um sie zu verstehen. Ich versank in dem langen Kuss, der folgte.

Anschließend redeten wir eine Weile, sprachen über meine Reaktion und ja, ich verstand ihn. Und natürlich – er verstand mich auch. Ich bin mir übrigens bis heute nicht sicher, ob sein kurzer Ausbruch beabsichtigt war, um mich zu erschrecken, und mich einerseits aus der Panik zu holen und mir andererseits wirklich kurz Angst zu machen, damit mir so etwas nicht wieder passiert. Oder ob der Teufel aus Angst um mich tatsächlich für einen Augenblick die Fassung verlor…
Wie dem auch sei – es hat funktioniert und das anschließende Gespräch war gut. Ich weiß, dass ich mit ihm reden muss. Noch mehr als bisher, noch ehrlicher. Ich kann nicht immer nach mehr verlangen und ihm dann nicht vertrauen, wenn er meinen Wunsch nachkommt. Und ja, er hatte recht – er hat mehrmals nachgefragt, gab mir ja schon die Möglichkeit, ihm eine Richtung vorzugeben. Er gibt mir aus Rücksicht noch mehr Kontrolle als mir eigentlich bewusst ist. Ich sollte das nutzen, wenn er mir schon so entgegenkommt. Das habe ich verpasst in dieser Nacht, aber es war mir eine Lehre. Gleichzeitig klingt das hier jetzt nach Selbstkasteiung – das schlechte Gewissen hat sich gelegt. Ich kann nichts für meine Reaktionen, es war wie es war. Er war nicht sauer, war er zu keinem Zeitpunkt wirklich. Und er verstand mich. Wie ich ihn.

Es scheint wohl auch in der Unterwelt mal etwas schief zu gehen. Ich denke, Kommunikation ist hier immer das wichtigste.

Das Gespräch dauerte eine ganze Weile. Irgendwann begann er mich zärtlich zu küssen und legte sich erneut auf mich. Ich kann mir nicht helfen, mein Körper reagiert eben auf ihn. Und doch war ich nicht zu einhundert Prozent entspannt, was Luzifer nicht entging. Er stand auf und kam Sekunden später mit einem Latexhandschuh und Gleitgel zurück.

„Enstpann dich“, sagte er nur, während er sich den Handschuh überzog.

Es fiel mir schwer, zugegeben – aber ich zwang meinen Körper, sich in die Matratze zu legen und die Augen zu schließen. Wollte ihm zeigen, dass ich zumindest versuchte, ihm zu vertrauen.

Mit vorsichtigen Bewegung spreizte er meine Beine, bis es weiter kaum ging und legte dann die behandschuhte Hand zwischen meine Schenkel. Bereits die ersten Bewegungen, das erste Streicheln, der erste Finger in mir, fühlte sich wunderbar an. Das Latex in Verbindung mit dem Gleitgel ließ jede Berührung in einer warmen Weichheit bis in mein Innerstes wirken – es war unglaublich. Als ich gar keine andere Möglichkeit mehr hatte als zu entspannen, nahm er zwei und schließlich mehr Finger und fickte mich mit seiner Latex-Hand, bis ich schlicht und ergreifend auslief. Ich hielt mich am Kopfende des Bettes fest, mein Körper krümmte sich, schließlich stöhnte ich, schrie beinahe, als Welle um Welle über mich hinwegrollte. Squirting ist eine wunderbare Sache, meine Lieben – aber das… Die Erleichterung, die Entspannung nach dem ersten, dem zweiten Mal, das man abgespritzt hat… die Erschöpfung des eigenen Körpers. Das gemurmelte „Ich kann nicht mehr..“, wenn man die Hand dann erneut in sich spürt, der Schmerz, weil man bereits wund ist. Der halbherzige Versuch sich zu wehren, und schließlich bei einem dritten und vierten Mal nichts zu spüren als das Bedürfnis nach mehr zu schreien. Das Gefühl die Erschöpfung zu zelebrieren, wenn dein Körper schlapp macht in vollkommener Erfüllung und diese Hand erbarmungslos und zugleich gnädig weitermacht, deine Proteste ignorierend. Die letzten Kräfte aus deinem Körper saugt, sodass die Erschöpfung am Ende reines Glück ist…

…das. Meine Lieben.

DAS.

Vielleicht bin ich kurz weggedöst, denn ja, die Erschöpfung übermannte mich. Irgendwann jedoch fand ich mich erneut in den Armen des Teufels wieder, spürte erneut seinen Schwanz zwischen meinen Beinen. Ja, ich war wund und als er zustieß, spürte ich den Schmerz – aber fuck, ich kriege einfach nicht genug von ihm. Er fickte mich. Hart. Genau wie ich es brauchte. Bis er mich schließlich ansah, mich dann fordernd küsste und innehielt.

„Bleib ruhig, ja? Ich mach nichts“, sagte er noch, beugte sich zur Seite und… holte die Maske.

Mein Körper spannte sich an, doch ich hatte ihn unter Kontrolle. Zwar lag ein Großteil seines Gewichts auf mir, was mich auch in gewisser Form unbeweglich machte, doch das Gefühl, meine Hände frei zu wissen, machte bereits einen großen Unterschied.

„Ich will nicht, dass diese Reaktion die letzte ist, die du mit dem Teil in Verbindung bringst. Halt sie. Einfach nur in der Hand halten, okay? Ich bin hier“, fügte er hinzu, als er meine Hand nahm und sie langsam aber bestimmt zu der Maske führte, „ich bin die ganze Zeit über bei dir. Halt sie einfach nur.“

Ich schloss meine Hand um das weiche Material, nahm schließlich zögernd die andere hinzu und tastete die durchsichtigen Rundungen ab, die für die Augen gedacht waren. Ich betrachtete sie nur von der Seite, wollte sie nicht frontal sehen, weil ich wusste, dass ich den Anblick unheimlich fand. Luzifer fickte mich weiter, wenngleich nicht mehr so hart – er wurde vorsichtig und war unfassbar aufmerksam, das merkte ich. Als würde er jede noch so kleine Regung an mir registrieren.

„Halt sie vor dein Gesicht“, hörte ich seine Stimme, merkte aber, dass ich zögerte. Zugegeben, das Teil in der Hand zu halten, half ein wenig. Und ja, dabei von ihm gefickt zu werden, seine Hände an mir zu spüren, sein Gewicht auf mir, entspannte mich deutlich. Aber deshalb kostete es mich nicht weniger Überwindung.

„Nur hinhalten, Mäuschen“, sagte er und schob mir die Maske sanft in Richtung meines Gesichts, so vorsichtig, dass ich ihn jederzeit hätte stoppen können, „ich bin bei dir. Vertrau mir einfach.“

Langsam und zögernd hielt ich mir die Maske vor mein Gesicht, schloss aber dabei die Augen. Das Gummi fühlte sich merkwürdig an – nicht schlimm, aber merkwürdig.

„Vertrau mir“, sagte er nochmal und führte dabei ganz langsam den Gummizug zu meinem Hinterkopf. Ich legte instinktiv meine Hand auf seine. Allerdings mehr um zu spüren, was er machte als um ihn aufzuhalten. Nach wenigen Sekunden und einigen sehr vorsichtigen Bewegungen seinerseits, fühlte ich die Spannung, den Zug um meinen Kopf.

Ich trug eine Gasmaske.

Als er plötzlich richtig zustieß, entfuhr mir ein Stöhnen. So schwierig das Tragen der Maske für meinen Kopf auch war – mein Körper reagierte unbeirrt auf seinen Schwanz. Und das war wohl in diesem Augenblick der Schlüssel:

Angst ist ein Gefühl. Eine Illusion, die im Geist entsteht. Angst ist nicht real.
Der eine sieht einen Hund und empfindet Zuneigung, während der andere denselben Hund sieht und Panik in ihm aufsteigt. Beide Gefühle sind subjektive, unterschiedliche Reaktionen auf ein und dieselbe Realität.

Nur der Hund ist real.

Genau wie die Maske.

Die Maske war die Realität. Ein Gegenstand aus Gummi und Plastik und was auch immer. Ein Gegenstand, der durch einen Gummizug um meinen Kopf befestigt wurde. Ein Gegenstand, der mir ein unangenehmes Gefühl bereitet, für andere aber eine faszinierte Lust entstehen lassen kann.
Meine Angst war nicht real, die Maske schon.
Meine Angst regierte meinen Geist. Aber mein Körper unterlag dem Teufel.

Und das Biest in mir schlief nicht – im Gegenteil. Es war hellwach.

Mit jedem härteren Stoß, entfuhr mir ein lauteres Stöhnen, entspannte sich mein Körper mehr, wurde mir die Maske gleichgültiger.

„Schau mich an“, forderte er.

Ich zögerte, so sehr sich mein Körper ihm auch hingab, so stark war mein Geist, so heftig kämpfte er noch immer und so verzweifelt wehrte sich ein kleiner, verängstigter Rest in mir.

„Mach die Augen auf. Ich bin hier. Schau mich an.“

Langsam, zögernd, öffnete ich die Augen. Ich sah eine Vignette, einen schwarzen Ring wie runde Scheuklappen um meine Sicht. Das Gesicht Luzifers über mich war durch das grobe Material verschwommen, trüb, etwas verzerrt. Ich mochte nicht, was ich sah. Ein Blick, der mir ein unangenehmes Gefühl bereitete. Auch das hallende, zischende Geräusch meines Atems und die Tatsache, dass ich nur zu etwa achtzig Prozent Luft bekam, war schwierig. Und doch: ich bekam keine Panik. Es war unangenehm, aber nicht unmöglich. Allein diese Tatsache ließ mich endlich wieder meine innere Stärke spüren. Er stieß zu, ich stöhnte wieder.

„Und weißt du, was ich damit nämlich machen kann, meine kleine Schlampe?“ raunte der Teufel und legte langsam, so dass ich sehen konnte, was er vorhatte, seine Handfläche auf die runde Öffnung vor meinen Mund. Innerhalb einer Sekunde bekam ich keinerlei Sauerstoff. Das krasse dabei: ich liebe Atemkontrolle, aber durch Druck am Hals, durch Würgen ist sie immer verbunden mit einem gewissen Maß an Schmerz durch den Druck. Manchmal ein wenig am Kehlkopf, manchmal entsteht das Bedürfnis zu husten, manchmal wollte man gerade schlucken und kann dann nicht mehr. Hier bekam ich keine Luft, aber konnte das Gefühl dieser Art von Kontrollverlust genießen, ohne gleichzeitig mit dem unangenehmen Druck kämpfen zu müssen. Es war wie ein Knopf, den Luzifer drücken konnte.

Atmen. Oder nicht atmen.

Und ja… Fuck – es kickte mich.

Nach einiger Zeit machte ich Anstalten, mir die Maske wieder abzunehmen, Luzifer half mir und legte sie beiseite. Die letzten harten Stöße genoss ich atmend, stöhnend, mit offenen Augen und einem leisen Anflug von Stolz in mir, während meine Bestie endlich satt war.

Für heute…

Teil 3: Turn of Events

Ich lag in den Armen des Teufels und genoss die Ruhe nach dem Sturm. Unsere Gespräche hatten sich in unverfängliche Richtungen bewegt und wir beide waren vollkommen entspannt. Ich streichelte mit einem Finger seine Brust, während er mir von seinen Erfahrungen erzählte in Bezug auf die Fetisch-Mode-Branche und einigen Dingen, von denen ich keine Ahnung hatte.

Beispielsweise erzählte er mir von Frauen, die sich Youtube-Channels einrichten und Instagram-Profile machen, dort Bilder und Videos von sich in Latex oder Leder-Outfits und krassen Heels posten, am besten noch in der Öffentlichkeit und dazu eine Amazon Wishlist einstellen. Anscheinend sei es ein Leichtes, Schuhe und Outfits, auch in hohen Preisklassen von Followern zugeschickt zu bekommen, davon wieder neue Bilder zu machen und alle seien zufrieden. Ich war skeptisch. Aus mehreren Gründen. Meine Einstellung auch hierzu folgt in dem Beitrag, den ich als nächstes schreiben werde – hier nur als Einleitung, denn darüber sind wir auf das eigentliche Thema gekommen.

Vorab: Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten ständig im Hinterkopf, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich mich in einer Grauzone bewege mit der Kombination meiner Offenheit hier und meiner Beziehung zu Luzifer. Ich bin ehrlich, dennoch vollkommen anonym, niemand weiß, wer er ist. Und im Grunde ist es für mich eine Form von… nun, vielleicht vergleichbar mit einem Tagebuch, das mir ja eigentlich zustehen sollte. Es ist mein Leben, meine Erfahrungen, die ich teile. Aber: ja, ich hatte stets eine unterschwellige Angst, dass der Teufel irgendwann davon erfahren würde oder ich es ihm sagen müsste und er einfach nicht verstehen, nicht gut heißen würde. Dass das Gespräch am Montag in diese Richtung ging und ich es zuließ, verdanke ich meiner Intuition.

„Ich kann dir da Tipps geben und dir bei ein paar Sachen helfen, wenn du darauf Lust hättest“, sagte Luzifer, „du bräuchtest als erstes einen Künstlernamen, also ein Pseudonym.“

Ich zögerte. Schwieg.

„Du weißt schon…“, setzte er an.

„Ja. Ich weiß schon…“, unterbrach ich ihn. Holte Luft. Schwieg dann aber wieder, völlig hin und hergerissen.

Er sah mich an. Wartete ab, ob ich noch etwas sagen würde. Ich gab mir einen Ruck, handelte völlig instinktiv. Es war ein Gefühl, dem ich nachging.

„Was, wenn… naja, wenn ich schon ein Pseudonym hätte?“

Er hörte aufmerksam zu, sah mich dabei an.

„Ich meine… kann sein, dass ich schon ein Pseudonym habe, das vielleicht sogar mit dem Bereich zu tun hat. Und das vielleicht sogar bereits eine Online-Präsenz zugrunde liegen hat und einige Follower…“

Ich wartete auf eine skeptische Reaktion oder ein herausforderndes „Aha, und was soll das jetzt heißen?“ Stattdessen:

„Ja, umso besser“, hörte ich seine völlig lockere Stimme.

„Nein, du verstehst nicht“, setzte ich nach, „vielleicht hab ich schon eine Online-Präsenz. Ich meine, du weißt, dass ich schreibe. Aber vielleicht mach ich das ja in dem Bereich und vielleicht hab ich auch schon einen Künstlernamen, unter dem das passiert und der schon einen Followerstamm hat…“

„Ja, Mäuschen, ich hab’s beim ersten Mal verstanden“, lachte er, „ist doch umso besser. Hab ich mir hin und wieder schon gedacht.“

Ich schwieg. Perplex. War das jetzt gut oder schlecht? Aber seine Stimme und Körperhaltung war vollkommen locker, er lachte und er meinte es ehrlich. Das machte mich mutig.

„Ahm. Naja. Ich weiß nicht, ob das was für mich wäre und ich das will. Und ob ich das verbinden kann. Wenn, dann wäre es vielleicht besser, mir noch einen zweiten unabhängigen Account zu machen für solche Sachen, den du dann sehen könntest“, diese Formulierung war mir rausgerutscht. Ich sah ihn an, leicht erschrocken über meine Worte und seine Reaktion abwartend.

„Wieso? Darf ich den jetzigen nicht sehen?“ grinste er.

„Ahm…“

„Ich nehm‘ mal an, du schreibst über Sex und BDSM. Über Männer, über die Szene. Und Events und so Zeug.“

Wow.

„Ahm“, stammelte ich wieder, „ich… ahm. Ja, irgendwie schon.“

„Ich find das cool. Und die längeren Texte, die ich bisher von dir gelesen hab und auch die Sache mit den Büchern, zeigt mir ja, dass du schreiben kannst. Ich bin sicher, das läuft total gut.“

Er war immer noch locker. Hatte er irgendeine Verbindung noch nicht gezogen oder musste ich nur auf die Explosion warten?

„Naja… schon. Läuft tatsächlich sehr gut.“

„Ist doch toll! Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen.“

Jetzt musste ich lachen.

„Was denn?“ stimmte er in mein Lachen mit ein.

Wir schwiegen beide und sahen uns an, er lächelte noch immer.

„Du schreibst auch über mich, oder?“

Ich starrte ihn an. Fühlte mich wie die Maus vor der Katze, in Schockstarre abwartend, ob sie zupackt oder nicht.

Doch sein Lächeln war… ehrlich. Teuflisch, provokativ auf eine wunderbare Weise. Ich musste schmunzeln.

„Auch, ja“, gestand ich endlich.

„Ist doch gut.“

Ich lachte.

„Was denn?“

„Du findest das nicht… schlimm?“ hakte ich nach.

„Schlimm? Ich find das toll. Ich bewundere das. Und ich fühl mich geehrt. Es macht mich stolz, dass ich dich inspiriere.“

„Ernsthaft?“

„Ernsthaft.“

Ich sah ihn an. Versuchte Gefahr zu erkennen, doch sein Lächeln war aufrichtig.

„Was, wenn ich sagen würde, dass ich… regelmäßig über dich schreibe?“

„Dann würde ich mich noch geehrter fühlen. Ich geh davon aus, es ist anonym?“

„Natürlich! Keine Andeutungen, nichts Schlechtes, nichts Privates, nichts, womit man dich finden könnte.“

„Na also“, sagte er, „dann ist doch alles gut.“

„Einfach so?“

„Einfach so“, lachte er.

„Verwendest du Decknamen?“

„Ja.“

„Wie heiß ich?“

Ich schluckte. Shit.

„Ahm.“

Er lachte.

„Naja, es sind keine erfundenen normalen Namen, sondern eher… Bilder, die ich verwende. Assoziationen, wenn man so will.“

„Und womit assozieren mich deine Follower?“ feixte er.

Ich konnte mir ein gefährliches Grinsen nicht verkneifen.

„Kannst du mir versprechen, dass du es nicht googelst? Ich weiß nicht, ob ich es dich lesen lassen will.“

„Ich verspreche dir, dass ich nichts suchen werde. Du denkst in Ruhe darüber nach und falls du dich irgendwann dafür entscheidest, kommst du und zeigst mir den Blog. Persönlich. Vorher werde ich nichts lesen und suchen. Ich vertrau dir, dass du nichts Schlechtes über mich schreibst. Wie soll ich von dir vollkommenes Vertrauen verlangen, wenn ich das umgekehrt nicht auch so mache? Ich werde nichts nachlesen, bis du mir die Erlaubnis gibst.“

Es war ein Gefühl. Eine Intuition, der ich folgte. Ich wollte ihm vertrauen. Also richtete ich mich auf, schmunzelte leicht und sah ihn mit gefährlich gesenkten Augenlidern an.

„Luzifer…“, flüsterte ich.

Sein Blick verdunkelte sich, als er auf mich zukam, sein Gesicht meines beinahe berührte.

„Der Teufel also. Na, das scheint mir… angemessen“, raunte er.

Seine Hand streichelte meinen Hals, meine Augen schlossen sich, als ich seinen Atem auf meiner Haut spürte.

Wir redeten noch eine ganze Weile über meinen Blog und ich entspannte mich auf eine so unbeschreiblich erleichternde Art und Weise, wie ich es niemals erwartet hätte. Er fand alles daran gut, unterstützte jeden Teil davon und bot mir in jeder Form Hilfe, Unterstützung und Tipps an, die ich mir nur wünschen könnte, falls ich sie jemals benötigen würde. Es war eine Befreiung, die meine Worte nur so sprudeln ließ. Er hörte aufmerksam zu, stellte die richtigen Fragen und pushte mich nur noch mehr: „Du kannst dir gern mal eine Handvoll aussuchen von den Männern, die dich dort interessieren – du weißt von meinem Vorschlag mit dem Gangbang. Das geht auch in kleinerem Kreis. Ich bin offen für alles“, lachte er.
Ich machte mich nachts um drei Uhr, viel zu spät, wieder auf den Heimweg. Am nächsten Morgen schickte er mir ein Bild von neuem Spielzeug, das er fürs Wochenende bereit gelegt hatte mit den Worten: „Hier, das kannst du twittern und deine Follower ein bisschen spoilern.“

Es ist unglaublich. Ich vertraue ihm. Ich bin sicher, er liest nicht, was ich schreibe, solange ich es ihm nicht persönlich zeige. Und doch findet er alles daran gut, unterstützt es, mag es, bewundert es und die grenzwertigen Teile davon machen ihn sogar an. Wenn ich erzähle, dass es Männer dort gibt, die ich spannend finde, wenn ich erzähle, dass ich flirte, findet er es geil. Ich darf tun, was ich will, solange ich ehrlich bin. Und als wäre das nicht genug, inspiriert er mich mit Bildern und treibt mich eher noch an.

Mein Dasein als Ophelia ist mir so wichtig geworden, dass ich es kaum in Worten beschreiben kann. Das offen und ehrlich dem Teufel kommunizieren zu dürfen, führt zu einem Gefühl der Freiheit, das mich durchatmen lässt.

Meine Lieben, die nächsten Beiträge folgen und auch auf jede eurer Rückmeldungen werde ich noch reagieren. Lasst euch gesagt sein, ihr bedeutet mir ungemein viel. Jedes Wort, das ich als Ophelia lese, bedeutet mir etwas.

Ihr streichelt meine Seele. Und ich danke euch dafür.
Ich fürchte, es wird einiges geschehen in nächster Zeit.

Der Teufel weiß nun von euch – also seht euch vor.

7 Kommentare

  1. Erneut ein Artikel von welchem man die Augen einfach nicht abwenden kann.
    Schönstes Kopfkino in Schriftform… Danke für diesen tollen Blog… Einfach nur ein dickes Dankeschön!

    Ich hoffe auf weitere Erzählungen. Aber bitte lass dich durch die Leserschaft nicht stressen. Gutes braucht Zeit, und deine Posts sind das Warten jedes einzelne mal wert. Und wer es schätzt, der wartet geduldig.

    Ich wünsche schönes Osterfest!

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  2. Wieder toll geschrieben und ich freue mich….. auch wenn ich dich so ja nicht kenne….. für dich, dass du so einen tollen Partner an deiner Seite hast, der so super auf dich eingeht

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  3. Hach😍 meine Liebe, ich liebe einfach deinen Blog und sauge jedes Wort auf.
    Ich bin froh, das er dich bei der Sache mit der Maske so gut aufgefangen hat💋 ich bin schon so ein kleiner Fan von Luzifer😈 und dir. Ich find es echt toll und freue mich für dich, das du ihn als Partner an deiner Seite hast.

    Gut das er nun weiß, wie er heißt und das er eine große Rolle in deinem Blog spielt… Ich freue mich schon riesig auf weitere Beiträge💋 die ich verschlingen kann

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  4. „Ich will mehr …“
    Das Gefühl: „Warum soll ich wissen was ich _jetzt_ will, weil ich ja jetzt _alles_ will?!“, kenne ich nur zu gut. Die Überraschung am Ende, wenn etwas geschieht und auf einen zu rollt mit dem man so gar nicht gerechnet hat, das nur weil man _mehr_ (von $irgendwas) wollte, führt auch bei mir immer wieder zu teils merkwürdigen Reaktionen. Das ist für mich immer so der Teil von „Subversiv“ (wie ich es scherzhaft zu nennen pflege), den ich einfach nicht ablegen kann. Subversiv eben auch deswegen, weil ein Teil von mir immer den sprichwörtlichen Schalk im Nacken sitzen hat. Subversiv aber auch deshalb, weil Reaktionen, hervorgerufen durch Dinge die unangenehm sind oder man sich einfach auch nur davor schämt/fürchtet, dazu führen nicht mehr vom Teufel „geritten“ zu werden sondern selbst den Teufel beginnt zu spielen.
    Ich habe mich einerseits köstlich amüsiert über Deine Darstellung, verflixt, weil ich das genau so erlebt habe, aber war dennoch überrascht über den Ausgang Deiner Geschichte. Für meine Begriffe wurde hier ziemlich deutlich, dass Ihr beide Euch noch nicht so gut kennt, aber Dein Teufel doch verdammt feine Antennen hat. Respekt!
    Interessant dann jedoch die Wende am Ende. Was ich davon halten soll weiß ich auch noch nicht. Ich werde es Dir aber bei Gelegenheit mitteilen. ;o)
    Viele Grüße und ein ruhiges und langes Wochenende.

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  5. Wahnsinn, wirklich einfach Wahnsinn, wie sehr Du an Deine Grenzen gekommen bist und wie gut er Dich danach aufgefangen hat. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen, wenn Du schreibst, fühlt man nach, wie es Dir geht. Ich glaube, dass diese Erfahrung natürlich nicht sein musste, aber ich halte Dich für sehr reflektiert und glaube, dass sie Dich weiterbringt – nach vorne, euer Vertrauen zueinander stärkt.

    Schön, dass der Teufel jetzt von Dir als Ophelia weiß, ich finde das wichtig und es freut mich sehr für Dich, dass er so positiv darauf reagiert hat.

    Danke, dass Du uns an diesem – doch sehr schwierigen – Moment für Dich teilhaben lässt. Ich finde es so wichtig darüber zu reden, dass BDSM eben nicht immer einfach ist. Wirklich, vielen Dank dafür!

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