Rauch, Pläne und wundersame Kreaturen

oder: Wie ich dabei bin, den Schatten meines Baumes zu verlassen

Die Musik ist verstummt, die festen Tanzpaare setzen sich an ihre Tische oder bleiben auf der Tanzfläche, um auf das nächste Lied zu warten. Ich hatte bereits erzählt von dem Tanz, der sich BDSM nennt. Dem Tanz, bei dem einer führt und einer folgt.

Der, der führt, gibt die Richtung an – achtet aber auf die anderen Paare auf dem Parkett. Er führt mit deutlichen, unmissverständlichen und sichereren Signalen – allerdings ohne einen Arm zu verdrehen oder grob zu sein. Es ist ein gewaltloses Führen, bei dem der Partner freiwillig folgt, sich fallen lässt, beide zusammen eins werden und die Musik zelebrieren. 

Der, der folgt, stellt seinen Körper zur Verfügung und lässt sich fallen. Er hört auf Zeichen und Signale. Vertraut. Dennoch ist es seine Pflicht, das eigene Körpergewicht zu tragen. Er musst stabil stehen, hebt das Gewicht von Armen und Beinen selbst und sorgt dafür, dass er das Gleichgewicht nicht verliert – sonst kämen beide ins Straucheln.
Und wenn am Ende des Tanzes eine Fallfigur geführt wird, gibt es eine wichtige Regel:

Behalte immer das Standbein am Boden und lass so viel Gewicht darauf, dass du dich im Zweifelsfall selbst halten kannst.

Was soll ich sagen? 

Der Teufel hat mich aufgefordert und ich habe einige Lieder mit ihm getanzt. Es war intensiv und gut – bis er schließlich begann, zu hart zu führen. Mir auf die Füße zu treten und auch auf die Menschen um uns nicht mehr zu achten. Er war so rücksichtslos, dass jemand anders gestolpert und zu Boden gestürzt ist. Ich habe den Tanz unterbrochen und der jungen Dame auf die Füße geholfen. 

Für gewöhnlich stellt man sich an den Rand der Tanzfläche, wenn man möchte, dass man aufgefordert wird. Ich hingegen brauchte eine kurze Pause und frische Luft, habe den Saal  also verlassen und mich im Wald auf eine Lichtung verzogen.
Hier sitze ich also. Im Schatten eines Baumes, an dessen Stamm gelehnt. Mitten im Wunderland und beobachte das bunte Treiben von Weitem. Was ich dabei feststelle: Beobachten kann bisweilen fast genau so interessant sein wie sich ins Geschehen zu werfen. Irgendwann sogar so interessant, dass man die Füße kaum mehr stillhalten kann…

Doch – richtig: wie immer – von vorn. 😉


 

Von Feuer und Rauch

Ich möchte zu Luzifer nicht mehr viele Worte verlieren – aus verschiedenen Gründen. Allerdings möchte ich euch zumindest einen Teil des aktuellsten Stands berichten:

Die letzten Wochen waren geprägt von einer geradezu schriftstellerischen Laufbahn, die der Teufel mir präsentierte. Wenn ich alle Nachrichten sammeln würde, ich käme sicherlich auf ein Taschenbuch und seine Fantasie würde ausreichen für einen Bucherfolg. Nein, ein Bestseller wäre es nicht – dafür sind zu viele Brüche in der Logik enthalten, aber das ist ein anderes Thema. Er wechselt zwischen sehr krassen Extremen: er kann in Sprachnachrichten weinen und mir sagen, wie sehr er mich liebt und wie leid ihm alles tut. Wenn ihm aber der Sinn danach steht, kann er innerhalb weniger Sekunden switchen und ich bin die kleine Schlampe, die nur mit ihm gespielt hat und ihn ausgenutzt wie alle Frauen es bisher auch mit ihm getan haben. Er hat mir übrigens deutlich und regelmäßig zu Verstehen gegeben, dass ich mir eingebildet habe, dass wir jemals über „Exklusivität“ gesprochen haben und er mir keinerlei Rechenschaft schuldig war über „Frauen“, die er neben mir hatte. Richtig gelesen – es kam hin und wieder ein Plural auf, über den ich gar nicht näher nachdenken will.

Ich könnte ein Buch schreiben über die Fantasien, die der Teufel mir auftischt. Die Lügen, die verdrehten Wahrheiten, die absurden Vorwürfe. Ihr habt wirklich nur die Spitze des Eisbergs mitbekommen.

Er hat irgendwann auch meine Seelenschwester kontaktiert – ausgesprochen höflich und nett. Er hätte noch ein Geschenk für mich gehabt, das er mir gern zukommen lassen würde – es sei aber nicht möglich, vernünftig mit mir zu kommunizieren, weshalb er sie fragen wollte, ob er es ihr schicken könne. Sie hat mir natürlich umgehend einen Screenshot davon geschickt. Später hat er mir eine Mail geschrieben, in der er behauptete, er hätte seit langer Zeit hinter meinem Rücken mit meiner Seelenschwester Kontakt. Einerseits musste ich schmunzeln – für meine Seelenschwester würde ich durchs Feuer gehen so wie sie für mich, ich würde ihr mein Leben anvertrauen. Lächerlich, dass er glaubte, mich zum Zweifeln zu bringen. Andererseits fuhr mir seine Methode eiskalt den Rücken hinunter, weil ich davon ausgehe, dass er das auch bei anderen Frauen gemacht hat: sich vor den engsten Freunden als armes, vernünftiges Opfer präsentieren – sie gegen einen kehren. Eines von vielen Mustern eines psychopathischen Narzissten.

Kurz darauf übrigens kam eine Mail mit einem Screenshot. Er zeigte den Nachrichtenverlauf zwischen ihm und der Kleinen auf Joy – eine Fälschung.
Oben die letzte Zeile seiner eigenen Nachricht erkennbar – darunter ein kleiner Roman der Kleinen, in der sie schrieb, sie wäre eifersüchtig gewesen. Hätte es nicht ertragen, wie er immer nur von mir geschwärmt hat und dass er mit ihr im Grunde nie etwas hat anfangen können. Dass sie es ausnutzt, dass ich ihr mehr glaube als ihm und mir Lügen auftischt, um mich gegen ihn aufzuhetzen. „Wenn ich dich nicht haben kann, soll keine dich haben – ich habe bereits meinen neuen Sugardaddy, der mir viele schöne Sachen kauft. Deine kleine Schlampe glaubt mir mehr als dir – Pech“, so in der Art.
Die Sache ist: die Kleine und ich sprechen über alles. Wir schicken uns gegenseitig quasi als Live-Ticker jede Kontaktaufnahme auf den nicht-blockierbaren Kanälen, die er tätigt. Es ist einerseits anstrengend, weil jede von uns gern ihre Ruhe hätte. Andererseits rettet es uns vor genau solchen Situationen. Die Fälschung war perfekt gemacht, ziemlich sicher über Photoshop. Inhaltlich haben Feinheiten nicht gestimmt, er hat sogar Formulierungen verwendet, die ich von ihm kenne. Sehr gut gemacht – aber eben nicht gut genug. Er unterschätzt mich noch immer. Da die Kleine und ich aber zu 100% ehrlich sind und über alles sprechen, in ständigem Kontakt sind, bringen mich solche Nachrichten nur zum Schmunzeln.

Vor wenigen Tagen dann – ich hatte ja bereits darauf gewartet – hat Luzifer dann endlich meinen Blog hier gefunden. Ich schätze übrigens, er liest fleißig mit – so auch diese Zeilen hier gerade. Das ist in Ordnung. 🙂 Nach seiner Entdeckung kamen natürlich E-Mails (Telefon/Whatsapp ist längst blockiert). Wie psycho ich bin, was ich mir da einbilde und zusammenreime und erfinde. Das Übliche. Eine davon wieder ein Switch: er liebt mich, ich hätte ihn doch auch geliebt, wie er jetzt endlich aus meinen alten Beiträgen herauszulesen glaubt und überhaupt sei das alles einfach nur furchtbar schief gegangen: wir hätten zusammen glücklich werden können, ich sei DIE Frau für ihn. Hach.. wie romantisch – wäre nicht zehn Minuten später die nächste Mail gekommen, mit erneuten Hinweisen darauf, wie krank ich bin und dass er zum Anwalt geht.

Er war natürlich nicht beim Anwalt, immerhin wird er es besser wissen. Er ist erfolgreich und bekannt, kennt sich aufgrund seiner Arbeit mit dem Persönlichkeitsrecht aus und wird sehr genau wissen, dass er nichts gegen mich in der Hand hat. Ich anonymisiere alles, nenne keine Namen, habe sogar Details verfälscht, um seine Identität zu schützen und veröffentliche nichts ohne Einverständnis. Wenn er zu einem Anwalt ginge, würde er lediglich einem Juristen zeigen, was über seine Vergewaltigungen im Internet steht – darf er sehr gern tun. Also… meinetwegen.
Ihm persönlich würde ich eher nicht dazu raten, aber hey – jeder, wie er mag.

Er begann dann, der Kleinen wieder zu schreiben – das war eigentlich recht unterhaltsam: er schrieb ihr, er habe etwas entdeckt und wolle mit ihr telefonieren. Meinte, sie solle sich einen Anwalt holen, weil ich im Netz über ihn und sie hetzen würde und sie hier einiges an Schmerzensgeld herausschlagen könne. Sie schickte mir wie immer als Live-Ticker Screenshots von den Nachrichten. Sie reagierte natürlich nicht, was schließlich – ich weiß, die Leitung war sehr lang dieses Mal – zu seiner Erkenntnis führte, dass die Kleine von alldem natürlich weiß.
Er switchte, unterstellte ihr, sie würde sich kranken Scheiß ausdenken und sich mit mir gegen ihn verbünden.

Die Kleine und ich telefonierten nebenbei und verabschiedeten uns schließlich in die Nacht. Sie ging ins Bett, schlief bereits, als ich Stunden später – es war bereits nach Mitternacht – noch am Schreibtisch saß und (wie ich ihr noch angekündigt hatte) eine E-Mail des Teufels erhielt. Wie immer sehr viel Text, dieses Mal mit dem Inhalt, dass die Kleine mich hinters Licht geführt hätte und ich dumm und blind genug gewesen sei, ihr zu glauben, ohne mir seine Seite anzuhören. Absurde Ausführungen, die in seiner Realität alles erklärten und mich von seiner Unschuld überzeugen müssten.

Hach ja…

Ich breche das Ganze an dieser Stelle ab. Erneut: die Spitze des Eisbergs. Ich kann euch sagen, dass die Geschichte noch nicht vorbei ist. Den Rest erfahrt ihr zu gegebener Zeit.

Aber, wie ich in meinem Beitrag über BDSM und Therapie, schrieb:

„Nothing ever goes away
until it teaches us
what we need to know.“

Es ist noch immer präsent, der Teufel bellt, das Thema zehrt und noch immer erreichen mich Nachrichten von Frauen und wenigen Männern. Es ist noch nicht vorbei – was heißt: es gibt hier noch etwas zu lernen.

Und so anstrengend es an manchen Tagen sein kann, mittlerweile entspanne ich mich hin und wieder ein wenig. Gelassenheit ist das Stichwort an dieser Stelle. Gewisse Dinge kann ich nicht ändern, versuche also, sie anzunehmen.

Andere wiederum – ihr kennt mich mittlerweile – KANN ich ändern…

Pläne, Ideen und Gedanken

Meine Gedanken sind sehr… konfus zurzeit. Das ist nicht zwingend etwas Schlechtes. In erster Linie bedeutet es, dass ich sehr viel Input habe, der mir neu ist. Wenn einem neue Dinge im Leben begegnen, stoßen sie einiges an, die Gedanken gehen in verschiedene Richtungen und alles fühlt sich ein wenig nach Chaos an. Das ist erstmal etwas Gutes – zumindest nehme ich es für mich so wahr. An Schwierigkeiten wächst man, Probleme sind Herausforderungen. Niemand kann im Leben alles Unangenehme vermeiden – es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Die tiefste Phase, auch aufgrund der Überraschung, des unerwarteten Zusammenbruchs, ist vorbei. Ich kann wieder essen, das Schlafen funktioniert deutlich besser und ab kommender Woche werde ich auch definitiv wieder regelmäßig tanzen gehen. Mein Körper hat sich erholt. Mein Geist ist klar, wenn auch angespannt – erholt genug also, um sich jetzt mit der Lektion aus der ganzen Sache auseinanderzusetzen.

Ich habe allein in den letzten drei Wochen unfassbar viel gelernt. Viele der Dinge, die ich hinter mir habe, werden mir nicht mehr passieren. Das ist schon mal etwas Gutes. Allerdings reicht mir das nicht. Wenn das mein Anspruch wäre, hätte ich nicht darüber geschrieben. Auch dass Menschen von meiner Story wissen, reicht mir nicht. Deshalb der Flächenbrand: ich bin bei weitem nicht die Einzige. Diese Tatsache verbreitet sich – das war ein wichtiges Etappenziel, das ich erreicht habe. Besonders haben mich Nachrichten von Männern gefreut, die sich viele Gedanken zu dem Thema machten und schlossen mit der Erkenntnis, wie wichtig es ist, darüber zu sprechen – über BDSM. Aber nicht nur über Praktiken und Spielzeug, sondern auch über Rechtsgrundlagen, Beratungsmöglichkeiten, Grenzen, usw. Genau das ist es. Es braucht mehr dieser Männer – sie zeigen mir, dass das Wunderland eben doch ein sicherer Ort ist, auch wenn ein paar Dämonen hier lauern. 

Aber wer wäre ich, wenn mir das genügen würde?

Es ist gut, wenn viele Menschen davon wissen, darüber sprechen. Das ist die Basis von allem. ABER der nächste Schritt ist die tatsächliche Veränderung. Es müssen Dinge geschehen, die dazu führen, dass Frauen – auch und vor allem junge Frauen, die einsteigen – sich sicher fühlen können. Das SSC darf kein theoretisches Konzept bleiben, kein „Ehrencodex“, dessen Missachtung keine Konsequenzen hat. 

Ich habe viel nachgedacht.

Ich will diesen Blog nicht gänzlich unter diesen Stern stellen und mich in das Thema verrennen. Ich werde (wartet mal den nächsten Beitrag ab 😉 ) wieder über mich und meine Erfahrungen schreiben, über schöne Dinge und über Kopfkino. Aber ich möchte eine Gratwanderung versuchen. Ich möchte pendeln zwischen Extremen, wie ich es doch so gerne tue:

Zwischen Licht und Schatten des Wunderlands.

Ich hörte zu häufig, dass Frauen versuchten, sich beraten zu lassen, eine entsprechende Stelle zu konsultieren und auf Reaktionen stießen, die reichten von „mir wurde einfach ein schlechtes Gefühl gegeben – als sei das, was ich machte, völlig unverständlich und als müsse ich mich nicht wundern“ bis hin zu „Wir können da auch nichts für Sie tun – mit einer Anzeige würde Sie ohnehin nicht durchkommen. Ein wenig wollten Sie das ja selbst“.

Allein der „Shades of Grey“ – Hype zeigt, dass das Interesse an BDSM größer ist als je zuvor. Wenn H&M Choker im Sortiment hat und in Kauf nimmt, dass 14jährige mit O-Halsbändern rumlaufen, gleichzeitig aber BDSM und Sklavenverträge in aller Munde sind, möchte ich mir gewisse Entwicklungen nicht ausmalen.

Ich persönlich halte es für fatal, einer Gesellschaft „gefährliches“ Wissen zur Verfügung zu stellen, aber die entsprechende Aufklärung zu verpassen. BDSM ist eine tolle Sache – wenn Menschen offen dafür sind und sich schon junge Frauen dafür interessieren, ist das etwas Gutes. Allerdings muss die Basis da sein, der Rückhalt muss stehen. Beratungsstellen für Frauen – FALLS etwas schief geht – müssen geschult sein, vorbereitet, sich in irgendeiner Weise mit dem Thema auskennen oder MINDESTENS offen sein dafür und es nicht verurteilen.

E. L. James hat sicherlich keine bösen Absichten gehabt und in gewisser Weise gönne ich ihr die über 100 Millionen verkauften Exemplare. Wenn sie aber eine Ahnung von BDSM hätte und erkennen würde, was in der Gesellschaft (zu großen Teilen durch ihren Beitrag) geschieht, dann könnte sie doch ihre Millionen jetzt dazu nutzen, Aufklärung zu betreiben und dafür zu sorgen, dass junge Frauen nicht nur angefixt sind, sondern beginnen zu erkennen, dass man sich auf Männer wie Christian Grey im richtigen Leben nicht einlassen sollte.
Ich spare mir weitere Worte, denn was andere Menschen tun, kann ich nicht beeinflussen. Was ich selbst tue, allerdings schon. Ich beginne also wie immer bei mir selbst, wenn ich die Absicht habe, etwas in der Welt zu ändern – da bin ich ganz bei Gandhi:

„Sei du selbst die Veränderung,
die du dir wünschst für diese Welt.“

Ich habe viele Ideen, die ich noch nicht alle kommunizieren möchte. Dafür sind sie noch nicht geordnet genug – seid aber versichert: da kommt noch mehr.

Mein erster Schritt jedoch steht.

Ich habe mir eine Liste zusammengestellt von Beratungsstellen für Frauen, die national tätig sind. Bei den großen werde ich anfangen und mich dann zu den weniger bekannten durcharbeiten. Ich werde E-Mails an diese Stellen schicken. Natürlich, so wie ich es immer mache, mit offenen Karten spielen, meinen Blog nennen und sagen, dass ich schreibe. Ich denke, Transparenz ist hier sehr wichtig. Ich werde diese Stellen ansprechen auf das Thema BDSM und – ohne Vorwürfe oder Spitzen – einfach nur Fragen stellen, ganz offen, neutral. Ich möchte wissen, wie die Berater dort geschult sind und ob dieses Thema in irgendeiner Weise überhaupt zum Thema gemacht wird. Wie damit umgegangen wird, auch unter Beratern. Solche Fragen werde ich stellen und ich hoffe auf breite Resonanz und ehrliche Antworten. Ihr kennt mich: ich unterstelle nicht. Vielleicht waren die Berichte, die ich erhielt, Einzelfälle. Das wäre nicht weniger schlimm, aber vielleicht sind die meisten Stellen in dem Bereich offener und besser geschult, als ich gerade den Eindruck habe. Ich frage also nach – bilde mir mein Urteil dann, wenn ich Antworten und Informationen habe. Das ist der erste Schritt – der zweite hängt vom Ergebnis ab.

Ich halte euch natürlich über alles auf dem Laufenden.
Dafür – für euch – mache ich das ja.

 

Von Bäumen und Schatten

Ich sitze hier also auf einer etwas abgelegenen Lichtung im Wunderland, das ich natürlich nicht verlassen habe. Ich brauchte nur kurz ein wenig Ruhe, um mich zu sammeln. Auf dieser Lichtung hier ist es recht dunkel und die Luft ist nicht immer die allerbeste. Zweifel und Misstrauen begleiten mich Tag und Nacht. Ich habe es durchaus im Griff – immerhin sehe ich, was mir passiert ist und mir ist durchaus bewusst, dass solche Erfahrungen einen misstrauisch machen. Wenn man solche Dinge erkennt, kann man anders mit ihnen umgehen. Wenn mir also jemand etwas sagt – und sei es nur ein Kompliment – dann merke ich einen geradezu übermächtigen Reflex, die Krallen auszufahren. Nicht nur bei Komplimenten, sondern auch bei verschiedenen anderen Dingen: sobald sich die Gelegenheit bietet, eine versteckte Absicht hinter einer Aussage zu erkennen, ergreife ich sie und fahre die Krallen aus. Als könne ich niemandem nichts mehr glauben. Als hätten alle Menschen, vor allem Männer, nur Schlechtes mit mir im Sinn.

Wie gesagt – ich sehe, dass diese Reaktion in gewisser Weise natürlich und normal ist und dass sie sicherlich von alleine wieder nachlassen wird. Allerdings habe ich mich dazu entschieden, darauf nicht nur zu warten, sondern ein bisschen nachzuhelfen. Ich gehe also sehr bewusst damit um und versuche, dem Drang, meine Krallen auszufahren, so wenig wie möglich nachzukommen. Die meisten haben sie nicht verdient.
Es gefällt mir nicht, es ist ein Zug an mir, den ich nicht mag. Mag sein, ein paar von euch möchten mir jetzt raten, ich solle nachsichtig mit mir sein und nichts überstürzen. Das werde ich natürlich nicht und Nachsicht mit mir selbst habe ich durchaus in den letzten Jahren gelernt. Aber was ich nicht möchte, ist, dass andere sich von mir zerkratzen lassen, obwohl sie es tatsächlich nur gut meinen.
Es ist eine Gratwanderung – ich möchte vorsichtig genug sein, um selbst nicht wieder in Gefahr zu geraten. Aber nicht so vorsichtig, dass ich willkürlich die Krallen ausfahre und dabei Menschen verletze, die es nicht verdient haben.

Mit alldem meine ich in erster Linie den allgemeinen Austausch, den Kontakt, das Gespräch. Für Dates oder sexuelles Interesse war ich in den letzten Wochen in keinster Weise offen, habe das auch recht direkt kommuniziert. Ich denke, dieser Teil ist verständlich.

In den letzten Tagen merke ich aber, dass ich wieder mehr lachen kann, entspannter werde und meine Gedanken beginnen abzuschweifen… In vereinzelten Augenblicken kann ich mein Kopfkino wieder anschalten und ja, ich gebe zu – selten bin ich im Ansatz wieder empfänglich für… Kontakt. Allerdings unter so vielen Voraussetzungen, mit so vielen Einschränkungen und so vielen Handständen und Gratwanderungen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man(n) mich zum „Reagieren“ bringt, gegen Null geht.

Hm.

Exakt:

Gegen Null.

Nicht „Null“…

 

Die Tiere im Wald

Vorab:
Es ist herrlich zu sehen, wie viele fantastische Wesen und Tierchen mit Fell, Klauen, Flügeln oder Schuppen sich hier im Wunderland tummeln. Dazu noch Ritter und Krieger, die mir ganze Heere zu meinem Schutz schicken würden. Ich fühle mich wunderbar wohl und sehr sicher hier und jeder ihrer Besuche freut mich, solange die Grenzen meiner Lichtung akzeptiert werden.

An manchen Tagen der letzten Woche begann ich, mich ehrlich zu öffnen – es gelang mir, kurzzeitig zu flirten und auch Gedanken meldeten sich in meinem Kopf darüber, in welche Richtung denn mein Weg nun weitergehen würde. Das alles geschieht zurzeit auf Twitter (übrigens ein Satz, von dem ich niemals geglaubt hätte, dass ich ihn formulieren würde). Ja, zugegeben, es haben sich in den letzten Wochen und Monaten einige Kontakte über Twitter angebahnt, die mir – auch etwas, das mich überrascht hat – ernsthaft wichtig geworden sind, mit denen ich viel Spaß habe und die mir unglaublich gut tun.
Ein enormer Vorteil an Twitter, den Nachrichten und auch den öffentlichen Konversationen in der TL ist zurzeit, dass es genau das richtige Maß ist – für mich persönlich, wie ich hier auf der Lichtung sitze. Reale Kontakte liegen mir eigentlich noch fern, Joy-Dates auszumachen ist nicht wirklich eine Option und selbst Events reizen mich derzeit nicht. Auf Twitter hat es viele, die mir real genug sind, um mich mit ihnen auseinanderzusetzen und doch tut mir der Umstand ganz gut, dass sich das meiste online abspielt. Schwer zu beschreiben – ich bin mir gerade nicht sicher, ob ihr mich versteht. Vielleicht verstehe ich mich in manchen Dinge zurzeit selbst nicht ganz.

Was ich sagen will: zurzeit nutze ich den Vorteil des Netzes, um gerade so viel Kontakt zu Menschen zu haben, wie ich möchte – ohne die Grenze überschreiten zu müssen, jemanden real zu treffen, solange ich das nicht will. Ich kann die Grenzen hier sehr leicht selbst ziehen und das tut gut.
Nummerntausch kann ich an einer Hand abzählen, andere wissen meinen realen Namen, ein einziger hatte bereits die Ehre, mich real zu treffen – ohne wiederum Nummer und Realnamen zu wissen. Wieder andere haben andere vereinzelte Infos erhalten, oder bekamen Antworten auf intime Fragen, ohne irgendwelche anderen Informationen. Ich rede übrigens von Frauen und Männern. Jedem/r davon vertraue ich mit den entsprechenden Informationen und bislang hat mich keiner enttäuscht – meine Intuition lag auch hier bislang stets richtig. Ich mag den Austausch mit jedem davon.

Übrigens: Die Umfrage kürzlich auf Twitter darüber, wie ich die nächsten Wochen weitermachen soll, hat mir ungemein gut getan. Einfach, weil es Spaß gemacht und mich abgelenkt hat. Ich musste lachen und schmunzeln und die Freiheit meiner Gedanken mal wieder zu spüren, war herrlich. Einige von euch rieten mir sehr warmherzig und einfühlsam, ich solle einfach tun, wonach mir ist. Ich danke euch allen und ich versichere euch: genau das werde ich tun. So wie immer. 😉

Die Umfrage wird dennoch im Hinterkopf behalten…… 😉

Screenshot_20180422-173702.png

 

 

Der Weg von der Lichtung

Stellt euch also vor, ich sitze seit einigen Wochen hier, etwas abseits im Schatten an meinem Baum und beobachte das rege Treiben. Bei einigen Tieren in Pelz und mit Flügeln, Rittern in Rüstungen und anderen, die mir hier Besuch abstatten, werde ich hellhörig. Sie sind bunt und einzigartig und interessant und geben die wundersamsten Geräusche von sich, die mich faszinieren. Manchmal zucken meine Beine, die Muskeln in meinen Schenkeln – sind kurz davor sich anzuspannen, um sich zu erheben und sich – langsam, aber mit sicheren Schritten – von der Lichtung zu wagen und wieder mitzumischen. Einen Weg auszuwählen unter den vielen, die sich mir hier bieten, um irgendeinem dieser fantastischen Geschöpfe hinterher zu laufen…

 

Inmitten dieser Gedanken halte ich inne.
Wende mich um, verdrehe mir beinahe den Hals dabei, denn meine Muskeln sind schnelle Bewegungen nicht mehr gewohnt. Ich bin sicher, soeben eine Bewegung wahrgenommen zu haben. Etwas Weißes, ist das möglich? 

 

„Sie überlegte sich eben, (so gut es ging, denn sie war schläfrig und dumm von der Hitze,) ob es der Mühe werth sei aufzustehen und Gänseblümchen zu pflücken,
um eine Kette damit zu machen, als plötzlich ein weißes Kaninchen
mit rothen Augen 
dicht an ihr vorbeirannte.“

L. Carroll, Alice im Wunderland

 

Bereits in meinem ersten Beitrag schrieb ich vom weißen Kaninchen, das sich mir die letzten Jahre immer von Weitem gezeigt hatte und dem ich schließlich gefolgt war. Dieses weiße, flauschige Geschöpf, dem ich hinterher gelaufen war und wegen dem ich überhaupt hier bin. Das kleine, unscheinbare Tier, das mich bereits seit Monaten begleitet, sich ab und an zeigt, mir näher kommt und wieder zurückweicht. Kurz an meiner Hand schnuppert und mir sofort Raum lässt, wenn ich mich auch nur leicht anspanne. Es war immer schon da, ich hatte immer schon so manchen faszinierten Blick auf diese Kreatur erhascht. Ich war allerdings sicher, dass dieses kleine, weiße Tier eben einfach hier im Wunderland sein Unwesen treibt, nicht mehr. Eben hier war, um mir den Weg zu zeigen, mich durch verschiedenste Gänge zu führen und mir zu präsentieren, was das Wunderland zu bieten hat. 

Ihr könnt euch also sicherlich meine Verwunderung vorstellen, wenn ich erkennen muss, dass der weiße Hase nicht nur durchs Wunderland führt, mir nicht nur andere Kreaturen zeigen möchte – sondern seinen eigenen Bau hier hat.
Einen Bau, in den er zum Spielen einlädt, wenn es an der Zeit ist.

Einen Bau, der mich von außen nichts erkennen lässt, außer Dunkelheit und Faszination.
Einen Bau, in dem ganz besondere Spiele gespielt werden…

 

Meine Lieben,

ich hatte einige Wochen Ruhe und Frieden im Wunderland – dafür umso weniger in der Realität mit dem wütenden Teufel. Das Wunderland ruft, ich vermisse gewisse Dinge. Wie weit ich gehen werde und vor allem wohin und auch wann genau… und wo ich am Ende dabei lande… das alles sind Fragen, die ich noch nicht beantworten kann. Ich möchte euch heute nur so viel verraten:

Der weiße Hase selbst war der erste, dem eine Gratwanderung der besonderen Art gelungen ist.
Er hat es geschafft, dass ich trotz der stickigen Luft hier auf meiner Lichtung, die mich so schrecklich misstrauisch macht, beginne, mich etwas zu entspannen. Er lässt sich von meinen Krallen das Fell zerkratzen, wenn ich misstrauisch bin und bei Kleinigkeiten völlig überreagiere. Und er sitzt hier auf der Lichtung, seinerseits ein Wesen, das eher aus dem dunklen Gebüsch heraus agiert. Er sitzt und wartet, jagt und drängt nicht, solange, bis ich mich von allein entspanne. Wir teilten uns die Abgeschiedenheit der Lichtung in den letzten Wochen mit einem sicheren Abstand. Vielleicht, ganz vielleicht.. zucken meine Muskeln gerade so sehr, dass ich im Begriff bin, mich aus dem Schatten meines Baumes zu erheben und diesen Abstand um einen kleinen Schritt zu verringern. Einfach um mir sein Fell ein wenig genauer anzusehen. Mehr noch nicht.

Was das eigentlich bedeutet, weiß ich nicht. Und für jene, denen diese Geschichte zu konfus ist, kann ich sagen:

 

Im nächsten Beitrag werde ich ein wenig konkreter erzählen.

 

..von meiner Begegnung mit einem weißen Hasen im Wunderland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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