Wie führe ich meinen Partner an BDSM heran?

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Nun, grundlegend sehe ich hier schonmal eine wichtige, vorhandene Basis – nämlich die Absicht, gemeinsam glücklich zu werden, ein erfülltes Sexleben zu haben und den Partner nicht zu überfordern. Das ist meines Erachtens das A und O. Gerade bei dieser Art von Sexualität ist es immens wichtig, das Gegenüber nicht zu überfordern oder zu irgendetwas zu drängen.

Wenn du sagst, er hat dich bereits ein wenig gebissen (vielleicht gab es auch schon andere Kleinigkeiten in die Richtung, die keiner von euch als „kinky“ empfunden hat, weil sie im Grunde harmlos waren, aber eben in eine Richtung zeigten), dann ist zumindest das generelle Bedürfnis da, dich nicht nur zu streicheln ;). Wichtig ist allerdings zu erkennen, dass nicht jeder gleich tickt – das bedeutet zum Einen, dass auch unter BDSMlern jeder in anderen Richtungen unterwegs ist (die einen sind hauptsächlich sadistisch veranlagt, während die anderen eigentlich nur Bondage praktizieren, usw.). Und zum Anderen ist es eine Frage der Intensität.

Konkret bedeutet das, du müsstest – oder besser: ER müsste – herausfinden, was er mag. Gefällt ihm der Gedanke an Schmerz, an das Demütigen, an Macht und Kontrolle? Was passiert, wenn er so fest zubeißen würde, dass dir tatsächlich ein „Schmerzlaut“ entwischen würde? Würde es ihn (wenn er wüsste, dass es nicht ernsthaft schlimm war) anmachen? Das sind grundlegende Fragen, die eigentlich recht leicht herauszufinden sind. Es gibt Bücher, Pornos, Austausch, Internet, Gedanken, Foren – was auch immer. Auf neue Gedanken zu kommen und sich zu entdecken ist heutzutage leichter als je zuvor. Bei diesem Schritt kannst du entweder das Gespräch suchen und mit ihm gemeinsam entdecken oder du bietest ihm an, bspw. Pornos für sich allein zu schauen, um anschließend mit dir darüber zu sprechen. Ich weiß zum Beispiel, dass viele Menschen gerade in dieser Phase des Entdeckens erst „mit sich“ klarkommen müssen. Selbst annehmen müssen, dass sie zum Beispiel auf Pornos reagieren, bei denen Frauen geschlagen werden.
Findet also erst einmal heraus, in welche Richtung er bzw. ihr beide überhaupt tickt. Das kann reichen von Schmerzen, über Fesselspiele (Ausgeliefertsein), über Rollenspiele bis zu verbalen Demütigungen (was, wenn er dich zum Beispiel im Bett einmal Schlampe nennen würde? Wie wäre das für ihn und vor allem: für dich?). Findet also die Richtung heraus (das können selbstverständlich auch mehrere sein) und wenn ihr den Weg in eine Richtung einschlagt, ergibt sich die Intensität (also die Frage: Wie weit wird dieser Weg dann gegangen?) mit der Zeit von ganz allein.

Um diesen Weg aber zu gehen, ist es wichtig, einen ersten Schritt zu machen und der ist – meiner Erfahrung nach – der schwierigste:

Akzeptanz.

Du scheinst für dich ja bereits kommunizieren zu können, dass du Interesse und sogar das Bedürfnis danach hast. Dein Partner ist vielleicht noch nicht soweit. Sollte diese Neigung bei ihm vorhanden sein (auch hier ist natürlich wichtig, nichts zu erzwingen, was nicht da ist), muss er sich damit auseinandersetzen und vor allem (!) begreifen, dass BDSM eine sexuelle Spielart ist. Weiter nichts. Ein Rollenspiel. BDSM ist nicht die Auflehnung gegen alle gute Kinderstube und die psychische Erkenntnis, dass ich darauf stehe, Frauen schlecht zu behandeln. Ich weiß aus eigener Erfahrung mit einigen Männern, dass diese Hemmung übermächtig sein und alles ausbremsen kann, wenn man nicht bereit ist, daran zu arbeiten. Ein dominanter Mann, der BDSM verstanden hat, gibt einer Frau noch mehr als jeder andere das Gefühl, tiefsten Respekt für sie zu empfinden. Gerade weil er begriffen hat, was es für sie wiederum bedeutet, sich ihm zu unterwerfen. BDSM ist nicht der Mangel an Respekt gegenüber einer Frau – er ist das  genaue Gegenteil.

Überfordere ihn nicht – wenn du ihm beispielsweise Bilder zeigst von einem rot-blau-geschlagenen Rücken, ist das für ihn wohl siebzehn Schritte zu weit. Stell dir vor, er denkt sich in diesem Moment, du könntest das in dieser Intensität wollen. Er wüsste noch in derselben Sekunde, dass er dir das nicht würde geben können – zurecht. Niemand überspringt so viele Schritt und steigt mit hartem Auspeitschen ein. Dein Partner muss zuerst für sich selbst begreifen, dass BDSM nicht bedeutet, Frauen schlecht zu behandeln, sondern dass es ein Rollenspiel ist, das sexuelle Fantasien erlebbar werden lässt. Dass du es willst und darauf stehst. Dass es dir gefällt. DAS zu merken ist für ihn am Anfang immer das Wichtigste. Deshalb: fangt langsam an.

Wenn er dich mal wieder beißt, gib ihm zu verstehen, dass es ein bisschen fester auch gut wäre. Ähnliches, wenn er dir auf den Arsch haut. DAS sind die ersten Schritte. Gemeinsam Pornos von Auspeitschungen anzuschauen oder Public Disgrace mit zehn Männern würde bei ihm lediglich ein Gefühl verursachen von „oh Gott, ist das heftig – das würde ich niemals können“. Und dieses Gefühl vergrößert die Hemmungen.

Stell dir vor, ihr schaut euch einen solchen Porno an und du reagierst positiv odr zumindest interessiert darauf: er würde wissen, dass er das nicht kann, zumindest NOCH nicht. Die Schlussfolgerung? Er hätte das Gefühl, dir nicht geben zu können, was du möchtest. Das Gefühl, dass dir etwas fehlt, du dich nach etwas sehnst, das du bei ihm (noch) nicht bekommst. Und worin endet das?

In Druck.

Und Druck, meine Liebe, ist der absolute Killer jeder sexuellen Beziehung – ob Vanilla oder BDSM. Ich möchte nicht (!) sagen, dass du verschweigen sollst, was dir gefällt. Er darf das ruhig wissen – Ehrlichkeit steht an oberster Stelle. Aber überfordere ihn nicht und achte auf einen Mittelweg. Finde einen Weg, den ihr gemeinsam gehen könnt und zeig ihm auch bei kleinen Schritten, dass es die richtige Richtung ist. Ob das im Endeffekt funktionieren wird, kann ich nicht beurteilen – das werdet ihr herausfinden. Dabei spielt es wohl eine Rolle, wer von euch wie tickt und vor allem, wie wichtig das Thema wem von euch beiden ist. Im besten Fall geht ihr die meisten Schritte gemeinsam und endet in einer ausgesprochen glücklichen, kinky Beziehung – ich würde es euch wünschen. 😉

Noch zu den konkreten Schritten:

Wenn ihr Gespräche geführt habt und euch an das Thema grundlegend herangetastet habt, gibt es verschiedene Dinge, die man probieren kann. Ich finde zum Beispiel „Die Wahl der Qual – Handbuch für Sadomasochisten und solche, die es werden wollen“ von Passig/Strübel ganz nett für Einsteiger. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bislang noch kein Buch gefunden habe, von dem ich absolut überzeugt war (würde am liebsten selbst eins schreiben… 😉 ). Im Gegensatz dazu empfehle ich euch tatsächlich den Joyclub. Einerseits für das Nachlesen und den Input in den Gruppen und Foren. Auf Joy sind ausgesprochen viele Einsteiger unterwegs und auch sehr viele Paare, die genau dieselben Fragen haben wie ihr. Es hat einige Threads mit Diskussionen und Ideen zu diesen Themen und auch Gruppen, die nur für Neulinge bestimmt sind.

Und andererseits kann das gemeinsame Surfen auf Joy ausgesprochen anregend und bereits ein eigener Schritt in diese Welt sein. Zwei oder vielleicht drei Schritte später (kommt auf euch beide an) käme dann der Besuch einer Veranstaltung. Das muss nicht gleich ein Event sein. Solltet ihr euch beide ernsthaft interessieren, empfehle ich ein Seminar – es gibt in allen großen Städten ausgesprochen tolle, lehrreiche Einsteiger-Seminare. Auch (kostengünstiger als Seminare) Stammtische hat es mittlerweile überall, die tolle Austausch-Möglichkeiten sein können. Und ja, ihr könnt euch natürlich irgendwann auch überlegen, ein Event zu besuchen – und sei es nur, um gemeinsam an der Bar zu sitzen, zuzusehen und sich Anregung für Zuhause zu holen.

Das wichtigste ist: redet. Wirklich, meine Liebe, redet über alles und redet darüber, dass es manchmal schwierig ist, über bestimmte Dinge zu reden. BDSM lebt von der ersten Sekunde an von Kommunikation. Dräng ihn zu nichts und lass dich nicht drängen. Sprich aus, was dir gefällt und was nicht. Sei geduldig, aber kommuniziere ruhig, dass du das Bedürfnis hast, dich dahingehend auszuprobieren. Versteck dich und dieses Bedürfnis nicht – das geht nach hinten los ;). Aber redet miteinander – lieber zu viel als zu wenig.

Das vorerst von mir. Bei weiteren Fragen – du weißt, wo du mich findest.

Angeregte Grüße

O.

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