Barschlampe, Teil VI – 1/2

Oder: Von Dates, toten Schlangen und herrlichen Diskrepanzen

 

Meine Lieben,

ich beginne Gefallen zu finden an meinem einsamen Wandern durchs Wunderland. Hauptsächlich deshalb, weil nie allzu viel Zeit vergeht, bis mir bewusst wird, dass ich so einsam hier eigentlich nicht bin. Ich werde stets von einem regen Vogelgezwitscher im Hintergrund begleitet, das dafür sorgt, dass es nie ganz still ist um mich her. Und hatte ich noch vor einiger Zeit von dem Wunsch nach einem Lagerfeuer berichtet, so muss ich schmunzelnd feststellen, dass ich wohl genau das gefunden habe. Es ist nicht ganz so gemütlich, wie ich erhofft hatte und vielleicht dürfte das Feuer noch ein wenig wärmender sein. Aber ja: ich habe jemanden gefunden, an dessen Lagerfeuer ich mir ab und an kurz die Hände wärmen darf. Auch ein Nomade – wie ich. Auch ein Einzelgänger – wie ich. Aber auch jemand, der seltene Augenblicke der Verbundenheit genießen kann, wenngleich er weiß, dass sie nie lange anhalten.

Wie ich.

Ich möchte euch heute erst von einer flüchtigen Begegnung erzählen und danach von einer Nacht im Wunderland. Von Schlägen und sanften Streicheleinheiten. Von Teiresias, der vor meinen Augen eine Schlange tötete, sich verwandelte und damit für Aufruhr sorgte – nicht nur bei mir.

Und von einem geseufzten „endlich“, das ein höchst ambivalenter Gott mir beschert hat.

Aber wie immer, meine Lieben:

Von vorn.

 



 

Licence to date

Zu meinem Date mit James am Donnerstag wollte ich erst gar nicht viel sagen. Ich weiß nicht genau weshalb – aber das Bedürfnis, viel darüber zu schreiben, hielt sich in Grenzen. Mein letztes war über fünf Monate her und es war mein Rendez-vous mit dem Teufel. Seither hatte ich kein Date-Date mehr und ich muss zugeben, dass ich es vermisste. Das… „was soll ich anziehen?“, die Aufregung, die Vorfreude, die Spannung. James war ein guter Kandidat, um mich mal wieder aus dem Haus zu wagen und der Abend bot mir die Gelegenheit, mich einem meiner Ticks zu stellen – die Sache mit dem Essen in der Gegenwart von Fremden. Und da ich nie einer Chance aus dem Weg gehe, mich mit einer Angst zu konfrontieren, ergriff ich die Gelegenheit. Ich wusste, der Abend würde mindestens gut werden – wenn sich nichts ergeben würde, so hätte ich definitiv einen charmanten und interessanten Gesprächspartner. Also why not?

Er schrieb mir zwei Tage vorher, er hätte in einem Sushi-Restaurant einen Tisch reserviert. Die Kommunikation war ganz nach meinem Geschmack: wenige Nachrichten, Interesse war deutlich, aber nicht too much. Es war angenehm. Übrigens möchte ich euch den Einstieg zu dem Date kurz erzählen, in der Hoffnung, dass sich in den Köpfen einiger von euch das Denken über „Peinliche Dinge, die beim ersten Date passieren“ ein wenig relativiert:

Wir waren um 20 Uhr dort verabredet. Ich wusste, das Restaurant war im Zentrum der Stadt – allerdings in einem derart teuren, Prada/Gucci/Chanel-Viertel, das ich mich dort nicht auskannte. Das Parkhaus fand ich schnell (ich zahlte rund 20 Euro Parkgebühr, was mir ausgesprochen wehtat), war mir aber über den restlichen Fußweg zum Restaurant nicht sicher. Google Maps in allen Ehren, aber die Fußwege durch umgebaute, neue Straßen scheint es nicht zuverlässig zu kennen und wenn man Fußgänger nach dem Weg fragt, die einen (wie sich später herausstellte) in die exakt falsche Richtung lotsen, dann… nun ja, kann es passieren, dass man sich um 20.12 Uhr irgendwo in der Großstadt wiederfindet – nur nicht da, wo man sein soll. Ich bin kein Freund von „eine Frau muss einen Mann warten lassen“ und stand schließlich vor der Entscheidung, ihm den Eindruck zu vermitteln, dass ich genau zu diesen Frauen gehörte, die beim ersten Date aus Prinzip zu spät kommen oder ihm zu gestehen, dass ich einen unterdurchschnittlich ausgeprägten Orientierungssinn hatte und den Eindruck zu vermitteln, dass ich vielleicht nicht die hellste bin. Da ich mit den Heels schon viel weiter gelaufen war als ich vorgehabt hatte, hielt ich kurz inne und dachte nach. Ich kam zu dem Schluss, dass ich ihn von meinem Intellekt durchaus im Laufe des Abends überzeugen konnte – aus der Nummer mit der Unpünktlichkeit würde ich mich eher weniger herausreden können. Also rief ich ihn an.

Ich verzichte an dieser Stelle darauf, euch sein amüsiertes und zugleich irritiertes Lachen zu beschreiben und in Worte zu fassen, wie unangenehm mir das war. Ich kann nur sagen: zum Glück bin ich mittlerweile souverän genug, dass ich über mich selbst lachen kann. Tatsächlich konnte er mir einen guten Tipp geben und innerhalb weniger Minuten lief ich auf ihn zu, der vor dem Restaurant auf mich wartete. Lasst euch gesagt sein: jedem passieren unangenehme Dinge und so selbstsicher ich wirke mit meinem „Frau O hat ein Date“ und den Heels, dem Outfit und der Einstellung, so sicher dürft ihr euch sein, dass auch mir solche Dinge passieren und dass auch ich es nicht immer schaffe, völlig souverän zu bleiben. Wichtig ist hier genau eine Sache: Humor. Und was ich ebenfalls gelernt habe:

Wer in solchen Augenblicken nicht mit mir lachen kann, der ist ziemlich sicher ohnehin nicht der Richtige für mich.

Nun ja. Das Date selbst war schön.
Das Essen war großartig, das Ambiente toll und die Gesprächsthemen gingen uns ebenfalls nicht aus. Ich muss zugeben, dass ich es genoss, einen Gentleman der alten Schule vor mir zu haben – mal was anderes. Und ja, James ist ein beeindruckender Mann, der in seinem Leben viel erreicht hat und erfolgreich ist. Leider halte ich genau das für das Problem und vermutlich auch den Grund, weshalb aus der Sache nichts wird:
Ich wusste ja bereits von Gerüchten, dass er als Frauenheld gilt und man ihn dafür kennt, jüngere Frauen zu haben. Das stört mich nicht und da ich nicht die große Liebe suche, interessiert es mich auch herzlich wenig, wie ein Mann seine Frauengeschichten handhabt. Was mich durchaus interessiert, ist, wie ein Mann mit Frauen im Allgemeinen umgeht, auch unabhängig von Sex. Wie er sie sieht, was er für ein Bild von ihnen hat und ja, auch auf welche Art von Frau er steht bzw. sucht. James begann zu erzählen – von seinem Leben, seinem Beruf, seinem Studium. Ich habe nachgefragt, mehrmals – aus ehrlichem Interesse. Allerdings drängte sich mir mehr und mehr der Eindruck auf, dass er irgendwie… gewohnt war, an gewissen Stellen innezuhalten, um ein bewunderndes „wow“ von seinem Gegenüber zu ernten. Das blieb bei mir aus. Ich meine… klar, ich war beeindruckt. Toller, erfolgreicher Mann, der etwas aus seinem Leben gemacht hat. Finde ich gut. Das haben andere in seinem Alter allerdings auch und vor allem ist es nichts, worauf ich Wert lege. Er stellte mir dieselben Fragen und wenn ich für gewöhnlich meide, mit dem Staatsexamen, Abschlüssen und Promotionsangeboten zu prahlen, so wollte ich wissen, wie er reagierte – und ja, zugegeben, ein kleines „das kann ich auch“ war durchaus dabei. Ich mag es nicht, wenn Männer mich als naives, junges, lebensunerfahrenes Ding sehen, nur weil ich zwanzig Jahre jünger bin. Jedenfalls wurde er merklich ruhiger und als ich geendet hatte, sah er mich an, zögerte und sagte dann nicht ohne einen überraschten Unterton:

„Du bist ja voll die interessante Frau…“

Na so viel dazu, dachte ich nur.

Ich lachte kurz und versicherte ihm, dass ich heute kulant sei und das jetzt nicht als Beleidigung aufnehmen würde. Später erzählte er mir von einer ernsthaften Geschichte, die noch nicht viele Jahre her war. Ich gewann irgendwann den Eindruck, dass er das vielleicht noch nicht überwunden hatte oder es ihn zumindest so geprägt hatte, dass er sich nicht auf etwas Richtiges einlassen will. Und mit „richtig“ meine ich alles, was über „das Leben genießen, sich eine zwanzig Jahre jüngere Frau suchen, mit ihr Spaß haben und es genießen, dass sie mich durchaus ein wenig anhimmelt“ hinausgeht.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde das nicht verwerflich, solange er mit diesen Frauen gut umgeht und alle ihren Spaß haben. Aber für mich ist das nichts.
Ich mag ihn, der Abend war interessant, der Kuss am Ende gut – aber wirklich gefühlt habe ich auch nichts, so ehrlich muss ich sein. Es war angenehm, aber ich lag nicht abends grinsend im Bett und dachte nochmal daran – stattdessen saß ich mit der Seelenschwester nachts auf der Couch und futterte die Reste des Sushis. Übrigens glaube ich auch, dass es James ähnlich ging. Ich denke, er hat gemerkt, dass ich nicht das bin, was er sucht und womit er klarkommt. Er schrieb mir am Tag danach – ich antwortete. Seither ist Ruhe und ich schätze das gilt einstimmig. Abgesehen davon kennt er mich von Events gut genug, um zu wissen, wie ich spiele – und er gehört nicht zu den dominantesten Männern, was wir wiederum beide wissen. Ich suche definitiv wieder einen Spielpartner, aber ich vermisse auch normalen Sex. Wenn ich also jemanden finden würde, mit dem ich gut verstehe – ohne BDSM, eine gewöhnliche Freundschaft Plus -, dann hätte ich dagegen auch nichts. An so etwas hatte ich bei James gedacht. Aber wenn die Eigenschaft „Dominanz“ schon fehlt… nun ja, dann muss der Rest schon ziemlich gut passen.

Aber hey. Es war ein schöner Abend und hinzu kam ein ausgesprochen großer Schritt für mich: ich habe meinen Tick unter Kontrolle gehabt und konnte im Laufe des Abends ziemlich gut essen… 😊

(Nachtrag am Mittwochabend: Er hat mir eine lange Nachricht geschrieben nach dem Wochenende. Unter anderem, dass er mich wiedersehen will und ob ich Interesse hätte. Ich habe abgesagt. Nach einigen Anläufen und Änderungen der Nachricht – denn ja: irgendwie unangenehm ist sowas immer. Ich mag ihn, der Abend war toll und ich würde mich freuen, ihn wiederzusehen – er ist ein interessanter Mann. Ich könnte mir sogar vorstellen, nochmal mit ihm essen zu gehen, einfach so. Aber Sex? Hm. Irgendetwas hat gefehlt. Ob ich mal wieder zu wählerisch bin oder einfach auf einen gewissen Funken warte und die Absage berechtigt war, weiß ich nicht. Ich handle intuitiv – wie immer. Das führt zwar dazu, dass ich seit fünf Monaten NICHT GEFICKT WURDE UND UNTERSCHWELLIG AGGRESSIV BIN – *räusper. Verzeihung… Aber ebenso führt es dazu, dass ich nachts ruhig schlafen kann, weil ich auf meine innere Stimme höre. 😉 )

Vorzeichen

Das Event am Samstag war ein eher kleines mit wenigen Anmeldungen. Ich wusste, es würde nicht allzu viel zu tun geben – was wiederum bedeuten würde, dass jede von uns ab und an Pause machen konnte. Loki hatte mir in diesem Zusammenhang schon am Anfang der Woche eine vielsagende Nachricht geschrieben:

„Dann haben wir diesmal schon mehr Zeit…“

Die Tage vergingen und ich freute mich auf das Event – eine durchschnittliche Freude, weil das Arbeiten dort Spaß macht und mir die Menschen dort einfach guttun. Und ja, auch weil ich Loki wiedersehen würde.

Was meine Erwartungen ein wenig senkte, war ein eingeklemmter Nerv am Tag davor. Den Freitag verbrachte ich mit Schmerzen, die nach einem Physio-Termin am Samstagmorgen zwar deutlich besser wurden, aber eben nicht verschwunden waren. Mein Physio-Mensch meinte, dass nichts mehr passieren kann und ich mich auch so bewegen darf, wie es eben geht – besser als Schonhaltungen. Aber was der Muskel jetzt noch nötig hätte, war Entspannung.

Die Zeichen für den Abend standen nicht unbedingt günstig, den Tag über hatte ich noch immer Schmerzen, auch wenn sie ein wenig besser wurden. Sessions, Peitschen und zusätzliche Schmerzen waren allerdings das letzte, worauf ich große Lust hatte – ich war froh, wenn das Arbeiten selbst halbwegs schmerzfrei laufen würde.

Interessanterweise sind es häufig genau die Abende, von denen man wenig erwartet, die dann die besten werden.

Mal was anderes

Der Abend begann ruhig und entspannt. Die ersten Gäste sammelten sich in einer kleinen Traube um die Bar, was fast schon zu einer Wohnzimmer-Atmosphäre führte.

Loki hatte mich zur Begrüßung zum ersten Mal geküsst. Also… so richtig geküsst. Das machten wir für gewöhnlich nicht, was mich nicht weiter störte. Als er mich jedoch in einen langen Kuss zog, den er schnell vertiefte, beschwerte ich mich nicht. Es fehlte mir – das Küssen. Und ja, Körperkontakt im Allgemeinen. Auch für ihn war der Abend recht entspannt, was ihm erlaubte, regelmäßig hinter der Bar vorbeizuschauen und mich von hinten zu umarmen. Er küsste meinen Hals, griff in mein Haar (vorsichtig natürlich – ich hatte ihm von meinem Nacken erzählt) oder streichelte meine nackte Kehrseite, an der er wie immer Gefallen fand. Irgendetwas war allerdings anders – er wirkte… vertrauter, sanfter als sonst. Ich mochte es.

Die ersten beiden Stunden liefen langsam an und ohne wirklich Erzählenswertes. Nun, außer einer Sache.

„Ich überleg’s mir“, hatte Teiresias morgens noch geschrieben, als es um die Frage ging, ob er kommen würde oder nicht. Ich war auf beides gefasst – darauf, ihn heute nicht mehr zu sehen (was ich schade gefunden hätte, aber was in gewisser Weise auch sinnvoller gewesen wäre) oder ihn bzw. wohl eher: sie zu sehen (was mich gefreut hätte, aber für weitere verkomplizierende Situationen gesorgt hätte). Das zwischen uns beiden ist… nun ja. Geklärt einerseits und dann doch wieder überhaupt nicht. Mein Verstand verbietet mir, einen Schritt weiterzugehen – es ist zu kompliziert, zu viele schwierige Themen sind in dieser Geschichte involviert und ich kann mir nicht leisten, ein Risiko einzugehen. Nicht so eines. Wenn diese Sache schief geht, würde ich ihn verlieren und selbst wenn es nicht schief gehen würde: wir haben über das Thema von damals seither nicht mehr ausführlich gesprochen und alles in mir wehrt sich, mich auf ihn einzulassen, obwohl ich weiß, dass er eigentlich einen Entschluss gefasst hat. Ich weiß nicht, wie ich damit klarkäme, wenn sie mir noch wichtiger werden würde als ohnehin schon. Also nein, ich kann und ich will nicht. Nennt mich verbohrt oder rational oder stur oder von mir aus hart. Es ist Selbstschutz und ja, der ist mir wichtiger als alles andere.

Jedenfalls hörte ich irgendwann Loki selbst, der mir und meiner Kollegin verkündete, er habe Teiresias draußen gesehen.

„Aber als Mann“, fügte er hinzu.

Ich sah auf.

„Wie meinst du das?“

„Na, wie schon? Kommt als Mann. Und alter Schwede – sieht der gut aus…“.

Ich schwieg. Ehrlich gesagt war ich mir nicht sicher, ob ich das glauben sollte. Vielleicht hatte Loki ihn verwechselt? Die Vorstellung, dass er als Mann auftauchen würde, schien mir irgendwie völlig abwegig. Ich schüttelte den Gedanken daran ab, als der Stammsklave nach einem Getränk fragte und arbeitete weiter.

„Au“, entfuhr es mir, als meine Kollegin mich unsanft in die Rippen stieß. Ein bisschen glich der Augenblick einem Film, aber ich erfinde die Details hier nicht. Ich sah auf, irritiert und ein wenig ungehalten – im nächsten Augenblick aber hielt ich inne. Teiresias kam auf uns zu – und ja. Er kam als Mann. Und die Erscheinung war eine so völlig unerwartete, dass ich für einige Augenblicke jegliche Selbstkontrolle verlor. Ich hatte euch bereits davon erzählt, wie übertrieben attraktiv dieser Mann war, als er in Jeans und Shirt und einmal in einem aufgeknöpften, weißen Hemd vor mir stand. Jetzt kam er langsam, selbstsicher auf mich zu (natürlich auf uns alle – aber in diesem Moment fixierten unsere Blicke sich so wie immer und ja, es fühlte sich an, als wären wir allein im Raum). Das Krasse an der Sache und die Tatsache, die ich niemandem geglaubt hätte, hätte ich es nicht gesehen: er trug einen Anzug. Einen perfekt sitzenden, dunklen Anzug, darunter ein weißes Hemd, lässig die oberen Knöpfe geöffnet. Er kam langsam auf mich zu, die Hände in den Taschen und… ach, ich versuche gerade in Worte zu fassen, was ich einfach nicht beschreiben kann. Ich kann nur sagen: das, was ich sah, machte mich sprachlos. Ließ mich schweigen und innehalten und… ihn anstarren. Er sah grotesk gut aus in diesem Teil und Fakt war: ich war nicht die Einzige, die das so sah.

„Hey, hast du T. gesehen? Total krass, oder?“, war ein Satz, den ich häufig hörte – so auch in diesem Augenblick, während ich ihn noch immer schweigend anstarrte und ihn dabei beobachtete, wie er die ersten Leute begrüßte – den Blick dabei immer wieder zurück zu mir. Hatte ich geglaubt, dass nur sie diese Macht hatte, mich mit ihrem Blick zu fixieren, so wurde ich jetzt eines Besseren belehrt. Als er direkt vor der Bar stand und mich mit einem leisen, wissenden Lächeln bedachte, konnte ich einfach nicht mehr anders. Rückblickend betrachtet möchte ich gern so etwas schreiben wie „was zur Hölle ist denn in dich gefahren?!“, aber ich kann es nicht ändern und ich weiß nicht, ob ich es wollen würde. Trotz allem war es weder vernünftig, noch angebracht oder auch nur halbwegs sinnvoll, als ich die Flasche, die ich noch in der Hand hielt, abstellte, ans Ende der Bar lief, durch die Schwingtür in den Raum trat, auf ihn zuging und… ihn küsste.

Ja, ich weiß. Bescheuert. Keine Ahnung, was mich geritten hat, aber… ich musste einfach. Es war eben so. Er wirkte wie ein Magnet auf mich – es war unmöglich. Ich musste ihn berühren, um mir zu zeigen, dass diese Erscheinung echt war. Und ja, er erwiderte meinen Kuss, der natürlich ein klein wenig ausartete und der auch einige Blicke kassierte. Vor allem als ich anschließend wieder hinter die Bar trat und weiterarbeitete. Ich kam mir selbst noch für einige Minuten etwas unbeholfen vor, weil ich kaum normal mit ihm sprechen konnte, ohne ihn wieder anstarren zu müssen. Irgendwann machte ich ihm ein Getränk und er drehte seine Runden durch die Location und begann, sich in Gespräche zu verwickeln. Ich entspannte mich – ordnete mich ein wenig und hatte dadurch die Möglichkeit, ihn von weitem ab und an unauffällig zu beobachten, die Gelegenheit, mich an den Anblick zu gewöhnen. Nun, soweit das eben möglich war.

Brot und Spiele

Loki genoss die Entspanntheit des Abends, das merkte ich. Als er mich wiederholt von hinten umarmte, legte ich meinen Kopf an seine Brust und genoss seinen fordernden, aber doch irgendwie gefühlvollen Griff um mich. Ich weiß bis heute nicht, was es eigentlich ist, das mich daran so kickt – aber fuck, werde ich feucht, wenn ich in der Öffentlichkeit bespielt werde. Loki begann irgendwann mich vornüber zu beugen und zuzuschlagen. Klassisches Spanking, das mir aber oft mehr gibt, als jedes künstliche Spielzeug. Und was ich in dieser Nacht deutlich merkte: Loki ist aufmerksam und er beginnt, mich kennenzulernen. Mich zu verstehen. Auf meine Reaktionen immer sensibler zu reagieren und sein Spiel anzupassen. Er macht nicht das, was ihn am meisten kickt – sondern das, was mich am meisten kickt. Er zog mich in dieser Nacht nicht in den Playroom – auch nicht am Ende. Wir spielten insgesamt drei Mal und nichts davon trug sich in einer dunklen Ecke ab, sondern im Gegenteil am öffentlichsten Ort des Abends: direkt hinter der Bar. Meine Kollegin trat beim Arbeiten (dafür durfte sie natürlich später Pause machen, versteht sich) vorsichtig um uns herum und wich aus, was sich vermutlich als Gesamtbild für das Publikum wunderbar eignete. Ich nahm nur die Menschen wahr, die den Raum vor der Bar plötzlich füllten – in dem Wissen, dass es nicht unbedingt daran lag, dass plötzlich alle Durst hatten.

Loki begann zuzuschlagen, sich und meinen Arsch aufzuwärmen und wechselte dabei regelmäßig zwischen hemmungslosen Schlägen und dem sanftesten Streicheln, das ich von ihm kannte. Er stellte mich wieder auf, öffnete schließlich den unteren Teil meines Outfits – einen Lederriemen, der fest zwischen meinen Beinen saß und ein wenig wie ein Keuschheitsgürtel wirkte.

„Soll ich dich anfassen?“, raunte er mir ins Ohr, während seine Hand meine Kehle gepackt hielt, sodass ich kaum Luft bekam und an eine Antwort nicht zu denken war. Ich wimmerte. Gleich darauf öffnete seine andere Hand den Riemen und fasste mir zwischen die Beine.

„Oh, da hat es aber jemand nötig, nicht wahr?“

Im nächsten Augenblick löste sich seine Hand von meinem Hals, nur um sofort meinen Arm zu greifen und ihn grob aber effektiv auf den Rücken zu drehen. Ein klassischer Griff, der mich sofort zwang, mich nach vorn zu beugen – direkt auf die Bar. Er presste mich grob nach unten und befahl mir, meine Beine durchzustrecken und ihm meinen Arsch zu präsentieren, während er sich mit einigem Gewicht auf meinen Rücken stützte, sodass meine Brüste und auch meine Wange sich hart auf das kalte Material drückten. Ich spürte Nässe in meinem Gesicht – natürlich, es war mein Arbeitsplatz, an dem ich Getränke mischte – und roch eine Mischung aus Alkohol, Zitronen und der chemischen Süße von Red Bull.
Es war nicht gerade appetitlich, mit dem Gesicht in dieser Mischung zu liegen.
Ja, es war… demütigend.

Und fuck – es war gut.

Loki schlug zu. Oft. Hart. Ich kann nicht wirklich beschreiben, woran es liegt: …und ja, es kickt mich durchaus, mit der Gerte oder etwas anderem bespielt zu werden. Aber die rohe Gewalt, die animalische, reine körperliche Kraft der Hand eines Mannes auf meiner Haut zu spüren, ist mir tausendmal lieber. Und nein, ich rede nicht von einem „Klaps auf den Po“ oder dem „Zuhauen“ beim Doggy Style. Ich spreche von Schlägen. Von Kraft. Von einem dominanten Mann, der – wenn er weiß, dass es gewollt ist, einvernehmlich ist – keine Hemmung hat und sich nicht zurückhält. Der zuschlägt.


Exkurs: Frauen schlagen und anderer Spaß

Vielleicht trauen sich manche nicht so direkt, das auszusprechen, darüber zu schreiben oder zu reden. Oder vielleicht gehöre ich da wirklich einer Minderheit an? Vielleicht steht die Mehrheit der masochistischen und devoten Frauen tatsächlich mehr auf Schlaginstrumente, wer weiß? Mein Eindruck ist, dass das selten so ausgesprochen wird, wie ich es gerade tue. Vielleicht weil es manchen Menschen seltsam vorkommt, weil es Sätze sind, die merkwürdig anmuten und die körperliche Gewalt von Männern an Frauen beschreiben und zugleich in ein positives Licht stellen? Ich weiß es nicht. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich für das Gegenteil stehe. Dass mein Blog für das Gegenteil steht. Aber unter der Voraussetzung des SSC ist alles in Ordnung, was beiden Spaß macht und keinem schadet.

Ich zum Beispiel bin eine Frau, die sich durchaus auch gern von Gerten schlagen lässt. Die auch an den Punkt kommen kann, an der ihre masochistische Ader so krass durchschlägt, dass ihr eine Hand nicht reicht – und wie viele von uns wissen, können Gerten, Flogger und Rohrstöcke die Schmerz-Skala deutlich erhöhen. Aber ich bin nicht in erster Linie masochistisch. Das, was meinen Kopf fickt, ist die Unterwerfung. Oder besser: das unterworfen-werden. Und ja, für mich gehört mehr dazu, als mich brav an eine Wand zu stellen und mir zwanzig Schläge mit der Dressurgerte abzuholen. Ich bin nicht brav, ich bin nicht gehorsam und ich warte nicht artig auf meine Schläge. Es kickt mich, die Überlegenheit eines Mannes zu spüren. Die rohe Kraft seiner Muskeln, die Fähigkeit, Schaden zu verursachen. Eine Gerte ist ein verlängerter Arm, ein Hilfsmittel – könnte ich es mir aussuchen: meine Entscheidung würde in den allermeisten Fällen auf den männlichen Körper fallen und das, was er damit anstellen kann. Ich möchte, dass er ausholt. Dass er sich nicht zurückhält und mir zeigt, wozu er in der Lage ist. Ein solcher Schlag – wirklich in dieser Art ausgeführt – kann ernsthaft wehtun. Deutlich mehr als ein zurückhaltender Klaps mit einem Rohrstock, weil jemand sich nicht traut. Den Unterschied zwischen einem authentisch dominanten Mann und einem Ich-möchte-gern erkenne ich u.a. in solchen Dingen. In der Kontrolle über die eigene Kraft und der Fähigkeit einzuschätzen, wie er sie anwenden darf. Fun fact: ich mag es nicht, wenn ich einen dominanten Mann kennenlerne und mich auf ein erstes Spiel einlasse und dieser sofort zu einem Instrument greift. Warum? Weil ich sehen möchte, wie seine Selbstkontrolle und seine Einschätzung des Gegenübers funktionieren. Ein durchschnittlicher Schlag mit der Gerte ist nicht mehr als eine kleine, recht schwungvolle Bewegung aus dem Ellenbogen. Das kann jeder. Was nicht jeder dominante Mann kann: mit der eigenen Hand eine Frau schlagen. Wirklich schlagen – mit Kraft dahinter.

Und weshalb ist mir dieser Unterschied so wichtig? Weshalb will ich einen Mann, der keine Hemmung hat, eine Frau richtig zu schlagen? Ist das nicht eher ein schlechtes Zeichen?

Nein. In meinen Augen nicht – und zwar mit folgender Begründung:

Wenn ein Mann verstanden hat, dass BDSM nichts mit einem realen Hierarchie-Verhältnis oder gar Gewalt gegen eine Frau zu tun hat, dann gibt es für ihn keinen Grund, sein Handeln in Frage zu stellen. Keinen Grund, sich schlecht zu fühlen oder sich zurückzuhalten – immer vorausgesetzt, er hat verinnerlicht, dass BDSM beiden Spaß macht und dass sein Gegenüber genau das will. Ich hatte schon Männer, denen ich mehrmals sagen musste, dass sie das wirklich dürfen – wenn ich das noch sagen muss, fehlt ein Schritt im Denken. Ohne diesen Schritt ist mein Gegenüber aber noch nicht weit genug um das umzusetzen, was ich mir von einer Session wünsche. Hemmungen im Zuschlagen kommen meistens von der Abneigung gegen Gewalt gegen Frauen bzw. Menschen im Allgemeinen. Das ist eine gute Haltung – aber damit hat BDSM nichts zu tun, nicht im eigentlichen Sinne. Wer BDSM verinnerlicht hat, der weiß, dass es für diese Hemmung keinen Grund gibt, weil das, was er macht, mit Gewalt nichts zu tun hat.

Wenn ein Dom sich sicher ist, dass er beider Grenzen einhält, dass es gewollt ist und beiden Spaß macht und dass er hier niemandem schadet – dann schlägt er zu. Und zwar mit der eigenen Hand und ohne Hemmung. Ich kenne einen Mann, der aus Überzeugung nie mit der Hand zuschlägt, sondern immer mit Schlaginstrumenten – als angebliches Zeichen dafür, dass er „keine Frauen schlägt“. Von solchen Gestalten halte ich mich fern.
Ich halte solche Verhaltensweisen für heuchlerisch und bedenklich. Gerten und Rohrstöcke können deutlich schmerzhafter sein als eine flache Hand. Und ein Satz wie „ich schlage keine Frauen“ ist eine geheuchelte moralische Überheblichkeit, wenn er hinzufügen kann „außer mit Gerten und Rohrstöcken“. BDSMler schlagen Frauen – Punkt. Natürlich tun sie das – wir wollen das ja auch so?! Ist ja irgendwie der Sinn der Sache.
Es gibt Männer, die zugeben, dass sie Hemmungen haben, Frauen ins Gesicht zu schlagen –  so formuliert akzeptiere ich das und glaube, dass im eigenen Denken einfach noch ein paar Schritte notwendig sind, bis man verinnerlicht hat, dass man hier nicht gegen die gute Kinderstube aufbegehrt und zum Misogyn wird, sondern eine sexuelle Fantasie auslebt, an der beide Spaß finden. Wenn aber ein angeblich dominanter Mann kommt, der von sich behauptet erfahrener BDSMler zu sein, aber sich moralisch über alle anderen stellt, indem er sagt, er schlägt keine Frauen – und dann den Koffer mit den Gerten auspackt…. dann (meine subjektive Meinung) halte ich mich von solchen Menschen fern. Da ist mir ein Mann tausendmal lieber, der versucht mich einzuschätzen, mich genau beobachtet, mein Verhalten studiert und sich anpasst, um nach ein paar ersten Malen zu dem Schluss zu kommen: die braucht es, die genießt es, die steht drauf – und dann zuschlägt. Und zwar auch mit der eigenen Hand und wegen mir auch ins Gesicht. Nicht, weil das bedeutet, dass er einer ist, der es „fertigbringt“, Frauen zu schlagen. Sondern weil er einer ist, der BDSM verstanden hat und das macht, was seinem Gegenüber gefällt.

Genau so einer ist Loki und damit nehme ich euch jetzt wieder zurück zur Bar.


Loki tobte sich recht heftig an mir aus – allerdings so, dass ich auf meine Kosten kam. Es war anders als die anderen Male. So anders – okay, ehrlicherweise: so gut – dass ich nicht genug bekam. Mein Körper war wie elektrisiert, reagierte auf jede Berührung und zeigte irgendwann deutlich, wie ausgehungert er war. Loki nahm sich Zeit, streichelte meine Beine auf und ab, fuhr mit seinen Fingerspitzen an der dünnen Haut meines Innenarms nach oben bis in meine Achseln. Als mich ein Zittern durchfuhr, meine Muskeln unkontrolliert zuckten und ich mich automatisch aufrichtete, switchte er und presste mich wieder grob auf den Tresen, sodass mir ein Knurren entfuhr. Dann fingerte er mich, schlug wieder zu und fing wieder an, mich zu streicheln.

Fuck, es war eine himmlische Mischung. Es war… einfach genau das Richtige.

Dieses Spiel spielten wir später noch einmal, nur dass mein Hintern bereits rot und heiß war und ich dennoch begann, auf mehr zu hoffen. Loki spürte es, wusste es. Er stellte mich an das kurze Ende der Bar und hieß mich die Hände gegen die Wand pressen. Und dann zückte er seine Utensilien – schließlich kam die Gerte also doch noch zum Einsatz, die ich immer am meisten von allen Instrumenten genoss. Aber natürlich wollte er mich auch ein klein wenig leiden sehen – nur ein klein wenig, vermutlich – und so wechselte er irgendwann eben doch noch zu meinem verhassten Gummiflogger und schlug ein paar Mal auf die Innenseite meiner Oberschenkel, wo ich heute noch blaue Flecken habe. Und ja – abgerundet wurde das zweite Spiel mit seinem Lieblingsrohrstock. Ich weiß, er mag Abwechslung und ich war zwischenzeitlich so warm – und so feucht – dass es zwar an der Grenze, aber definitiv ein reiner Genuss war, wenngleich dieser sich in Knurren und Zähne-zusammenbeißen zeigte.
Nach einem heftigen und ausgiebigen Spiel, drehte er mich zu sich, sah mich an, küsste und streichelte mich und hob dann mein Kinn an. Und dann erlebte ich einen dieser Momente, die für mich BDSM irgendwie ausmachen. Diese unfassbare Diskrepanz zwischen dem, was nach außen geschieht und dem, wie es sich anfühlt. Es war ein Detail, eine Kleinigkeit – aber ich muss jetzt, Tage später, noch glücklich schmunzeln, wenn ich daran denke:

Loki hob sanft, aber bestimmt mein Kinn an, sah mir in die Augen mit einem liebevollen, fürsorglichen Lächeln und sagte:

„Und jetzt zurück an die Arbeit, du faules Stück…“

Und ja, meine Lieben, glaubt es oder nicht. Ich lächelte.
Sank in einen weiteren, langen Kuss und ging dann zur Toilette, um mich frisch zu machen.

 

Hin und hergerissen

Die Nacht verflog, obwohl wir an der Bar wenig zu tun hatten – und ich genoss die Tatsache mit allen Sinnen, dass der Abend meine Erwartungen bei Weitem übertraf. Loki kam kein einziges Mal in meine Nähe, ohne mich anzufassen, mich zu umarmen, zu küssen oder mir zumindest einen liebevollen Klaps auf den Hintern zu geben. Ich liebte die Art, wie er mit mir umging. Und oh mein Gott, es ist einfach die reinste Bedienung meines Kinks: der Wechsel zwischen Extremen, zwischen wirklich heftigen Schlägen und fürsorglichem Streicheln. Ein liebevoller Blick, ein fürsorglicher Griff und dabei „Schlampe“ genannt werden. Fuck, ich liebe das. Totaler Mindfuck, falls das irgendjemand hier nachvollziehen kann.

Loki begann schließlich ein letztes Spiel, erneut direkt am Tresen der Hauptbar, sodass wir wieder für eine Traube an Zuschauern sorgten. Das Spiel war ähnlich wie das erste mit meinem Gesicht auf der kalten Oberfläche und seiner flachen Hand, die heftig zuschlug, mich dann aufrichtete, während seine andere hart und erbarmungslos an meine Kehle griff und er zwischen meine Beine fasste. Das ist wiederum eine Eigenart von ihm, die ich absolut – wirklich, verdammt, absolut zu schätzen weiß: ich meine damit nicht „zwischen die Beine fassen“, ich meine damit… er legt seine flache Hand auf meine nasse Fotze und… packt zu. Packt das, was er in die Hand bekommt, erbarmungslos, heftig und so fest, dass er mich daran durch den Raum ziehen kann, bis ich wimmere. Das klingt brachial, wenn ich es so beschreibe – aber der Schmerz ist… nun, schwer in Worte zu fassen. Es gibt nur wenige Dinge, die mich von der Art des Schmerzes her so erregen, obwohl sie so heftig sind.

Was mir bei diesem letzten Spiel in die Quere kam, war Teiresias, der genau vor mir an der Bar stand und mich beobachtete. In die Quere aber eher im guten Sinn. Oder sagen wir: in einem komplexen.
Ich spürte seine Anwesenheit, seinen Blick, der auf mir lag. Ich genoss, ich knurrte, wand mich unter Lokis Händen – und zugleich war ich mir Teiresias‘ Anwesenheit zu jeder Sekunde bewusst. Loki provozierte ihn gern – das wusste ich schon länger. Nicht bösartig und ich bin bis heute nicht sicher, wie bewusst und vor allem: aus welchem Grund. Die beiden stehen in keinerlei Konkurrenz, sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch spürte ich die Spannung zwischen beiden und ja, auch die Spannung zwischen Teiresias und mir. War er eifersüchtig? War es ihm egal? Interessierte es ihn überhaupt? Machte es ihn an? Was wenn ja? Und was wenn nicht? Und weshalb stellte ich mir diese Fragen? Ihr seht – ich wusste selbst nichts mit der Situation anzufangen.

Später, nach Ende des Spiels und nachdem ich mich auf der Toilette frisch gemacht hatte, stellte ich mich zu ihm. Genoss den Anblick, seinen Geruch, sah ihn an. Umarmte ihn plötzlich – einfach so, weil mir danach war, seinen Körper zu spüren und weil mir alles andere unangebracht schien.

„Weißt du, vorhin kam eine Dame – sie hat unseren Kuss gesehen und uns auch die letzten Male beobachtet. Ihr Frage war: Wann fickst du sie denn jetzt endlich?“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, mischte wieder ein paar Getränke und sah ihn zwischendurch an. Und gegen jedes bessere Wissen dachte ich mir plötzlich: ja! Wann?!

Ich hob meinen Blick.

„Was hast du geantwortet?“

Er grinste verschmitzt.

„Ich hab geschwiegen.“

„Und…“, setzte ich nach, „wie lautet die Antwort?“

Wir sahen uns an.

Nun.
Ich weiß doch auch nicht, was das ist… Einerseits genieße ich es, ihn als Menschen gefunden zu haben und es geschafft zu haben, ihn in meinem Leben behalten zu können – in welcher Form auch immer. Andererseits… ich kann einfach die Finger nicht von ihm lassen, wenn er vor mir steht und wenn sie lächelt, muss ich es erwidern und ja, verdammt, manchmal habe ich Abende, an denen ich kurz davor bin, ihn zu fragen, ob ich zu ihm fahren darf. Ich kann mir sogar vorstellen, einfach nur bei ihm rumzuhängen. Arm in Arm im Bett zu liegen und zu reden. Dann schaltet sich mein Verstand wieder ein, dem durchaus bewusst ist, dass ich nicht zum Reden hinfahren würde – zumindest nicht nur.
Und dann bin ich hin und hergerissen und ende einmal mehr in meinem Leben mit einem geseufzten „ich weiß doch auch nicht“.

Gestern habe ich ihn gefragt, ob wir das Thema jetzt eigentlich abhaken.
Er sagt Ja – er will unsere Freundschaft nicht riskieren und ich sehe das genauso. Ich habe selten etwas gehabt, das schon zu Beginn so kompliziert war und mit so vielen Risiken verbunden war. Ich will ihn einfach nicht verlieren und Angst macht mir die Sache auch. Dann endet seine Nachricht aber mit einem „Ich weiß aber auch, dass wenn ich dir in die Augen sehe, alle guten Vorsätze dahin sind.“

Großartig. Geht mir ähnlich. Wir haben also eine Runde gedreht und fangen wieder bei Null an. Da schenken wir uns beide wohl recht wenig. Nun ja – ich versuche mich davon nicht stressen zu lassen, immerhin genieße ich im Grunde jede Begegnung mit ihr und ja, auch wenn es komisch klingen mag: ich denke, es wird schon so kommen wie es kommen soll. Ich habe schon vor langer Zeit in meinem Leben gelernt, dass man manche Dinge weder erzwingen noch vermeiden kann. Übrigens wurde ich viermal auf ihn angesprochen von interessierten Frauen – ob wir zusammen seien, ob er frei sei, wie ich mir den denn geangelt hätte, dass wir ein hübsches Paar abgeben. Nun ja…

In zwei Wochen sehe ich ihn wieder. Diesmal auf einem anderen Event auswärts, sozusagen. Eines, auf dem ich nicht arbeiten werde. Ja, meine Lieben, die Barschlampe wird im September auf der anderen Seite des Tresens ihr Unwesen treiben – aber keine Sorge: ich bin sicher, es wird nicht weniger erzählenswert.

 

Der Höhepunkt des… Abends.

Das Event neigte sich dem Ende entgegen, ich war rundum zufrieden und lehnte mich gegen den Tresen, um die weniger werdenden Gäste zu beobachten. Gerade als ich mich lächelnd entspannte und sogar noch zufriedener war als die letzten Abende, stand Loki vor mir. Er sah mich an.

Sein Blick war dunkel.
Hungrig.

Verheißungsvoll…

Und dann fielen die beiden Worte, die zum intensivsten Erlebnis führen sollten, das ich mit Loki bislang hatte:

 

„Komm mit.“



 

An dieser Stelle muss ich leider sagen: Fortsetzung folgt, meine Lieben.
Es ist Donnerstagnacht, halb zwei und ich habe noch vier Stunden Schlaf vor mir. Der Tag morgen wird lang und anstrengend – voll von Mediationsgesprächen, schwierigen Situationen und statt normalem Feierabend einer langen Autofahrt in die Klinik zu Omi. Ich hoffe, ich schaffe den Rest morgen Abend – aber nach meinen großen Tönen wollte ich euch nicht länger warten lassen.

Meine Lieben – nach einem zudem aufreibenden Abend auf Twitter mit Gesprächen, die mich mal wieder zum Nachdenken angeregt haben, möchte ich etwas in den nächtlichen Wald rufen. Nicht so laut, dass ihr davon aufwacht und alle Geschöpfe davon aufschrecken – aber doch so laut, dass euer schlafendes Unterbewusstsein es hört und ihr es beherzigt:

Passt auf euch auf, da draußen.
Das Wunderland birgt Gefahren und die erhellenden Fackeln leuchten noch nicht auf allen Wegen. Aber wer mich kennt, weiß:

Ich spiele ausgesprochen gern mit dem Feuer…

 

Gute Nacht, meine Vögel. Ihr lest von mir.

 

 

8 Kommentare

  1. Nach einem langen Arbeitstag kam ich nach Hause, zog meinen Anzug aus, Jogginghose an, legte mich auf die Couch und durfte diesen Blog lesen:

    („Du bist ja voll die interessante Frau…“
    Na so viel dazu, dachte ich nur.)

    Danke hierfür!
    Ich musste lächeln! Sehr lächeln!

    Es freut mich, dass Du jemanden fandest, an dessen Lagerfeuer Du Deine Hände wärmen darfst, So ein halbes Hach ist da schon drin!

    Ich danke Dir für diese Gute-Nacht-Geschichte.

    Gefällt 2 Personen

  2. Vielen Dank für deine tolle Erzählung! Ich konnte nicht aufhören zu lesen und freue mich sehr auf Teil zwei.👍
    Sonst lese ich viel von dir (Twitter)
    Und kann nur immer denken wie toll ich es finde das du eine Welt erklärst die ich für meinen Teil gerade erst beginne zu entdecken.
    Vielen Dank auch für deine wahnsinnig tolle Arbeit bezüglich der ‚ungewollten‘ Gewalt ich bewundere das sehr 👍☺️

    Gefällt 1 Person

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