Männlich, devot – wie fange ich an?

Hallo Ophelia,
gerne nehme ich das Angebot an, Dich um Rat zu bitten: […]
Ich möchte mich einer Frau unterwerfen, ihr zu Diensten sein, mich ihr ausliefern. Bisher habe ich den ersten Schritt dazu noch nicht gewagt. Obwohl ich schon einen einen Termin bei einer Lady von […] hatte, habe ich dann doch abgesagt. Aus Unsicherheit, aus Angst oder auch deswegen, weil ich noch gar nicht weiß, was ich denn konkret möchte, da es ja so viele mir völlig unbekannte Praktiken gibt?
Vermutlich hilft da nichts außer „Ausprobieren“, oder? Bei […]  gibt es ja erfahrene Ladys, die mich sicherlich auch behutsam in die mir bisher unbekannte Welt einführen könnten.
Was meinst Du? Soll ich es einfach mal wagen?

Liebe Grüße


 

Mein lieber O.,

entschuldige die lange Wartezeit auf die Antwort. Natürlich habe ich dich nicht vergessen. Vorab habe ich gerade meinen Beitrag im Hinterkopf, den ich zurzeit über Femdom schreibe – über meine eigene Dominanz. Ich denke, dass sich daraus ebenfalls einiges herauslesen ließe – aber der braucht leider noch seine Zeit. Bis dahin möchte ich versuchen, dir in wenigen Sätzen eine vorläufige Antwort zu geben, die natürlich – wie immer – nur meine subjektive Meinung widerspiegelt.

Zuerst einmal: Ja! Ausprobieren ist hier, wie du schon richtig vermutet hast, in meinen Augen das Schlüsselwort. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass man bei manchen Dingen im Voraus sicher ist, man würde es nicht wollen/mögen/etc. Und beim Ausprobieren stellt sich heraus, dass man sich durchaus selbst überraschen kann. Bei mir war das zum Beispiel mit Ohrfeigen der Fall. Ich war sehr lange Zeit zu 100% sicher, dass ins Gesicht geschlagen zu werden für mich nicht in Frage kommt. Irgendwann testete ich es und es war einer der drei krassesten Momente, die ich in Bezug auf BDSM jemals erlebt habe. Heute könnte ich nicht mehr ohne – es gibt nur wenige Dinge, die ich mehr liebe, die in mir einen größeren Kick verursachen, als geohrfeigt zu werden.

Was ich damit sagen will: du wirst allein im Nachdenken, im Vorstellen nicht herausfinden, ob dir etwas wirklich gefällt oder nicht – zumindest nicht immer. Manche Dinge wirst du ausprobieren müssen. Bei einigen wirst du es vorher schon wissen. Das gilt übrigens in beide Richtungen gleichermaßen. Es ist in meinen Augen ein Trugschluss zu glauben, dass es leichter ist, herauszufinden, was man mag als das, was man nicht mag.
Ja, kann sein, dass man sich häufig Dinge in seiner Vorstellung negativ ausmalt, die sich dann real als positiver herausstellen. Genauso aber kann es passieren, dass die Fantasie einen glauben macht, eine Sache sei ausgesprochen erregend, während man die reale Situation als gegenteilig empfinden würde (ich zum Beispiel gehöre zu den Frauen, die offen zugeben, Vergewaltigungsfantasien zu haben – es auszuleben käme nicht in Frage und wenn die Realität bestimmte Details, gewisse Trigger aus diesen Fantasien enthält, müsste ich abbrechen).

Also ja, in erster Linie heißt es wohl: ausprobieren.

Zudem aber möchte ich dennoch jedem devoten Menschen nahelegen, sich nicht willenlos in die Hände eines anderen zu begeben (übrigens egal, ob professionell oder nicht) und einfach mal „machen zu lassen“. Wenn es für dich in Frage kommt, zu einer professionellen Domme zu gehen, finde ich das gut! Wenn sie etwas von ihrem Handwerk versteht, wird sie allerdings dein Wohlfühlen an oberste Stelle setzen – zumindest am Anfang. Und sie wird das Gespräch, die ständige Kommunikation und Rücksprache aufrecht erhalten und aktiv suchen. Zudem wird eine gute Domme durchaus die Grenze erkennen, ab wann es auch gefragt ist, dass du dich eben nicht mehr ganz so wohl fühlst, dich ein wenig quälen lässt, erniedrigen, an Grenzen gehen wirst – was auch immer. Nicht, weil es dann weniger wichtig ist, dass du dich wohl fühlst – sondern weil es gerade der Reiz ist, dass du dich nicht mehr wohl fühlst. Oder sagen wir: auf einer anderen Ebene. Erniedrigung, gefesselt sein, geschlagen werden – all diese Dinge sind auch nicht gerade der Lexikoneintrag zu „sich wohl fühlen“. Aber gerade das ist es ja, worum es geht. Die Grenzen herauszufinden, ab wann man sich im „nicht wohl fühlen“ gerade umso mehr wohl fühlt – verstehst du? 😉
Aber dieser Punkt ist nicht der Anfang und er wird erst dann eintreten, wenn beide Seiten das Gefühl haben, sie wissen, wie der andere tickt und ausschließlich dann, wenn du dich in sicheren Händen fühlst.

Such dir also eine Dame, die vielleicht zu Beginn nur bereit ist für ein Gespräch – für erste Schritte. Sie wird nicht von dir verlangen mit einer ausführlichen Liste vor ihr zu stehen – das kann niemand, der gerade erste Erfahrungen sammelt. Genau dafür ist dein Gegenüber da.

Übrigens gibt es unabhängig von deiner expliziten Frage natürlich auch andere Möglichkeiten, einzusteigen. Überleg dir zum Beispiel den Besuch eines Stammtischs oder eines Events. Einfach um Input zu bekommen, zuzuschauen, was andere machen, Kontakte zu knüpfen. Kontakt ist ohnehin das Stichwort hier – nutz die guten Seiten des Internets und tummel dich ein wenig in Foren, Gruppen oder lies Beiträge. Input ist wichtig und vor allem: von verschiedenen Leuten. Verlass dich niemals auf das, was nur ein einzelner Mensch dir sagt, egal wie erfahren er zu sein behauptet. Weder von einer Domme, noch einem Forum oder einem Blog ;). Hol dir verschiedene Meinungen, sprich mit unterschiedlichen Leuten. Das nur als Ergänzung. 😉

Ein anderes Thema ist übrigens dein Gedanke zu deinem „Frauenbild“ – aber ich denke, das wäre ein eigener Beitrag. Was ich dir dazu aber gern sagen würde: überleg dir, was dich an der Vorstellung reizt, was dir daran gefällt und was deine Idealfantasie wäre. Es mag wieder subjektiv sein – aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass mir das Verstehen meiner Neigung beim Ausleben derselben enorm geholfen hat. Sich selbst zu verstehen, sich kennenzulernen, das eigene Innere zu begreifen gehört für mich ein Stück weit zu diesem Prozess dazu.

Ich hoffe, das war ein erster Ansatz. Wenn du Rückfragen hast – du weißt, wo du mich findest.

Schöne Grüße

O.

6 Kommentare

  1. Ophelia, ich musste dir insoweit etwas widersprechen, was deine Ausführungen hinsichtlich des Vorschlages des Besuchs einer professionellen Domme betrifft.

    Diese Frauen sind nicht die Realität im Bereich Femdom, sondern sind Dienstleisterinnen, die bestimmte Bedürfnisse des Mannes befriedigen. Sie machen ihren Job großartig. Sie sind ganz tolle Frauen. Aber ich denke nicht, dass eine ganz normale femdom-ambitionierte Frau, die man an einem Stammtisch oder auf einer Party findet, das Niveau einer professionellen Domse erreicht.

    Sie äußern freilich auch immer, dass dies gar nicht ihre Intention sei. Im realen Leben ginge es eben nicht um den Subbi, sondern schließlich um sie. Deswegen seine sie ja eine Domse.

    Darüber hinaus sind professionelle Domsen doch eher in den Bereich der gut aussehenden Frauen anzusiedeln. Auf Stammtischen siehst du aber eher diejenigen, wie böse Zungen behaupten, die halt jetzt diese Lücke füllen, um überhaupt einen abzubekommen. Jedenfalls erektionsfördernde Beauties habe ich dort noch nie gesehen.

    Daher dürfte so ein Besuch deinen geneigten Leser, was seine zukünftige Entwicklung angeht, nur enttäuschen.

    Ein Tipp von mir wäre, sich einfach eine devote Frau zu suchen und diese umzudrehen. Devote Frauen gibt es ziemlich viele. Und zumindest bei mir hat das schon mehrfach geklappt, dieser Vorschlag, „komm mach du jetzt mal. Ich möchte auch mal wissen, wie das auf der anderen Seite ist!“

    Gefällt 2 Personen

    1. Puh, das ist eine ausgesprochen abweichende Ansicht 😀 Interessant.

      Schätze, bei dem Thema werden wir uns wohl nicht ganz einig ;).
      Ja, professionelle Damen in diesem Bereich sind natürlich anders unterwegs. Dass eine Domme im realen Leben das ganze aber für sich und nicht für den Sub macht, halte ich für ein absolutes Vorurteil und ziemlich pauschalisierend. Ich zum Beispiel ticke da anders – bin an dieser Stelle ausgesprochen gespannt, was du zu meinem Femdom-Beitrag sagen wirst. Mehr dazu an dieser Stelle nicht, der Beitrag folgt bald.
      „Erektionsfördernde Beauties“ – ach herrje. 😀 Halte ich für eine wieder sehr schwierige Aussage – du weißt ja nicht, was seine Ansprüche sind, was er als schön empfindet, wie wichtig ihm äußerliche Merkmale nicht und genauso wenig kannst du pauschalisieren, dass bei Stammtischen nur weniger schöne Frauen sind. Und überhaupt: was ist denn das für eine Haltung….?

      Abgesehen davon lege ich ja genau aus solchen Gründen so viel Wert darauf zu betonen, dass es darum geht, selbst nachzudenken. Meinungen einzuholen, abzuwägen und herauszufinden, ob man sich wohl fühlt – das kann am Stammtisch passieren, auf einem Event, im Netz oder im Studio – genau so wie es an all diesen Orten auch schief gehen kann.

      Zu guter Letzt: eine devote Frau umdrehen?! Schrei das hier bitte nicht so laut rum, sonst denken einige meiner Leser ernsthaft darüber nach. Ich halte das für höchst bedenklich, wenn man die bewusste Absicht dazu hat. Wenn es passiert, okay. Wenn eine devote Frau plötzlich eine Neigung zum Switchen entdeckt, okay – aber die Absicht haben, eine devote Frau umzudrehen? Das kann schief gehen und zwar richtig (an dieser Stelle frage ich mich, ob du die Venus im Pelz gelesen hast. Würde ich dir gern ans Herz legen). Und die Folgerung daraus wäre, man könne auch eine dominante Frau umdrehen – und am Ende habe ich ungute Männer, die dominante Frauen plötzlich zur Sklavin machen wollen – mit welchen Mitteln?
      Übrigens allein das Wort „umdrehen“ finde ich schwierig. Man hat seine Neigung. Wenn man irgendwann die Neigung zum Switchen entdeckt, okay.

      Aber bitte bring niemanden auf den Gedanken, man könne andere Menschen „umdrehen“ und dazu aktiv beisteuern. Jemanden zu dem Gegenüber machen, das man gern hätte.
      Halte ich für bedenklich – aber das ist nur meine Meinung dazu, vielleicht interpretiere ich deine Worte zu krass, ich mag ja deine Kommentare sonst. 😉

      Schöne Grüße

      Gefällt 1 Person

      1. Nee, nee, du interpretierst jetzt nicht krass, sondern du spiegelst halt meine Wortwahl. Ich bin mir schon klar darüber, dass meine Ausführung nicht der gewünschten political correktness entspricht. Ich habe mir nicht die entsprechend Mühe gegeben und darauf verzichtet, um die von mir dargestellten Aussage zu betonen.

        Klar, weibliche Schönheit liegt im Auge des Betrachters und bedeutet in Berlin etwas anderes wie in Düsseldorf.

        Über das „Umdrehen“ könnte man sicherlich einen längeren Artikel schreiben. Gestatte mir noch die folgende Ausführung. So etwas ist natürlich kein schlichter Knopfdruck, sondern ein subtiler und nicht einfacher Prozess. Es geht auch nicht um das Umdrehen, sondern um das sanfte Erwecken entsprechender Neigungen. Der Mann muss sich hier sanft herantasten und ausprobieren, was funktioniert. Ein schönes eigenes Beispiel, dass ich mal erlebt habe und somit als persönliche Erfahrung beitragen kann, war, dass ich anfing, ihr häufig die Füße zu massieren. Zuerst lehnte sie es ab. Sie wolle keinen Mann, der ihr die Füße massiert. Das mache kein richtiger Mann. Irgendwann, nach einer doch längeren Shopping-Tour nahm sie eine entspannende Fußmassage hin. Irgendwann wurde es zum Ritual. Irgendwann …..

        Kann man eine dominante Frau umdrehen? Eine sicherlich spannende Frage. Letzthin traf ich mich mit einer dominanten Frau (wir haben noch nie zusammen gespielt, aber in einschlägigen Foren äußert sie sich ziemlich einschlägig) auf einem frivolen Tango Event zum Tanzen. Sie folgte sehr gehorsam und achtsam meiner Führung. Wobei das Tango-Thema natürlich auch wieder zweischneidig ist. Nach einer Auffassung führt der Mann beim Tango überhaupt nicht. Er setzt nur den Impuls für die Bewegung der Frau und folgt ihr dann. Die Führung beim Tango sei insofern dialektisch zu betrachten.

        Und ja, es gibt die zärtliche Dominanz, es gibt Femdoms, die reagieren sich ab und es gibt Femdoms, die ihre Befriedigung aus der Befriedigung des Subbies ziehen. Es gibt halt alles, keinen goldenen Weg, sondern man muss schauen, was für einen funktioniert.

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