Nach der Windstille

Oder: Vom Gestern zum Morgen

 

Gestern

(31. Oktober 2018)

Meine Lieben, 

ich weiß, meine Reise durchs Wunderland war für viele hier eine herrliche Unterhaltung. Einige haben mitgefiebert, als ich mich in die Unterwelt wagte und glaubten an ein Happy End mit dem Herrscher über den Hades. Entgegen jeder Erwartung entzündete ich mein ganz eigenes Fegefeuer, das bis heute lodert und an dem ich mir gerade ein wenig die Finger verbrenne. Das kommt eben davon, wenn man mit dem Feuer spielt.
Und dann zog ich weiter, durchquerte eine endlos scheinende Wüste, sah Dämonen hinter jeder Ecke, wurde ein wenig paranoid und verkroch mich schließlich gänzlich. Doch auch die einsamste Kriegerin braucht ab und zu Gesellschaft auf ihrem Weg. Ich begegnete alten Göttern und mythischen Wesen, die ich begrüßte und wieder ziehen ließ. Ich wärmte meine Hände an Lokis Lagerfeuer und unterzog mich auf der Reise einigen harten Lektionen.
Und eigentlich hatte ich die Hoffnung, nach der Durststrecke und all der Theorie, nach all den Gedanken, der Paranoia, dem Rückzug, dem Ausharren und Luftholen euch endlich von einem weiteren aufregenden Kampf berichten zu können, euch einen vielversprechenden neuen Charakter vorstellen zu dürfen, aber… nun ja.
Ich habe kürzlich die Segel neu gesetzt. Eine so neue Richtung eingeschlagen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben selbst nicht wirklich weiß, wo es hingeht. Wo ich eigentlich hin möchte oder was ich von dem Ort erwarte, an dem ich lande. Ich weiß nur: ich muss dorthin. Und jetzt sitze ich hier, mitten auf hoher See.

Und kein Land in Sicht.

Egal, wohin ich sehe… nur Wasser. Manchmal stürmt es so sehr, dass alles in mir um Ruhe fleht. Manchmal ist es hier draußen so still, dass ich sogar den Sturm wieder in Kauf nehmen würde, nur um irgendetwas zu spüren. Aber Fakt ist… es war meine Entscheidung. Ich habe den Kurs gewechselt und ich musste damit rechnen, dass der Wind mir nicht immer wohlgesonnen ist. So funktioniert das im Leben eben nicht. Manchmal bringt er einen weiter. Manchmal weht er in die falsche Richtung.
Und manchmal herrscht Windstille.

So lang, bis man das Gefühl hat, der einzige Mensch auf der Welt zu sein.
So lang, dass man irgendwann alles dafür geben würde, nur um nicht mehr mit den eigenen Gedanken allein sein zu müssen.

Aber auch in diesem Beitrag will ich euch ein kleines Stück bekanntes Land nicht verwehren, also auch heute, wie immer:

Von vorn.

 


Meine Lieben, ich muss mir nun einige Dinge von der Seele schreiben, mich ordnen und meine Gedanken strukturieren. Das ist nötig und dieser Blog hier ist längst kein BDSM-Blog mehr. Es ist ein Blog – mein Blog – über das Leben. Und im Leben geht es eben nicht immer voran und es ist auch nicht immer heiß und aufregend, und bisweilen lässt auch jegliches Kopfkino auf sich warten.
Wie dem auch sei – ich muss schreiben, ich merke es. Also nutze ich den Schreib-Drang, um mein Inneres zu ordnen und euch zu verraten, was zurzeit mit mir los ist – falls ich das in Worte fassen kann.

 

Die Klage

Nun, ich fürchte, dass die meisten von euch sich denken können, worum es geht. Jemand, über den ich anonym geschrieben habe, ist nicht ganz einig mit dem, was ich geschrieben habe. Die Klage ist über zwanzig Seiten lang und die Abende, an denen ich an meiner Stellungnahme gearbeitet habe, haben an mir gezehrt. Es ist immer anstrengend, wenn man sich intensiv mit Dingen auseinandersetzen muss, die man abgehakt hat und die man gern hinter sich lassen würde. Aber nun gut. Ein Zurück gibt es jetzt für mich nicht mehr und unabhängig davon weiß ich, dass ich das Richtige tue. Mehr kann ich an diesem Punkt wohl noch nicht sagen. Alles zu seiner Zeit…

Sex

Schon faszinierend eigentlich, dass ich hier einen BDSM-Blog betreibe und irgendwie… nun ja. Keinen Sex habe. Quasi keinen Sex. Ihr wisst von meinem letzten „aktiven“ Wochenende. Ich denke, das wird auch vorerst das letzte gewesen sein. Die Sache mit Pan hat sich gut angefühlt und ich will nicht ausschließen, dass es wieder passiert. Aber zugegeben – Sex ist zurzeit einfach nicht sehr weit oben auf der Liste meiner Prioritäten. Nicht, weil ich nicht will oder er mir nicht fehlt. Sondern weil es mir nicht sonderlich gut geht zurzeit und ich an manchen Tagen gerade fit genug bin, um über den Tag zu kommen – ich vermute, zu Sex wäre ich nicht einmal in der Lage.
Der Abend mit Agrios hat gesessen, aber auch nicht zu sehr. Ich denke, dass die Sache selbst nicht negativ war. Es war eben eine Erfahrung. Mich hat lediglich die Erkenntnis erschreckt, dass ich so darauf reagiere und im gleichen Atemzug muss ich wohl so ehrlich sein zuzugeben, dass es etwas in mir geweckt hat…

Sehnsucht

Ja. Ich geb’s zu – manchmal fehlt es mir. Nicht der Sex – okay, der auch. Aber nicht nur. Das, was an manchen Abenden wirklich fehlt, ist Nähe. Ich bin nicht auf der Suche nach der großen Liebe und romantischen Beziehungen. Aber ein Spielpartner wäre schön. Ein regelmäßiger. Einer, den man kennt. Mit dem man sich freundschaftlich gut versteht. Ich vermisse Sex und Schmerz. Aber mindestens so sehr fehlt mir mittlerweile auch das „danach“. In einem Arm liegen und eine Serien gucken. After-Sex-Pizza bestellen und der ganze Scheiß. Vertrautheit eben. Nähe. Das fehlt, ich geb’s zu. Und ich kann es mittlerweile nicht einmal mehr auf Luzifer schieben, auch wenn er mich da wirklich geprägt hat und ich mich… nun ja, verändert habe. Ich muss mich eben wieder zurückändern – es wird nicht besser, nur weil ich die Ursache bei einem anderen Menschen suche. Das ändert nichts am Resultat. Ich muss lernen, nicht hinter jeder Ecke den metaphorischen Teufel lauern zu sehen. Andererseits habe ich ein wenig abgehakt mit diesem Thema – für dieses Jahr. Ich werde meine Energie für den Rest des Jahres auf andere Dinge lenken. Und ohnehin muss ich erst mich selbst wieder auf die Reihe kriegen – bevor ich darüber nachdenke, einen anderen Menschen an mich ranzulassen.

 

Tiefpunkt

Ich denke, die letzten beiden Wochen waren der Tiefpunkt dieses Jahres.

Ja, ich weiß – vielleicht klingt das befremdlich nach all dem, was ich um Ostern hier berichtet habe. Hätte nicht vielmehr das der Tiefpunkt sein müssen? Anscheinend nicht. Ich meine… okay, ich war damals wirklich neben mir, und die Wochen danach ging es mir nicht gut. Aber ich kenne mich. Es hat nicht an meiner inneren Stabilität gekratzt. Und wenn ich von innerer Stabilität rede, meine ich damit nicht Phasen der Erschöpfung, ein paar Tränen der Verarbeitung, ein paar Wochen, in denen ich mich zurückziehe, um meine Wunden zu lecken. Und nein, ich will das damit nicht klein reden – auch das ist nicht schön. Aber wenn ich von „Stabilität“ spreche, dann meine ich damit… meinen Seelenfrieden. In den letzten zwei Wochen bin ich derart am Abgrund entlang getänzelt, dass ich die Schlucht bereits sehen, das Echo meines eigenen Keuchens hören konnte. Der Abgrund, von dem ich mich sonst fernhalte. Der Abgrund, der meine letzte Grenze ist. Diese eine Grenze, bei der ich keine Kompromisse mache. Die nichts und niemand überschreiten darf – nicht einmal ich selbst. Denn der Tanz am Abgrund bedeutet nicht nur das Risiko, dass ich mir ein Bein breche, wenn ich stolpere. Nein, in diesem Abgrund ist nichts als Dunkelheit. Dort unten lauern meine Dämonen – sitzend, wartend. Ab und an kommt einer hoch und besucht mich kurz – damit komme ich klar. Aber alle auf einmal sind nicht machbar. Angststörung, Panikattacken, Depression, Flashbacks, Vergangenheit, Trigger… Sie alle lauern in diesem Abgrund und ich weiß, wenn ich diese meine letzte Grenze überschreite, zahle ich mit meinem Seelenfrieden. Nicht für immer vermutlich – immerhin war ich bereits dort unten und irgendwie habe ich es geschafft, ans Licht zu kommen. Aber es hat mich Jahre gekostet. Und auf dem Weg nach oben habe ich ein kleines Stück meines inneren Lichts verloren. Als wäre es… aufgebraucht. Man wird ein klein wenig dunkler, wenn man durch diese Hölle gegangen ist. Der Weg zurück kostet seinen Preis.

Und ich bin nicht bereit, diesen Preis ein zweites Mal zu zahlen, wenn ich es irgendwie verhindern kann – also nein. Es gibt keine Kompromisse, wenn ich am Abgrund stehe.

Die letzten beiden Wochen waren die Zuspitzung von allem, was ich im letzten Jahr erlebt habe. Viel Input – viel Gutes. Aber auch die Geschichte mit dem Teufel – ein Thema, das bis heute nicht abgehakt ist. Dinge, die ich hier nicht erzähle. Dinge, die seither geschehen, die ich erlebe, die mir und anderen widerfahren…
Ein Mensch in meinem nächsten Umfeld, der Krebs hat – auch hiervon erzähle ich nie. Weil es Dinge gibt, die ich mit mir ausmache und weil dieser Blog ohnehin bereits viel zu viel meines Innenlebens nach außen trägt. Augenblicke der Einsamkeit – der Preis, den das Misstrauen verlangt. Das Misstrauen, das ich immer schon hatte und das seit dem Teufel deutlich gestiegen ist und mit dem ich versuche, bewusst umzugehen. Aber ja, der Rückzug, den ich selbst wählte, kostet den Preis der Einsamkeit. Zumindest hin und wieder.
Die Kündigung, die Stimmung an meinem Arbeitsplatz. Der Blog – große Entscheidungen, die meine Zukunft beeinflussen und meine Gesundheit, mein Körper, der natürlich nicht ewig mithalten kann mit meinem Tempo.

Woher es auch kam – es kam. Ich ahnte es, aber ich unternahm nichts dagegen, weil ich mir sagte „diese paar Wochen bis Weihnachten schaffst du noch und dann wird alles besser“. Nun, offensichtlich habe ich die Wochen bis Weihnachten nicht geschafft und ich bin froh, dass ich mittlerweile so weit bin, dass ich es einsehen kann. Dass ich es erkenne, wenn ich wieder Ansätze einer Angststörung bekomme, die ich seit einigen Jahren eigentlich hinter mir gelassen habe. Dass ich es erkenne, wenn mein Körper kurz davor ist, aufzugeben, weil drei Stunden Schlaf am Tag über Wochen einfach nicht funktionieren können. Dass ich es erkenne, wenn ich wieder Alpträume habe, die ich seit Jahren nicht mehr hatte.
Denn nur weil ich all das erkenne, kann ich die Augen öffnen, innehalten und in den Abgrund blicken, der sich vor mir auftut. Ich kann durchatmen. Mich erden.

Und einen Schritt zurückgehen.

 


 

Heute

Vier Tage lag dieser Beitrag nun in meinem Entwürfe-Ordner, unangerührt.
Mein Tattoo stand an, am 02. November. Faszinierenderweise war der Tag davor mein Tiefpunkt. Das mit den Tattoos ist so eine Sache. Ich liebe jedes einzelne meiner Tattoos. Aber jedes davon ist für mich eine Zerreißprobe. Nicht der Schmerz beim Stechen – im Gegenteil: sobald es losgeht, sobald ich den Schmerz spüre, entspanne ich mich. Nein, es ist der Prozess davor. Die Entwicklung, die ich durchschreite, bis die Entscheidung getroffen ist, das Motiv steht und alle Details sicher sind. Es ist ein Prozess, den ich hier nicht versuchen möchte zu erklären, weil er Schatten meiner Ticks von früher beinhaltet und weil ich glaube, dass ihn vielleicht ein Prozent aller Menschen da draußen verstehen würde.
Was ich sagen will, ist: Diesmal war es besonders schlimm und weil ich in der Zeit nicht gerade „in meiner Mitte geruht“ habe, war es… kaum machbar.

Nun, und jetzt sitze ich hier – frisch tätowiert, mit ausreichend Schlaf, ohne Ticks und irgendwie… wieder zurück. Aber nicht so wie ich vorher, sondern… neu? Anders. Entwickelt.
Eine neue Narbe auf meinem Körper, ein Zeichen eines weiteren Kampfes, den ich ausgefochten und… gewonnen habe.

Und der Witz ist: das Motiv, das ich mir habe stechen lassen, steht für genau das, um das es bereits das ganze Jahr ging. Aber den Zusammenhang habe ich nicht erkannt – bis jetzt. Ich wusste um die Bedeutung, ich wusste um die Wichtigkeit, um das Symbol – natürlich. Aber der Zusammenhang, die Tatsache, dass ich jetzt erst erkenne, dass es nicht nur um das Symbol geht, sondern um das ganze Jahr… um einen Schritt in meiner eigenen Entwicklung, den ich bereits das ganze Jahr über gegangen bin ohne es zu merken – nun, das ist beinahe unheimlich. Aber es ist wahr. Ich spürte den Schmerz beim Stechen, ich sitze nun hier und sehe es und denke nur… ja. Krass. Das ist es.
Das ist es – noch so viel mehr, als dir bewusst war.

Und dann verlasse ich das Studio, stehe an der frischen Luft, lächle und… atme. Ich atme einfach nur. 24 Stunden zuvor, am Abend vor dem Termin, hatte ich einen kleinen Zusammenbruch. Einen Tiefpunkt. Ein Stolpern am Abgrund. Ich habe den gesamten Abend gebraucht, um mich zu fangen. Um alle Strategien anzuwenden, alle Kniffe, alle gelernten Tricks von früher, um mich zu sammeln und nicht zu fallen. In der Nacht schlief ich kaum und als ich aufwachte, war mir schlecht. Ich hatte Angst. Der Witz ist: wenn ich an diesem Abrund stehe, habe ich vor allem Angst. Wirklich vor allem.
Aber genau das sind die Momente, auf die es ankommt. Man kann noch so stabil sein, noch so glücklich, noch so gesund – im Zustand der Stabilität, der Ruhe, der Stille innezuhalten und eine Entscheidung zu treffen, kann jeder.

Die wahre Herausforderung – der Moment, in dem entschieden wird, ob man der Held oder nur ein Nebencharakter ist – findet im Angesicht des Sturms statt.
Dann, wenn die Welt um einen her in Dunkelheit versinkt.
Dann, wenn man am Abgrund steht und der Wind einem so stark in den Rücken bläst, dass man ins Schwanken kommt.
Dann, wenn niemand neben einem steht, um einem einen Ratschlag zu geben und wenn man sich von der ganzen Welt verlassen fühlt.
Dann, wenn man selbst der einzige Halt ist, den man finden kann.
Nur das ist der Augenblick der Entscheidung.

Einer Entscheidung zwischen genau zwei Möglichkeiten:

Entweder man fällt – oder man fliegt.

 


 

Morgen

 

Die Bedeutung meines Tattoos ist „Selbstschutz“.
Es steht für… Entwicklung, Wachstum und enorme Widerstandsfähigkeit. Für Schutz nach außen, für Abgrenzung und für (Selbst)Verteidigung. In erster Linie aber für Selbstschutz.

Dieses Tattoo habe ich vor zwei Tagen stechen lassen und mit ihm an meinem Körper habe ich eben den ersten Teil dieses Beitrags hier gelesen – den ich schrieb, als ich am Abgrund stand. Kurz darauf folgte der Donnerstagabend und mein kleiner Zusammenbruch. Es war Tief- und Höhepunkt zugleich. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann dass Tiefpunkte immer auch Höhepunkte sind. Es sind immer die schlimmsten Zeiten, die einen am weitesten bringen. Die dunkelsten Momente, die einen klarer sehen lassen. Die heftigsten Schmerzen, die einen stärker machen.

Der Tiefpunkt der eigenen Existenz ist der Höhepunkt der eigenen Katharsis.

Und wenn jetzt ein paar von euch die Augen verdrehen, weil dieser Beitrag mal wieder recht pathetisch ist, dann kann ich nur sagen:

I don’t care.

Als ich kürzlich twitterte, dass hier nun ein anderer Wind weht, meinte ich das so. Ich habe aus diesem Tiefpunkt gelernt. Die Lektion sitzt. Ich habe letzte Woche bei der Arbeit einige Dinge klargestellt. So deutlich klargestellt, dass mein Chef mir wiederum ausgesprochen deutlich gesagt hat, was er davon – und von mir – hält. Was die schlichte Konsequenz hatte, dass ich mein Angebot zurücknahm, ihm noch in der Kündigungsphase entgegenzukommen, ihm das Leben leichter zu machen, weil ich mich schlecht fühlte, weil ich überhaupt kündigte.

Es weht jetzt ein anderer Wind.
Ich werde mich nicht mehr schlecht fühlen oder gar entschuldigen für Entscheidungen, die ich zu meinem eigenen Wohl treffe.

Letzte Woche wurde mir von einem mir recht nahestehenden Menschen gesagt, dass er von meinen beruflichen Entscheidungen nichts hält. Gestern, beim Geburtstag meines Opas, wurde mir von einigen Seiten zu verstehen gegeben, dass ich niemals gänzlich akzeptiert werde, solange ich nicht gewisse Wege in meinem Leben gehen würde.
Mir wurde in den letzten vierzehn Tagen gesagt, dass von mir erwartet wird, dass ich auf die Verbeamtung hinarbeiten solle oder alternativ wieder an die Uni zurückgehen, um einen Lehrstelle anzunehmen, vielleicht sogar das Promotionsangebot überdenken. Dass ich nicht glücklich sein könne, solange ich keine eigene Familie gründe. Dass „Schreiben“ kein Beruf ist. Dass mein Leben in der WG eine „Verblendung“ ist, die meine Einsamkeit verdrängt. Dass ich einem Trend nachlaufe, weil es heutzutage „in“ ist, „anders zu sein“. Dass ich begreifen muss, dass man nur dann glücklich wird, wenn man „normal“ ist. Dass Familie der einzig wichtige Wert im Leben ist und ich ohne Kinder und unverheiratet nicht glücklich werde. Dass ich mit der Schreiberei einem Hirngespinst nachlaufe, einem Traum. Dass ich in der Realität leben soll.
Früher hätte ich nachgedacht.

Aber es weht jetzt ein anderer Wind.
Ich werde in Zukunft unterscheiden zwischen Menschen, die die Energie und Zeit einer ausführlichen Erklärung wert sind, weil sie offen sind. Und Menschen, deren Horizont beschränkt ist, die urteilen, ohne zu wissen. Die werten, ohne zu verstehen. Und jenen Menschen werde ich höflich lächelnd den Rücken kehren.

Nachsichtig zwar, weil sie es nicht besser wissen – aber meine Nachsicht wird in Zukunft an dem Punkt enden, an dem mein eigenes Glück darunter leidet.

Twitter ist mir eine wahre Freude geworden, aber auch hier lese ich regelmäßig Kommentare oder bekomme Nachrichten, die übergriffig sind. Ich meine hier nicht nur RfHs, dumme Sprüche oder beleidigende Nachrichten für das devote Fickstück, sondern auch diese Ratschlag-Kultur, wie ich es nennen möchte. Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich den großen Account komplett unpersönlich halten soll. Mich beschränken soll auf das Verlinken meines Blogs, auf BDSM, auf Sex und Feminismus ein paar wenige Bubbles. Einfach, weil ich jedes Mal am liebsten schreien möchte, wenn ich etwas Persönliches schreibe und Menschen einfach random Ratschläge geben.
Versteht mich nicht falsch: viele von euch haben auch schon direkten Kontakt mit mir gehabt und ich hoffe, dass die entsprechenden Menschen, sich jetzt angesprochen fühlen, wenn ich sage, dass es in Ordnung ist, von einigen Ratschläge zu bekommen. Oder gut gemeinte Worte in irgendeiner Form. Aber Twitter scheint hier eine merkwürdige Etikette zu haben – die vielleicht sogar gut gemeint ist, ich weiß es nicht. Aber die sich für mich unfassbar grenzüberschreitend anfühlt. Wenn ich Ratschläge lese über Lebensführung, Denkweisen und überhaupt, was ich denn tun sollte, damit es mir besser geht, werde ich aggressiv. Kann sein, dass ein Teil von mir Schwierigkeiten hat, Hilfe anzunehmen. Aber ein deutlich größerer Teil versteht einfach nicht, wie Menschen sich das Recht herausnehmen, die Lebenssituationen anderer zu beurteilen und zu glauben, sie wüssten es besser. Und vor allem: selbst wenn das wirklich der Fall ist – weshalb fällt es Menschen so immens schwer, zu FRAGEN. Ein einfaches „hey, ich glaube, ich hätte eine Tipp – darf ich dir einen Ratschlag geben?“ ist nicht zu viel verlangt und in gewissen Bereichen halte ich das schlicht und ergreifend für angebracht – ohnehin wenn man vorher noch nie Kontakt hatte.

Natürlich muss ich auch hier eines meiner grundlegenden Prinzipien anwenden: ich kann andere nicht ändern – aber ich kann ändern, wie ich auf andere reagiere. Soll heißen: ich kann nicht ändern, dass da draußen jeder glaubt, anderen Menschen ihr Leben erklären zu können. Aber ich kann stattdessen aufhören, Persönliches zu twittern. Oder nach dem Twittern den Tweet stummschalten. Oder ich lerne, die falschen Nachrichten zu ignorieren und mit den richtigen zu interagieren. Oder ich kommuniziere eben nur noch mit den Menschen, die mir auch ab und an eine DM schreiben, weil sie wissen, dass man manchmal einfach so twittert – den Inhalt des Tweets aber lieber in einer DM kommuniziert als in der TL. Was auch immer.
Ich werde in absehbarer Zeit eine Entscheidung treffen, aber bis dahin kann ich sagen:

Es weht jetzt ein anderer Wind.
Ich werde keinerlei Energie mehr verschwenden, um mich vor mir völlig fremden Menschen zu rechtfertigen. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, einen Ratschlag nicht befolgen zu wollen. Ich werde nicht alles annehmen, weil es mit dem Zusatz „war nur gut gemeint“ versehen ist. „Gut gemeint“ ist nicht immer „gut“ – welches davon auf mich zutrifft, entscheide ich und niemand sonst.

In Bezug auf Feminismus und ein paar andere Themen habe ich eine recht klare Meinung, mit der ich bislang ein wenig hinterm Berg gehalten habe. Oder besser: die ich noch recht offen kommuniziert habe im Sinne der Diplomatie. Auch das wird sich ändern. Dieser Blog und mein Twitter-Account gehören mir. Wer meine Meinung nicht hören möchte, darf gehen. Wer nicht in der Lage ist, sie im Falle einer Meinungsverschiedenheit angemessen und höflich zu kommentieren, wird geblockt. Ich diskutiere gern, ich lasse andere Meinungen gelten und mehr noch: ich interessiere für sie – wer aber ausfallend, herabwürdigend und beleidigend wird, den halte ich nicht für einen gewinnbringenden Diskussionspartner.

Ich werde in Zukunft ausgesprochen explizit kommunizieren, wer ich bin und wofür ich stehe. Dass es meiner Meinung nach Feministinnen gibt, die für Richtungen stehen, die ich verurteile, weil sie Hass verbreiten und für eine Spaltung der Geschlechter sorgen. Ich werde zukünftig laut und deutlich sagen, dass ich Menschen feministische Werte und moralische Haltungen, die für Toleranz und Gleichberechtigung stehen, nicht abkaufe, wenn sie pauschal über andere Geschlechter oder Gruppen lästern. Ich werde mich in Zukunft klar positionieren, um deutlich zu machen, wo man sich befindet, wenn man auf meinem Account landet: am Sprachrohr einer jungen Frau, die sich früher gleich zu mehreren Randgruppen zugehörig fühlte und mittlerweile alle davon verlassen hat, weil sie für eine innere Haltung kämpfen möchte, in welcher Menschen gar nicht erst in Gruppen unterteilt werden. In welcher man sich nicht qualifizieren muss, um die „Ehre“ zu erhalten, auch bei den diskriminierten Lesben sein zu dürfen, oder bei den Migranten oder den PoC oder den BDSMlern oder den #metoo-Frauen. Es geht nicht darum, wer „heftiger diskrimiert“ wird. Wer zur „am meisten abgegrenzten Gruppe“ gehört und wer die schlimmsten Erfahrungen gemacht hat. Es kotzt mich mit Verlaub an, dass daraus mittlerweile ein Wettbewerb gemacht wird. Ich habe Freunde, die trans sind. Ich habe Freunde, die bi sind. Ich habe Freunde, die BDSMler sind und ich habe eine älteste, beste Freundin, die so völlig „konservativ“ ist, dass sie Mann, Eigenimmobilie und Kind hat. SO WHAT?
Jeder Mensch hat das Recht darauf, sich selbst zu verwirklichen auf genau jene eine Art, die ihn glücklich macht. Sich in Gruppen zu unterteilen führt zu nichts anderem als zu „wir und andere“-Denkweisen. Und immer dann, wenn wir von „wir und die anderen“ sprechen, von „Frauen und Männer“, von „BDSM und Vanilla“, von „hetero und homo“, von „cis und trans“, von „wir und die anderen“ – denken wir abgrenzend. Und da unsere Gedanken unsere Wirklichkeit erschaffen, ertrage ich diese beschissenen Blasen auf Twitter nicht mehr. Weil sie eine Wirklichkeit erschaffen, in der wir irgendwann alle in Gruppen leben – und statt zu mehr Verständnis und Toleranz führt das mit dieser Handhabung zu nichts anderem als zu weiterer Abgrenzung.
Gruppen und Zugehörigkeitsgefühl sind prinzipiell etwas Gutes – aber wenn die Zugehörigkeit auf der Herabwürdigung anderer basiert, dann frage ich mich, ob hier keine eigene Substanz vorhanden ist – keine andere, wertvollere Gemeinsamkeit als die Abneigung gegen andere.

 

Hier weht jetzt ein anderer Wind…
Ich achte nicht auf die Werte und Richtungen, die jemand behauptet zu vertreten.
Ich achte auf die Werte, die jemand tatsächlich lebt.
Und diesen Unterschied nehme ich in Zukunft als Grundlage für die Entscheidung, ob ich mich mit Menschen auseinandersetzen werde oder nicht. 

Für mich hat es nichts mit Feminismus zu tun, wenn Frauen über Männer lästern, sondern mit Mangel an Reflexion.
Für mich hat es nichts mit sexueller Offenheit zu tun, wenn BDSMler über „Vanillas“ lachen, weil die so langweilig sind – sondern mit Verurteilung und Herablassung.
Für mich hat es nichts mit Toleranz zu tun, wenn ein polyamor lebender Mensch verheiratete Paare mit Kindern verurteilt, weil die „so spießig“ sind – sondern mit dem Gegenteil davon.

Sprache ist es, was uns verbindet. Sprache ist es, womit der eine dem anderen seine Welt erklären kann.
Wer Sprache missbraucht, um Schmerz zuzufügen – egal, aus welchem Grund -, hat in meiner Welt nichts verloren.
Wer sich nur verteidigen kann, indem er anderen Schaden zufügt, vor dem habe ich keinen Respekt.
Wer seine eigenen Werte nur verkaufen kann, indem er die Werte anderer schlecht redet, dessen Denkweise kann ich nicht ernst nehmen.

Wer mit dem eigenen Schmerz nur dann umgehen kann, wenn auch andere leiden – der stand mit mir gemeinsam an einer Gabelung und hat einen anderen Weg gewählt. Ich maße mir nicht an zu beurteilen, welcher der richtige ist – aber meiner ist es nicht.

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und mittlerweile ist es in meinem nicht-virtuellen Leben kein Geheimnis mehr, dass ich gekündigt habe und vom Schreiben leben werde. Es hat Menschen gegeben, von denen ich mehr Skepsis erwartet hätte – die diese Entscheidung aber bewundern. Andere, von denen ich Unterstützung erwartet hätte, waren skeptisch und haben mir deutlich gesagt, dass sie nichts davon halten. Der Großteil war… negativ. Nun, nicht völlig dagegen. Aber höchst skeptisch. Nicht einmal, weil sie an meinen Fähigkeiten zweifeln. Sondern einfach, weil es ein Talent ist – aber nichts, von dem „man leben kann“.
Und bei all diesen Meinungen, diesen Stimmen, diesen inneren Verteidigungsmechanismen, die schwanken zwischen „hm..“ und „ihr werdet schon sehen…“ – haben mich die letzten Wochen sehr heftig geprägt. Es ist schwer zu beschreiben. Seit einigen Monaten schon, seit ich merke, dass ich hier tatsächlich gelesen werde, seit all den Rückmeldungen, seit diesem einfach nicht weniger werdenden, konstanten Zufluss an Nachrichten, Mails und DMs, die mir sagen, wie gern sie regelmäßig meinen Blog lesen und ob ich irgendwann ein Buch schreiben würde… seither wächst dieses Gefühl in mir.

Es ist ein Gefühl der Unruhe. Eine immense Unruhe sogar. Ich bin rastlos, wie ich es kaum von mir kenne – was die Schlafstörungen stark verschlimmert hat. Ich kann kaum mehr zählen, wie häufig ich nachts wach lag, weil ich einfach nur… Ideen hatte. Weil ich mir mein Leben ab Januar vorstelle und es kaum abwarten kann. Weil ich vom Schreibtisch nicht wegkomme – auch nicht in Gedanken. Weil ich nicht aufhören kann. Weil ich so… inspiriert bin, so voller Drang zu schreiben, dass ich manchmal das Gefühl habe zu platzen. Ich bin voll von dieser Energie… So voll, dass ich überlaufe.
Ich habe das ganze Jahr schon diese Idee im Kopf für einen BDSM-Roman. Ich hatte schon lange diese Idee und immer, wenn mir etwas einfällt, notiere ich und sitze dann kurz da und… halte es kaum aus, noch nicht schreiben zu können. Ich habe jetzt schon diese Verbindung zu den Figuren, ich sehe sie vor mir. Es ist wie bei meinem letzten Roman und ich merke, dass es viel zu lange her ist – das Romanschreiben. Viel zu lange. Dazwischen kam das Examen und der Tod meiner Mutter und dann die Arbeitswelt und… ich hatte nie die innere Ruhe und jetzt… jetzt bin ich kurz davor zu platzen, weil ich weiß, ich darf wieder schreiben. Wirklich schreiben.
Die Blogbeiträge liebe ich – ich kompensiere damit. Und ich werde auch weiterhin Beiträge schreiben und auch Artikel und eine Kolumne und… hach. Aber das, was ich wirklich tun möchte, ist… meine Fantasie von der Leine zu lassen und Charaktere zum Leben zu erwecken. Und es ist keine Hoffnung, kein Glauben, kein „vielleicht“ – ich weiß es einfach, dass es gut wird. Ich bin mir sicher. Meine Intuition sagt mir, dass es funktionieren wird. Ein klein wenig bin ich natürlich von meinen Lesern – also eigentlich irgendwie von euch abhängig, aber ich weiß, es wird sich lohnen und die richtigen Menschen werden bleiben. Und ich muss definitiv noch dieses Jahr etwas veröffentlichen. An dem BDSM-Ratgeber-Buch sitze ich natürlich, aber ich brauche noch. Ich brauche vor allem Zeit und Ruhe. Ich hoffe, das reicht bis Weihnachten. Als Alternative überlege ich noch immer, einen meiner beiden alten Romane zu veröffentlichen. Oder einen Fortsetzungsroman zu schreiben – ein Kapitel pro Woche. Und dafür ein extra Abo einzurichten mit ein paar Euro. In erster Linie geht es darum, Geld zu verdienen, sodass ich Fuß fassen kann. Abgesehen davon kam gestern die Rechnung für meinen Anwalt – rund 2.200 Euro. Genau dann, wenn ich meinen Job kündige und einen auf Schriftsteller mache. Haha.
Mal ernsthaft, ich glaube, jeder vernünftige Mensch, der das von außen hört, muss sich an die Stirn fassen. Ich höre ja selbst, wie das klingt. Aber ich weiß wirklich nicht, ob ich mir jemals in meinem Leben in einer Sache sicherer war als jetzt. Ob es etwas gibt, von dem mein Innerstes überzeugter ist, als von der Tatsache, dass das Schreiben meine Berufung ist.

Also ja, verdammt. Es weht jetzt ein anderer Wind.

Ich werde nicht zu den Menschen gehören, die sich mit 80 fragen, weshalb sie es nie versucht haben. Ich werde nicht zu den Menschen gehören, die ihre Arbeitstage zählen, bis endlich Wochenende ist und denen vor Montag graut, weil sie arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Ich brauche keinen Reichtum – ich möchte nur leben können. Aber ich möchte dieses Geld verdienen, indem ich das mache, was mir Spaß macht.
Ich werde nicht zu den Menschen gehören, die zu vernünftig sind, um alles auf eine Karte zu setzen und so die einzige Chance verpassen, ihren Traum zu verwirklichen.

Ich mache mich zum Protagonisten meiner eigenen Geschichte – und welche gute Geschichte endet nach zwanzig Seiten ohne Cliffhanger und Schwierigkeiten im Happy End?

 


 

Die Windstille hat an mir genagt. Der Blick aufs Wasser ohne Land in Sicht hat mich zermürbt. Die Ruhe, einige Schwierigkeiten und Stürme und dann die vermeintliche Hoffnungslosigkeit, der Stillstand haben mich demütig werden lassen.
Ich habe nicht alles in der Hand. Ich kann den Lauf des Lebens nicht kontrollieren. Es gibt Dinge, auf die ich einfach keinen Einfluss habe. Aber es gibt auch Dinge, die ich selbst kontrollieren kann. Entscheidungen, die ich treffen kann, um mein Leben so zu gestalten, dass ich am Ende sagen kann… ja. Das war gut so. Ich bin zufrieden mit mir.

Und all diese Entscheidungen, von denen ich hier nun schrieb, werde ich in Zukunft umsetzen. Aktiv, bewusst, selbstbestimmt. Hier in der Virtualität – sowie im echten Leben. In meinem Leben – das ich wohl noch nie so bewusst in die Hand genommen habe wie in diesem Jahr.

Ein Weg, der mir eine Eigenverantwortung aufbürdet, unter der ich manchmal glaube zu ersticken, weil sie mir so große Angst macht – bis ich merke, dass ich gar nicht unter Wasser bin, sondern mitten auf hoher See.
Und dass die Atemlosigkeit davon kommt, dass mir plötzlich ein so heftiger Wind ins Gesicht peitscht, dass ich kaum zum Luftholen komme.
Ein Wind, der jetzt in eine andere Richtung weht.

Ein Wind, der meine Segel wieder spannt.

 

Wenn es euch also nichts ausmacht: bleibt noch eine Weile und habt Nachsicht mit meinen Segelkünsten. Sitzt die Stürme mit mir aus, wartet auf günstigen Wind und lasst euch mit mir treiben.

Ich verspreche euch: irgendwann werdet ihr mich rufen hören „Land in Sicht“… und wenn ich euch dann von der Neuen Welt erzähle, wird die turbulente Reise sich gelohnt haben.

25 Kommentare

    1. Du hast recht. Ich weiß nicht, ob es Beiträge hier gibt, die persönlicher sind. Sicherlich nicht viele, wenn überhaupt. Und ja – es ist die Klarheit nach dem Sturm. Der Zustand der Erschöpfung, wenn er vorbei ist. Das Durchatmen nach dem Augenblick, in dem glaubt zu ersticken.

      Danke, dass du hier bist und mitliest und… überhaupt – dass es dich gibt. ❤

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  1. Liebe Ophelia, ich schliesse mich Nell an und danke Dir, dass Du uns da draußen so tief in Dich blicken lässt. Falls ich Dir so ungefragt Ratschläge erteilt habe, bitte ich Dich um Entschuldigung.

    Zu dem Umbruch in Deinem Leben kann ich Dir nur den Satz einer sehr guten Freundin weiter geben, als es bei mir damals so weit war: „Das kann eventuell schief gehen, aber dann hast Du es wenigstens versucht “
    In diesem Sinne….
    Dilara

    Gefällt 3 Personen

  2. Hallo Ophelia,

    ich lese deinen Blog sporadisch seitdem ich dir auf Twitter folge und ich muss zugeben, die Themen Persönlichkeitsentwicklung und berufliches in deinen Beiträgen interessieren mich am meisten, weil diese Themen auch mein Leben derzeit vorwiegend bestimmen.

    Ich erlebe momentan auch berufliche Turbulenzen, wobei meine kleiner scheinen als deine. Ich habe nach einigen Jahren für eine besser bezahlte Position bei einem Mitbewerber meinen Lehrbetrieb verlassen, allerdings eine so massive innere Gegenwehr erfahren, dass dieses Arbeitsverhältnis nach nur einem Monat wieder beendet ist und ich jetzt aus der Arbeitslosigkeit heraus auf meine eigentliche Berufung – die Selbständigkeit oder besser gesagt Unternehmertum – zusteuere. Mittlerweile mit dem Rückhalt meiner Familie, immerhin. Wie du auf deinem Weg bin ich auf meinem überzeugt davon, dass er der richtige ist und ein großer Erfolg wird.

    Ich sende dir daher auf diesem Weg „kollegiale“ Grüße und wünsche dir nur das Beste für deinen Neustart! Und: Respekt für deine klare Haltung, davon kann (und werde) ich durchaus noch was lernen.

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    1. Hallo S.,

      interessant, dass auf meinem Blog mittlerweile auch Menschen sind, die nicht in erster Linie wegen BDSM hier sind, sondern wegen u.a. solcher Themen. Irgendwie schräg und auch schön – und faszinierend, wie sich so eine Sache ganz selbstständig einfach entwickelt, auch wenn es nicht so geplant war. Aber umso schöner, dann solche Nachrichten zu lesen. Zu lesen, dass andere da draußen ähnliche Wege gehen, dass man sich gegenseitig inspirieren kann und sich gegenseitig daran erinnern, dass es das Richtige ist.
      Ich danke dir sehr und ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg bei deinem Weg und die kollegialen Grüße winke ich dir direkt zurück.. :)) Vielleicht lese ich ja irgendwann wieder von dir mit einem Update.. 😉

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  3. Wow, wow, wow!
    Chapeau, Langbogenkriegerin. Aus diesem Grunde lese ich gerne auf Blogs, unterhalte mich gerne auf Twitter mit Menschen, an denen ich achtlos auf der Straße vorüber gegangen wäre und die mit der Nacktheit Ihrer Seele mein Interesse wecken.
    Auch Du ziehst Dich hier aus. Langsam, aber es ist wundervoll. Wundervoll zu lesen. Von Dingen, die das Seelchen bewegen. Ehrliche Gedanken, die uns selbst zum Nachdenken bewegen, uns immer wieder aufs Neue einen Spiegel vorhalten. Zu lernen und selbst zu lehren.
    Du gehst Deinen Lebensweg oder mit Deinen Worten: Du segelst über den Ozean des Lebens, und ja, es gibt Stürme, es gibt die raue See, aber nach jedem Sturm wird diese See glatt und die Sonne scheint.
    Dein Licht hängt an der Rah! Immer! Sehe mit dem Herzen hin und lächele.
    Es ist Dein Lebensweg. Wichtig ist das, was Du fühlst, was Dein Herz Dir sagt, da hat sich niemand einzumischen.
    Vertraue auf Deine Zukunft. Du bist die Magierin Deines Lebens.
    Noch was zum Krebs:
    Krebs ist scheiße und schaue danach, dass das ins Reine kommt, was Dir auf Deiner Seele liegt. Mein Ratschlag, auch wenn Du Ratschläge nicht magst.
    Ich wünsche Dir jedenfalls nur das Beste. Dein Leben wird sich Deinen Gedanken unterordnen, Du bist auf einem guten Weg dorthin!

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  4. Hallo Ophelia,
    atemlos habe ich Deinen Beitrag gelesen und ich habe einen Ratschlag für Dich 🙂 halte einfach Kurs. Mit mehr Menschen wie Dir wäre die Welt bestimmt nicht einfacher aber auf jeden Fall besser.
    Ich finde Deinen Weg richtig.
    Zu all den die Dich mit Kritik und Ratschlägen beglücken fällt mir nur ein: ,,Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich der Eber an ihr reibt?“
    Wann immer Du Hilfe brauchst melde Dich, wenn ich helfen kann werde ich es tun.
    LG
    Hanna

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  5. Hallo Liebe Ophelia

    Ich bin erst kürzlich auf deinen Blog gestossen. Eigentlich durch Fedora die auf Twitter deine lustigen Anekdoten deines Familientreffen retweetet hat.

    Mich fasziniert es wie Du dein Leben reflektierst, indem du es niederschreibst. Deine Texte sind sehr intensiv und voller Leben. Du regst mich an, selber ein Art „Tagebuch“ zu führen.

    Ich werde bestimmt nicht das letzte Mal hier vorbeischauen.

    Liebe Grüsse
    Raphael

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    1. Hey Raphael 🙂 eine bessere Rückmeldung kann man als Blogger vermutlich nicht bekommen. Schön, dass ich inspirieren kann und mindestens so schön, dass du hierher gefunden hast und auch bleiben möchtest 😊 vielleicht les ich ja mal wieder von dir – vielleicht sogar in Blog-Form. 😉

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  6. Wow. Danke für diese schonungslose Analyse und Beschreibung dessen, was bei Dir los ist. Ich bin berührt und tief beeindruckt. Ich denke, Du bist auf dem richtigen Weg – dass man auf seinem Weg andere Menschen zurücklassen muss, ist wohl unvermeidlich, umso mehr, wenn diese Menschen Dir Kraft rauben, anstatt Dir welche zu geben. Ich habe nur ein ganz vage Ahnung, mit was für Dämonen Du gerungen hast, aber aus Deinen Worten meine ich lesen zu können, dass diese Kämpfe nicht nur tiefe Narben hinterlassen haben, sondern Dich auch gestärkt haben.

    Und bei deinem Talent mit Worten wäre es pure Verschwendung, es mit dem Schreiben nicht wenigstens zu versuchen. Bitte mach weiter so.

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  7. Liebe Ophelia,
    ich folge Dir und dem was Du aus deinem Leben preisgibst jetzt schon sehr lange. Ich denke fast seit der ersten Stunde. Ich bin ein echter Verehrer Deiner Person und dessen was Du bewegst. Du bist einfach in Deiner Vielschichtigkeit und Sensibilität ganz großartig.
    Ratschläge versuche ich mir jetzt zu verkneifen. 🙂
    Mir fiel nur auf, seit längerem, je intensiver Du Deine Zeit deinem Twitter Account widmest, um so „einfacher“ wurdest Du hier in Deinem Blog. Ich weiß nicht ob einfach wirklich das richtige Wort dafür ist. Ich denke Du weiß was ich meine.
    Du bist meine hochverehrte und geliebte Ophelia und ich sage Dir das Du das was Du Dir vorgenommen hast ganz großartig hinbekommen wirst.

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  8. Liebe Ophelia,
    Ich bin auch einer der Leser, die nur sporadisch Deinem Blog folgen.
    Manchmal ist es so, dass ich einen Deiner langen Texte anfange und dann doch wieder abbreche, wahrscheinlich weil ich eigentlich nicht so viel über Gefühle lesen möchte sondern eher der Typ bin, der sich für bestimmte Themen interessiert und nach nach neuen Informationen sucht.
    Ich kann auch nicht nachvollziehen, und das richtet sich jetzt nicht nur an Dich, wie man sich in der Öffentlichkeit gefühlsmäßig so ausziehen kann.
    Im Netz sind die Reaktionen der Menschen noch brutaler als in wahren Leben, da man sich in der Anonymität verstecken kann, also haut jeder Depp seine Meinung raus wohlwissend, dass es den Empfänger verletzen wird.
    Im realen Leben kann ich mich auch in einer Gruppe öffnen und muss mir die Reaktionen der einzelnen anhören, aber da kann ich dem Menschen in die Augen blicken und das Problem erörtern. Wenn es gar nicht passt meide ich ihn/sie.
    Muss Du als Bloggerin nicht damit rechnen, dass Leser auf Deine Texte reagieren? Was möchtest Du als Kommentar lesen? Es kommen die üblichen Floskeln wie „Ich bin bei Dir“ oder „Fühle Dich umarmt“.
    Diese Menschen wollen Dir Ihr Mitgefühl ausdrücken, andere wollen Dir helfen und geben eben Ratschläge. Ratschläge zu Themen, die sie gar nicht genau kennen.
    Ich würde z.B. niemals einem depressiven Menschen, den ich nicht wirklich gut kenne, einen Ratschlag geben, weil ich die Gründe der Probleme nicht weiß.
    Und genau das ist das Problem „Internet“! Hier melden sich auch Menschen zu Wort, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und mit deren Reaktionen musst Du doch rechnen wenn Du öffentlich bloggst.
    Das ist doch so, als würdest Du Dich auf den Marktplatz stellen und wie ein Herold Deine Probleme veröffentlichen. Dann werden Dir auch viele im Vorbeilaufen einen dummen Spruch reindrücken.
    Ich verfolge einen Blog, der keine Kommentare zulässt. Es ist eine Frau, die einfach nur ihre Gedanken loswerden will. Irgendwie scheint es ihr in ihrer Situation zu helfen. Es ist wie ein Buch.
    Andere betreiben passwortgeschützt Blogs und lassen nur diejenigen mitlesen, deren Meinung sie schätzen.
    Wäre das nicht eine Option für Dich?

    PS: Diese Gedanken sprudelten gerade so aus mir heraus. Ich hoffe es ist für Dich nicht verletzend.

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    1. Ich fang mal oben an. Du schreibst „Im realen Leben kann ich mich auch in einer Gruppe öffnen und muss mir die Reaktionen der einzelnen anhören, aber da kann ich dem Menschen in die Augen blicken und das Problem erörtern. Wenn es gar nicht passt meide ich ihn/sie.“

      Das ist hier eigentlich gar nicht so anders – Menschen kommentieren in irgendeiner Form und ich kann mich dazu entscheiden, die Nachricht zu ignorieren oder darauf einzugehen. Okay, in die Augen sehen kann ich dabei niemandem aber ob du es glaubst oder nicht, dass kann manchmal erleichternd sein. Und meiden kann ich Menschen hier ja auch. Auf Twitter kann ich blocken, Email kann ich ignorieren oder löschen.

      Du hast recht, ich muss als Bloggerin natürlich damit rechnen, dass mir Menschen Ratschläge geben. Aber genau das meinte ich ja auch in dem Text: ich weiß das. Ich weiß, dass dieses Prinzip eines ist, dass ich nicht ändern kann. Ich bekomme auf Äußerungen Ratschläge, um die ich nicht gebeten habe – das ist im echten Leben übrigens auch so, nur mal am Rande. Aber ja, hier wohl häufiger, aufgrund der Zahlen. Jedenfalls: ich weiß das. Und das werde ich nicht ändern können – aber wie immer kann ich mich selbst ändern. Ich bin ja auch die Möglichkeiten durchgegangen, wie mögliche Konsequenzen aussehen könnten. DM-Fach stumm schalten, Tweets stummschalten, weniger schreiben, usw. Ich weiß, dass das so ist und so bleiben wird, also beschwere ich mich nicht darüber, sondern ziehe Konsequenzen.
      Ein Blog, wie du schreibst, der keine Kommentare zulässt, wäre tatsächlich eine Option. Gleichzeitig haben die Kommentare hier schon so viel bewirkt, für so viele konstruktive Diskussionen hier unter den Lesern gesorgt, dass es schade wäre. Passwortgeschützt kommt weniger in Frage, weil es niemals möglich wäre, gerecht auszusortieren. Abgesehen davon möchte ich ja Menschen erreichen. Ich möchte aufklären, ich möchte von Problemen berichten, die andere kennen.

      Und genau das ist der Punkt. Wenn auch nur einer von euch wüsste, wie viele und welche krassen Nachrichten ich regelmäßig erhalten, im Stillen, per Mail oder DM…. es ist wirklich unglaublich, wie viele Menschen mir sagen, dass mein Blog ihnen in irgendeiner Form hilft, sie irgendetwas wiedererkennen, sich finden, sie zum Denken angeregt werden. DAS ist es, was ich erreichen wollte und all die Nachrichten, die ich bekomme, wenn ich das, was ich schreibe, jemandem hilft – die sind es Wert. Die sind all die Kommentare wert, die mir irgendwie zu nahe treten. Es ist meine Entscheidung, wie ich mit denen umgehe – ich muss da einfach noch ein wenig lernen, gewisse Dinge abprallen zu lassen. Das ist aber MEINE Aufgabe und ich will nicht, dass nur wegen meiner Aufgabe, nur deshalb, weil ich etwas unangenehm finde, andere einen Nachteil haben. Das, was ich schreibe, hilft anderen – also werde ich einen Weg finden, das aufrecht zu erhalten und mit den Konsequenzen umzugehen. Und es ist ja nicht so, dass ich deshalb Gewalterfahrungen habe oder was auch immer. Es sind übergriffige Nachrichten – damit umzugehen, ist keine unlösbare Aufgabe. Es ist eine Herausforderung, bei der ich schon einiges gelernt habe und die sich definitiv lohnt, wenn ich die andere Seite der Medaille ansehe…. 🙂

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  9. Dazu ist mir spotan der Beginn von Brochs Vergil eingefallen, als Kompliment.

    „Stahlblau und leicht, bewegt von einem leisen, kaum merklichen Gegenwind, waren die Wellen des adriatischen Meeres dem kaiserlichen Geschwader entgegengeströmt, als dieses, die mählich anrückenden Flachhügel der kalabrischen Küste zur Linken, dem Hafen Brundisium zusteuerte, und jetzt, da die sonnige, dennoch so todesahnende Einsamkeit der See sich ins friedvoll Freudige menschlicher Tätigkeit wandelte, da die Fluten, sanft überglänzt von der Nähe menschlichen Seins und Hausens, sich mit vielerlei Schiffen bevölkerten, mit solchen, die gleicherweise dem Hafen zustrebten, mit solchen, die aus ihm ausgelaufen waren, jetzt, da die braunsegeligen Fischerboote bereits überall die kleinen Schutzmolen all der vielen Dörfer und Ansiedlungen längs der weißbespülten Ufer verließen, um zum abendlichen Fang auszuziehen, da war das Wasser beinahe spiegelglatt geworden; perlmuttern war darüber die Muschel des Himmels geöffnet, es wurde Abend, und man roch das Holzfeuer der Herdstätten, so oft die Töne des Lebens, ein Hämmern oder ein Ruf von dort hergeweht und herangetragen wurden.

    denn unzureichend ist die Sehnsucht der Hände, unzureichend ist die Sehnsucht des Auges, unzureichend ist die Sehnsucht des Hörens, denn zureichend allein ist die Sehnsucht des Herzens und des Denkens in ihrer Gemeinsamkeit, die sehnsüchtige Ganzheit des unendlichen Innen und Außen,

    so habe ich sie stets gespürt, Lebensbangigkeit und Todesbangigkeit zugleich, in all den vielen Nächten, an deren Schwelle ich gestanden habe, an den Ufern der Nächte und Abernächte, die an mir vorbeigerauscht sind, im Rauschen anschwellend das Wissen um sie, das Wissen um die Trennung, das Wissen um den Abschied, der mit der Dämmerung anhebt, und es war Sterben, das an mir vorbeifloß, mich mit steigender Flut berührte, benetzte, umfing, von außen kommend und doch aus mir geboren, mein Sterben: erst der Sterbende erkennt die Gemeinschaft, erkennt die Liebe, …

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