Seekrank?

Oder: Von Wax Play, guten Taten und einem Besuch auf dem Revier

 

Meine Lieben, 

um es kurz und schmerzhaft zu machen (immerhin seid ihr ja genau deshalb hier, nicht wahr?): heute gibt es einen letzten kinky Beitrag. Nun, natürlich nur einen letzten für dieses Jahr – 2019 wird es mehr Kink geben als ich oder ihr jemals erwartet hättet. Aber solange ich noch auf hoher See treibe und mich Welle um Welle erfasst, ich vor Kälte und Nässe zittere und mir regelmäßig schlecht wird, weil hier so verdammt schnell so verdammt viel geschieht, bin ich damit beschäftigt, Kurs zu halten. Zu mehr bin ich nicht zu gebrauchen – aber ich verspreche euch: das wird sich ändern. Jetzt aber sitze ich hier, atme tief durch und möchte euch von den paar letzten Wellen erzählen, die der Sturm mir brachte. Sie haben mein Floß verschont und wenn ich ehrlich bin, waren sie gerade so hoch, um aufregend zu sein – aber nicht wirklich gefährlich. Also, meine Lieben, haltet euch gut fest und dass mir niemand hier auf’s Floß kotzt, ja…? 😉


Wax Play

Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht.

Ernsthaft, ich bin nicht sicher, ob ich in Worte fassen kann, wie es mir zurzeit geht. Eine solche Achterbahn ist einzigartig in meinem Leben und doch wird ein – für 2018 letzter Beitrag – zu eben dieser Achterbahn, diesem Sturm folgen. Ich schreibe jährlich in den letzten Tagen des Jahres eine Art… Bilanz. Das habe ich 2017 zum ersten Mal öffentlich gemacht – hier auf Mein Leben im Pelz. Bilanz gezogen, Lektionen gesammelt und vor allem ein Motto für das kommende Jahr gewählt. Dazu aber mehr, wenn der entsprechende Beitrag folgt. Heute möchte ich euch ein wenig ins Wunderland mitnehmen, von dem ich hier auf hoher See mehr mitbekomme als ich mir hätte vorstellen können. Nun, tatsächlich habe ich das natürlich hauptsächlich einem Mann zu verdanken: Pan.
Pan ist nicht der einzige Mann, der zurzeit in meinem Leben eine Rolle spielt und auch kein Mittelpunkt – ihr kennt mich ja. Aber er ist der einzige, mit dem ich spiele und verdammt, er ist der, der mit Abstand am meisten richtig macht – so ehrlich muss ich sein.

Am 19.12. war mein letzter Arbeitstag – darüber will ich nicht schreiben. Zumindest nicht an dieser Stelle. Was ich sagen kann: ich war aufgerieben und über die Maßen emotional an diesem Tag. Es hat mich mitgenommen und ich bin wirklich nicht sonderlich gut klargekommen mit der Mischung aus Erleichterung und Schmerz. Zwei Wochen zuvor stand bereits fest, dass Pan mit mir diesen Abend auf dem Gynstuhl verbringen würde. Nun – streng genommen würde natürlich nur ich den Abend dort verbringen, während er zwischen meinen Beinen stehen würde, um mich zu quälen. Ich freute mich tierisch und sagte mir schon Tage zuvor, dass es genau die richtige Ablenkung werden würde. Dieses Gefühl stieg sogar noch, als er mir erzählte, dass er Kerzen besorgt und ein paar organisatorische Details erledigt hatte, um den Gynstuhl mit Wax Play zu verbinden. Meine beiden liebsten Kinks – kombiniert. Das hatte ich noch nie und fuck, hatte ich Bock darauf.
Aber was soll ich sagen? Der Nachmittag war… heftig. Ich brauchte deutlich länger als ich dachte, um mich zu sammeln und war schlicht und ergreifend nicht in Stimmung. Mir war danach, das Haus zu verlassen, etwas zu tun – aber ich ahnte, dass ich den Abend nicht angemessen würde genießen können. Das schrieb ich ihm. Seine wunderbare, perfekte Antwort:

„Kein Problem – sag mir, was du brauchst. Ich kann dich hier ein wenig lecken, während du Sekt trinkst. Oder wir kuscheln. Ich kann dir natürlich auch ins Gesicht spritzen oder so. Wonach dir ist.“

Ich liebe diese Art an ihm. Er brachte mich zum Schmunzeln.

„Klingt alles gut – ich fahr gleich los.“

Ich zog eine schlichte Hose an, ein Top ohne BH und einen viel zu großen Kuschelpulli. Genau so erschien ich kurz darauf im Club und genoss ein Glas Sekt und ein paar komische Blicke. Es war mir egal – ich brauchte eine Pause von Heels und Hörnern. Ich wollte an diesem Abend einfach nur… so sein, wie ich eben gerade war. Verwundbar, ein wenig durcheinander, vielleicht etwas nähebedürftig und definitiv wahnsinnig erschöpft.
Wir tranken Sekt, feierten meinen letzten Tag, küssten uns, hatten abseits ein wenig Spaß und ich genoss die Ablenkung. Die Veranstaltung an diesem Abend würde bis ca 1 oder 2 Uhr gehen, es war immerhin unter der Woche. Gegen 11 schrieben mir ein paar der Herren aus der Salsaszene, die sich daran erinnert hatten, dass heute mein letzter Tag war. Wo ich denn blieb und ob ich nicht noch feiern wollte. Innerhalb weniger Augenblicke war meine Entscheidung gefallen. Im Auto hatte ich wie meistens ein Paar Ersatz-Tanzschuhe und ein Shirt – das genügte. Ich verabschiedete mich von Pan, der mich nach vorn begleitete, um sich noch zu mir zu beugen für ein:

„Wenn du gegen 1 oder halb 2 fertig bist, dann komm doch nochmal vorbei. Vielleicht ist die Lesbe noch hier, die du vorhin so lang beobachtet hast…“

Ich grinste und setzte mich ins Auto. Die folgenden zwei Stunden waren eine weitere perfekte Entscheidung an diesem Abend. Krass, wie Salsa auf mich wirkt – die Musik, die Bewegung, der Körperkontakt. Es ist reine Lebensfreude, ich vergesse alles um mich her und ich war einfach nur… glücklich. Fast zwei Stunden später war ich verschwitzt, auch körperlich erschöpft und strahlte. Ganz von allein spürte ich meine Hörner wieder als hätte ich sie nie abgesetzt und das einzige, was ich dachte, war…

Ich brauche Action – richtige Action.

„Ich bin fertig“, schrieb ich Pan, „was geht bei euch?“

„Letzte Gäste hier und eine süße, junge Dame, die sich gern den Arsch versohlen lassen würde. Bis gleich.“

Mein Grinsen wurde breiter, als ich ins Auto stieg und denselben Weg wieder zurückfuhr. Wenige Minuten später begrüßte ich Pan zum zweiten Mal an diesem Abend und wurde gleich darauf einer jungen Frau vorgestellt, die ganz offensichtlich Interesse an Pan hatte und die darüber hinaus sichtlich irritiert war, als wir beide uns küssten. Pan ließ uns allein, um sich wieder an die Arbeit zu machen, während ich damit begann, mir das Mädel genauer anzusehen. Sie war jung, hübsch und definitiv sympathisch. Ich fing ein Gespräch an, weil ich merkte, dass sie irritiert und ein wenig eingeschüchtert war, was mir wiederum unangenehm war. Ich mag es einfach nicht, wenn Menschen sich in meiner Gegenwart nicht wohl fühlen. Nur Augenblicke später war das Eis gebrochen – ich hatte klargestellt, dass Pan und ich nur Freunde waren, nichts Ernstes. Dann sprachen wir über ihr Studium und andere belanglose, aber unterhaltsame Dinge. Und schließlich kamen wir auf BDSM. Es stellte sich heraus, dass sie keine Erfahrung hatte, aber seit einigen Jahren (sie war Anfang 20) daran denkt und es ausprobieren möchte. Nicht nur auf den Arsch gehauen werden beim Sex, sondern… nun ja. Mehr. Viel mehr, wie sie sagte. Ich wurde ernst, erklärte ihr ein paar Dinge und erzählte ihr, welche Erfahrungen ich vor vielen Jahren mit den falschen Männern gemacht hatte. Ich betonte, wie wichtig es ist, am Anfang lieber zu langsam zu probieren als zu schnell und dass man die eigene Neugier ein wenig an die Leine nehmen sollte und sich in Geduld üben. Ich sagte ihr auch, dass ein dominanter Mann, der weiß, was er macht, eine Einsteigerin niemals pushen, sondern tendenziell eher bremsen wird – zumindest am Anfang, wenn weder er noch sie ihre Grenzen kennt.
Sie war fasziniert und bedankte sich mehrfach, umarmte mich, stellte mir Fragen und sagte irgendwann, dass das Gespräch ihr wahnsinnig gut getan hätte und dass es ohnehin so gut tat, jemanden zu treffen, der sich damit auskennt und mit dem sie einfach reden kann, weil sie dafür sonst niemanden hatte.

(Am liebsten möchte ich an dieser Stelle ein paar ganz andere Dinge loswerden – aber im Januar erscheint mein Buch und ich fürchte, ihr werdet dort auch dazu ein paar Sätze lesen, also erspare ich mir das hier. Nur so viel vielleicht: Leute, es ist so wichtig, dass wir nicht nur in unserer Blase bleiben und uns auf Unterhaltungen untereinander beschränken, ohne jemals mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten über dieses Thema. Denn wenn wir alle diese wunderbare Seite von uns geheim halten, haben es jene jungen und unerfahrenen Menschen unfassbar schwer, sich einzufinden und positive Erfahrungen zu sammeln. Ich weiß aus Erfahrung, was passiert, wenn man als junge Frau etwas ausprobieren will, mit niemandem darüber sprechen kann und dann an den Falschen gerät. Redet – aus so vielen Gründen.)

Die Zeit verging wie im Flug und kurz darauf war der Club leer. Dunkel, vereinzelt beleuchtet und ungewohnt leise. Die Atmosphäre schrie nach Sex – nun, zumindest in meiner Wahrnehmung. Es war auch ein wenig befremdlich. Unsicher, fast unheimlich und… dunkel. In einen so großen Club gehört Bass, gehören Menschen, Getränke, tanzende Körper. Eine solche Location war nicht dafür gemacht, leer zu sein, leise zu sein – nackt zu sein. Ja, der Raum fühlte sich nackt an und ich glaube, genau das war es auch, was auf mich so wirkte.
Eine Gänsehaut überzog meinen Körper und für eine einzige Sekunde fühlte ich es: Panik. Meine alten Dämonen. Schatten meiner Vergangenheit, die zuverlässig zu meckern beginnen, wenn ich in neuen Situationen bin. In ungewohnten Situationen, in denen ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Was mir half, war Pan, der wie immer eine Souveränität und Sicherheit ausstrahlte, die mich festigte. Und mehr als ich gedacht hätte auch die junge Dame und ihre mangelnde Erfahrung. Es stand einfach nicht zur Debatte, unsicher zu sein. Ich hatte sicher zu sein, gefestigt zu sein – sie war verunsichert genug. Oder sagen wir: eingeschüchtert, das merkte ich.

Zuvor hatte ich sie gefragt, ob sie schon etwas gesehen hätte, zugeschaut hätte. Sie verneinte – nur online.

„Dann wird es Zeit, dass du das mal live siehst, was meinst du?“, hatte ich sie gefragt. Sie grinste breit.

Pan stellte mich an die Bar des leeren Clubs und wies mich an, mich auszuziehen. Es war eine Ausnahme-Situation, denn für gewöhnlich mag ich es nicht, devot zu sein, wenn eine andere Frau explizit zusieht oder am Spiel beteiligt ist. Vor Frauen gedemütigt zu werden macht die Demütigung zu der Art, die keinen Spaß mehr macht. Eigentlich ein Hard Limit für mich. Die Ausnahme hier war die Tatsache, dass besagte Frau nicht im Ansatz dominant war und mich auch in meiner devoten Rolle als einschüchternd empfand, das merkte ich ihr an.
Pan begann zu spielen, mich zu fingern, zu ohrfeigen, seinen Flogger auszupacken und schließlich folgte ein ausgiebiges Spanking. Er dreht mich um, setzte mich auf einen der Barhocker und ließ mich die Beine spreizen. Als er mich mit der flachen Hand auf meine empfindlichste Stelle schlug, wurde mein Knurren lauter und man hörte mir deutlich an, dass der Schmerz unangenehm war. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie die Hand vor den Mund schlug. Ich sah Pan an, schenkte ihm einen vielsagenden Blick, den er zu verstehen schien und richtete mich auf, um sie zu mir zu ziehen.

„Alles okay?“, flüsterte ich und strich ihr die Haare aus dem Gesicht.

Pan machte sich an der Bar zu schaffen und öffnete zwei Flaschen Wasser – es war ihm völlig klar, dass mein Verhalten kein Ungehorsam war, nicht aufmüpfig, sondern dass sie für mich heute im Mittelpunkt stand. Ich wollte ihr etwas zeigen, ließ Pan mich bespielen, konnte mich aber lange nicht so fallen lassen wie sonst, weil meine Sinne zur Hälfte bei ihr waren. Und schon bald (und dafür mochte ich ihn) merkte ich, dass es Pan ähnlich ging.

Sie nickte.

„Du hast so unglaublich schöne Brüste“, sagte sie dann und hob ihre Hand. Es war ein Reflex, als ich es ihr gleichtat und ihr Handgelenk festhielt – okay, zugegeben, ich lächelte das Lächeln von Frau O. Ganz bewusst versuchte ich, nicht allzu gemein zu sein, aber was soll ich sagen? Ein paar Regeln gleich zu Beginn können nicht schaden, nicht wahr? 😉

„Wie heißt das?“, fragte ich leise, lächelnd. Sie verstand sofort.

„Bitte.“

„Gutes Mädchen…“, antwortete ich und führte ihre Hand zu meiner Brust. Sie genoss es sichtlich – und ich nicht weniger. Einem weiteren Reflex folgend zog ich sie zu mir und küsste sie.
Minuten verstrichen, während wir Spaß hatten und ich dafür sorgte, dass sie sich wieder ein wenig entspannte.

„Kommt mal rüber, Mädels“, hörte ich Pan und nahm sie bei der Hand. In der Zwischenzeit hatte er wie es schien einen der Sessel in der Ecke so präpariert, dass man bequem darauf sitzen konnte, die Beine aufgestellt und abgestützt, und zudem alles mit Handtüchern ausgelegt. Und daneben… brannte eine Kerze.
Pan zog mich zu sich und küsste mich lang – Gott, wie ich küssen einfach manchmal genieße. Einfach nur… küssen. Den Arm eines Mannes an meiner Seite, die andere Hand an meiner Wange. Bestimmende Sanftheit, die meine Zunge gefangen nimmt und meinen Verstand aussetzen lässt. Selten fühle ich mich mit einem Mann verbundener als bei einem wirklich guten, innigen Kuss…

Aber zurück zum Thema. Pan wusste natürlich, dass ich heute auf das Wax Play verzichtet hatte, weil ich vorhin nicht in Stimmung gewesen war. Er wusste aber auch, dass sich das mittlerweile geändert hatte und vor allem wusste er, wie sehr ich es wollte. Und der wunderbare Kerl, der er nun eben ist, wollte er mir diesen Wunsch erfüllen und zugleich der jungen Dame eine kleine Show bieten. Es war perfekt – Pan und ich verstehen uns ohne Worte.

Ich setzte mich breitbeinig auf den Sessel, unser Gast direkt daneben und Pan stand vor mir. Auf viele Details verzichte ich an dieser Stelle, aus verschiedenen Gründen. Was ich euch sagen kann, ist:

Oh. Mein. Gott.

Ich war in kurzer Zeit über und über mit Wachs bedeckt, meine Brüste waren heiß, die Haut an meiner Seite spannte, meine Innenschenkel schmerzten und… zwischen meinen Beinen war ich bedeckt von einer dicken, weißen Wachsschicht. Ich weiß noch, dass ich gestöhnt habe. Laut. Und ja, irgendwann konnte ich mir ein Knurren nicht verkneifen, denn ja – Wachs zwischen den Beinen ist ein grenzwertiger, wenngleich herrlicher und überdies mein absoluter Lieblingsschmerz. Aber eben genau das: Schmerz. Pan nahm zwischenzeitlich auch den Flogger zu Hilfe, auf dem getrockneten Wachs, dann wieder den Womanizer, dann noch ein wenig mehr Wachs und wieder den Flogger. Es war… unglaublich intensiv und schmerzhaft und der Wahnsinn und überhaupt genau das, was ich gebraucht habe, bis…

Mein Blick wanderte zu der jungen Dame, die schließlich im Sessel nebenan saß und… glasige Augen hatte. Es war ein Schalter in meinem Kopf – ich war raus. Völlig und uneingeschränkt raus aus der Situation. Zwei Minuten vorher hatte ich sie ebenfalls beobachtet, aber offensichtlich war innerhalb der letzten Augenblicke etwas geschehen, das ihre Stimmung verändert hatte. Als meine Beine sich schlossen, sah Pan mich irritiert an, folgte dann meinem Blick und fragte:

„Hey, alles okay bei dir?“

Sie nickte, aber natürlich glaubte ich ihr nicht. Ich setzte mich auf, ignorierte das abblätternde Wachs und das unangenehme Ziehen auf meiner Haut und beugte mich nach vorn.

„Es ist… alles okay, ich weiß auch nicht. Eigentlich alles total gut – mehr als gut! Es ist nur…“, setzte sie an und zog dann ihre Knie an sich.

„Einschüchternd?“, ergänzte ich. Sie sah mich an.

„Genau das. Ganz genau das, ja.“

Ich nickte und lächelte. Mein Blick ging zu Pan, vielsagend, und er verstand. Noch während ich mich erhob, trat er zu ihr. Ich wiederum sagte den beiden, dass ich mal schnell um die Ecke gehen würde, nahm ein Handtuch und ließ ihnen ein paar Minuten.
Ich kann nicht wirklich sagen, woran es lag und auch nicht, woher ich es wusste. Es war ein Gefühl, weiter nichts. Mag komisch klingen, aber ich kenne das von mir – vielleicht bin ich da recht sensibel oder ich hab einfach ein Händchen für zwischenmenschliche Situationen. Oder ich hab eben genug eigene Erfahrungen gemacht und aus ihnen gelernt, keine Ahnung. In diesem Moment aber wusste ich, wie Pan und ich jeweils auf sie wirkten und ich wusste auch, was sie brauchte. Ich hatte viel erreicht in ihr, allein durch das Gespräch zuvor. Ihr Verstand reagierte auf mich, sie hörte mir zu, ihr Geist war mir dankbar für die Hilfestellung. Aber in diesem Augenblick wusste ich, dass nicht ihr Verstand Zuspruch brauchte, sondern ihre Seele, ihre Psyche. Nicht, dass das hier jetzt falsch wirkt: es gab keinen Absturz, keine Überforderung und das Gespräch zwischen ihr und mir zuvor war selbstverständlich länger als ich hier schreiben kann. Ich wusste, dass wir uns abgesichert hatten und dass sie jederzeit hätte gehen können. Abgesehen davon sah sie nur zu und war bis zu diesem Punkt in keiner Form aktiv beteiligt. Im Nachhinein gab es ein weiteres langes Gespräch, in dem sie begeistert erzählte, was für eine tolle Erfahrung das war und dass sie eben einen Augenblick hatte, in dem der Input sehr intensiv war. Also alles halb so wild.
Aber in genau diesem Augenblick merkte ich, dass ich nicht diejenige war, die ihr das geben konnte, was sie brauchte. Pan hingegen schon. Es war der Mann, der die gesamte Szene im Griff hatte, der „sogar“ mich führte, der am meisten Sicherheit ausstrahlte und an dem sie ohnehin ursprünglich Interesse gehabt hatte, den sie brauchte. Seine Nähe, eine Umarmung, seine Aufmerksamkeit. Ich verzog mich mit Handtuch um die Ecke und ließ mir Zeit, um mit lauwarmem Wasser das Wachs von meinem Körper zu entfernen. Langsam zog ich mich an (kleiner Freak, der ich bin dachte ich noch daran, für euch ein Bild zu machen) und spähte um die Ecke.
Sie saß rittlings auf Pans Schoß, er küsste sie und ich musste lächeln bei dem Anblick.

Die Konstellation löste sich irgendwann dahingehend auf, dass Pan der jungen Dame schließlich doch noch ein wenig den „Arsch versohlt“ hat. Gutes, altes Spanking eben und sie war wirklich wild darauf, noch ein wenig auszuprobieren. Damit ließen wir es auf sich bewenden – sie war happy und begeistert und das tat Pan und mir gleichermaßen gut. Wir verabschiedeten uns alle zeitgleich und jeder zog seiner Wege.
Es sind Szenen wie diese Verabschiedung, die dazu führen, dass ich keinerlei Eifersucht verspüre: Pan und unser Gast haben sich geküsst – liebevoll und respektvoll. Er hatte ihre Nummer, kündigte an, ihr zu schreiben, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war und dann ging sie. Mich hingegen zog er in seine Arme, drückte mich an sich, küsste mich dann ausgiebig, aber nicht zu lange, um die junge Dame vor den Kopf zu stoßen. Als ich im Auto saß, folgte eine Nachricht:

„Du bist unglaublich.“

Ja, es sind diese Kleinigkeiten, die mir all die Wertschätzung vermitteln, die ich brauche, um eine poly-Freunschaft-Plus-Wasauchimmer zu führen, ohne miese Gefühle, ohne Eifersucht und Missgunst und ohne alles ständig in Frage zu stellen. Es ist einfach (ich wiederhole mich) genau das, was ich zurzeit brauche.

 

Not am Ma… an der Frau

Kurz vor Weihnachten stand Pan und mir der Sinn nach einem Event. Aus Mangel an klassischen Play-Events, auf die wir Lust hatten, meldeten wir uns zu einer „besonderen“ Swinger-Veranstaltung an. „Besonders“, weil die Gästeliste ausgesucht war – nach Aussehen, Profil, Alter und was auch immer. Tatsächlich waren die Gäste dort überdurchschnittlich angenehm und der Dresscode war zumindest besser als auf gewöhnlichen Herrenüberschusspartys. Nicht, dass ich davon schon zahlreiche besucht hätte – ich glaube, es waren 3 und keine davon gezielt bzw. aktiv.
Swingen ist einfach nicht meins – überhaupt keine Kritik oder Urteile. Reiner Sex mit verschiedenen Menschen kickt mich einfach nicht und immer, wenn ich an diesen „Liegewiesen“ stehe und zusehe, bin ich schon halb getriggert: es wäre undenkbar für mich, mich im Halbdunkel auf wenigen Quadratmetern mit 10 – 15 Personen zu tummeln und nicht zu wissen, welche Hand wem gehört.
Nicht falsch verstehen: ich will Swingen hier nicht als „Rudelbums mit Anfassen“ und „jeder mit jedem“ abwerten. Ich hab gute Freunde, die das regelmäßig machen und nur tolle Erfahrungen berichten. Aber genauso wie einige Swinger mir sagen, dass sie nicht verstehen, wie man sich ins Gesicht schlagen lassen kann, ist es für mich eben unvorstellbar, nicht zu wissen, wer mich gerade anfasst. Und auch wenn es kein „jeder mit jedem“ ist – ich habe noch keine Liegewiese gesehen mit mehreren Paaren, bei denen man sicher hätte sagen können, was zu wem gehört. Es ist eben ein wenig dieses… alle gemeinsam und sich untereinander mal an die Brüste fassen ist eben irgendwie meistens in Ordnung. Ich weiß auch nicht. Ich habe an diesem Abend mal wieder gesehen, dass es einigen wirklich Spaß macht – aber auch einmal mehr gemerkt, dass es absolut nicht meins ist. Und Himmel, war ich erleichtert, dass Pan ähnlich tickte. Wir sahen uns an, grinsten und beobachteten.

Die Getränke waren gut, das Essen ebenfalls und als wir den gesamten Club angesehen hatten, begann Pan mich an eine Wand abseits zu stellen, um ein wenig zu spielen. Bei den ersten Schlägen drehten sich die ersten Menschen um – leider* (*zum Glück) haben Pan und ich nicht gerade guten Einfluss aufeinander was das angeht, weil wir beide dazu tendieren zu provozieren, zu zeigen und vorzuführen – bzw vorgeführt zu werden. Natürlich klärten wir genau ab, was hier gern und weniger gern gesehen wurde, aber das Ergebnis schien deutlich: BDSM war hier nicht verboten und auch nicht verpönt im eigentlichen Sinne – es war nur eben… eher ungewöhnlich.

„Naja, hier können wir definitiv nichts machen“, sagte Pan in einem der Räume mit den Liegewiesen zu mir, „wenn ich dir einmal richtig auf den Arsch haue, erschrecken die alle und wir wollen die ja nicht stören.“

Da hatte er recht. Dementsprechend suchten wir den sogenannten BDSM-Raum, der bezeichnenderweise leer stand sowie klein und standard-mäßig eingerichtet war. Kaum über der Türschwelle fühlte sich Pan offensichtlich auf sicherem Terrain und beugte mich vornüber. Das Spiel war… gut und vor allem laut. Ich kann manchmal einfach nicht anders – ich knurre eben, wenn es wehtut und ja, das kann schon sehr laut sein, wenn es sehr wehtut. Innerhalb von Minuten hatte sich eine Traube an der Tür gebildet, weil die Swinger natürlich die Show nicht verpassen wollten – mir schien, als hätten die meisten davon so etwas noch nie gesehen. Und… naja, ihr kennt mich ja. Ich reagierte natürlich wie immer auf Zuschauer. *hust

Kurze Zeit später standen wir wieder im großen Raum mit der Bar, wo Pan mich irgendwann an den Haaren packte und mir eine so heftige, laute Ohrfeige gab, dass ich aus den Augenwinkeln wahrnahm, wie mehrere Menschen zurückwichen und starrten. Ja, sie starrten. Es war natürlich in Ordnung, wir störten niemanden beim Sex und immerhin gab es keine Regeln, dass ein Mann seine Frau nicht mal eben kurz an der Bar ins Gesicht schlagen darf… Verzeihung – ich schmunzle gerade, wenn ich daran denke. Ja, kann sein, dass ich es mag zu provozieren. Aber (und das ist mir wichtig) ich achte auf den Rahmen und kläre vorher ab, wie angemessen die Provokation ist. Im Endeffekt haben die meisten um uns her irgendwann gegrinst und uns einfach nur fasziniert beobachtet.

Im Laufe des Abend begegneten wir unter anderen einer Frau, die mir erzählte, dass sie als Single hier war und bereits „mit ein paar Typen Spaß“ hatte. Allerdings gestand sie kurz darauf, dass sie mich vorhin mit Pan gesehen hatte und dass sie vor einem Jahr einmal den Arsch versohlt bekam auf einem BDSM-Event und sie das gern mal wieder hätte. Während Pan uns etwas zu trinken besorgte, passte ich den Augenblick ab und begann, ein wenig mit ihr zu spielen. Spielen diesmal im eigentlich Sinne: ich teaste sie, küsste sie, ärgerte sie, lockte sie aus der Reserve. Kurz darauf stand sie bereits mit den Händen gegen die Wand und streckte mir ihren nackten Hintern entgegen – Frau O war in Bestform.
Weitere Minuten später genoss ich das kühle Glas, das Pan mir brachte, in meiner bereits brennenden Hand, während er übernahm. Oh, was musste ich grinsen, als ich ihm dabei zusah, wie er sie bespielte. Irgendwann stellte er sich auf ihre andere Seite, zog sie aus, fingerte sie, während ich wieder für den Schmerz sorgte (wie sie mir später gestand, waren es meine Fingernägel, die sich in ihren Arsch gekrallt hatten, die zwar schmerzhaft aber auch am erregendsten gewesen seien – hach). Das Ergebnis waren Pan und ich auf der Toilette, weil er sie derart zum Squirten gebracht hatte, dass sowohl er als auch ich völlig eingesaut waren.

Das angekündigte „Bukkake-Special“ stellte sich als eine Frau mit zwei Männern heraus, weil der Rest auf Zuschauen bedacht war – Pan und ich ignorierten den Programmpunkt und gingen etwas essen.

„Ach Mist, ich hab noch Sperma im Haar“, hörte ich dort eine junge, enorm attraktive und sympathische Frau, die gerade in den Burger biss und mir gleich darauf von ihrem Gangbang zuvor berichtete. Was für ein schräger Abend.

Pan und ich wollten eine letzte Runde spielen, doch gerade als er drei Schläge gesetzt hatte, hörte ich eine Stimme hinter mir:

„Darf ich dir eine Zweite dazu stellen? Meine Freundin würde das wahnsinnig gern mal ausprobieren.“

Der junge Mann war höchstens Mitte zwanzig, genau wie seine unglaublich süße Freundin, die schüchtern schräg hinter ihm stand, wie ich erkannte, als ich mich nach hinten beugte.

„Das muss ich meine Begleitung fragen“, hörte ich dann Pans dunkle Stimme.

Wir grinsten uns an. Haha – als hätte es da etwas zu fragen gegeben. Und dennoch war genau das der Witz dabei: hätte er nicht gefragt, hätte ich mich definitiv übergangen gefühlt. Aber weil er gefragt hat, war es für mich klar und da wir beide Lust darauf hatten, war die Frage überflüssig. Aber eben nur weil sie gestellt wurde – macht das Sinn? Jedenfalls grinsten wir uns an und innerhalb einer Sekunde stand ich aufrecht – Frau O lächelte gefährlich.
Ich zog die junge Dame zu mir und klärte erstmal ein paar Dinge: sie hatte schon einige Sessions gesehen, ihr Freund schlug sie ab und zu beim Sex auf den Hintern, aber das reichte ihr nicht. Sie hatte Pan und mich vorhin schon beobachtet und wollte unbedingt von diesem „Lederding“ geschlagen werden. Pan zog sich instinktiv mit ihrem Freund ein wenig zurück und ließ mich machen. Ich zeigte ihr die Haltung, die ich verlangte – ihr wisst schon… Hände gegen die Wand, Blick nach vorn, Hohlkreuz, Beine natürlich gestreckt. Und dann bespielte ich sie – ich mag klassisches Spanking mit der Hand. Aktiv und passiv. Bei Frauen übrigens mehr als bei Männern – also… aktiv. Passiv kommt das für mich mit Frauen nicht in Frage, aber ich schweife ab.
Ich genoss es fast so sehr wie sie und als ihr Hintern irgendwann warm war, gab ich Pan ein Zeichen, der die Hand bereits am Ledergriff hatte. Ich kniete mich neben sie, um ihr Gesicht beobachten zu können und genau abzuschätzen, wie es ihr ging. Nach wenigen Schlägen fragte ich sie, ob alles in Ordnung sei. Sie kniff die Augen zusammen, biss sich aber – angeregt – auf die Unterlippe.

„Ja… aber er macht nicht mehr viel, oder?“, fragte sie dann.

Ohne dass sie es merkte, zeigte ich drei Finger zu Pan, der nickte und schlug noch zweimal zu – ein letzter Schlag folgte nur mit der Hand.

Die beiden bedankten sich überschwänglich und verzogen sich dann, was dazu führte, dass auch Pan und ich beschlossen, dass unsere Nacht sich dem Ende zuneigte. Ich war nicht mehr in Spiellaune, was aber nichts Negatives war. Im Gegenteil.

„Krass, wie befriedigend es sein kann, einfach nur andere zu bespaßen“, sagte ich schließlich.

„Das sag ich dir ja schon die ganze Zeit“, war seine Antwort, von einem breiten Lächeln begleitet. Dann küsste er mich.

„Weißt du, wir sind schon ein unglaublich gutes Team, findest du nicht? Wir stehen hier quasi im Doppelpack Frauen in Not zur Verfügung“, scherzte er irgendwann.

„Absolut – wir sind einfach unglaublich gute Menschen, die gern geben.“

„…und die für andere da sind!“

„Man sollte uns buchen als Service!“

„Ja, eine Dienstleistung – Wahnsinn, wir sind einfach zu gut für diese Welt.“

Jaja – lacht uns ruhig aus, aber wir scherzten auf dem Weg zum Auto in dieser Art fort. Das Faszinierende ist: ich hatte wirklich keinen Orgasmus auf dem Event. Bin definitiv nicht so zum Spielen gekommen wie ich erwartet hatte und es war kein Vergleich zu anderen Events, auf denen wir sonst sind. Aber: ich hatte mindestens so viel Spaß. Die Gespräche waren toll, ich genoss das aktive Spielen und Himmel tut es gut, anderen Spaß zu bereiten.

Pan und ich ticken hier ähnlich – auf der Heimfahrt bot ich ihm noch einen Blowjob an, weil er seinen Schwanz im Grunde nicht einmal ausgepackt hatte. Aber nein, der Gute drückte mir den Womanizer in die Hand, stellte meine Sitzlehne zurück und befahl mir, mich zu entspannen.

Jaaa, okay. Ich bin doch noch gekommen in der Nacht.

Mehrmals.

 

Abstecher auf’s Revier

Heute Morgen (es ist der 30.12.) habe ich ein paar meiner Twitter-Vögelchen wohl einen kleinen Schrecken eingejagt. Andererseits: wer kann denn ahnen, dass ihr am Sonntagmorgen um halb 9 wach seid und twittert? Jedenfalls hatte ich versprochen, euch die Geschichte dazu noch zu erzählen und ach herrje, sie ist nun wirklich erzählenswert. Es trug sich folgendermaßen zu:

Letzte Nacht war mal wieder (ich neige zurzeit dazu, schräge Nächte zu erleben) ziemlich ungewöhnlich. Vom Schreibtisch über die Abendrunde mit dem Köter kam ich zu einer Bar mit ein paar Freunden, dann erneut nach Hause, nur um schließlich doch wieder spontan in der Stadt zu landen und selbstverständlich mitten in der Nacht (es war wohl gegen 4 Uhr) bei Pan im Club zu landen. Ich liebe diese Nächte zurzeit enorm. Nächte, in denen alles passieren kann. Nächte, von denen keine ist wie die andere. Nächte, in denen ich nicht mehr darauf achte, wer mich wie sieht und welches Verhalten angemessen ist.
Meine Lieben, ich beginne hier gerade an der Oberfläche zu kratzen – es fühlt sich an, als würde ich gerade erst damit anfangen zu begreifen, welche Freiheit ich mir erlauben darf. Ein rauschartiges Gefühl, kann ich euch sagen, und manchmal kommt es mir vor, als würde es all die Ängste und Schwierigkeiten – den Preis, den ich dafür zahle – tatsächlich wieder gut machen.

Jedenfalls redeten wir, hatten Spaß und gegen Morgen wurde aus dem Spaß noch sehr viel mehr Spaß und – ach, was rede ich denn? Ich hatte Sex – viel davon und so ausgiebig, dass es schließlich 7 oder halb 8 morgens war, als ich mich auf den Heimweg machte. Ich weiß es nicht mehr. Ich war gerade losgefahren, als mich Blaulicht im Rückspiegel blendete und ich rechts ranfuhr.

„Führerschein und Fahrzeugpapiere“, hieß es von der Dame, die sich in mein Fenster lehnte. Ihr Kollege machte derzeit den Papierkram. Beide waren nicht viel älter als ich und eigentlich schienen beide recht cool drauf. Am Anfang machte ich mir wenig Sorgen – immerhin war ich nüchtern und wusste nicht, was mir jetzt Schwierigkeiten machen sollte. Oh well.

Natürlich fand ich den Fahrzeugschein nicht sofort, weil ich ihn zum ersten Mal brauchte, seit ich dieses Auto hatte. Als ich ausstieg, wurde ich erst einmal begutachtet (ihr erinnert euch an das Bild von meinem Outfit und den Plateau-Heels? just saying…). Verbandskasten und co fand ich natürlich hinter keinem der beiden Sitze, bis mir einfiel, dass ich beide woanders untergebracht hatte. Ich erklärte mich natürlich:

„Mein Hund kann im Kofferraum nicht richtig sitzen, weil das Ersatzrad darunter fehlt und er dann in das Loch kippt. Ich hab das Loch mit dem Kasten und dem Warndreieck gefüllt, deshalb sind die da drin.“

Aha. Die beiden beäugten mich skeptisch.

„Wo kommen Sie denn her?“

Puh. Ich kann nicht lügen – konnte ich noch nie-, aber „vom Vögeln“ schien mir auch nicht angebracht.

„Von… einem Mann.“

„Aha. Und davor? Waren sie feiern?“, fragte sie mit Blick auf mein Outfit.

„War in Club XY. Aber nicht zum Feiern.“

„Nicht zum Feiern? Haben Sie dort Drogen genommen?“

„Natürlich nicht.“

„Getrunken?“

„Nein.“

„Aha.“

Aha – na wunderbar. Die beiden sahen sich an.

Es folgten Lauftests – die ich zum Glück bestand, trotz der Schuhe. Dann ließ sie mich mit den Augen einen Stift verfolgen. Innerhalb von Sekunden liefen mir Tränen, weil ich müde war, die Luft eisig und ich vergaß zu blinzeln, weil ich so auf den Stift konzentriert war.

„Sie haben auffallend große Pupillen.“

„Ja, ich bin auch übermüdet.“

„AHA! Wie lange sind Sie schon wach?“

Na toll.

„Naja, normal übermüdet meine ich – es ist halb 8 morgens. Ich bin eben… müde.“

Als nächstes musste ich mich hinstellen, die Arme nach vorn strecken und den Kopf in den Nacken legen, um bis 30 zu zählen. Ich dachte natürlich, es ging darum, nicht zu schwanken, was ich komischerweise gar nicht so einfach fand – mit geschlossenen Augen nach oben sehend. Ich konzentrierte mich also auf die Standhaftigkeit – die eigentliche Challenge war aber wohl eine andere.

„Sie haben Lidflattern.“

„Hm?“

„Ihre Lider flattern – das ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen für Konsum.“

Wunderbar.

„Und… naja, Sie sehen ziemlich mitgenommen aus.“

Ich konnte nicht anders – es kam einfach.

„Ich hatte auch gerade echt guten Sex.“

Blicke wurden getauscht – fünf Minuten später saß ich im Polizeiwagen. Offenbar nur zur Urinkontrolle. Mein Einwand war noch, dass ich dringend nach Hause musste, weil mein Hund ab halb 9 allein sein würde, denn mein Mitbewohner fährt über Silvester weg.

„Der Hund – aha.“

Es war durchaus faszinierend, wie mir nicht ein einziges Wort geglaubt wurde und mit jedem Satz wurde mir eine Sache immer mehr bewusst: mein Leben ist manchmal wirklich schräg. Es war eine schöne Erkenntnis. Ich meine… ich habe Polizisten morgens um halb 8 erklärt, dass ich in einem Großstadt-Club unterwegs war, in diesem Outfit und Heels, aber weder Alkohol getrunken noch Drogen genommen habe, dafür aber morgens noch ziemlich guten Sex hatte, natürlich ohne Übernachtung und jetzt wieder nach Hause fuhr zu meinem Hund, weil meine WG-Mitbewohner nicht da waren. Zugegeben – wenn ich mich nicht kennen würde, ich hätte es wohl auch schräg gefunden. Und ja, große Pupillen und Lidflatten sind anscheinend Anzeichen für Drogen. Was sollte ich machen? Die beiden machten ja auch nur ihren Job.
Auf meine Frage „was, wenn ich Nein sage?“ wurde geantwortet, dass ich dann auf Anordnung mitmüsse und Blut abgegeben. Das „freiwillig“ in „Sie können freiwillig mitkommen“ steht da also eigentlich nur zum Spaß.
Ich wollte den Mitbewohner noch anrufen, um Bescheid zu geben, dass ich unterwegs war und (ich bin SO KOMISCH!) war zudem schon dabei, im Polizeiauto auf dem Weg zum Revier ein Bild für euch zu machen, weil ich noch dachte, das glaubt mir niemand. Aber nach der ganzen Nacht war mein Akku natürlich leer.

Ich versuchte mich in ein paar Witzen, von wegen „bekomme ich dann nachher Schokolade oder so – als Entschädigung? Wenn der Test negativ ist?“. Spärliche Lacher.

Der Urintest war fast noch ein wenig aufregend – dass die Dame mich auf die Toilette begleitete, machte die Tatsache nicht besser, dass ich bei Pan vor dem Gehen gerade noch gewesen war. Ohne ins Detail zu gehen – der Test wurde gemacht und als die entsprechenden Striche da waren, sahen beide sich an.

„Das sieht ja gut aus?!“

Offensichtliche Verwunderung. Ich sparte mir das „hab’s euch ja gesagt“ – ich will gar nicht wissen, wie oft die das hören. Ab diesem Zeitpunkt jedoch schienen die beiden plötzlich meinen Humor zu verstehen – vermutlich weil sie jetzt nicht mehr davon ausgingen, dass ich komplett drauf war. Sie fragten mich über den Köter aus, fuhren mich zu meinem Auto zurück und man wünschte sich einen schönen Sonntag.

Schräges Gefühl, wenn das eigene Leben so merkwürdig ist, dass es für Polizisten unglaubhaft scheint. Ich bin nicht sicher, was mir das jetzt sagen soll – aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es etwas wie…

…“du machst alles genau richtig.“

Und ihr habt ja keine Ahnung, wie gut sich das anfühlt.

 

Schluss für heute

Nun denn, meine Lieben. An dieser Stelle möchte ich diesen Beitrag abbrechen. Es ist jetzt Sonntagabend, der 30.12.2018 und es ist bereits kurz nach 1 Uhr nachts, was es natürlich automatisch zum 31.12. macht, aber wie dem auch sei.

Verzeiht mir die Funkstille und den Mangel an Kink in den letzten Wochen. Ich weiß es mehr als zu schätzen, das die meisten von euch geblieben sind und mir nichts als Unterstützung, Zuspruch und Nachsicht entgegengebracht haben. Ich erwähnte bereits, dass sich ab Januar einiges auf Mein Leben im Pelz ändern wird – aber dazu, meine Lieben, morgen mehr. Denn morgen möchte ich unbedingt noch meinen jährlichen „Bilanz-ziehen“-Beitrag schreiben, in dem auch ein Absatz stehen wird über den heutigen Abend.
Pan war hier, wie mein Twitter-Gefolge bereits vernommen hat und da ich weiß, dass Silvester bei mir nur im kleinen platonischen Kreis gefeiert wird, war das heute der letzte Sex für 2018. Und wäre ich nicht so rational und würde ich etwas darauf geben, wie symbolisch der letzte Sex des Jahres ist, dann oh mein Gott, würde ich nun Luftsprünge machen, denn mehr und besser hätte ich mir dafür nicht wünschen können. Und der Augenblick danach sowie der heutige Abend allein waren… intensiv. Heftig und schwierig und reinigend und… aber egal, ich schweife schon wieder ab. Dazu morgen mehr – ich habe vorhin bereits angefangen, es niederzuschreiben.

Die guten Wünsche folgen dann ebenfalls morgen. Dieser Beitrag, meine Lieben, stand ein letztes Mal für 2018 ganz im Zeichen des Kinks – von dem es in Zukunft wieder regelmäßig zu lesen gibt.

 


 

Und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass sich dort – mitten in den dunkelgrauen Wolken des Sturms – ein Sonnenstrahl seinen Weg bahnt.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass ich heute den Moment erlebt habe, auf den ich nun so lange sehnlichst warte.

Wenn ich es besser nicht wüsste, würde ich meine Augen zu Schlitzen verengen, um besser sehen zu können und gen Horizont spähen, um endlich zu rufen…

 

Aber nein. Lassen wir das.
Hat sich jemand übergeben? Mir jedenfalls ist noch immer etwas mulmig. Ich leg mich nochmal hin. Wie war das, Scarlett? 

Ach ja: Morgen ist auch noch ein Tag.

Richtig.

 

Einer noch. 🙂 

5 Kommentare

  1. Die Langbogenkriegerin wird zum Urintest eingeladen und sie erzählt einfach die Wahrheit, die sich aber für Außenstehende sehr skurril anhört, vorallem der beRAUSCHEND wirkende Sex.

    Diese Szene könnte man verfilmen. Ich bitte darum. Irgendwann einmal. Wundervoll.

    Wenn man Deine Blogbeiträge so liest, dann kann man eine Entwicklung feststellen. Eine Entwicklung Deiner selbst! Wunderschön! Dafür sind Lebenswege da. Deiner war zwar bislang häufig von Dunkelheit, Gewalt, Kälte, aber auch von Momenten des wärmenden Lagerfeuers überschattet, aber Du glaubtest stets an den Lichtstrahl, der manchmal auch nicht sichtbar, da war und noch immer da ist.
    Dein Leben beginnt sich neu zu sortieren, das ist sozusagen, das Leben, das Du Dir selbst nimmst, da es Dir gehört. Du bist die Magierin Deines Lebens!

    Der Lichstrahl wird größer und wärmer.

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  2. Mein Grinsen beim Lesen wurde immer breiter.
    Was für ein geiler Jahresausklang, im wahrsten Sinn des Wortes.
    Das klingt alles so stimmig, auf einem guten Weg, es kann nur ein wunderbares, überraschendes, ungewöhnliches und mitreißendes 2019 folgen. Ich freue mich sehr, Dich da ein bisschen begleiten zu dürfen. Ich wünsche Dir einen guten Jahresausklang und einen wunderbaren, stimmigen Start in das neue Jahr. ❤️

    Gefällt 1 Person

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