Monogam oder nicht monogam – das ist hier die Frage

Oder: Lernprozess, Anlage oder bewusste Entscheidung?

Kürzlich erreichte mich eine Mail, die mich dazu brachte über einen Beitrag zum Thema Poly nachzudenken. Wie immer twitterte ich ein wenig darüber und siehe da – es folgten weitere Nachrichten. Spannende Fragen, interessante Gedanken. Ich möchte euch ein paar davon (mit Einverständnis natürlich) zeigen und daraus einen Beitrag basteln, der ein wenig #FragFrauO, ein wenig persönliche Erfahrung und wie immer ein wenig Allgemeines beinhalten wird. Vermutlich wieder ein längerer, weil ich versuche, darin alle Anregungen einzubauen und Fragen zu beantworten.

Hier die erste Nachricht, die die Sache ins Rollen brachte:



Guten Abend liebe Ophelia,

ich folge dir noch nicht so lange, daher tut es mit leid, wenn du diese Fragen bereits auf deinem Blog oder als Tweet beantwortet hast und würde mich freuen, wenn du mich darauf verweisen könntest, falls dies so ist. Die Kurzfassung wäre: Denkst du man kann Polygamie (um-)lernen, im Sinne von „es selbst leben“?
Zum Hintergrund: Derzeit befinde ich mich in einer Art „Spielbeziehung“ […]. Nun ist es aber so, dass er gerne polygam leben würde […].Wir haben ausführlich darüber geredet, ich verstehe seine Gründe und kann sie in einem gewissen Rahmen auch nachvollziehen. Leider fühle ich mich aber nicht wohl bei dem Gedanken, sodass wir erstmal dabei verblieben sind, monogam zu leben.
Ich würde ihm nun gerne aber den Wunsch erfüllen, da ich seine Argumente durchaus schlüssig finde. Ich selbst bin noch unentschlossen, ob ich mehrere Partner haben wollen würde. Wenn, würde die Polygamie dann für uns beide gelten/erlaubt sein. Natürlich ist es ein „Alles kann, nichts muss“-Prinzip, aber ich denke wenn man es (theoretisch) selbst auch auf sich selbst anwenden kann, hat man einen besseren Bezug dazu.

Denkst du diese Einstellung wird noch mit dem Alter kommen/kann erlernt werden oder denkst du man würde bereits fühlen, dass man sie hat und die Hemmung liegt bloß daran, dass viele mit der Einstellung aufwachsen, dass es nur die „eine, richtige“ Beziehungsform gibt?

[…]


Spannend finde ich hier eine Frage, mit der ich mich selbst noch nie bewusst beschäftigt habe, was ich gern in Form dieser Zeilen hier nachholen möchte:

Kann man es lernen, in einer offenen Beziehung glücklich zu sein/poly zu leben? Oder „tickt“ man eben einfach so?

Vorab aber eine kurze…

Begriffsklärung

Polygamie ist streng genommen die Ehe mit mehreren Partnern – ein Konzept, das in Deutschland nicht erlaubt ist. Ich mache diesen Fehler übrigens selbst im Reflex sehr häufig, weil ich den Begriff poly bzw. polyamor nicht wirklich oft verwende. Polyamorie wäre also die korrekte Bezeichnung für eine nicht-eheliche Beziehungsform, in der man mehrere Menschen liebt. Wichtig hier (wie schon aus dem Wortteil „amor“ herauszulesen ist): es geht um Liebe. In einer klassischen polyamoren Beziehung liebt ein Mensch mehr als einen anderen Menschen, was natürlich grundlegend unserem christlich-abendländischen Konzept von romantischer Liebe widerspricht, das auf zwei Personen beschränkt ist.
Damit (entfernt?) verwandt ist der Begriff der „freien Liebe„. Meine sehr oberflächliche Recherche hat ergeben, dass er schon in den 1870ern zum ersten Mal auftrat und dann bekannter wurde durch die 68er. Über eine Abgrenzung scheint man sich aber nicht einig zu sein. An manchen Stellen habe ich gelesen, dass „freie Liebe“ nicht zwangsläufig Liebesbeziehungen meint, sondern in erster Linie die Forderung nach gesellschaftlicher Akzeptanz außer- und vorehelicher Sexualbeziehungen bezeichnet. Andere verbinden beide Begriffe und deklarieren „Polyamorie“ zu einer neueren Bewegung und damit einer „Subkultur“, die im Zeichen der freien Liebe steht, während es bei beiden durchaus um die emotionale Ebene geht. Wieder andere verbinden mit der freien Liebe lediglich ein Hippie-Konzept à la „Jeder mit jedem“.
Im Gegensatz dazu gibt es einfach „offene Beziehungen„, die dann so geartet sind, wie ein Paar das eben für sich definiert. Klassischerweise aber beschränkt sich der Kontakt mit anderen Menschen auf die körperliche Ebene und ein „Verlieben“ einer der Partner wäre ein Überschreiten der Grenze.
Und schließlich gibt es noch (zumindest unter den mir einigermaßen geläufigen Begriffen) die Beziehungsanarchie. Dieser Begriff ist noch keine zwanzig Jahre alt und wurde von schwedischen Wissenschaftlern geprägt. Es basiert auf der Annahme, dass jede zwischenmenschliche Beziehung individuell ist – eine Mutter geht mit jedem ihrer Kinder anders um, man behandelt nicht jeden Freund gleich und keine Liebesbeziehung gleicht jener davor. Davon ausgehend nimmt dieses Konzept an, man brauche überhaupt keine Definitionen von zwischenmenschlichen Beziehungen auf egal welcher Ebene. Ich könnte bspw. einen Freund haben, mit dem ich auch Sex habe, vielleicht wohne ich in einer WG und liege dort kuschelnd mit dem gleichgeschlechtlichen Mitbewohner/In auf der Couch, wiederum ohne Sex zu haben und mit einem Dritten habe ich nur Sex, ohne dass die Beziehung sehr persönlich ist – was wäre das dann? Offene Beziehungen? Freundschaft Plus? Affären? Poly? Die Theorie der Beziehungsanarchie geht davon aus, dass jede zwischenmenschliche Beziehung auf individuellen Bedürfnissen aufgebaut sein und sich nicht von einem Label einschränken lassen sollte.

 

Welche Begriffe verwende ich und weshalb?

„Poly“ verwende ich eigentlich ziemlich selten. Vielleicht unbewusst habe ich bislang immer erklärt, dass ich „nicht monogam“ lebe – das hält dann alle Optionen offen und genau das ist es, worum es mir (persönlich!) geht. Ich bin derzeit Single und führe sexuelle Beziehungen zu wenigen Menschen, aber eben mehr als einem. Gleichzeitig kann ich die Sache mit Pan als Spielbeziehung definieren, dann habe auch ich den Begriff der „Beziehung“ in meinem Leben zur Anwendung gebracht, weshalb ich nach meinem Verständnis nicht weniger Single bin. Aber da fängt es schon an, das Definieren und das Klarstellen, damit jeder weiß, wie man sich selbst gern definiert hätte. Da aber die meisten von uns entweder keine Ahnung von feinen Differenzierungen haben, sich schlicht nicht die Mühe machen oder zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ist es im Grunde unmöglich, einen gemeinsam Nenner zu finden, der dann eine klare Liste an Begriffen beinhaltet, mit der alle sich sofort verstehen. Ich würde mal behaupten, dass Menschen, die diesen Blog hier lesen zumindest einen Schritt über den „nur monogame Ehe kommt in Frage“-Tellerrand hinausblicken, wenngleich manche von euch auch nicht unbedingt am Abgrund Seilspringen möchten.
Aus diesem Grund ist es mir wichtig zu sagen, dass ich nicht glaube, dass es auf die genaue Unterscheidung ankommt und die absolute Gleichheit in der Definition dieser Konzepte, sondern darauf, dass wir alle uns die Mühe machen, ins Gespräch zu kommen und uns über individuelle Ansichten austauschen. Ich persönlich mag das Konzept der Beziehungsanarchie – mir gefällt die Ausgangsthese, der ich absolut zustimme. Und jede zwischenmenschliche Beziehung undefiniert zu lassen und sie in der Praxis dafür umso sensibler auf persönliche Bedürfnisse einzustellen, ist so ziemlich das, was meinem Sex- und Liebeskonzept am nächsten kommt. Allerdings finde ich den Begriff so ungelenk, dass ich mich nie als „Beziehungsanarchistin“ bezeichnen würde und darüber hinaus höre ich noch eine leise Stimme, die einwendet, dass Menschen sich häufig leichter tun, wenn sie Dingen einen Namen geben können.

Für mich persönlich funktionieren die Begriffe „offen“ und „poly“ jedenfalls beide und ich würde mich auch generell als poly bezeichnen, allerdings ohne derzeit poly zu leben. Es gibt in meinem Leben zurzeit nicht einmal einen Menschen, den ich in einem romantischen Sinn liebe – geschweige denn zwei. Allerdings bin ich jemand, der das grundlegend kann bzw. könnte, so denn die entsprechenden Menschen in mein Leben treten würden. Ich würde mich also als polyamoren/nicht monogamen Single bezeichnen, falls das Sinn macht.

 

Ein Schwank aus der Jugend

Oder: Mein Weg von monogam zu poly

Ich lebe heute nicht monogam und kann es mir auch nicht mehr anders vorstellen – früher war es umgekehrt. Die Nachricht erinnert mich ein wenig an meine erste Beziehung. Generell eine absolut klassische Beziehung – ich war 19, er war der erste Mann, mit dem ich Sex hatte und wir waren fast 5 Jahre zusammen, mit BDSM hatte das Ganze rein gar nichts zu tun und obwohl der Sex gut war und die Beziehung wunderbar, weil er ein großartiger Mensch war, und auch später das Zusammenwohnen gut funktioniert hat, kann ich es mir heute nicht mehr vorstellen.

Diese Beziehung war monogam. Ohne Ausnahme, ohne Diskussionen, beidseitig gewollt und das Faszinierende (wie ich heute finde): es stand nichts anderes zur Debatte. Über offenere, andere Beziehungsformen wurde nicht einmal nachgedacht. Wir tendierten beide zur Eifersucht, nicht übertrieben aber eben in durchschnittlichem Maß. In den letzten beiden Jahren lief sehr viel schief, hauptsächlich weil wir beide jeweils sehr schwierige Lebensabschnitte zu bestreiten hatten und nicht stabil waren, was sich natürlich auf die Beziehung auswirkte. Er hatte quasi kein Bedürfnis nach Sex mehr und irgendwie war das Zusammenleben mehr eine WG.
Aber weshalb erzähle ich das?
In dieser Zeit, die für mich eine Zerreißprobe war, weil ich immer schon ein sehr sexueller Mensch war, spürte ich das Bedürfnis, auszubrechen, übermäßig und ich reagierte sehr, sehr krass auf andere Männer. Einmal hatte ich ein paar Monate, in denen ich dachte, ich hätte mich ein wenig verknallt. Ein anderes Mal stand meine Teenieflamme halbnackt vor mir und gestand mir, dass er mich früher schon immer gewollt hatte. Nie war ich derart in Versuchung wie in dieser Nacht. Wir küssten uns nicht einmal richtig, aber er fasste mich an – außerhalb der Unterwäsche – und schließlich ging ich. Es war nichts geschehen, aber die Schuld zerriss mich. Aus dieser Zeit habe ich gelernt, was Menschen meinen, wenn sie zwischen „körperlichem und emotionalem Betrügen“ trennen. Ich wusste für mich, dass im Grunde nichts passiert war. Aber das, was in meinem Kopf ablief – davor, währenddessen, danach, das Verlangen, die Schlaflosigkeit, das innere Zittern, die Gedanken, die übermächtige Versuchung – fühlte sich ganz klar nach Betrug an. Ich sagte es ihm übrigens, es folgte Streit, aber noch nicht die Trennung.

Kurze Zeit später (das war dann Wochen vor Schluss) redeten wir über einen Dreier mit einer Frau, um endlich mal wieder etwas zu wagen, auszuprobieren, was auch immer. Ich wollte eigentlich nur Sex – mit egal wem zu dieser Zeit, also sagte ich ja. Zwei Männer wären mir lieber gewesen, aber das war ein Tabu für ihn. Er meldete uns auf einem Online-Portal an und erzählte mir zwei Tage später davon, dass er dort eine Frau kennengelernt hätte, mit der er sich gut verstand. Ich drehte völlig durch.
DAS wiederum war der Betrug in die andere Richtung, zumindest fühlte es sich so an. Mir wurde bewusst, dass es ihm nicht darum ging, unser Sexleben aufregender zu machen, sondern dass er schlicht und ergreifend Lust hatte, eine andere Frau zu vögeln und mir gegenüber emotional so verbunden war, mich nicht verletzten wollte (oder es selbst vielleicht noch gar nicht realisiert hatte), dass er versuchte, beides zu kombinieren. Ich wiederum fühlte mich hintergangen bei dieser Erkenntnis und getroffen und überhaupt war damals einfach alles ziemlich schwierig.

Es vergingen nur wenige Wochen, bis aufgrund vieler Dinge Schluss war. Ich packte meine Sachen und den Köter und machte in einer Großstadt einen Neuanfang.

Wenn ich heute an diese Zeit denke, die ja noch keine Ewigkeit her ist, sondern eigentlich nur einige Jahre, dann kommt mir Zeit wie etwas sehr Relatives vor – denn gefühlt ist es eine Ewigkeit, wenn ich bedenke, wie sehr ich mich seither verändert habe. Ich denke, ich begann damals, Dinge zu verstehen, die ich heute klar sehe. Und vielleicht sage ich das in zehn Jahren über das, was ich heute denke – wer weiß? Aber ich schweife schon wieder ab.

Kommen wir zum Thema und zu den Dingen, die ich gelernt habe und gern mit euch teile.

 

Bewusste Entscheidungen vs. „Das macht man so“

Ich persönlich denke (ich betone: ich denke, ohne mir da absolut sicher zu sein und ich weiß auch, dass mir da einige widersprechen würden), dass der Schritt zwischen monogam und polyamor/offenen Beziehungen durchaus mit einer Entwicklung zusammenhängt.
Um das vorwegzunehmen: in keinem Fall möchte ich damit sagen, dass ich monogam lebende Menschen für „weniger entwickelt“ halte. Ich denke allerdings, dass es nicht Menschen gibt, die so ticken und andere, die anders ticken. Sondern vielmehr, dass jeder von uns sich sein Leben lang kontinuierlich weiterentwickelt und dass es schlicht auf die Richtung ankommt, in welche diese Entwicklung geht. Und diesbezüglich wiederum glaube ich, dass fast alle von uns mit der Monogamie beginnen. Nicht aufgrund einer „unteren“ Entwicklungsstufe, sondern vielmehr aus pragmatischen Gründen. Einfach, weil es nahe liegt. Weil die Gesellschaft uns das beibringt und weil unsere Kultur uns das vorschreibt. Die romantische, christliche Ehe basiert auf der Zweisamkeit von Mann und Frau. Es gibt keine Hollywood-Filme, keine Beststeller und keine berühmten Love-Songs, in denen es um offene Beziehungen geht. Liebe wird uns als romantisch dargestellt; Sex ist Ausdruck von Liebe – also hat Sex nur mit der Person zu geschehen, die man auch liebt und das wiederum kann nur eine sein. Das ist es, womit wir aufwachsen und so werden wir geprägt.
Ich denke also, dass es naheliegt, wenn die meisten von uns ihre ersten Beziehungen monogam führen.

Dann allerdings kommt es darauf an.
Jeder von uns entwickelt sich. Manche mehr, weil sie es vielleicht bewusster machen, viel reflektieren und andere eher weniger. Irgendwann kommen wir dann an den Punkt, an dem wir auch mit der Frage konfrontiert werden, ob unser Liebes-/ und Sexleben so ist, wie wir es uns wünschen. Entscheidend ist hier zum Beispiel neuer Input: wer nie von anderen Möglichkeiten hört oder liest, wird sich tendenziell eher weniger Gedanken darüber machen als jemand, der durch Kontakte oder geistigen Input auf neue Ansätze stößt. In jedem Fall aber treffen wir irgendwann eine Entscheidung. Manche treffen sie unbewusst und bleiben für den Rest ihres Lebens in derselben Beziehung, einfach weil man das so macht und weil es vielleicht auch ein wenig bequemer ist. Andere treffen sie bewusst und bleiben dennoch in der Beziehung – weil sie es wollen. Oder suchen sich eine neue und leben dennoch monogam. Vielleicht nachdem sie die Alternative ausprobiert haben und für sich festgestellt haben, dass Monogamie ihnen lieber ist. Ich bin sicher, dass diese Menschen deutlich glücklicher sind als die ersten.
Und wieder andere entscheiden sich bewusst dafür, andere Wege zu gehen und poly/offen zu leben. Beide Wege sind in meinen Augen absolut gleichwertig – entscheidend ist, ob die Entscheidung bewusst getroffen wurde oder aus Bequemlichkeit. 

 

An dieser Stelle eine weitere Nachricht, die ich erhielt:

(…) das Thema Polyamorie und Fremdgehen beschäftigt mich auch gerade sehr. Ich lebe seit 15 Jahren in einer festen Partnerschaft (…). Meine Partnerin möchte gern mit mehr Menschen Gefühle, Sex usw teilen, für mich ist das sehr problematisch. Ich leide sehr darunter, ich möchte aber ihr Glück nicht aufhalten. Ich habe in den letzten Wochen beschlossen mich zu trennen. (…) Meine Frau möchte sich aber nicht von mir trennen, sie möchte gerne die Beziehung weiterführen. Ich bin hin und her gerissen. Einerseits verstehe ich sie gut, möchte das sie Glück und Freuden erleben kann. Anderseits fühle ich mich im Moment, nicht an richtiger Stelle. (…) Ich bin unendlich traurig, das ich meiner Frau, ihre Wünschen nicht erfüllen kann. Warum ich dir schreibe? Keine Ahnung! Dein Tweet vielleicht, ich hoffe es ist nicht lästig, wenn doch, Sorry. (…)


Ein moralischer Scheideweg

Vorab: poly/offen zu leben ist absolut und kompromisslos zu trennen von Menschen, die fremdgehen. Mit verschiedenen Partnern Sex zu haben, ist kein Indiz für Polyamorie. Polyamor lebt der, dessen Partner ebenfalls polyamor lebt bzw. dessen Partner davon weiß und zustimmt. Wenn der Partner glaubt, in einer monogamen Beziehung zu sein, während ich mit verschiedenen Menschen Sex habe, dann lebe ich nicht poly/in einer offenen Beziehung, sondern gehe fremd. Ich lüge und betrüge – mit Polyamorie hat das nichts zu tun. Das heißt im Umkehrschluss, dass Menschen, die poly leben möchten, als allererstes eines haben müssen:

Eier.

Ich zäume das Pferd mal von hinten auf:

Was ist einer der Hauptgründe für Eifersucht, Keifereien, Klammern und all die anderen absoluten Beziehungskiller? Meine laienhafte Meinung: Verlustangst.
Wenn ich Angst habe, jemanden zu verlieren, versuche ich – wenn auch unbewusst – ihm oder ihr zu gefallen, Konfrontation zu vermeiden bzw. keine zusätzlichen Schwierigkeiten heraufzubeschwören oder denjenigen an mich zu binden, was zum Gegenteil führen kann.
Da Monogamie das mit Abstand verbreitetere Modell ist, beginnen die meisten von uns auch damit. Im Laufe der Jahre in einer monogamen Beziehung kommt es bei vielen vor, dass man wieder beginnt, sich von anderen Menschen körperlich angezogen zu fühlen – prinzipiell halte ich das für etwas absolut Natürliches und zudem evolutionär Erklärbares. Ich habe für mich die Beobachtung gemacht, dass es an diesem Punkt zwei Arten von Menschen gibt: jene, die „sexueller“ ticken und jene, die auf Sex nicht ganz so großen Wert legen. Die ersten, denen Sex wichtiger ist und die sich von diesen Bedürfnissen auch leiten lassen, schaffen es selten, ein Leben lang monogam zu leben, sobald sie dieses Bedürfnis merken. Der schlichte Beweis dafür ist in meinen Augen die unerträglich hohe Zahl an Menschen, die fremdgehen. Jene, die auf diese Bedürfnisse verzichten können, weil sie mehr Wert auf andere Dinge legen, sind schlussendlich die, die es tatsächlich schaffen, über Jahrzehnte in einer monogamen Beziehung glücklich zu sein (um das klarzustellen: ich finde das toll. Wenn beide damit glücklich sind und es keinem an etwas fehlt, dann finde ich das genauso gut wie jede andere Beziehungsform).

Aber zurück zu den Ersten – denen, die dieses Bedürfnis eben nicht unterdrücken können. Stellt euch vor, man ist eben schon seit einigen Jahren in einer Beziehung und verspürt das Bedürfnis nach einem fremden Körper oder trifft jemanden, der einen tatsächlich in Versuchung führt. Diese Menschen stehen an einem Scheideweg und in meinen Augen gibt es nur einen moralisch richtigen: den der Ehrlichkeit. Und dieser Weg erfordert Eier.

Sich nämlich an diesem Punkt dahingehend zu outen, dass man poly lebt oder leben möchte, dass man Sex mit anderen will oder die Beziehung öffnen, kann ein Risiko beinhalten: wenn ich nämlich einmal ausgesprochen habe, dass ich gern mit anderen Sex hätte, kann ich dieses Wissen nicht zurücknehmen. Mein Partner weiß es dann. Dieses Wissen verändert die Beziehungsdynamik. Entweder es passt und beide sind sich einig. Oder aber der Partner ist dagegen und weiß aber von nun an, dass ich dieses Bedürfnis habe.

Auch die Lage desjenigen, der nun dieses Wissen hat, ist unschön: ich stelle mir vor, mein Partner gesteht mir dieses Bedürfnis. Ich bin aber dagegen, muss mich also zu meinem eigenen Wohl dafür entscheiden, ihn in seinen Bedürfnissen einzuschränken. Mit der Zeit entwickle ich aber vielleicht eine kleine Paranoia, weil ich unbewusst darauf warte, dass er sich das, was ich ihm verwehre, heimlich sucht. Zugleich fühle ich mich vielleicht schlecht, weil ich ihm etwas verwehre, das ihm vielleicht wichtig ist. Ihr seht? Schuldgefühle, Misstrauen, Verlustangst – eine ganze Palette an unguten Gefühlen, die man mit einer einzigen Konversation heraufbeschwören kann.

Und was ich ebenfalls schon häufig gesehen habe, ist: irgendwann stimmt man „eben doch zu“. Aber nicht, weil man es will, sondern weil das sichere Wissen, der Partner schläft mit anderen, bisweilen leichter zu ertragen ist, als die ständige Ungewissheit, ob er es vielleicht heimlich macht. Wenn er dann tatsächlich mit anderen schläft und davon erzählt, ist das Drama natürlich groß – weil man eben aus den falschen Gründen zugestimmt hat und es eben doch deutlich heftiger trifft als erwartet.

Das Pferd ist gezäumt – also zurück zum Ausgangspunkt: den Eiern.
Um nämlich diesen eben beschriebenen Teufelskreis zu vermeiden, könnte man den einfachen Weg gehen und fremdgehen. Einfach?!, fragt sich jetzt mancher. Ja – wie gesagt, diese Zeilen sind subjektiv. Und in diesen meinen subjektiv sehenden Augen halte ich Menschen, die fremdgehen, für nichts als feige. Es kann ein Leichtes sein, sich einzureden, dass körperliches Betrügen nichts zu bedeuten hat und „was mein Partner nicht weiß, man ihn nicht heiß“. Abende, Sexpartner, Gelegenheiten und Orte zu finden, an dem man es dann umsetzt, sind am Ende des Tages nur Details. Ja, in meinen Augen ist vorsätzliches Fremdgehen in Beziehungen deutlich leichter, als hinzustehen und entweder eine bestehende Beziehung aufs Spiel zu setzen oder eine sich anbahnende Beziehung zu gefährden, indem man zugibt, dass man poly lebt und leben möchte. Ich denke, in BDSM-Kreisen sind offene Beziehungskonzepte deutlich häufiger verbreitet, aber weil ich heute ganz allgemein sprechen möchte, gehe ich an die Sache etwas anders heran (übrigens habe ich beim Pragmatiker genau das getan: bei unserem zweiten Date habe ich ihm gesagt, dass ich nicht dauerhaft monogam leben kann. Für ihn war das ein KO-Kriterium. Ich mochte ihn sehr, ließ mich darauf ein – habe aber deutlich gemacht, dass es nur ein Versuch ist. Ich teste und wir schauen, ob wir irgendwann einen Kompromiss finden. Nun, haben wir nicht. Schlussendlich ist es hauptsächlich an dieser Sache gescheitert. Aber: wir sind heute noch befreundet, es ging im Guten auseinander, weil wir uneingeschränkt ehrlich zueinander waren und einfach offen reden konnten. Und darauf kommt es an.).

Polyamorie verlangt also Eier und diese Eier zeigen sich in der konsequenten Umsetzung einer essentiellen Sache:

Ehrlichkeit

Jede meiner Erfahrungen, ob selbst erlebt oder bei anderen beobachtet, hat mich zu einer großen Erkenntnis geführt: Ehrlichkeit ist die Basis einer funktionierenden poly/offenen Beziehung. Ich merke es zurzeit wieder an der Sache mit Pan: eine absolut offene Spielbeziehung, die aber auf gewissen, wenn auch wenigen Regeln basiert, innerhalb derer es für beide funktioniert. Diese Regeln sind absolut individuell. Ich kenne ein Paar, das seit Jahren in einer offenen Beziehung lebt und entscheidend ist nur die D/S-Neigung des Sexualpartners. Sprich: sie darf nur von ihm dominiert werden und er hat keine andere Sub, darf aber Vanillasex haben wie und mit wem er will. Ein anderes Paar, verheiratet, hat die Regel, dass nichts oral geschieht. Keine intensiven Küsse und keine Blowjobs bzw. kein Cunnilingus. Jedes Paar macht seine eigenen Regeln.

Worauf aber basieren diese Regeln? Nun, ganz einfach: auf den Bedürfnissen beider Partner – die Schnittmenge ist dann das, was umgesetzt wird.

Und an dieser Stelle kommt ein immens wichtiger Aspekt ins Spiel, der in meinen Augen regelmäßig unterschätzt wird: man kann Regeln für so etwas aus den eigenen Bedürfnissen nur herleiten, wenn man die eigenen Bedürfnisse auch kennt.

 

Selbstreflexion

Selbstreflexion ist in meinen Augen neben der Ehrlichkeit der zweite Grundpfeiler einer funktionierenden offenen Beziehung. Oder anders formuliert: Ehrlichkeit ist die Basis einer funktionierenden offenen Beziehung. Selbstreflexion ist wiederum die Basis für Ehrlichkeit – denn nur, wer sich selbst kennt und weiß, was er will und was nicht, ist überhaupt in der Lage, ehrlich zu sein. Ich kann meinem Partner nur dann klar kommunizieren, was ich will und was nicht, wenn ich das selbst weiß. Und während nun einige von euch sich vielleicht wundern, weil das doch eine leicht zu beantwortende Frage sein müsste, sage ich: oh. mein. Gott. Selten in meinem Leben habe ich mir eine komplexere Frage gestellt als „was will ich?“.

Damit meine ich nämlich nicht das, was uns gezeigt und gesagt wird. Die Dinge, die wir zu wollen und zu missachten haben, weil man das eben so macht. Nur weil Hollywood und die Gesellschaft sagt, dass Frauen nur mit Kindern glücklich werden können, heißt das nicht, dass es wahr ist. Genau so wenig, dass es immer verletzend sein muss, wenn der Partner mit anderen Sex hat. Ich meine mit Selbstreflexion die Fähigkeit, wach und aufgeklärt und möglichst vom konventionellen Denken losgelöst an Fragen heranzugehen und sie ehrlich zu beantworten.

Ich habe mir viele dieser Fragen gestellt und ich habe zudem einiges ausprobiert. Dabei habe ich ziemlich viel über mich herausgefunden:

  • es war für meinen persönlichen Weg gut, dass ich mit einer monogamen, klassischen Beziehung angefangen habe – weil ich damals noch nicht für etwas anderes bereit gewesen wäre
  • ich bin ein sexueller Mensch, der in einer funktionieren Partnerschaft fast nymphomane Züge bekommen kann – kann aber genauso gut auf Sex verzichten, wenn gerade niemand dafür in Frage kommt
  • ich brauche für Sex eine Connection, eine wie auch immer geartete zwischenmenschliche Verbindung – das bedeutet nicht, dass ich romantische Gefühle brauche, um ihn zu genießen
  • es erregt mich, meinen Partner beim Sex mit anderen zu beobachten – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ich mich im aktiven Spiel nicht ausgeschlossen oder respektlos behandelt fühle
  • es gab drei Männer in meinem Leben, bei denen ich das Bedürfnis hatte, die Beziehung für eine bestimmte Zeit monogam zu halten. Dieses Bedürfnis kann beim richtigen auch wieder auftauchen. Allerdings habe ich 2 Dinge erkannt: 1. Wenn der seltene Fall eintritt, dass ich mich auf einen Mann einlassen möchte, fällt es mir leichter, ihn näher kennen zu lernen, wenn ich weiß, man konzentriert sich nur aufeinander. Daraus entsteht der Wunsch nach Monogamie, nicht aus einem besitzergreifenden oder eifersüchtigen Denken oder weil ich anderes nicht könnte. Wenn ein Mann damit nicht einig wäre, wäre das kein KO-Kriterium. 2. Dieses Bedürfnis ist kein dauerhaftes. Erfahrungsgemäß ändert sich nach Wochen/wenigen Monaten etwas in mir und ich vermisse die Freiheit, die Möglichkeit. Was nur selten heißt, dass ich sofort aktiv bin – aber die Möglichkeit, aktiv zu sein, ist etwas, auf das ich nicht dauerhaft verzichten könnte.

 

Das sind ein paar der Dinge, die ich in den letzten Jahren in diesem Bereich herausgefunden habe. Pan und ich haben zudem einige wenige Regeln, die unumstößlich sind, wie meine 12-Stunden-Regel. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Anyway.

Erlernbar oder Veranlagung?

Ich denke nicht, dass es reine Veranlagung ist, monogam zu leben oder eben nicht. Ich denke aber auch nicht, dass man es lernen kann wie Zeichnen und Multiplizieren. Vielleicht ist es etwas dazwischen. Was ich sicher sagen kann, ist Folgendes:

Die absolute Voraussetzung für eine funktionierende offene Beziehung ist die Fähigkeit, sich selbst unter die Lupe zu nehmen. Gnadenlos ehrlich zu sich zu sein und zu ignorieren, was die Gesellschaft oder auch vermeintliche Partner einem zu sagen versuchen. Wer das Bedürfnis nach anderen Partnern in sich entdeckt, sollte es kommunizieren, statt fremdzugehen – eine Beziehung, in der vorsätzlich betrogen wird, kann kein Happy End haben. Menschen, die das tun, haben einen moralischen Kodex, mit dem ich nie konform gehen würde.
Ich verstehe das Bedürfnis danach, fremdzugehen, sprich: Sex mit anderen zu haben. Aber wer sich das heimliche Fremdgehen schönredet („ist nur körperlich“, „was er/sie nicht weiß…“), ist nichts als feige. Sei es aus Bequemlichkeit, aus Verlustangst, aus Feigheit. Man will nicht streiten, man will den anderen nicht verlieren, weil man dann wieder allein wäre und mit einem Partner ist das Leben doch viel angenehmer. Nun ja. Es gibt nicht viele Dinge, die ich verurteile, und Menschen haben Gründe für ihr Verhalten. Aber wer heimlich fremdgeht in dem Wissen, es würde den Partner verletzen, sollte sich fragen, weshalb er nicht einfach hinsteht und kommuniziert, dass er dieses Bedürfnis spürt. Ja, er ginge damit das Risiko ein, die Beziehung zu beenden – aber ich frage mich an dieser Stelle immer, was das für eine Beziehung ist und aus welchen Gründen Menschen solche Beziehungen führen. Angst vor dem Alleinsein? Verlustangst? Liebe zum anderen und das Bedürfnis, ihn nicht zu verletzen, kann es nicht sein – denn die alternative Handlung des Fremdgehens verletzt den anderen definitiv. Betrug und Unehrlichkeit können nie ein Weg sein, den Partner nicht zu verletzen. Ich bleibe dabei:

Fremdgehen ist der einfache Weg – und zwar für denjenigen, der fremdgeht. Wer Eier hat, geht ein Risiko ein und ist ehrlich. Und lässt damit dem Partner die Entscheidung offen, ob dieser damit leben kann oder will – oder ob es dann eben einfach nicht passt.

 

Gründe hinterfragen

Wer andererseits von seinem Partner wiederum gebeten wird, die Beziehung zu öffnen, der hat genau eine Aufgabe, bevor er zustimmt: er muss seine Gründe überprüfen. 

Ich habe schon einige Gespräche geführt, online und im real live, über diese Situation. Es sind deutlich häufiger Frauen, die sich diese Frage stellen – ich bin nicht sicher, woran das liegt. Die Situation ist häufig ähnlich: beide sind glücklich, seit einiger Zeit zusammen und irgendwann möchte er die Beziehung öffnen. Wollte das vielleicht schon von Beginn an, aber sie hatte Schwierigkeiten damit. Schließlich will sie es ihm nicht länger verwehren.

Hm.

Wie ich oben schon schrieb: Ich denke, das Wichtigste ist, gnadenlos ehrlich zu sein und ich glaube, dass Ehrlichkeit zu sich selbst eine der schwierigsten Formen ist. Wer nicht von Anfang an mit einer offenen Beziehung einverstanden ist, wer Eifersucht spürt oder Verlustangst oder Konkurrenzdruck oder sich aus welchem Grund auch immer mit dem Gedanken schwer tut, den Partner zu teilen, der hat dafür Gründe. Diese Gründe verschwinden nicht einfach, nur weil der Partner das Bedürfnis noch immer hat oder es nun zum dritten Mal kommuniziert. Es ist also das Wichtigste, mich selbst zu erforschen und herauszufinden, worin meine Schwierigkeit damit liegt, ob ich sie mir nur einbilde oder ob ich vielleicht einfach gewisse Regeln bräuchte, innerhalb derer das Thema für mich tatsächlich in Ordnung wäre.
Leider sehe ich viel zu häufig, dass Menschen einen anderen Menschen einfach nicht verlieren wollen und aus Angst, er könnte gehen, nachgeben. Sich mit Dingen einverstanden erklären, die sie leiden lassen oder für die sich (noch) nicht bereit sind. An dieser Stelle ist aber jeder selbst gefragt. Es kann noch so viele Artikel, Beiträge und Kommentare zum Thema „Poly“ geben – wer nicht ehrlich zu sich selbst ist, kann nicht ehrlich zu anderen sein. Und solange eine offene Beziehung nicht auf beidseitiger, absoluter Ehrlichkeit basiert, wird sie nicht von Dauer gekrönt sein – davon bin ich überzeugt.

 

Einen Zeh ins kalte Wasser strecken

Oder: Tipps für den Anfang

Jenen, die sich schlussendlich doch auf den Versuch einer offenen Beziehung einigen oder die es zumindest ausprobieren wollen, weil sie sich nicht sicher sind, möchte ich noch eine Reihe an Tipps mitgeben, von denen ich glaube, sie könnten den Einstieg erleichtern:

  • Wenn ihr nicht sicher seid, ob euch bestimmte Dinge verletzen würden oder nicht, nehmt euch eine ruhige Minute, schließt die Augen und stellt euch ein fragwürdiges Szenario möglichst lebhaft vor.
  • Versucht, möglichst detailliert zu kommunizieren: ein Gespräch à la „okay, wir führen jetzt eine offene Beziehung“ ist keine Kommunikation. Redet über Details, sprecht Schwierigkeiten an. Stellt Fragen. Beschreibt eure Vorstellungen und versucht herauszufinden, ob der andere damit Schwierigkeiten hat – wenn ja: fragt nach! Findet heraus, ob die Schwierigkeit am Prinzip liegt oder ob es ein Detail gibt, das sich ändern ließe. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, dann bittet um kleine Schritte – schlagt etwas vor, das euch den Einstieg erleichtern würde.
  • Stellt Regeln auf. Für den Anfang strengere Regeln, die jederzeit erweitert werden können. Beispielsweise vorerst nur im Beisein des anderen. Ich kenne ein Paar, bei dem es ihr wichtig war, dass er nur mit Frauen sexuellen Kontakt hat, die ihr nicht ähnlich sehen (andere Haarfarbe, etc). Es ist völlig egal, wie das konkret aussieht – aber schafft euch einen individuellen gemeinsamen Nenner, der eine gemütliche Komfortzone bietet – für beide.
  • Und wer erste Erfahrungen gemeinsam sammeln will, um zu testen, wie es sich anfühlt, der könnte sich durchaus eine geeignete Veranstaltung suchen. Swingerclubs definieren ihre Events häufig immer exklusiver: für Neueinsteiger, für junge Leute, usw. Zu zweit an einem Ort zu sein, an dem es mehr als realistisch ist, eine dritte Person zu finden, erzeugt (erfahrungsgemäß!) eine Stimmung, die sonst in dieser Form nicht einfach herzustellen ist. Allein diese Stimmung – ohne, dass etwas geschehen muss – ist für viele bereits das ausschlaggebende Zeichen, weil sie schnell merken, ob es befremdlich, unangenehm oder positiv aufregend ist.
  • Und zu guter Letzt: UNBEDINGT nach der ersten Erfahrung reden. Über alles. Darüber, was gut war, was sich ungut angefühlt hat und ob es verletzt hat, ob sich ungute Gefühle anbahnen. Auf keinen Fall „so tun als ob“ und behaupten, alles sei in Ordnung, wenn man eigentlich Alpträume hat von Vorstellungen und Bildern im Kopf. DAS kann im worst case enden. Auch hier also, wie immer: Ehrlichkeit. Zu sich selbst und zum Partner.

 

Fazit

Also, meine Lieben, beginnt bei euch selbst und arbeitet an diesen harten Fragen so lange, bis ihr die Antwort kennt und mutig genug seid, sie euch einzugestehen. Wenn das bedeutet, ihr müsst eurem Partner nun sagen, dass ihr gern Sex mit anderen hättet oder wenn es bedeutet, ihr müsst ihm sagen, dass ihr den Gedanken nicht ertragt, ihn zu teilen – nun, dann müsst ihr das eben tun und das Risiko eingehen, eine Reaktion hervorzurufen, die euch wiederum schmerzt.

Die Frage ist: was ist die Alternative? Fremdgehen und den Schmerz an den Partner zurückgeben? Gegen den eigenen Willen in eine offene Beziehung einwilligen und eine andere Form von Schmerz erleiden? Das sind Entscheidungen, die jeder selbst treffen muss – aber denkt daran, dass alles, was wir tun, Konsequenzen hat.

Für uns selbst und für andere.

 

3 Kommentare

  1. Polyamorie war meine Rettung. Es gibt nämlich noch einen dritten Weg: Die eigenen Bedürfnisse nach mehr; mehr Herzensmenschen, mehr Sex, mehr Kink zu verleugnen, zu unterdrücken; ohne Fremdzugehen. Mit aller Gewalt der aufkonditionierten gesellschaftlichen Norm entsprechen zu wollen. Weil alternative Beziehungsformen nicht wirklich bekannt waren oder verteufelt wurden.
    Aus diesem Höllenloch bin ich raus und damit das möglichst niemand anderem passieren muss, sind diese Beiträge über Alternativen so wichtig. Danke!

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