Ist ein Blowjob ein Privileg?

Oder: Warum ich (meistens) immer noch gerne Blowjobs gebe

Wenn ich nun ein paar Zeilen schreibe über den Artikel „Warum ich (meistens) immer noch keine Blowjobs gebe – Einen geblasen zu bekommen, ist kein Recht, sondern ein Privileg“dann ist mir durchaus bewusst, dass er nicht ganz aktuell ist – um genau zu sein von 2016, wenn das Datum korrekt angegeben ist. Aus unterschiedlichen Gründen, wurde mir dieser Text heute allerdings in die TL gespült und das nicht vereinzelt, sondern so häufig, dass sich mehrere Diskussions-Stränge ergeben haben, die irgendwann immer beim selben Streitpunkt enden. Bei einem, der zwar durch einen alten Artikel angestoßen wurde, heute aber nicht weniger relevant ist:

Ist ein Blowjob ein Privileg?

In dem Artikel, um den es geht, erzählt eine junge Dame von ihren Erfahrungen mit Männern beim Sex und davon, dass sie es nicht mehr einsieht, Blowjobs zu geben, wenn der Mann sie wiederum nicht leckt. Cunnilingus ist ihr wichtig, weil auch Voraussetzung für einen Orgasmus. Die Verfasserin hat die Erfahrung gemacht, dass Männer häufig keine Lust haben zu lecken, aber dennoch den Wunsch nach einem Blowjob äußern. Um sich hier nicht ungerecht behandelt zu fühlen, hat sie für sich beschlossen, dass ein Blowjob an Bedingungen geknüpft werden sollte.

Ich möchte an dieser Stelle nicht (nur) über den Artikel und vor allem nicht über diese spezielle Frau schreiben, sondern vielmehr den Text zum Anlass nehmen, das Thema allgemein aufzugreifen. Für die Veranschaulichung gibt es dennoch vereinzelt Zitate aus dem Text. Ein erstes ist dieses hier:

Wenn Männer davon ausgehen, bei einem zwanglosen Sexabenteuer auch ohne Gegenleistung immer zum Orgasmus zu kommen, dann eigne ich mir diese Einstellung halt ebenfalls an.

Bedingung, Aufrechnung, Gegenleistung

Wenn ich in einem Text, in dem es um Sex geht, das Wort „Gegenleistung“ lese (ähnliches gilt für „Bedingung“ oder das Prinzip des „Aufrechnens“), dann sagt mir das schon einiges und ich beginne, aufmerksamer weiter zu lesen.

Es sollte absolut selbstverständlich sein, dass jeder – allen voran Frauen – das Recht und die Pflicht sich selbst gegenüber haben, ihre eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen und nach außen zu kommunizieren. Nicht nur, um für sich selbst einzustehen, sondern auch um es dem Gegenüber leichter zu machen. Wenn eine Frau nur klitoral kommt, dann tut sie nicht nur sich selbst, sondern auch dem Mann einen Gefallen, wenn sie ihm das vorher sagt und er weiß, dass es nichts mit ihm zu tun hat, wenn sie vaginal nicht kommt – um ein einfaches Beispiel zu wählen. Es ist hilfreich für beide, wenn Menschen offen kommunizieren, was ihnen gefällt und was nicht. DARAUF habe ich ein Recht: auf die Möglichkeit, meine Bedürfnisse zu kommunizieren. 

An genau dieser Stelle hört für mich allerdings die Semantik von Recht, Gegenleistung und Privileg schon auf.
All diese Begriffe haben nämlich einen gemeinsamen Nenner: sie implizieren einen (Gegen)Wert oder eine an sie geknüpfte Bedingung; sie alle sind abhängig von irgendetwas anderem: einem Sachverhalt, einer Handlung, einer Position. Aber genau das geht in meinen Augen gegen das Prinzip von einvernehmlichem und vor allem für alle Beteiligten erfüllendem Sex.
Wenn ich Sex habe, dann deshalb, weil ich will und weil er mir Spaß macht. Bestimmte Teile davon an bestimmte Bedingungen zu knüpfen, zerstört eine essentielle Voraussetzung: nämlich das Wissen aller Beteiligten, dass jeder nur macht, worauf er Lust hat. 

Ich hätte keinerlei Interesse daran, mich von einem Mann lecken zu lassen, der dafür einen Blowjob versprochen bekommt. Ich könnte es nicht genießen, weil ich wüsste (oder mich mindestens fragen würde), ob er es nur macht, um später eine Gegenleistung dafür zu bekommen. Ich will aber nicht einfach nur um jeden Preis geleckt werden, weil der technische Akt mich zum Kommen bringt. Ich will geleckt werden, weil es beiden gefällt – weil es ihn ähnlich anmacht wie mich. Weil ich weiß, er hat Spaß daran. Umgekehrt würde kein Mann, der Sex nach demselben Prinzip hat (und JAHA – davon gibt es einige), wollen, dass eine Frau ihm nur einen bläst, weil er sie geleckt hat.
Meiner Erfahrung nach ist es unabhängig vom Geschlecht für Menschen, denen Einvernehmlichkeit und der Spaß des anderen wichtig ist, immer ein nicht zu unterschätzender Faktor für die eigene Erregung, zu sehen, dass der andere Spaß hat.

Und genau das wird zerstört, wenn Menschen anfangen, beim Sex Gegenleistungen zu verlangen, Leistungen zu verhandeln und Bedingungen zu stellen.

Und so blase ich heutzutage nur dann, wenn sich mein Sexpartner ebenfalls die Zeit nimmt, mich oral zu befriedigen, mich dabei zum Höhepunkt zu bringen und allgemein meine sexuellen Bedürfnisse zu respektieren.

Wir sollten alle in uns gehen und überlegen, ob wir beim Sex an irgendwelchen Punkten eine „wenn – dann“- Haltung haben. Genau diese Haltung gilt es, abzustellen. Das einzige „wenn“, das erlaubt und wichtig ist, lautet: „Wenn ich und alle anderen Beteiligten Spaß daran haben.“

Der schwierigere Weg

Ich kann zu dem Thema nur aus meiner absolut subjektiven und nicht repräsentativen Erfahrung sprechen: Ich kann ausgesprochen wählerisch sein, was meine Sexpartner angeht und ich bin auch kein Swinger. Zu Sex gehört bei mir eine gewisse Connection, die mit romantischen Gefühlen nichts zu tun haben muss. Wer meinen Blog liest, weiß, wie ich da ticke. Allerdings habe ich durchaus auch meine Erfahrungen aufzuweisen und ich kann sagen: ich hatte noch nicht einen einzigen (!) Mann, der nicht gern geleckt hat. Woher die Frage kommt, warum Männer Blowjobs verlangen, aber sich gegen das Lecken wehren, verstehe ich persönlich nicht, weil ich es nicht kenne.
Was nicht heißt, dass ich es nicht glaube. Vielmehr denke ich, es liegt an der Auswahl.

Sicherlich gibt es Männer, die so sind. Die sich ungern Mühe machen, die nur auf den eigenen Spaß aus sind und so schnell wie möglich abspritzen wollen. Das Ding ist… solche Männer erkennt man ziemlich früh, wenn man ein wenig die Augen dafür öffnet. Ich kann nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen und mich beschweren und erwarten, dass die Welt sich für mich ändert. Manche Dinge sind, wie sie sind, und auch wenn man sie kommunizieren und Bewusstsein dafür schaffen sollte: in meinen Augen ist der erste und effektivste Ansatz, die eigene Haltung dazu zu ändern, um langfristig zu erreichen, dass solche Menschen mit ihrem Verhalten keine Chance mehr haben. Nein, das ist kein Victimblaming, kein „selbst schuld“ – ihr wisst, auf welchen Wegen ich im Bereich Missbrauch unterwegs bin. Wir bewegen uns hier noch immer im Bereich von einvernehmlichem Sex, der im schlimmsten Fall eben nicht so viel Spaß macht.

Und in diesem (!) Bereich bin ich davon überzeugt, dass es durchaus meine eigene Entscheidung ist, auf wen ich mich einlasse und wer bei mir gegen die Wand fährt. Nach gewissen Aussagen oder Verhaltensweisen von Männern kommt derjenige für mich einfach nicht mehr in Frage. Da gibt es dann aber auch keine Diskussion über Bedingungen, kein „wenn du… – dann…“, kein Überreden, keine Grundsatz-Debatten. Denn wer solche führen muss, wer vor dem Sex darüber diskutieren muss, ob man doch bitte jetzt noch geleckt wird, weil man die Befürchtung hat, das Gegenüber verarscht einen und ist nach dem Sex „zu müde“ für orale Befriedigung… nun ja, der wird keinen erfüllenden, leidenschaftlichen Sex haben. Wer sich doch darauf einlässt, im Bewusstsein dieses Risikos, geht den einfacheren Weg.
Der schwierige Weg wäre nämlich, konsequent zu sein und sich von solchen Männern, solchen Risiken fern zu halten.

Ich hatte schon regelmäßig Phasen, in denen ich zwischen Wochen und Monaten keinen Sex hatte – einfach weil mir kein Mann untergekommen ist, der gepasst hat. Der Nachteil: lange Trockenphasen sind für sexuelle Menschen eine Qual. Der Vorteil: WENN ich Sex habe, ist er zwischen sehr und verdammt gut. Klar, niemand ist gefeit vor Idioten, die wirklich überzeugend sind und auch ich habe schon meine Lektionen gelernt, wenn auch auf andere Arten. Aber das ist eben der Punkt: Aus gewissen Erfahrungen kann man lernen, um sie beim nächsten Mal zu vermeiden, wenn sie einen nicht zufrieden gestellt haben. DAS wäre der konsequentere Weg. Und wer auf bestimmte Zeichen achtet und danach handelt, der kann schlechtem, auf Gegenleistungen basierendem Sex durchaus aus dem Weg gehen.

Ich wiederhole das Zitat von oben nochmal:

Wenn Männer davon ausgehen, bei einem zwanglosen Sexabenteuer auch ohne Gegenleistung immer zum Orgasmus zu kommen, dann eigne ich mir diese Einstellung halt ebenfalls an.

Ja, es gibt Männer, die so drauf sind. Die auf einem Blowjob bestehen, die fordern und nur auf den eigenen Spaß aus sind. Und ich werde das nicht von heute auf morgen ändern können. Aber ich kann mich entscheiden, ob ich „mir diese Einstellung halt ebenfalls“ aneigne und egoistischen Sex habe, der auf Bedingungen und Verhandlungen basiert.

Oder ob ich es selbst besser mache.

Gandhi, ihr erinnert euch? Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt. 😉

 

One Night Stands

Ja, man kann jetzt argumentieren, dass diese Haltung bei einem ONS eine andere ist, als wenn man eine ernsthafte Beziehung eingeht und dass man doch auch als Frau bei einem ONS ein Recht auf einen Orgasmus hat und diesen einfordern kann und sollte, zur Not auch durch Gegenleistung.

Nun ja. Wie meine Leser wissen, bin ich kein Fan von ONS. Nicht, weil ich sie verurteile, sondern weil sie mich nicht reizen und mich nicht befriedigen. Ich hatte in meinem Leben einen einigermaßen klassischen ONS, über den ich auch geschrieben habe – einfach, weil ich einmal die Erfahrung machen wollte. Es war unbefriedigend und hat mir nicht wirklich irgendetwas gegeben. Nicht, weil der Typ ein Arsch war – das war im Grunde in Ordnung. Es hat mich einfach nicht gekickt.

Wenn ich mit einem Typen ins Bett steige und ihm dabei keinen Blowjob gebe, dann kann er trotzdem kommen. Wenn wir jedoch miteinander schlafen und er mich dabei nicht leckt, dann sieht das bei mir leider ganz anders aus.

Ob durch Lecken oder auf anderen Wegen: Frauen kommen generell schwieriger als Männer und ein Mann muss sich im Durchschnitt mehr „Mühe“ geben, um eine Frau zu befriedigen als umgekehrt. Das stimmt. Das ist blöd. Und irgendwie ungerecht. Und überhaupt… Aber bei den meisten ist es eben so und (was einige nicht begreifen) daran haben Männer keine Schuld (ich persönlich – wirklich nur meine Meinung – finde übrigens, dass die Tatsache dadurch ausgeglichen wird, dass der weibliche Orgasmus etwas ist, womit der männliche sich nicht im Ansatz vergleichen lässt. Und nein, ich würde nicht tauschen wollen).

Hier wieder: ich kann die Welt nicht ändern, aber meine Haltung zu ihr schon. Ich kann also weiterhin ONS haben und mich darüber beschweren, dass Männer, die mich seit 3 Stunden kennen, mich nicht befriedigen können, aber trotzdem gern hätten, dass ich ihnen einen blase. Oder ich verzichte auf unbefriedigenden Sex und suche mir gezielt jemanden, der meine Bedürfnisse so stillt, dass seine eigenen im Idealfall auch nicht zu kurz kommen. Ist deutlich aufwändiger und man nimmt Durststrecken in Kauf. Aber allein die Tatsache, dass die Skala, wie leicht mann/frau zum Orgasmus kommt, nicht ausgeglichen ist, kann ich nicht als Grundlage gebrauchen, um Forderungen zu stellen.

Das heißt… kann ich schon.

Aber wer auf Forderung befriedigt wird in der Hoffnung auf die dafür versprochene Gegenleistung im Nachgang, hat keinen erfüllenden Sex, an dem beide Spaß haben – davon bin ich überzeugt.

Selbstbestimmung

In den Diskussionen über den Artikel, die ich bislang mitverfolgt habe, wurde häufig angeführt, dass es ein Zeichen von Selbstbestimmung ist, nein zu sagen und Blowjobs an Bedingungen zu knüpfen.

Ich bin anderer Meinung.
Definitiv halte ich es für die richtige Richtung, sich nicht zu einem Blowjob (oder wozu auch immer) überreden zu lassen, wenn man nicht will. Nein zu sagen und Dinge nicht einfach nur deshalb zu tun, weil mein Gegenüber das gerade möchte, ist ein großer und wichtiger Schritt in Richtung Selbstbestimmung.
Allerdings glaube ich auch, dass viele Wege nach Rom führen und man sehr leicht zwischendurch die falsche Abzweigung einschlagen kann, obwohl man das richtige Ziel im Kopf hat.

Etwas zu tun, woran ich keinen Spaß habe, weil der andere es will, ist das absolute Nogo.
Etwas zu tun, woran ich keinen Spaß habe, weil ich meinem Gegenüber versprochen habe, es zu tun und es infolgedessen zur Gegenleistung wird, ist zwar ein klein wenig besser… aber in Rom angekommen ist man deshalb noch nicht. Soll heißen:

Mit der selbstbestimmten Sexualität ist es nicht weit her, wenn ich sexuelle Leistungen verhandle und im Ergebnis Dinge nur mache, weil ich zugesagt und eine Gegenleistung für meine eigene Befriedigung einfordert habe.

Als Veranschaulichung folgende Gegenüberstellung:

Ich bin mittlerweile soweit, dass ich offen kommuniziere und zeige, dass ich Dinge nur mache, weil und wenn sie mir Spaß machen. Das gibt mir die Möglichkeit absolut random zu jedem Zeitpunkt meine Meinung vor und zurück zu ändern – unabhängig vom Gegenüber oder der Situation oder sonst etwas. Abhängig ist meine Entscheidung für oder gegen etwas nur von einer Sache: meinem eigenen Bedürfnis.
Hat mich ein Mann also geleckt und packt danach seinen Schwanz aus und ich habe aus irgendeinem Grund keine Lust darauf, dann kann ich ohne Konsequenz nein sagen.

Wenn ich aber vorher ausgehandelt habe, dass ich jetzt geleckt werde und im Gegenzug danach einen Blowjob gebe, dann nehme ich mir selbst dieses Recht auf Selbstbestimmung zu jedem Zeitpunkt. Denn wenn der Cunnilingus vorbei ist und ich seinen Schwanz vor der Nase habe, dann kann ich nicht random, aus einer Laune heraus nein sagen. Nun… kann ich natürlich schon. Aber dann mache ich dasselbe wie die im Text beschriebenen Männer, die vor dem Sex noch späteres, ausgiebiges Lecken versprechen und dann aber plötzlich „zu müde“ sind. Das Gegenüber fühlt sich verarscht, in gewisser Weise zurecht.

Wenn ich auf moralisch korrekte Art und Weise, gerecht für mein Gegenüber und für mich selbst die Möglichkeit haben will, zu jeder Zeit nein zu sagen, dann darf ich keine sexuelle Handlung an Bedingungen knüpfen – außer an eine: habe ich gerade Lust darauf oder nicht?

DAS ist sexuelle Selbstbestimmung. Zumindest habe ich darin meine Definition gefunden und fahre damit wunderbar.

Als Ergänzung sei hier gesagt, dass es durchaus Situationen gibt, in denen ich einem Mann, der mein dauerhafter Sexual-/Spielpartner ist, auch dann mal einen blase, wenn ich müde/durch/fertig/was auch immer bin. Selbstverständlich habe ich (wie bei allem) mal mehr, mal weniger Lust. Der Unterschied ist der wichtige Aspekt, dass die Erregung eines Menschen, den ich auf irgendeine Art schätze, die eigene Lust auf herrlichste Art steigern kann. Auch hier also: ich habe Lust durch die Lust des anderen. Nicht aufgrund einer Bedingung.

Von Preisen und Privilegien

Einen letzten Punkt will ich noch ansprechen, weil ich zurzeit in meinem Entwürfe-Ordner einen Beitrag zu diesem Thema liegen habe. Es ist ein Thema, das viele von euch hier gar nicht vermuten, ich aber für ausgesprochen wichtig halte.
Es geht mir darum, dass in der Gesellschaft noch immer der merkwürdige Konsens herrscht, dass Frauen Sex als Preise „verteilen“ können und Männer dafür arbeiten und ihn sich verdienen müssen. Auch hier ein Beispiel aus dem Text mit dieser Semantik:

In anderen Worten: Ich gebe dann Blowjobs, wenn sie verdient sind. Das Problem bei dieser Angelegenheit ist nur, dass dieser eben beschriebene Fall eben selten eintritt.

Ich gehöre nicht zu den Frauen, die alle evolutionären Fakten abstreiten und behaupten, wir sind ausschließlich unser zivilisiertes Selbst. Ich denke, es liegt in unseren Genen, dass wir so funktionieren, wie wir es tun. Dass es für Frauen tendenziell leichter ist, Sex zu bekommen als für Männer. Welche Konsequenzen das haben kann und sollte, will ich an anderer Stelle diskutieren. Einer der wichtigsten Punkte ist mir einer, den ich aus Erfahrung kenne:

Die meisten Frauen haben das mindestens unbewusste Gefühl, dass Sex eine Gegenleistung ist, die ein Mann erwartet, wenn er bestimmte Verdienste erbringt. Wenn er sich ein aufwändiges Date überlegt, sich viel Mühe macht oder teures Essen bezahlt. Automatisch kommt dann in vielen Frauen das Gefühl auf, sie könnten nicht mehr ohne Konsequenz nein sagen, weil sie ja gewisse Dinge in Anspruch genommen haben, gewisse Leistungen angenommen haben. Ich selbst war in diesem Denken so gefangen, dass ich auf teure, besondere Dates oder solche, bei denen ein Mann einen längeren Weg auf sich genommen hätte, gar nicht erst gegangen bin. Weil ich den Druck nicht mochte, der Abend könne sich für den Mann „nicht lohnen“, wenn ich am Ende eben doch nein sagte.

In dem noch unfertigen Beitrag werde ich dazu ein paar Dinge sagen – heute möchte ich lediglich darauf verweisen, dass dieses Denken nicht nur von Männern erzeugt wird, sondern ganz offensichtlich auch immer wieder von Frauen reproduziert wird, die solche Aussagen von sich geben. Die behaupten, ein Blowjob muss „verdient“ sein. Mit Verlaub: Bullshit – und schädlicher Bullshit noch dazu. Und das sage ich jetzt allen Frauen, die sich von solchen Aussagen beeinflussen lassen und jetzt das Bedürfnis haben, Männer „noch mehr dafür arbeiten zu lassen, um zu merken, dass sie respektiert und verdient und erobert werden“.

Wenn ihr Blowjobs (oder irgendetwas anderes) nicht mögt, dann sagt einfach nein und MACHT ES NICHT. Grundlos, ohne Bedingung – wenn ein Mann darauf negativ reagiert, dann gibt es nur eine Option: aufstehen und gehen!

Und wenn ihr Blowjobs gebt, dann aus dem richtigen Grund. Und dieser Grund kann nicht sein, dass der Mann ihn sich verdient hat, gut geleckt hat, sich an Abmachungen gehalten hat oder man es ausgehandelt hat. Ihr erzieht doch keinen Hund, dem ihr Leckerlis gebt, wenn er etwas fein gemacht hat?!

Nein, der einzige legitime Grund, einem Mann einen zu blasen, ist:

Weil ich Bock drauf habe.

Blowjobs sind kein Recht, sondern ein Privileg. Wenn Männer endlich mal checken, was nötig ist, um es einer Frau wirklich zu besorgen, dann werde ich auch wieder ohne Murren Penisse in den Mund nehmen. Bis dahin bleibe ich jedoch beharrlich.

 

Blowjobs sind kein Recht – aber auch kein Privileg. Wenn Menschen endlich mal checken, dass Sex nur dann erfüllend ist, wenn alle Beteiligen alle Handlungen aus freien Stücken machen und man selbst deutlich mehr Spaß hat, wenn man merkt, dass das Gegenüber ebenfalls Spaß an der Sache hat und nicht aus Verpflichtung handelt, dann sind wir einen Schritt weiter auf dem Weg nach Rom – und zu selbstbestimmtem Sex.

Wir sehen uns unterwegs.

2 Kommentare

  1. Ich liebe Blowjobs und würde niemals eine Bedingung daran knüpfen.. es ist oft der Fall, dass mein Mann kaputt von der Arbeit nach Hause kommt, da kann es schon passieren das er nach der Dusche zur Entspannung unverhofft einen bekommt 😏
    Mir würde im Traum nicht einfallen, ihn mit Blowjob gegen lecken zu „erpressen“, da ich meist so schon geweckt werde und manchmal aus mangel an Zeit, auch kein Blowjob für ihn rausspringt.. dann ist es halt so..

    Und wenn es der Dame so wichtig ist beim Sex auch zu kommen, es gibt nettes Spielzeug wo man gemeinsam benutzen kann oder man hilft mit den eigenen flinken Fingern selber etwas nach, Voila..

    Es würde mir absolut keinen Spaß machen, wenn ich wüsste er leckt mich nur wegen des Deals und nicht weil er Lust darauf hat..

    Den Aufschrei möchte ich von den Damen hören oder sehen, wenn ein Mann so eine Bedingung aufstellt 😂😂

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  2. Mir ist die Kinnlade runtergefallen. Wie kann man sich nur so lange mit diesem Thema befassen.
    Was gibt es da abzuwägen? Wenn sich meine Gedanken beim Sex um Leistung, Gegenleistung oder Privileg drehen würden, dann hätte ich schon keine Lust mehr weiterzumachen.
    Beim Sex geht es darum mir selbst oder den Beteiligten eine Freude zu machen, was auch immer das ist.
    Zudem akzeptiere ich sowohl die Vorlieben und Abneigungen des/der anderen. Wenn mir das nicht genügt oder ich damit unzufrieden bin, dann passt es eben nicht. Entweder ich akzeptiere das weil ich diesen Menschen liebe oder ich beende die Beziehung.

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