Ein Schotterweg im blauen Wald

Oder: Über BDSM, Geld und Solidarität

 

Meine Lieben, 

verzeiht die Funkstille. Ich sagte ja bereits, dass ich seit zwei Wochen wieder auf meiner einsamen Waldlichtung sitze und mit dem Wunderland nicht sonderlich viel anfangen kann. Es sind Dinge geschehen und andere Dinge geschehen weiterhin und während all diese Dinge geschehen, bleibt mir nichts übrig, als hier auf meiner Lichtung zu sitzen und mich zu ordnen. Luft zu holen. Und zu schweigen. 

Die kurze Twitterpause habe ich gebraucht. Nicht dass es eine bewusste Entscheidung war, nein. Ich konnte einfach nicht mehr. Es war, als hätte es in meinem blauen Twitterwald ein Erdbeben gegeben, das mich so völlig aus der Fassung gebracht hat, dass ich mich kurz ordnen musste. Nun, vielleicht war es ja tatsächlich ein Erdbeben…

Und weil ich der Sache noch nicht ganz traue – der Ruhe nach diesem Erdbeben – halte ich mich weiter an dem Stamm fest, an den gelehnt ich hier sitze und warte dabei auf etwaige Nachbeben. Bisher kam noch keines, aber… man weiß ja nie. Ein paar Zeilen möchte ich euch aber heute zukommen lassen, wenngleich ich noch nicht wieder ganz zurück bin. Aber was rede ich schon wieder so viel?

Wir machen es am besten wie immer: 

Von vorn. 


 

Ein Tweet

Es sind keine 48 Stunden vergangen, seit ich den Leetchi-Link hochgeladen habe und ich habe auch nichts anderes gemacht, als den Link einmal zu twittern. Ich habe nicht darüber gebloggt, ich habe ihn nicht erneut retweetet, ich habe ihn nicht auf Patreon oder Instagram geteilt. Nein, es war ein einziger Tweet.

Ein Tweet.

Für alle, die nur meinem Blog folgen und nicht auf Twitter sind, hier die kurze Erklärung: Gestern habe ich unter diesem Link eine Leetchi-Aktion gestartet, also ein Fundraising. Die Aktion selbst beschreibe ich unter selbigem Link wie folgt:

Meine Lieben,

auf Twitter kennt man mich unter @Ophelia_BDSM.

Ich schreibe auf meinem Blog hauptberuflich über BDSM und Aufklärung, setze mich für Entstigmatisierung ein und habe im Frühjahr mein erstes Buch „Vernünftig Unvernünftig“ veröffentlicht, das von einem sicheren, risikobewussten Einstieg für unerfahrene Frauen in die Welt des BDSM handelt.

Leider wird gerade BDSM häufig von Menschen als Deckmantel genutzt, die unter dem Label „dominant“ andere missbrauchen, manipulieren und ihre Grenzen überschreiten. Die Rechtslage ist hier oft noch schwieriger als in Bereichen, die mit BDSM nichts zu tun haben. Meistens sind davon ohnehin schon labile oder junge und unerfahrene Menschen, häufig Frauen betroffen, die sich im Anschluss nicht wehren können, sozial isoliert wurden, bedroht werden oder denen der offizielle Weg nicht so leicht zugänglich ist, weil die Hemmschwelle durch den Kontext BDSM und dessen Stigmatisierung noch höher ist als ohnehin schon. Und nicht zuletzt, weil das nötige Geld für eine kompetente Rechtsberatung oder einen Rechtsbeistand fehlt.  

Dass dieser Weg – die Aufklärungsarbeit in diesem Bereich – mir einmal so zum Verhängnis werden könnte, hätte ich nicht gedacht.

Es gibt einen Rechtsstreit, der mich selbst direkt betrifft, über dessen Inhalt ich aber nicht mehr sprechen darf, und dessen Ausmaß ich zu Beginn nicht absehen konnte.

Mir liegt alles daran, meinen Weg, meine Arbeit für Entstigmatisierung von BDSM und Aufklärung auch und vor allem in öffentlichen Bereichen (Polizei, Anwälte, Gerichte, Frauenberatungsstellen, usw.) weitergehen zu können. Allerdings musste ich in jüngster Zeit die Erfahrung machen, dass das ein Weg ist, den ich nicht im Alleingang schaffen kann, weshalb ich nun an dem Punkt bin, von dem ich sicher war, das ich ihn nie erreichen würde:

Ich bitte um Unterstützung – für mich und andere. 

Ich stehe derzeit vor Anwaltsrechnungen von mehreren Tausend Euro, die ich bislang nur teilweise begleichen konnte. Wie es weitergeht, weiß ich nicht.

Entweder ich trage diese Kosten – oder die Konsequenzen.

Konsequenzen, die im worst case dazu führen könnten, dass ich offline gehen müsste.

Ich kann nicht abschätzen, wie viel Geld hier zusammenkommt – aber das Internet hat mich schon häufig überrascht:

Sollte also sogar mehr zusammenkommen als ich für diese Sache benötige, wird alles, was darüber hinaus gesammelt wird, dafür verwendet, jenen Frauen kompetente und tolerante Anwälte an ihre Seite zu stellen, die Übergriffe im Bereich BDSM zur Anzeige bringen wollen oder bereits gebracht haben, die aber belächelt oder nicht ernst genommen wurden, weil BDSM angeblich ohnehin ein Graubereich sei, in dem man nie genau sagen könne, was ungewollte Grenzüberschreitungen oder tatsächliche Vergewaltigungen sind und was nicht.

Es sind Aussagen und Haltungen wie diese, gegen die ich vorgehen möchte.

Ich möchte solchen Frauen helfen können – durch mehr als nur Reden und Beistand. Ich stand und stehe mit Frauen in ganz Deutschland in Kontakt, die mir berichten, wie sie im Anschluss an sexualisierte Gewalt gestalkt oder bedroht werden, die manipuliert und sozial isoliert wurden oder die gerade noch die Kraft aufbringen, sich therapeutische Behandlung zu suchen – häufig nicht einmal das. Reden und Beistand und Aufklärung sind wichtig – aber ich lerne gerade auf die harte Tour, dass Idealismus keine Rechnungen bezahlt. 

Vielleicht ist diese Aktion hier ein Tropfen auf den heißen Stein – vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht bin ich ja nicht die Einzige, die sich eine Welt vorstellt, in der jeder Mensch seine Sexualität ausleben darf, ohne verurteilt zu werden und ohne dabei fürchten zu müssen, Grenzüberschreitungen in kauf nehmen zu müssen, weil unser System ihn diskriminiert, statt seine Rechte zu verteidigen. 

Schon jetzt danke ich jedem Einzelnen, der auch nur ein klein wenig beitragen möchte – aber auch allen, die mir auf Twitter Solidarität ausgesprochen haben oder mich zurzeit online und offline auf unterschiedlichsten Wegen unterstützen.

Eure Ophelia 

PS: Da ich um die traurige Stigmatisierung um das Thema BDSM weiß und die Vorsichtig vieler Menschen diesbezüglich verstehen kann, habe ich diese Sache hier so eingerichtet, dass die Namen der Spender nirgends genannt werden. 

Über das, was ich zurzeit durchmache, darf ich nicht sprechen. Ein klein wenig werdet ihr noch mitbekommen – mal sehen, wie viel. Aber bis dahin stehe ich vor offenen Anwaltsrechnungen und Arbeit, die mein Anwalt noch bewältigen muss und die zu weiteren Rechnungen führen wird. Zugegeben, ich war ziemlich verzweifelt und die ernüchternde Erkenntnis, wie sehr man eben doch von Geld abhängig ist, wenn es um das Rechtssystem geht, hat mich erschüttert.

Diskriminierung und das Rechtssystem

In den letzten 12 Monaten hörte ich unabhängig davon immer wieder – online und offline – von Frauen, die im BDSM-Bereich Missbrauchserfahrungen gemacht hatten und die nun den Weg der Anzeige vor Augen haben. Ich habe mittlerweile einige Frauen auf diesem Weg begleitet, soweit ich das eben leisten konnte:

Manchmal ist ein offenes Ohr alles, was gebraucht wird. Manchmal geht es um profane Dinge wie Internetrecherche, der Suche nach der nächsten Polizeiwache und der Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Nach studentischen psychotherapeutischen Anlaufstellen oder Frauenberatungsstellen oder nach Anwälten. Manchmal geht es darum, Frauen irgendwohin zu fahren und bei einem Gespräch vor der Tür auf sie zu warten, damit sie wissen, dass sie nicht allein sind. Manchmal geht es einfach nur darum, nachts das Telefon auf laut zu stellen, um einer Frau das Gefühl zu geben, erreichbar zu sein, wenn sie Alpträume oder Panikattacken hat. Manchmal geht es um die persönliche Entscheidung, ob ein Suizidgedanke konkret genug ist, um einzuschreiten oder nicht. Manchmal geht es darum, von den eigenen Erfahrungen mit dem eigenen Trauma zu erzählen, so schwer es auch fällt, weil es das Gefühl vermittelt, verstanden zu werden. Manchmal geht es schlicht darum, Anrufe zu tätigen und Termine auszumachen oder Briefe zu öffnen.

Und nicht nur manchmal, sondern viel zu oft, meine Lieben, geht es einfach nur um Geld.

Dann nämlich, wenn eine Anzeige wegen sexueller Nötigung oder anderen Formen des Missbrauchs erstattet wurde und damit ein Strafverfahren eingeleitet wird und man bzw. Frau vor der Entscheidung steht, als Nebenklägerin aufzutreten. Eine Anzeige erstatten, ist eine relativ kurze Sache – je nach dem, wer sie aufnimmt und wie ernst man genommen wird. Aber damit ist die Sache nicht getan, denn als Nebenklägerin braucht man für gewöhnlich einen Anwalt. Und Anwälte kosten Geld. Falls die Anzeige gewonnen wird, wird natürlich Geld zurückerstattet, aber meistens geht man in Vorleistung und ganz so einfach ist es eben in den seltensten Fällen, ganz zu schweigen vom Faktor Zeit (während ich das hier schreibe, merke ich übrigens, dass ich über solche Vorgänge eigentlich mal einen Beitrag schreiben sollte).
Ich saß nicht nur einmal nachts stundenlang schlaflos im Bett, verzweifelt, weil ich akut und konkret von einer Sache mitbekam, aber nicht helfen konnte. Nicht wirklich.

Es ist eigentlich absurd. Du kannst stundenlange Telefonate führen, kannst durch die Gegend fahren, kannst zuhören, schreiben, Emails beantworten, an kompetente Spezialisten weiterleiten und vorher Nummern heraussuchen, vielleicht schon Termine ausmachen, weil Opfer von Missbrauch und Übergriffen häufig gerade in der ersten Zeit zu kaum etwas selbst in der Lage sind. Du kannst Zeit und Energie investieren, kannst da sein, kannst dein Herzblut in eine Sache stecken, weil du weißt, es ist das Richtige…

…aber am Ende des Tages hängt es am Geld.

Absurd, nicht wahr?

Ich jedenfalls finde es absurd, dass die Hemmschwelle, die Hürde, eine Anzeige zu erstatten, in solchen Fällen so immens hoch ist. Und ja, bevor sich jetzt einige zu Wort melden: Mir ist durchaus bewusst, dass diese Hürden teilweise aus gutem Grund da sind. Eine Vergewaltigung anzuzeigen sollte natürlich auch kein 5-Minuten-Akt am Telefon sein. Ich sehe da definitiv beide Seiten. Aber es geht mir um die Hürden, die die eigentlichen Hürden noch erschweren. Es ist als wäre da nicht nur eine Mauer, die zu erklimmen ohnehin schwer genug ist, nein – die Mauer ist auch noch geschmückt mit Stacheldraht und auf der anderen Seite wartet dann noch ein Minenfeld.
Ich kann euch bei Gelegenheit ausführlich von den Erfahrungen berichten, die ich gemacht habe oder die mir berichtet wurden und euch mit dem Prozedere solcher Anzeigen vertraut machen. Ich glaube, euch würde schlecht werden. Nicht weil das alles ohnehin ein so schwieriges Thema ist, sondern weil der Stacheldraht einen Namen hat:

BDSM.

Es ist völlig egal, ob es um Psychotherapeuten geht, die „die Neigung“ therapieren wollen.
Um Frauenberatungsstellen, die eine Frau wegschicken, weil sie lieber für Frauen da sind, die „wirklich nicht vergewaltigt werden wollen“.
Um Polizisten, die dich fragen, ob du „ein böses Mädchen“ warst.
Um Anwälte, die dich als Mandantin nicht einmal annehmen und dir sagen, dass die Aussichten schlecht sind, weil „diese Sadomaso-Sachen“ immer ein Graubereich sind.
Oder um Richter, die sich schließlich nur darüber unterhalten, dass Vorwürfe des Missbrauchs für Männer ja ausgesprochen gefährlich sein können, wenn sie unwahr sind.

Egal, woran es liegt: An irgendeiner Stelle bekommst du statt Verständnis eine metaphorische Ohrfeige. Statt Unterstützung einen Tritt und statt Hilfe wirst du belächelt. Und damit möchte ich nicht sagen, dass Frauen, die im Vanillabereich Übergriffe anzeigen, es leicht haben – definitiv nicht. Aber wenn BDSM ins Spiel kommt, scheint es irgendwie… ich weiß nicht. Manchmal scheint es mir, als wäre es unmöglich, den gesamten Weg bis zum Ende zu gehen, ohne an irgendeiner Stelle an irgendeinen Menschen zu geraten, der dich allein aufgrund deiner sexuellen Präferenzen diskriminiert. 

Und hier sitze ich, wollte eigentlich etwas ganz anderes schreiben und merke, wie ich bei diesem Thema einfach nicht schweigen kann, nicht aufhören zu schreiben, wenn ich einmal damit angefangen habe, weil das Bedürfnis übermächtig wird, aufzuklären über all das, was da draußen passiert.
Und ja, natürlich frage ich mich, ob dieser Text hier, diese Zeilen nicht kontraproduktiv sind, weil sie Frauen vielleicht Angst machen werden und die Hemmschwelle noch höher setzen, indem sie den Eindruck vermitteln, dass es keine gute Entscheidung ist, sich für diesen Weg zu entscheiden. Allerdings bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es nicht die Lösung sein kann, über Missstände zu schweigen, damit man Menschen nicht abschreckt. Über diese und so viele andere Missstände muss gesprochen werden, so viel und so oft und so offen wie möglich und dann – nachdem man aufgeklärt hat – muss man einen Schritt in die richtige Richtung gehen und zeigen, dass es besser gemacht werden kann.

Ich möchte diesen Schritt gehen.

Und ich glaube, es wird nicht der letzte sein.


Zweifel über Zweifel

Die Sache mit dem Bitten, dem Annehmen und vor allem dem Geld ist… nun ja, so eine Sache eben. Wer mir schon länger folgt, weiß, wie groß die Überwindung für mich war, diesen Schritt zu gehen. Fakt ist aber: Ich hätte es besser wissen müssen.
Das Internet… nein, falsch: Twitter hat mich schon mehr als einmal überrascht. Nicht nur positiv, aber zugegeben überwiegend.

Als ich den Link twitterte, geschahen innerhalb von 24 Stunden viele Dinge parallel. Dinge, die ich schließlich erst verarbeiten musste, was auch der Grund für die erneute kurze Funkstille war. Ich möchte euch im Zeitraffer daran teilhaben lassen und euch von all den Dingen erzählen, die mich die letzten beiden Tage so beschäftigten:

1. Wow.

Das Wow-Moment war unbeschreiblich. Um es hier nochmals kurz auf den Punkt zu bringen: Innerhalb der ersten 24 Stunden war mein geschätztes Ziel von rund 5000 Euro zusammengekommen. Ich weiß, dass dort draußen viele Leute mitlesen, für die 5000 Euro nicht die Welt sind, aber für mich ist es viel Geld. Richtig viel Geld. Ich gleiche bei großen Summen immer in meinem Kopf ab und habe dann Gedanken wie „das ist mehr als dreimal mein Auto“ (und ich weiß noch, wie lange und hart ich auf mein Auto gespart habe) oder „das ist überschlagen ein ganzes Jahr Miete“.
Gerade weil mehrere Tausend Euro für mich so viel Geld sind, waren die Rechnungen meines Anwalts auch so erschlagend und ich so verzweifelt. Ich wusste, ich war auf dem richtigen, auf einem wichtigen Weg, aber diese Zahl schien mir eine klare Sackgasse anzuzeigen. Nicht, dass es nur am Geld hing und hängt – das System und andere Menschen mit Autoritätsfunktion machen einem diesen Weg nicht leicht. Aber das sind Dinge, gegen die man zumindest versuchen kann, anzugehen – Geld hingegen hat man entweder oder man hat es nicht. Der Interpretationsspielraum ist da sogar für Germanisten ausgesprochen klein.

Innerhalb von einem Tag habt ihr mir die Möglichkeit gegeben, diesen Weg weiterzugehen, ohne dafür meine eigene Existenz aufs Spiel setzen zu müssen und zudem, wenn alles einigermaßen läuft, anderen Frauen zu helfen, die sich in anderen und doch ähnlichen Situationen befinden. Ihr ahnt nicht, was das bedeuten kann. 

Um es übrigens an dieser Stelle klarzustellen: Ich selbst wurde nie vergewaltigt oder so missbraucht, dass ich eine Anzeige erstattet hätte. Aber ich habe mir angemaßt, nach realen Begegnungen das Thema zum Thema zu machen und es scheint, als wäre das Grund genug, mir das Leben ausgesprochen schwer zu machen. Aber wie gesagt: Über den Inhalt darf ich nicht mehr sprechen. Belassen wir es vorerst dabei.

2. Danke?

Das, was ich in den letzten zwei Tagen sagen wollte, war so etwas wie „danke“ – aber in diesem Wort steckt so viel und zugleich so wenig, dass es mir nicht zu passen schien. Es war zu profan…
Und noch während ich darüber nachdachte, was ich euch nun sagen wollte, häuften sich Nachrichten. Meine Güte, bekam ich Nachrichten… Ich glaube, es ist mittlerweile ein dreistelliger Bereich und das Beantworten wird mich einige Tage kosten – allerdings ist es das Mindeste, was ich tun kann. Das Faszinierende aber war etwas anderes: Es war die Tatsache, dass in einem absoluten Großteil dieser Nachrichten „danke“ stand. Dass Menschen sich umgekehrt bei mir bedankten für das, was ich mache.
Nicht selten las ich, dass Menschen sich dafür bedanken, dass ich endlich anderen die Möglichkeit gebe, sich an meinem Vorhaben zu beteiligen.

Weil es ein Thema ist, das uns alle angeht.

3. Solidarität

Vor einiger Zeit war ich beim Abendessen mit einer Gruppe von großartigen, inspirierenden Frauen, denen ich ein wenig von meinem Weg erzählte. Nie zuvor hatte ich erlebt, dass eine ganze Gruppe von Frauen, von Menschen sich kollektiv von einem Problem angesprochen fühlen, dass sie nicht direkt betrifft. Bis ich es begriff: Sie fühlten sich betroffen – weil sie es waren. Nie zuvor haben andere Menschen es so überzeugend geschafft, mir das Gefühl zu geben, dass der Weg, den ich gehe, eigentlich unser aller Weg ist. Dass ich nur eine stellvertretende Funktion habe, indem ich ihn eben gehe und darüber schreibe und versuche, etwas zu bewegen – aber dass die Sache selbst uns alle etwas angeht.

Uns: Frauen.

Uns: BDSMler.

Uns: Menschen, die in irgendeiner Form abseits der Konvention leben und dafür diskriminiert werden.

Dann erstellte ich den Link und innerhalb eines Tages begriff ich es:

Da draußen sind genauso reale Menschen, mit einer genauso realen Bereitschaft, sich für gute und wichtige Dinge einzusetzen. Da draußen sind nicht nur virtuelle Accounts, die nicht mehr tun, als Tweets zu herzen – sondern reale Menschen, die häufig genau meine Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung kennen. Da draußen sind reale Menschen, die früher als ich selbst erkannt haben, dass dieser Weg gar nicht nur meiner, sondern unserer ist und dass am Ende dieses Weges vielleicht eine Welt auf uns wartet, die ein ganz kleines bisschen besser ist – für jeden von uns.

Da draußen ist reale Solidarität.

4. Twitter, die eine Seite

Twitter war bisher eine großartige Base, ein toller Rückhalt. Aber dieses Gefühl der Solidarität in der Realität zu erleben mit Menschen, die tatsächlich vor einem sitzen, gab mir zum ersten Mal wirklich das Gefühl, nicht allein zu sein. Und so sehr ich meine Vögel auch schätzen gelernt habe, ich gebe zu: ich war skeptisch und ich kenne das Netz und seine Tücken und die Tatsache, dass ein Shitstorm nicht im Wetterbericht angekündigt wird. Ich bin manchmal zynisch geworden, ich weiß es. Gerade in den letzten Jahren habe ich Erfahrungen gemacht, die mich geprägt und vorsichtig gemacht haben. Ich weiß, ich habe fast 11k Follower und habe nicht selten gehört, dass es doch ein Leichtes wäre. Und ich sehe auch auf der Statistik meines Blogs, wie hoch die Aufrufe meiner Beiträge sind. Andererseits aber haben einige Beiträge dann nur rund 100 Likes und ich frage mich nicht selten, woher die Diskrepanz zwischen diesen Zahlen kommt, wer diese Menschen sein sollen, die in meiner Blog-Statistik im vierstelligen Bereich angezeigt werden, wenn doch nur ein winziger Teil davon einen Tweet herzt. Was ist das für eine komische Sache? Wie funktioniert Twitter wirklich? Weshalb habe ich 11k Follower, täglich steigend, wenn nur ein Prozent davon auf meinem Account aktiv ist?

Wie viele da draußen lesen mich wirklich?

Ja, das sind Fragen, die ich mir regelmäßig stelle und die dazu geführt haben, dass ich skeptisch war: Was, wenn sich nachher eine Handvoll beteiligt und der Rest anfängt, mich auszulachen oder schlimmer: die Sache zu verurteilen, wie Menschen eben ständig verurteilt werden. Was, wenn ich nachher als einer der Menschen dastehe, die „um Geld betteln“ und dann ausgelacht werde und merke, dass Follower eben einfach doch nur eine Zahl sind?

Ich hatte Angst vor all diesen potentiellen Erkenntnisse, die bei diesem Schritt auf mich warteten. Der ausschlaggebende Punkt war dann allerdings die Tatsache, dass ich zurzeit mit Dingen konfrontiert bin, am Ende ohnehin dazu führten könnten, dass ich offline gehen muss – dann hätte sich dieses Problem ohnehin von allein erledigt. Ich hatte also im Grunde nichts zu verlieren.

Und ja, es gab sie. Die vorschnellen Urteile, die Einmischungen von Fremden und die herablassenden Threads. Das ganze Programm eben.

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Ich weiß schon, dass es im blauen Twitterwald Menschen gibt, die Shitstorms von ganz anderem Ausmaß erlebt haben – aber das ist es, was ich meine, wenn ich immer sage, ich bin zu sensibel für diese Welt. So ganz spurlos geht es eben nicht an mir vorbei.

Aber… ja, es gibt ein Aber.

5. Twitter, die andere Seite

Die Auszüge der einen Seite sind ein Bruchteil von all dem, was mir die andere Seite gezeigt hat. Und das, was für mich so neu war, so überraschend, war die Masse an Nachrichten von Menschen, die mir schrieben, sie seien „stille Leser“.

Himmel, wie viele „stille Leser“ kann man haben?! Ich bekam Nachrichten, Zuspruch und „Danke für das, was du machst“ von einer Zahl von Menschen, die meinen Glauben an die Menschheit im Gesamten wieder ein klein wenig hergestellt hat. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Menschen mir schrieben, sie hätten nur darauf gewartet, sich beteiligen zu können, weil sie sonst keine Möglichkeit haben, ihre Solidarität zu zeigen – die nicht liken oder kommentieren, weil Familie oder Kollegen ihnen folgen und das Thema BDSM einfach so stigmatisiert ist. Die sich nicht offen dazu bekennen wollen oder können, weil sie Angst vor Vorurteilen haben.

Und dann, als wäre das nicht genug, kam erneut, mal wieder, eine Menge an Nachrichten mit Erfahrungsberichten – 99% von Frauen, die mir erzählten, wie ihr eigener Weg war, was sie erlebt und ertragen haben und weshalb eine Anzeige fallen gelassen wurde oder – häufiger – es nie zur Anzeige kam. Einmal mehr saß ich gestern Nacht in meinem Bett und dachte über die Dunkelziffer nach, von der ich mittlerweile glaube, dass ich sie eigentlich überhaupt nicht wissen möchte.

Jedenfalls, der Effekt all dieser Nachrichten und der Beteiligung war einer, der alles übertroffen hat: Erleichterung.

Erleichterung aufgrund der Erkenntnis, dass scheinbar keiner von euch das Gefühl hat, ich „bettle um Geld“, weil ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme – sondern dass die allermeisten da draußen dieses eine Problem stellvertretend sehen für ein größeres.
Meinen Weg als den ihren sehen.
Mein „Danke“ mit einem „Danke“ erwidern.

Ich meine… wie großartig ist bitte die Vorstellung einer Community, die nicht dem Einem hilft und dann ein Danke erwartet und die einen Aufruf zur gegenseitigen Hilfe gar nicht als Hilfe wertet, sondern als solidarische Beteiligung an einer Sache?

Und wie unfassbar großartig, meine Lieben, ist es,
Teil einer solchen Community zu sein?

 

6. Geld und seine Nachteile

Ich möchte diesen Teil kurz machen: Gestern Nachmittag erreichten mich die ersten Nachrichten von Menschen, die mich auf die Steuern hinwiesen. Selbstverständlich habe ich mich vorher erkundigt und war mir der Tatsache bewusst, dass ich die Einnahmen über eine solche Aktion angeben muss – Spenden sind nicht einfach Spenden, weil sie jemand so nennt.
Das hatte ich erwartet. Was ich nicht erwartet hatte, war die Summe – mehrere Tausend Euro habe ich definitiv nicht erwartet und ich hatte gestern einen Punkt, an dem ich – mal wieder – heulend auf dem Küchenboden saß. Weil alles einfach viel war in den letzten Wochen. Weil ich wieder atmen konnte. Weil ich in dieser Nacht zum ersten Mal seit Langem 9 Stunden am Stück durchgeschlafen habe, ohne zu träumen.
Aber auch, weil ich begriff, dass mich diese Sache in ganz andere, neue Schwierigkeiten bringen könnte und weil ich so erschöpft war – ein paar Tausend Euro reichen nämlich, um mich über gewisse Freibeträge zu bringen. Einkommens- und Umsatzsteuer. Umsatzsteuer beispielsweise hat mich bislang nicht betroffen, weil ich definitiv unter dem Freibetrag lag. Mit diesem Geld könnte das aber knapp werden und vielleicht dazu führen, dass ich Umsatzsteuer zahlen und verlangen muss und damit wäre ein ganz neues Fass aufgemacht – und da ich das Geld ja eben nur für Anwälte, meinen und den von anderen, verwenden werde, kann ich es auch nicht zur Seite legen für etwaige Nachzahlungen an das Finanzamt.

Gestern saß ich also heulend auf besagtem Küchenboden, weil mir bewusst wurde, dass ich mal wieder in einer guten Absicht eine Sache gemacht hatte, die mir jetzt vielleicht ganz neue Schwierigkeiten bereiten könnte. Zeit, um mich ausgiebig zu erkundigen und das zu klären, ist zwar noch bis Ende des Jahres, aber ich habe wirklich keine Lust auf böse Überraschungen und wenn mir gerade die Hilfe durch Geld jetzt einen privaten finanziellen Nachteil verschafft… nun ja. Ein wenig zum Verzweifeln ist es schon, wie schwer es das System einem macht, gute Absichten zu verfolgen. Dass irgendwie immer die Antwort auf ein Problem zum nächsten Problem führt und es sich manchmal anfühlt, als wäre einfach kein Ende in Sicht.

Ich hoffe, dass niemand das jetzt so aufnimmt, als würde ich mich beschweren, weil „ich zu viel Geld bekommen habe“. Das Geld ist nicht für mich, sondern für den Anwalt und für andere – aber das Finanzamt ist ein Gegner, mit dem ich mich wirklich nicht auch noch anlegen möchte. Ich muss also schnellstmöglich herausfinden, wie ich das handhaben muss und was das für mich bedeuten kann. Aber: Eins nach dem anderen.

Es gibt Probleme auf der Welt, für die es keine Lösungen gibt – das ist keines davon.

 

7. Männer und Frauen – Die Geschlechterfrage

Es gab auch folgende Kommentare auf Twitter und DMs zum Thema Geschlechter:

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Ein Mann schrieb mir, er würde sich beteiligen, hätte ich „Menschen“ statt „Frauen“ geschrieben.

Ich möchte dazu ein für alle Mal einige wenige Sätze loswerden:

Bevor in Zukunft Menschen (und damit meine ich Männer) sich darüber beschweren, ich würde in meinen Aktionen, auf meinem Weg und bei meinen Vorhaben Frauen bevorzugen und Männer benachteiligen und diskriminieren, möchte ich inständig darum bitten, sich mit meinem Account und meinem Blog auseinanderzusetzen. Fakt ist nämlich Folgendes (ich empfehle, nicht bereits nach dem ersten Punkt empört aufzuschnauben, sondern alle zu lesen):

  • Ich bewege mich seit vielen Jahren in der BDSM-Szene, und zwar auf beiden Seiten. Mir ist bewusst, dass die devote Neigung generell eine deutlich höhere Angriffsfläche für Missbrauch bietet als die dominante. Es gibt aber grundlegende Strukturen, die dafür sorgen, dass devote Frauen anders betroffen sind als Männer. Beispielsweise, weil Frauen überwiegend auf der devoten Seite einsteigen (ähnlich wie die meisten Männer erst einmal „dominant“ einsteigen, weil diese Rolle ihnen von der Gesellschaft nahegelegt wird) und meist erst nach langjähriger Erfahrung auch ihre dominante Seite entdecken. Das führt dazu, dass devote Frauen häufig zum Zeitpunkt ihres Einstiegs deutlich jünger sind und damit durch die fehlende Lebenserfahrung ein noch leichteres Ziel für meist deutlich ältere und erfahrenere, „dominante“ Männer bieten. Zudem gibt es Mechanismen, die Frauen weitere Nachteile verschaffen, wie beispielsweise die körperliche Unterlegenheit oder die Tatsache, dass sie sich leider zu häufig mit der devoten Neigung nicht so ausführlich und differenziert auseinandersetzen wie es Männer tun – in meinen Augen ist das der Tatsache geschuldet, dass die Gesellschaft uns unsere Rollen nahelegt: Als Frau ist die devote BDSM-Neigung naheliegender, wird also weniger hinterfragt. Umgekehrt setzen sich Frauen meist mit der Dominanz anders auseinander als es Männer tun, denn Männer „haben einfach dominant zu sein“ – leider!
  • All diese Dinge rechtfertigen in keiner Form, dass auch häufig Männer von Missbrauch betroffen sind – nicht nur, aber leider häufig auch im BDSM-Bereich. Weder leugne ich diese Tatsache, noch halte ich sie für weniger wichtig. Im Gegenteil. Ich unterscheide in der Wichtigkeit, der Dringlichkeit oder dem Schweregrad nicht nach Geschlecht – Missbrauch ist Missbrauch. Männer haben hier zudem noch die Schwierigkeit, dass sie häufig noch weniger als Frauen die Möglichkeit sehen, im Anschluss darüber zu sprechen, weil sie oft noch weniger ernst genommen werden. Ich hasse diese Mechanismen zutiefst und gerade weil ich mittlerweile überwiegend auf der dominanten Seite unterwegs bin, setze ich mich auch aktiv für devote Männer in diesem Kontext ein. ABER:
  • Ich glaube, dass die Form des Einsatzes, die Art dessen, was getan werden muss, für beide Geschlechter unterschiedlich ist.
    Ich glaube, dass man bei Frauen früher anfangen muss, weil sie überwiegend jünger sind, wenn sie auf der devoten Seite einsteigen und BDSM kennenlernen wollen. Ich glaube, dass es wichtig ist, Frauen aufzuklären noch bevor sie sich auf die ersten Erfahrungen mit einem Online-Kontakt einlassen (deshalb auch das Buch, das ich geschrieben habe). Ich glaube, dass Aufklärung hier wichtig ist – aber dass zudem anerkannt werden muss, wie hoch die Dunkelziffer nicht angezeigter Missbrauchsfälle ist und vor allem, wie groß die Hürden sind, die Frauen auf sich nehmen müssen, wenn sie diesen Weg gehen. Hürden, die häufig damit zusammenhängen, dass es um BDSM geht – aber auch damit, dass sie Frauen sind.
    Hinzukommt die Tatsache, dass ich als Frau für Frauen anderes leisten kann als für Männer. Ich verstehe viele der Dinge, kenne vieles, was Frauen mir erzählen oder was ich höre, aus eigener Erfahrung und kann allein deshalb anders reagieren und vor allem einen anderen Safe Space schaffen, der häufig so nicht möglich wäre, wären Männer anwesend oder würden Männer miteinbezogen werden (was ich am deutlichsten an den Rückmeldungen der #FrauOenRunde sehe).
  • Bei devoten Männern ist die Stigmatisierung noch größer als bei devoten Frauen, denn devote Frauen sind für die Gesellschaft lediglich sexuell irgendwie komisch und teilweise abartig, aber sie bleiben in ihrer Rolle. Devote Männer hingegen gelten noch viel zu häufig als total kranke Typen, die sich heimlich von Dominas auspeitschen lassen. Das Stigma hier betrifft einerseits dominante Frauen (Latex-tragende Dominas, die für ihren Männerhass auch noch Geld bekommen) und andererseits devote Männer – devote Männer sind in dieser Konstellation zudem diejenigen, die der Gefahr des Missbrauchs ausgeliefert sind.
    Meiner Meinung aber muss hier einen Schritt früher begonnen werden als bei Frauen: Ich sehe den Bedarf noch immer in der Aufklärungsarbeit. Darin, der Gesellschaft beizubringen, dass BDSM nicht krank ist und dass vor allem devote Männer keine Seltenheit sind und in keiner Form krank sind, sondern absolut weit verbreitete sexuelle Neigungen haben.
    Deshalb bin ich zurzeit an dem Buchprojekt, in dem ich devote Männer zu Wort kommen lasse, arbeite mit ihnen zusammen und lasse sie ihre Geschichten erzählen, um da anzufangen, wo ich es für nötig halte: Bei der Akzeptanz.
    Was bringt es denn, wenn ich ein Crowdfunding für missbrauchte devote Männer einrichte, wenn es quasi keine Männer gibt, die auch nur darüber nachdenken, eine Anzeige zu erstatten – weil sie vor niemandem darüber sprechen wollen und können aus Angst, von allen und jedem verurteilt zu werden?
    Bevor dieser Schritt kommt, gilt es, aufzuklären. Den Weg zu ebnen, um auch Männern die Möglichkeit zu geben, öffentlich über ihre Neigung zu sprechen, ohne verurteilt zu werden.

Das, was ich hier mache, ist in meinen Augen sehr bewusst zugeschnitten auf beide Geschlechter und jeweilige sexuelle Neigungen, um möglichst viel zu bewirken. Die Tatsache, dass ich das alles so differenziert halte und einerseits Projekte für Männer wie auch für Frauen ins Leben gerufen habe und das weiterhin tun werde, sollte eigentlich zeigen, dass ich nicht nur nicht aufgrund des Geschlechts werte, sondern es mir dabei auch nicht gerade leicht mache.

All den Männern, die mir an dieser Stelle den Vorwurf machen, ich würde sie damit diskriminieren, kann ich nur sagen:

Wenn ihr glaubt, dass ich euch diskriminiere oder ihr der Meinung seid, dass das, was ich hier mache, so falsch und gemein euch gegenüber ist – wenn ihr wollt, dass auch für Männer solche Projekte ins Leben gerufen werden, weil sie unter Frauen so leiden und das niemand zu sehen scheint:

Weshalb wartet ihr dann darauf, dass eine Frau es macht? 

Ernsthaft, sollte einer von euch seine Zeit und Energie investieren wollen, um eine Männergruppe auf die Beine zu stellen (ähnlich meiner OenRunde) – ich kann euch gern erste Tipps für die Organisation geben.
Sollte einer von euch ein Crowdfunding einrichten und ein Netzwerk aufbauen wollen, um in seiner Freizeit Anlaufstelle für missbrauchte Männer zu sein – ich stehe euch gern helfend zur Seite.
Sollte einer von euch tatsächlich so gute Ideen haben und so viel besser wissen, wie man die Welt rettet – ich wäre dankbar, mir bei euch etwas abschauen zu dürfen.

Bis dahin bin ich den Männern dankbar, die sehen, was ich hier versuche.
Den Männern, die bereit sind, an meinem Buchprojekt mitzuwirken und mir Rede und Antwort stehen und die Zeit und Energie opfern, um mir dabei zu helfen, Männern zu helfen.

Den Männern – und überhaupt allen -, die erkennen, dass der einzige Weg zu einer besseren, aufgeklärten Welt nicht ist, auf das andere Geschlecht zu zeigen und sich zu beschweren, wie schlecht man von ihm behandelt wird – sondern anzuerkennen, dass beide Geschlechter ihre eigenen, individuellen Ansprüche haben und man sich gegenseitig helfen muss. 

 

8. Eine Frage

Würde man mich nun abschließend fragen, was die wichtigste Erkenntnis dieser Aktion war, dann ist die Antwort wohl so banal wie überraschend.
Es ist nicht die Tatsache, dass so viele Menschen hinter dem stehen, was ich mache. Auch nicht die Tatsache, wie viel Geld hier zusammenkam. Und tatsächlich auch nicht die Tatsache, dass ich viele stille Leser zu haben scheine, von denen ich zwar nichts mitbekomme, aber die doch sehr präsent sind.

Nein, es ist das Zusammenspiel all dieser Dinge, die Masse an Nachrichten und – traurigerweise – neuen Erfahrungsberichten aus diesem Bereich sowie die Tatsache, dass anscheinend immens viele Leser „still“ sind, bereit sich aktiv zu beteiligen, aber lieber nur im Stillen, weil die Stigmatisierung so groß ist – all das hat die entscheidende Erkenntnis geliefert:

Bestätigung.

Bestätigung, dass ich wohl doch auf dem richtigen und vor allem einem nötigen Weg zu sein scheine – egal, wie anstrengend es ist, ihn zu gehen.

 


 

Und so stehe ich dann wohl langsam wieder auf, bleibe noch kurz an meinen Stamm hier gelehnt und warte, bis das Zittern nachlässt. Um mich dann ein weiteres Mal aufzubäumen, weiterzumachen, einen Weg zu gehen, der noch nicht so leicht zu gehen ist, wie ich es gern hätte. Einen Schotterweg, der zum Stolpern einlädt, aber dafür zu einem noch schöneren Teil des Wunderlands führt – dessen bin ich sicher. 

Einem Teil des Wunderlands, in dem zwar nicht alles perfekt ist, aber in dem zumindest mehr Toleranz herrscht, mehr Gerechtigkeit, mehr Akzeptanz und mehr Verständnis. 

Und es ist mir eine Ehre, euch auf diesem Weg bei mir zu haben.
Mal sehen, wo wir noch landen werden. 

Ihr lest von mir. 

Eure Ophelia 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Ophelia, ich denke devote Männer werden die meistens keine Missbrauchs-opfer weil sie zu professionellen Dominas gehen. Dort laufen die Dinge ja generell etwas anders.
    Bitte achte darauf das die Rechnungen die Dein Anwalt Dir schreibt, irgendwie im Zusammenhang stehen mit Deinen Einnahmen. Sonst sieht das Finanzamt ganz schnell das eine als private Ausgabe und das andere als geschäftliche Einnahme. So das kein Gegenrechnen möglich ist.
    Ach ja, DANKE

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  2. well..well… gut gesprochen, Frau Kollegin. Des Geldes wegen habe ich eine Idee, die aber nicht hier ins Kommentarfeld gehört.
    Und zu allem anderen: Meine Haltung zu deinem Unterfangen kennst du 🙂

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  3. Danke für deine warmherzige und mutige Arbeit!

    Ich bin seit ein paar Wochen stille Leserin auf Twitter und seit zwei Jahren an BDSM Stammtischen unterwegs, fühle mich selbst aber relativ vanilla und irgendwie auch nicht. Stehe sehr am Anfang mit allem.

    Ich habe deine Seite und den Link für die Croundfunding Aktion mal bei meinen Stammtischlern rumgehen lassen um deine- unsere- weiter zu verbreiten. Vielleicht kennt sich ja noch jemand zum Thema Rechnungen, Finanzamt etc aus?

    Ich wünsche DIr alles Liebe und viel Kraft.
    (Waaaaay too cheesy, I know.. sorry )
    Kate

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