Ein Drahtseilakt

Oder: Von Zuckerbrot und Peitsche

Ein #FragFrauO-Beitrag über Zwischenmenschliches in BDSM-Konstellationen, Femdom und Online-Herrinnen 

Ich spare mir die Einleitung, ihr wisst ja mittlerweile wie es geht. Hier eine Frage, die mich kürzlich erreichte und aus der eine kurze Konversation wurde. Ich kopiere das Wesentliche hier rein und markiere die Kernfragen/Punkte, die ich weiter unten beantworte.

Anschließend noch ein paar allgemeine Worte meinerseits über die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Dominanz und die Auswirkungen von Angebot und Nachfrage in der BDSM-Szene.

 


Hallo Ophelia. Ich weiß, dass du viel zu tun hast, aber darf ich dich etwas fragen? Es geht um die Beziehung zu meiner Herrin. Sie ist meine erste Herrin und ich habe wenig Ahnung wie das alles so läuft. Deswegen wollte ich dich kurz Mal etwas fragen. Darf ich das tun?

Vielen vielen Dank! Sie ist eine Onlineherrin, wir kennen uns seit Mai und haben uns schon zwei Mal getroffen, einmal zum reden, einmal zum spielen. Sie wollte mich aber nicht anfassen, weil sie das nicht mag usw. Sie ist generell sehr sparsam mit „Gefühlen“ usw. Also sie sagt mir eigentlich nie, dass ich irgendwas gut gemacht habe oder dass ich ihre Aufgaben gut erledigt habe etc. Jetzt wollte ich Mal fragen, wie das so läuft in der Szene. Sagt ein Dom/Top seinem Sub/Sklaven auch Mal, wenn er was gut gemacht hat? Also bekommt man auch Mal ein Lob oder ein „gut gemacht“ oder darf man so etwas nicht erwarten, weil man nur zu dienen hat?

Ich habe ihr auch vor kurzen Mal gesagt, dass mir das nicht so passt, da hat sie irgendwie blöd reagiert und beachtet mich seitdem kaum noch und schreibt mir fast gar nicht mehr. Und ich bin eben verunsichert, ob ICH da was falsches erwarte oder ob das auch anders laufen kann. Und weil ich dich sehr sympathisch finde und ich denke, dass du Gefühl hast, wollte ich dich fragen wie das so ist. Den Ausschlag hat die Sache mit dem Kerl gegeben, mit dem du eine Session machst, damit er Mal sieht wie das laufen kann. Jemanden wie dich Mal zu treffen, ist auch so ein großer Wunsch und ich finde es wirklich super, dass du das für den Kerl machst! Das ist keine leichte Aufgabe!

[…] Und: wie laufen eure Sessions so ab,
also was macht ihr überhaupt so bei eurem Kontakt?

Das läuft bezahlt, ja. Aber nur […]€ pro Monat, also da ist echt ok! Sie ist Studentin und macht das “ nebenbei“ so wie viele wahrscheinlich 😉 Meisten gibt sie mir ganz coole Aufgaben und lässt sich dann erzählen wie es war. Bei der einen Livesession durftr ich Halterlose und mein Minikleid tragen und sie und ihre Freundin haben mich vor meine Fickmaschinr geschickt und haben den Regler bedient. Sie reist nie alleine, sondern nur mit Freundin. Ich musste/durfte also vor zwei Frauen knien. Was durchaus geil war, aber auch seltsam, weil, ich die andere ja nicht kannte usw. Wie gesagt, sie fasst mich nicht an, sie führt keinen Dildo selber, sie will meinen Schwanz nicht Mal sehen, sie schaute sogar weg als ich mich umgezogen habe.

[Zusätzliche Info: Das Ganze läuft bezahlt, also mit FI. Er ist Ende 30, sie Mitte 20. Es ist seine erste BDSM-Erfahrung. Studio-Besuche hat er sich auch schon überlegt, hat aber Berührungsängste und Hemmungen, weil es eben das erste Mal ist.]


 

Angebot und Nachfrage – Male und Fem-Dom

Ich würde jetzt gern „Mein lieber…“ schreiben, weiß aber, dass es etliche, wirklich etliche Männer da draußen gibt, an die dieser Beitrag im Grunde gerichtet ist.
Bevor ein paar von euch wieder mal auf die „Aber auch Frauen“-Barrikaden gehen: Selbstredend gelten viele der Dinge, die ich hier jetzt schreiben werde, für alle Geschlechter, so wie überhaupt vieles, was ich schreibe, für alle Geschlechter gilt – aber es gibt nun einmal Mechanismen, die für bestimmte Geschlechter ausschlaggebend sind. Es darf sich jeder angesprochen fühlen, der möchte und jede/r das aus diesem Beitrag mitnehmen, was ihm oder ihr etwas bringt. Aber männliche und weibliche Dominanz funktionieren nicht gleich und die Rahmenbedingungen sind nicht dieselben – beginnend bei Angebot und Nachfrage oder bei der beispielhaften Tatsache, dass es ein Meer an Online-/Geld-Herrinnen da draußen gibt im Gegensatz zu einer verschwindend geringen, wenn überhaupt vorhandenen Zahl an „Geld-Herren“. In meinen Augen ist es grundlegend, diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen wertfrei zu akzeptieren, damit man individuell auf sie eingehen kann – um am Ende alles ein wenig besser zu machen.

 

Die Schwierigkeit submissiver Männer

In meinen Augen ist es einfach ein Teufelskreis, die Sache mit der submissiven Neigung bei Männern.

Es können noch so viele Menschen behaupten, dass Männer heutzutage „auch mal weich sein“ sollen und dürfen – wirklich umgedacht haben wir noch nicht. Hollywood, Bücher, Musikbranche und die Gesellschaft sagen uns etwas anderes: Nämlich, dass Männer eben „Männer“ sein müssen.
Sich nach außen als devoter Mann zu outen, zuzugeben, dass man gern Stiefel leckt, in den Arsch gefickt wird oder Natursekt trinkt, ist für die absolute Mehrheit ein Nogo. Leider ist es in vielen Fällen sogar ein Nogo, das sich selbst gegenüber einzugestehen. Der nächste schwere Schritt sind Partnerinnen oder enge Freunde und erst danach kommt die breitere Öffentlichkeit – leider hätte die Mehrheit erst von diesem dritten Schritt etwas, denn erst, wenn die Öffentlichkeit sich mit dem Thema konfrontiert sieht, würde auch dem Rest klar werden, dass sie nicht allein sind, sondern im Gegenteil ein Teil einer überraschend großen Menge.

Stattdessen weichen submissive Männer aus und gehen den Weg der Anonymität: Das Internet. Anonymer Sklaven-Account und „Online-Domina“ in die Suchmaske eingeben – schon wird man fündig, ohne überhaupt das Haus verlassen zu müssen. Nun, so einfach ist es leider nicht. Nicht, weil es nicht funktioniert, sondern weil es… nicht funktioniert. Aber eins nach dem anderen:

Das Internet hat einige Vorteile, die unter anderem zu Aufklärung in diesem Bereich führen. Ich bin sicher, dass viele ihre BDSM-Neigung nur als solche anerkennen, weil sie im Internet mal irgendwo darauf gestoßen sind, was das überhaupt ist und dass es in keiner Form „krank“ ist. Die Schwierigkeit ist wie immer das Filtern der Informationen, also herauszufinden, was denn nun zutrifft, wahr ist, angemessen ist, usw. Gefährlich wird es eben dann, wenn man neu ist in einem Bereich und das Erstbeste, was einem vor die Füße läuft, als gegeben annimmt. Das gilt natürlich für alle Bereiche, aber da es hier um BDSM geht, wisst ihr sicher, worauf ich hinaus will:

Ich spreche von Frauen, die auf Online-Dating-Plattformen an einen Pseudo-Dom geraten, der ihnen erklärt, wie BDSM funktioniert und genauso eben auch von Männern, die bei irgendwelchen Geldherrinnen und Online-Dominas landen.

Für beide gilt:

Es ist nicht kategorisch zu verurteilen – es gibt Männer, die man online kennenlernen kann und die Frauen BDSM wirklich auf gesunde Art und Weise zeigen würden; es gibt auch Online-Dominas, die auf das Wohl ihrer Sklaven Rücksicht nehmen. Aber das ist nicht der Normalfall und meiner Erfahrung nach gerade im Internet auch nicht die Mehrheit. Deshalb gilt für alle:

Schaut euch die Menschen an, mit denen ihr zu tun habt und verinnerlicht bitte, dass BDSM keinen goldenen Regeln unterliegt – egal, wer das behauptet.

Am Ende muss es euch gut tun – auch dann, wenn es wehtut. 

 

Balance ist alles

Nochmal kurz allgemein und geschlechtsunabhängig:

BDSM ist eine Welt, in der es hauptsächlich um Schmerz geht. Darum, dass einer den anderen dominiert, erniedrigt und demütigt. Darum, dass einer leidet und der andere sich daran ergötzt.

Bullshit, das ist natürlich falsch und ich hoffe, die meisten von euch haben das noch während des Lesens geahnt. BDSM hat in erster Linie mit nichts davon zu tun, sondern (in meinen Augen) erst zweitrangig. Das, worum es bei BDSM vorrangig geht, ist Vertrauen, Fallenlassen und Kontrolle abgeben. Ob das nun bedeutet, sich fesseln zu lassen oder sich schlagen oder demütigen zu lassen, ist zweitrangig. BDSM geht auch ohne Schmerz. Es geht auch ohne Demütigung. Es geht auch ohne Fesseln. BDSM ist das, was jeder Einzelne von uns aus den jeweiligen Elementen macht. Es gibt keine Regeln, keine Gesetze und keine Richtlinien, außer vielleicht die übergeordneten, wie den SSC – safe, sane, consensual, den Szene-Codex. Und selbst der ist nicht in Stein gemeißelt und kann von eingespielten Paaren/Konstellationen gegen RACK oder Metakonsens eingetauscht werden. Es muss nicht immer jeder alles gut finden, was ein anderer macht – wichtig ist, dass es sich gut anfühlt, auch dann, wenn es sich scheiße anfühlt. Ihr wisst, was ich meine? Auch im heftigsten Schmerz, in der fiesesten Demütigung muss am Ende das Positive überwiegen. Wenn das nicht der Fall ist, ist es vielleicht schon Missbrauch, definitiv grenzüberschreitend und mindestens ungesund. 

BDSM ist für mich wie ein Tanz auf einem Drahtseil mit einer großen Waagschale in der Hand. Es kickt natürlich, weil man meistens nicht wirklich gesichert ist und die Höhe auch entsprechend steigern kann – BDSMler werden von Wissenschaftlern nicht umsonst häufig mit dem Persönlichkeitstyp „Sensation Seeker“ in Zusammenhang gebracht – also Menschen, die einen gewissen Rausch suchen (Reisen, Extremsport, ungewöhnliche Hobbys, usw.).
Die Waagschale ist einerseits das vermeintlich Negative – also Schmerz, Demütigung, usw. – und andererseits alles, was das ausgleicht – also Auffangen, Aftercare, Wertschätzung, Zuneigung, usw.
Allein die positiven Teile „anzuwenden“ hätte wohl nicht viel mit BDSM zu tun (dann wären wir wohl im Vanilla-Bereich, was völlig okay wäre, aber eben kein BDSM). Spannend ist: Allein die negativen Teile „anzuwenden“ hat in meinen Augen ebenso wenig mit BDSM zu tun (denn einen Menschen nur zu demütigen, nur zu quälen, nur zu dominieren, ohne Wertschätzung, ohne Auffangen, ohne Ausgleich ist weder BDSM, noch sonst eine Form von Sexualität oder überhaupt eine legitime Art von zwischenmenschlicher Beziehung).

BDSM ist es erst dann, wenn die Balance gehalten wird aus positiv und vermeintlich negativ. Wenn die Demütigung eigentlich Wertschätzung ist. Wenn der Schmerz eigentlich gut tut. Wenn die Kontrolle nicht genommen, sondern gegeben wird.

Balance ist das Stichwort und wer das Bild von dem Tänzer auf dem Drahtseil weiterhin vor Augen hat, der wird sich vielleicht denken können, dass Balance viele Gesichter hat: Der eine ist unruhig, zappelt viel, manchmal schwappt eine der Schalen über und er rudert mit den Armen. Der andere hingegen läuft stoisch und ausgeglichen über das Seil, mit geschlossenen Augen, geradezu meditativ, die Schalen immer auf gleicher Höhe. Beide bleiben auf dem Seil, ohne zu stürzen. Beide kommen am Ziel an. Beide balancieren.

Beide erleben den Rausch, das Adrenalin, den Kick der Höhe – aber beide wissen um die Waagschale und die Verantwortung, die mit ihr einhergeht. Ein paar Tropfen verlieren, ist okay – aber wer eine Seite vernachlässigt, fällt.

So einfach ist das.

 

Die Sache mit dem Zuckerbrot

Dominanz hat viele Gesichter. Jede/r Dom hat seinen/ihren Stil und meiner Erfahrung nach ist das meistens ziemlich individuell und entwickelt sich mit der Zeit – zumindest war es bei mir so. Zudem will jede/r Sub etwas anderes, reagiert auf eine andere Art der Dominanz. Soweit so gut. Hier kommt der Punkt, an dem ich nach Geschlechtern trenne:

Weibliche und männliche Dominanz ähneln sich genauso wenig wie weibliche und männliche Submission.
Achtung: Ich spreche hier definitiv nur von Tendenzen. Es gibt auch Subs/Doms, die hier völlig aus der Reihe tanzen und nonbinäre Menschen, die sich nirgends oder überall wiederfinden. Dennoch gibt es meiner Meinung nach eine durchschnittliche Tendenz, die eine Mehrheit betrifft, weshalb ich es wichtig finde, sie zu kommunizieren und auf Gefahren und Risiken aufmerksam zu machen, die einfach sehr häufig relevant sind.

D/S-Beziehungen zwischen maleDom und femSub funktionieren grundlegend anders als jene zwischen femDom und maleSub. Meiner Erfahrung nach geht es im Femdom-Bereich viel um Dienen und Anbetung. Sehr viele Männer sehen den Kern ihrer Submission darin, vor einer Frau knien zu dürfen (Betonung auf „dürfen“) – wörtlich und metaphorisch. Eine Frau anzubeten, ihr zu dienen, zur Verfügung zu stehen und sie glücklich zu machen – und sich dann noch dafür zu bedanken, all diese Dinge tun zu dürfen. Viele male Subs empfinden es als eine Ehre, einer Frau dienen zu dürfen. Ob das an Angebot und Nachfrage liegt oder ob dahinter ein psychologischer Mechanismus liegt, kann ich nicht beurteilen. Aber ich habe noch nie eine maleDom-Beziehung gesehen, bei der die Frau in diesem Ausmaß darum gebeten hat, ihrem Dom zu Füßen zu liegen und nur das zu tun, was ihn glücklich macht, ihm Geschenke kauft, ihn massiert, ihn einlädt, ausführt, ihm die Wohnung putzt oder ihm (teilweise auch nicht-sexuelle) Dienste erweist und sich am Ende noch dafür bedankt, das alles tun zu dürfen. Femdom-Beziehungen sieht man in dieser Form hingegen recht häufig.

Es ist so eine Sache mit der Wertschätzung, der Anerkennung – dem Zuckerbrot.

Ich glaube, dass Angebot und Nachfrage hier durchaus eine Rolle spielen. Fakt ist, dass es wenige dominante Frauen gibt im Verhältnis zu submissiven Männern. Fakt ist, dass die Mehrheit der Männer nach außen behauptet, sie seien dominant, so wie umgekehrt die meisten Frauen auf der devoten Seite einsteigen. Fakt ist aber auch, dass es allgemein weniger Frauen gibt, die BDSM offen leben oder beispielsweise auf Events gehen oder sonst wie aktiv sind – diese Tatsache bestimmt ja beispielsweise auch Eintrittspreise auf Events (in Swingerclubs oder auf ausgewählten Events sind Preise von 5 – 20 Euro als Frau und 60 – 120 Euro als Mann keine Seltenheit) oder die Handhabung auf Online-Portalen wie Joyclub (Männer müssen Beiträge zahlen, Frauen nicht. Das führt by the way häufig dazu, dass auf bestimmten Events nur Männer sind, die gut situiert sind. Ein Grund, weshalb ich Events mit großer Kluft im Eintrittspreis meide: Ich kann mit der Mehrheit dieser Männer nicht, weil es zu oft nur um Status und Oberflächlichkeiten geht, während beispielsweise Musiker, Künstler, Handwerker oder einfach nur Männer, die nicht karriereorientiert sind und nicht so viel Geld verdienen, nicht anzutreffen sind).
Geht man also von einem grundsätzlichen Herrenüberschuss aus, liegt es in der Natur der Sache, dass sich Männer irgendwie… mehr Mühe geben müssen. Wenn zehn Männer auf eine Frau kommen, hat die Frau nun einmal den Luxus zu wählen und die Männer stehen automatisch in Konkurrenz und müssen sich profilieren.

Von Top zu Bottom

In Maledom-Konstellationen führt das dazu, dass gerade viele Pseudodoms irgendwann entdecken, dass sie mit einer gewissen Strategie eben doch weiterkommen:
Wenn sie sich beispielsweise auf junge, unerfahrene oder instabile Frauen konzentrieren, auf Frauen, die leichter zu beeinflussen sind oder die sich zu wenig auskennen, um inhaltlich etwas dagegen halten zu können. Zudem gibt es viele, die sich mit „langjähriger Erfahrung“ und Erzählungen von extremen Praktiken schmücken, die ihr Gegenüber beeindrucken oder einschüchtern, dafür sorgen, dass man sich selbst klein fühlt oder „ihm nicht gewachsen“.
Parallel dazu wird aber erstmal nicht gedemütigt, sondern Honig ums Maul geschmiert – in anderen Worten, es wird manipuliert:

– „du bist ein Naturtalent“
– „ich hab noch nie eine Frau gesehen, die so früh schon zu so vielem bereit war“
– „du hältst mehr aus als die meisten anderen“
– „du bist etwas Besonderes“

Das Traurige ist, dass solche Manipulationsstrategien häufig funktionieren. Man muss kein Psychologe sein, um zu wissen, dass Selbstwert ein Thema ist, mit dem sehr viele Menschen heutzutage zu kämpfen haben und dass es jedem Menschen (meinem Empfinden nach Frauen noch mehr) wichtig ist zu hören, dass er bzw. sie etwas Besonderes ist. Schöner, klüger, besser, mutiger, stärker als alle anderen, die ihm jemals begegnet sind. Es ist das uralte, toxische Hollywood-Märchen der Frau, die den ungezähmten, wilden Alpha domestiziert, weil sie so „besonders“ ist, so viel besser als alle Frauen, die er bisher hatte. Er konnte sich nie auf eine Frau einlassen, Nähe zulassen, bis er sie kennengelernt hat und dann wollte er sesshaft werden. Als Frau etwas Besonderes zu sein, wird uns als das höchste Ziel verkauft. Seid rein, spart euren Sex auf, schlaft bloß nicht mit zu vielen Männern, dann seid ihr ja nichts „Besonderes“ mehr und dann heiratet euch auch keiner – ich möchte kotzen.

Männer, die dieses Prinzip verstanden haben, entwickeln jedenfalls Strategien oder schauen sich bei PUA ein paar Basics ab. Wenn man(n) dann auch noch einigermaßen attraktiv ist und ein paar Bilder von Gerten aufs Profil stellt, um den Eindruck zu erwecken, man sei Christian Greys Bruder, hat man recht gute Chancen – zumindest bei denen, die es nicht besser wissen können (deshalb meine Aufklärungsarbeit gerade für Frauen).

Das grob überschlagene Fazit:

Maledoms müssen sich zwar Mühe geben, weil genereller Herrenüberschuss herrscht und weil die meisten Frauen eben doch wählerischer sind als dass sie auf ein ungefragtes Dickpic reagieren würden. ABER: Wer sich ein paar toxische Strategien zu eigen macht und sich am besten noch an Anfängerinnen wendet, die es nicht besser wissen können, der hat gute Chancen, BDSM für das Ausleben der eigenen Machtfantasien zu missbrauchen und damit durchzukommen, solange er nicht völlig über die Stränge schlägt.

Nein, meine Lieben, das hier ist nicht die Beschreibung eines Einzelfalls – meiner Erfahrung nach steigt ein großer, großer Teil aller Frauen mit negativen Erfahrungen, die zumindest in diese Richtung gehen, in die Szene ein.

 

Von Bottom zu Top

Wenn wir davon ausgehen, dass bei Herrenüberschuss die Herren sich (egal, mit welcher Neigung) mehr Mühe geben müssen, können wir uns im Grunde denken, welche Auswirkungen das auf den Femdom-Bereich hat.

Hier geht es, meiner Erfahrung und meinen Eindrücken nach, ohnehin mehr um „Anbeten und Dienen“ – auch wenn sich natürlich die Frage stellt, ob das Ursache oder Wirkung ist, wobei die Antwort wohl nichts ändern würde. Jedenfalls wird von männlichen Subs ohnehin irgendwie „erwartet“, dass sie eine Femdom anbeten, gern knien, keine Ansprüche stellen, zufrieden sind mit dem, was sie bekommen – immerhin können sie froh sein, wenn sich überhaupt eine Frau mit ihnen beschäftigt.

Genau hier liegt das Problem.

Während submissive Frauen die Schwierigkeit haben, dass sie zwar die Kontrolle abgeben möchten, was per se irgendwie verletzlicher macht (weil wir ja nicht schon verletzlich genug sind), haben wir dafür zumindest den „Vorteil“, dass wir uns weiter umsehen können, wenn wir einen Trittbrettfahrer erkannt haben, weil die Auswahl doch relativ groß ist (dass die Zahl der authentisch dominanten Männer verschwindend gering ist, lasse ich einfach mal außen vor; das ist wieder ein anderes Problem…).

Submissive Männer hingegen haben dieselbe Schwierigkeit – nämlich die, dass sie schnell ausgenutzt werden/missbraucht werden -, häufig nicht einmal unterschwellig, sondern sehr offensichtlich, immerhin „geht es ja darum, dass du mich anbetest!“.
Noch dazu, wenn sie sich unwohl fühlen, ist die Hemmung aber deutlich größer, eine Bindung abzubrechen, weil es so schwierig ist, überhaupt jemanden zu finden und obendrein können sie häufig nicht wirklich offen darüber reden, wenn etwas schief geht, weil sie stigmatisiert sind ohne Ende.

 

Online-Dominas und Geld-Herrinnen

Früher war ich ein ziemlicher Findom-Gegner – mittlerweile bin ich da toleranter geworden, weil ich gelernt habe, dass es hier auch Formen gibt, die mit „ausnutzen“ und „Zahlschwein“ nichts zu tun haben. Dennoch halte ich das Thema selbst für ziemlich gefährlich und mit Vorsicht zu genießen. Unbedachtes Surfen nach Online-Dominas führt schnell zu reinen Geldherrinnen und damit Frauen, die ihr Geld im Grunde nur dadurch „verdienen“, sich von Männern welches schicken zu lassen. Ich habe mich mittlerweile mit vielen Menschen auseinandergesetzt, die damit Erfahrungen haben und meine Meinung dazu ist mehr als kritisch: Das Zwischenmenschliche bleibt meist auf der Strecke, Geld steht im Vordergrund, meistens ohne Gegenleistung und die Kommunikation basiert auf Forderungen und unpersönlicher Demütigung. Für mich hat das nicht viel mit BDSM zu tun, wenn überhaupt.

Eine weniger extreme Variante sind Online-Dominas, die Erziehungen anbieten für Männer, die sich nicht trauen (oder weshalb auch immer) das Haus zu verlassen. Online-Erziehung ist ebenfalls ambivalent zu betrachten, wie ich finde. Es kann gute Gründe haben, darauf zurückzugreifen und es kann auch funktionieren. Für mich persönlich, in der passiven Rolle, wäre es nichts – ich brauche Körperkontakt. Wer darauf aber verzichten kann, für den gibt es da durchaus Varianten. Das Problem ist: Immer häufiger erkennen „fachfremde“ Frauen, dass die Nachfrage enorm hoch ist und dass Männer häufig bereit sind, horrende Summen zu zahlen, um einmal die Woche ein „Wichs deinen Schwanz jetzt drei Mal, ohne zu kommen“ geschickt zu bekommen. Ich finde das grenzwertig. Klar, die Männer müssen das grundlegend selbst wissen und hier wird niemand gezwungen. Aber es gibt schon sehr viele Frauen, die mit BDSM nichts anfangen können, den körperlichen Aspekt davon sogar eher negativ sehen, aber eine Verdienstmöglichkeit erkennen, ohne Ahnung vom Fach zu haben und damit die stigmatisierte Neigung dieser Männer ausnutzen.

Und ja, die Geschichten von übergriffigen Dominas, die nicht auf Safewords achten, gibt es zuhauf, leider. Ich kenne sehr viele großartige Sexworkerinnen in diesem Bereich, denen ich jeden Mann sofort anvertrauen würde. Aber schwarze Schafe gibt es eben überall.

Ergänzend muss ich wohl hinzufügen: Auch unabhängig von Geld-Herrinnen und den schwarzen Schafen unter den Online-Femdoms gibt es Frauen, die BDSM in meinen Augen falsch handhaben. Die es ausnutzen, dass Männer häufig keine Wahl haben. Dass die Auswahl gering ist und nicht jeder zum Zug kommt. Frauen, die mehrere Sklaven „halten“, ohne ihnen Privilegien einzuräumen, die sich die Wohnung putzen lassen, ohne jemals danke zu sagen, die sich Geschenke machen lassen, quälen und nach eigenem Ermessen mit Männern spielen und sobald ein Ton des Anspruchs kommt, sie als „Wunschzettelsubs“ abtun. Frauen, die BDSM ähnlich missbrauchen zum Ausleben der eigenen Machtfantasien, wie es viele Pseudo-Male-Doms tun. Das Schlimme hierbei ist, dass Männer durch die Stigmatisierung häufig noch weniger im Reinen mit ihrer Neigung sind als submissive Frauen und dass sie häufig als Einsteiger noch weniger Ahnung haben, weil sie sich noch mehr schämen, darüber zu sprechen und Kontakte zu suchen. Und weil ihnen obendrein eingeredet wird, dass man gerade als männlicher Sklave für jede Form der Aufmerksamkeit dankbar sein muss, auch wenn sie ausschließlich negativ ist.

 

Und wie geht denn jetzt Femdom wirklich?

Diese Frage kann ich euch nicht beantworten.
Jeder findet seinen eigenen BDSM, so wie ich es anfangs bereits schrieb. Wenn ihr aber meine Meinung hören wollt oder wissen möchtet, wie ICH Femdom lebe, dann kann ich zumindest so viel sagen:

Es stimmt, ich habe als – noch dazu relativ junge, dennoch erfahrene, verhältnismäßig attraktive und intelligente – Frau ein ziemliches Privileg. So viel Mist ich in der Zeit meines Einstiegs als Sub erlebt habe, so viel Luxus kann ich mir nun erlauben. Luxus im Sinne von Leichtigkeit, zumindest empfinde ich das so. Ich habe das Privileg, dass ich eine recht große Auswahl habe und ich mir Ansprüche leisten kann. Ich habe das Privileg, dass das vielen Männern bewusst ist und sie keinerlei Ansprüche auf Exklusivität stellen, sondern mehr als zufrieden sind, einen Platz unter mehreren zu haben. Ich habe das Privileg, dass Männer Dinge zu schätzen wissen, mit denen ich früher auf Ablehnung gestoßen bin und dass ich einfach völlig ich selbst sein kann, weil sich irgendwie immer jemand findet, der auf dasselbe steht wie ich. Und noch dazu, als wäre das nicht bereits eine herausragende Position, bedanken sich Männer für im Grunde alles, was ich ihnen gebe. All das führt zu einer Form der Leichtigkeit: ich bin wie ich gerade sein will, mit all meinen Launen, heute hart, morgen weich, heute will ich meine Ruhe, morgen möchte ich drei auf einmal. Und ich bekomme es meistens.

Das klingt sehr arrogant, nicht wahr?

Kann sein, aber es ist ehrlich. Und das eigentliche, weit größere Problem an dieser Sache, ist Folgendes: Es ist gefährlich.

So viel Macht zu haben, selten auf Ablehnung oder Kritik zu stoßen und all diese Privilegien zu genießen, verführt. Macht verführt den Menschen, das gehört zu ihrer Natur. Sie verändert einen, wenn man nicht wirklich aufmerksam ist. Sie verleitet einen dazu, Dinge zu tun, die grenzwertig sind, weil man weiß, man trägt keine Konsequenzen. Die Konsequenzen tragen andere.

Dominante Männer müssen investieren, um eine Frau zu finden. Viele wissen durchaus, wie es geht – aber die Initiative geht vom Mann aus. Umgekehrt ist es anders. Der Wechsel findet nicht zwischen den Geschlechtern statt, sondern zwischen der Rolle. Der submissive Mann ist weiterhin derjenige, der die Initiative ergreift, der sich Mühe geben muss, der investieren muss, der Frauen anschreibt – die dominante Frau empfängt. Weiter nichts.

Der dominante Mann muss sich seine Macht (auch wenn er sie am Ende missbraucht) für gewöhnlich erarbeiten – mir wird sie in den Schoß gelegt.

Und das, meine Lieben, ist gefährlich, weil es dazu verführt, unaufmerksam zu werden. Es ist ein bequemer Sessel, auf dem man sitzt und wenn es zu bequem wird, verliert man den Blick für anderes. Für Details. Für das Gegenüber.

Wie kann das also funktionieren?

Nun, nichts liegt mir ferner als mich hier als „perfekt“ darzustellen. Ich bin keine „Vorzeige“-Irgendwas, ich habe keine 15 Jahre Erfahrung, ich lerne noch immer dazu und ich weiß de facto, dass ich regelmäßig Fehler mache. Aber ich weiß, dass ich eine Sache besitze, die hier grundlegend ist: Empathie.
Und das Spannende ist: Ich hatte ganze Jahre in meinem Leben, in denen ich mir nichts mehr wünschte, als diese übertriebene Empathie, die ich besitze, abstellen zu können. Ich weiß, unter anderem aus meiner Therapie, dass diese Empathie bei mir tendenziell immer eher zu weit geht und dass ich immer eher aktiv etwas dafür tun muss, Grenzen nach außen zu ziehen, um mir nicht immer alles nahe gehen zu lassen, mich nicht ständig mit Stimmungen und Problemen anderer zu belasten, nicht immer alles mitzufühlen.

Seit ich BDSM auf der dominanten Seite entdecke, entdecke ich diese Empathie neu. Freunde mich neu mit ihr an, verfluche ich sie auf neuen Ebenen. Ich kann sehr hart spielen, kann meinen dunklen Sadismus ausleben – aber fuck, hat es lange gedauert, bis es mir möglich war, nicht mehr alles mitzufühlen, nicht mehr abzubrechen, weil mein Gegenüber mir leid tat – trotz meiner eigenen und seiner Erregung. Bis ich jemandem glaubte, wenn er um mehr bettelte, mich anflehte, nicht immer nachsichtig, nicht immer empathisch zu sein.
Als ich lernte, meine Empathie „auszuhalten“ und stattdessen rein mit dem Verstand zu betrachten, was geschieht, begann ich zu genießen – und mein Gegenüber begann zu fliegen.

Ich fühle mit, ich merke Stimmungen, ich fange auf – aber mein Verstand, der nüchtern die reine Erregung am Gegenüber und häufig auch an mir selbst erkennt, schaltet sich ein und erlaubt mir, nicht nach der Empathie zu handeln, sondern BDSM als das zu sehen, was es ist: Ein geregelter Regelbruch. Die Erlaubnis des Verbotenen.

In meinen Augen (und ich kann hier nur sehr subjektiv sprechen) ist der alles, wirklich alles entscheidende Unterschied zwischen potentiell gesunder und ungesunder Dominanz herunterzubrechen auf eine einzige Eigenschaft:

Empathie.

Ich spreche im folgenden eher für den Femdom-Bereich, obwohl das selbstredend (und jeder, der meine Arbeit kennt, weiß meine Haltung dazu) für jegliche Konstellationen gilt. Problematischer sehe ich exakt dieses „Zuckerbrot“-Thema dennoch bei submissiven Männern, denn: Frauen, die sich in der Unterwerfung schlecht behandelt fühlen, stoßen  spätestens im Kontakt nach außen früher oder später auf den Hinweis, dass das ein Nogo ist – während ich schon mit Männern gesprochen habe, die jahrelang in dem Glauben blieben, dass die Femdom-Szene „eben so funktioniert“ – womit ich wieder auf die Ausgangsnachricht zurückkommen will:

Sagt ein Dom/Top seinem Sub/Sklaven auch Mal, wenn er was gut gemacht hat? Also bekommt man auch Mal ein Lob oder ein „gut gemacht“ oder darf man so etwas nicht erwarten, weil man nur zu dienen hat?

Allein bei der Frage, die ich nicht zum ersten Mal höre, werde ich diese Welt so leid, dass ich mich zusammenreißen muss und mir laut sagen, dass ich sie eigentlich liebe, auch dann, wenn ich sie verabscheue. Klar kann jeder BDSM leben, wie er mag – aber wie sich die Haltung etablieren konnte, dass Männer kein Lob erwarten dürfen und für alles nur dankbar sein müssen, erschließt sich mir nicht.
Ich persönlich habe lang gebraucht, um meinem Sadismus Raum zu geben.
Um tatsächlich nicht ständig zu loben, nach Wünschen zu fragen und zu ermutigen.
Um tatsächlich zu begreifen, dass submissive Männer nicht flunkern, wenn sie sagen, dass es zwar ein paar Tabus gibt, aber dass alles andere einfach von mir entschieden werden darf und dass ich einfach machen soll, worauf ich Lust habe.
Ich habe sehr lang gebraucht, meine Empathie auszuhalten und nicht immer nur darauf zu achten, was mein Gegenüber will. Weibliche Dominanz funktioniert in den meisten Fällen nicht, wenn ich als Frau nur mache, was mein Gegenüber möchte. Meiner Erfahrung nach zieht der absolute Großteil der male Subs ihre Erregung aus meiner Erregung, aus meiner Lust, aus meinem Spaß. Das zu begreifen, was mir zu Beginn höchst egoistisch vorkam, wo ich doch immer auf den Spaß und das Wohlbefinden meines Gegenübers erpicht war, hat meine Dominanz, meinen BDSM völlig verändert. Zu begreifen, dass es möglich ist, egoistisch zu sein und genau damit automatisch das zu tun, was dem Gegenüber gefällt, war für mich bahnbrechend.

Und eben diese Erkenntnis auch umzusetzen, war für mich mit Arbeit verbunden, mit viel Reflexion. Ich kenne auch andere Frauen, die sich zuerst eher überwinden müssen, um sich dahingehend einfach treiben zu lassen. Liegt es daran, dass Frauen generell darauf getrimmt sind, sich zu kümmern? Auf die Bedürfnisse ihrer Umwelt zu achten statt auf ihre eigenen? Das Muttertier zu spielen, das Nester baut, in denen andere sich wohl fühlen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es solche Frauen wie mich gibt – die, die von ihrer eigenen Empathie gebremst werden und für die der Sadismus eher ein Privileg ist, das sie sich erarbeiten müssen.

Und ich weiß, dass es Frauen gibt, die (in diesem Bereich) den Sadismus als gegeben betrachten, Männer als Selbstverständlichkeit sehen und die umgekehrt eher arbeiten müssten, um Empathie zu entwickeln. Und diese Frauen sind toxisch und fatal für die Femdom/BDSM-Szene, weil sie das Klischee der Männerhasserin aufrecht erhalten, weil sie Männer bestärken in ihrer Annahme, dass sie ohnehin für alles dankbar sein müssen und kein Lob erwarten sollen.

Und weil sie am Ende verbrannte Erde hinterlassen.

 

Fazit?

Ich weiß nicht, ob es bei einem solchen Text – einem Text über BDSM – ein Fazit geben kann. Antworten, die ich gebe, sind subjektiv. Ein goldenes Buch gibt es nicht. Ich kann euch erzählen, wie ich BDSM lebe und was ich für gesund und angebracht halte und was ich fragwürdig finde. Was ihr dann am Ende macht, bleibt allein euch überlassen.

Ich hatte auch schon Männer, deren D/S-Beziehung ich wirklich schlimm fand. Wirklich, wirklich schlimm und toxisch und übergriffig und… falsch. Mit denen ich gesprochen habe und zu denen ich ehrlich war und ja, die mir auch ihr Leid geklagt haben. Denen es nicht gut dabei ging, die unzufrieden waren. Aber die dann allen Ernstes ganz bewusst die Entscheidung „lieber das als gar nichts“ getroffen haben.

Ich will mir dazu kein Urteil anmaßen, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie schlimm es ist, seine eigene Neigung wirklich nirgends ausleben zu können, niemanden zu finden, sich auch keine Studio-Besuche leisten zu können und einfach… verzichten zu müssen auf diesen elementaren Teil des eigenen Selbst. Kommt man dann wirklich irgendwann an den Punkt, an dem alles besser ist als nichts? An dem das Schlechte besser ist als das Nicht-Vorhandene?

Ich weiß es nicht.

Was ich oder wir alle tun können?

Nun, ich denke, wir können darüber sprechen, dass nichts es rechtfertigt, sich schlecht behandeln zu lassen. Dass jeder, Geschlecht und Neigung egal, ein Recht darauf hat, gut behandelt zu werden, auch dann, wenn er schlecht behandelt werden möchte. Dank und Lob und Wertschätzung können nicht an einer Liste abgearbeitet werden. Es gibt Dankbarkeit, die sich nicht einmal durch das Wort „Danke“ zeigt, sondern durch andere Dinge. Auf welche Weise Wertschätzung ausgedrückt wird, ist völlig individuell und in welchem Maß ebenfalls – manche brauchen mehr als andere, manchen fällt es schwerer sie auszudrücken als anderen.

Meine wichtigste, tiefste Erkenntnis, die ich hier lernen durfte, war diese:

Das Gefühl, wirklich, authentisch und aufrichtig das tun zu dürfen, was ich in diesem Augenblick tun möchte, mich auszuleben, mein Gegenüber zu benutzen, mit ihm zu spielen, meinen Sadismus ausleben zu dürfen, es zu quälen und es zum Objekt meiner Lust machen zu dürfen und dafür nicht als egoistisch zu gelten, sondern stattdessen auch noch ein „Danke“ zu hören… das ist ein derartig befreiendes, berauschendes, erleichterndes, unbeschreibliches Gefühl, dass ich gerade diesem Gegenüber so dankbar bin, ihn so zu schätzen weiß, dass ich ihn vor allem Schlechten auf der Welt schützen möchte, während ich mit dem Rohstock zuschlage.

Und dann passiert es, dieses… BDSM.

Dann, wenn du in der einen Hand das Gewicht der Wertschätzung spürst, während die andere Hand sich in lustvollem Sadismus nach unten neigt.
Dann, wenn du die Waagschale in deinen Händen betrachtest, während der Wind dir um die Ohren pfeift.

 

Dann, wenn du auf dem Drahtseil über dem Abgrund tanzt
– ausgeglichen und von deiner eigenen Balance getragen.

 

3 Kommentare

  1. Ich arbeite (auch) als Online-Domina, um genau zu sein arbeite ich bei einem bezahlten Erotik-Chat. Insbesondere die Männer, die eine Online-Domina suchen, sprühen nur so vor Aggressionen, vor unverhohlenem Frust gegenüber Frau und „bedienen“ sich in diesen Chats herausstechend unhöflich an den angebotenen Leistungen…
    es ist eben nicht nur „you get what you pay for“ – in diesem Fall ist es viel mehr „wie es in den Wald hinein ruft…“ und letztlich bekommen grade diese Männer nur das Standard-Programm.
    Empathie lasse ich nur zu wenn da auch ein Mindestmaß an Sympathie vorhanden ist und das ist oftmals schlichtweg nicht möglich beim Auftreten der Männer.
    Ich nehme an – aber das ist nur eine Theorie – dass sie schon so lange ihre höchsteigenen Fantasien hegen und pflegen, dass ihr absolut egoistisches Verhalten sie mehr oder weniger untauglich für ein Konstrukt macht, in dem zwei Menschen auf ihre Kosten kommen… aber mein Job ist nicht, ihnen das zu sagen, meiner ist, ihre Fantasien noch zu verstärken.

    Liken

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s